Bitch oder Witch? Bayonetta im Test

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Bayonetta

Eines der schrillsten Spiele des Jahres wird überraschend zum vorgezogenen Weihnachtsgeschenk: Sega weicht in Deutschland vom ursprünglichen Veröffentlichungstermin im Januar ab und bringt Bayonetta schon jetzt heraus. Wirklich herumgesprochen hat es sich scheinbar noch nicht: Amazon listet das Spiel noch immer für den Januar, meinereiner hat es sich bereits im Fachhandel geschnappt.

Doch warum dieses „Oh mein Gott, ich brauche es sofort!!!“? Ist das Spiel wirklich so gut? Und worum geht es eigentlich?

Erstmal gleich im voraus: Wer mit total durchgeknallten, japanischen Spiele-Ideen nichts anfangen kann, wer bei grellen Lichtern im Millisekunden-Takt mit akuter Hornhautentzündung zu kämpfen hat und wer generell eher der gemächliche Spieler-Typ ist, der kann sich den Ausflug in die Welt von Bayonetta sparen.  Hier wird mit Spezial-Effekten und schrillen Story-Einfällen beileibe nicht gegeizt – was Ende August 2001 mit Devil may cry (Capcom) begann, findet nun seinen neuen Erben.

sexy bayonetta

Bayonetta ist vom Typ her ein feuchter Schuljungen-Traum und tendiert in Richtung „strenge Lehrerin“. Im Spiel verkörpert die vollbusige Dame mit dem Knackarsch eine Hexe, die von einer schweren Erinnerungs-Migräne geplagt wird und im Lauf der langen und exzellent dargestellten Story auf der Suche nach eben diesen Erinnerungen ist.

Nebenbei legt sich Bayonetta gerne mit Engeln an – die himmlischen Heerscharen erscheinen in Form von fies mutierten und grell weiß erleuchteten Figuren und Mutationen. Die Waffen im Kampf gegen die Engel sind vielfältig: Das Abenteuer startet mit zwei Knarren in den Händen und zwei Schießeisen in den Stilettos von Bayonetta. Richtig gelesen: Auch aus dem Schuhwerk wird scharf geschossen.

Größter Clou der Hexe sind jedoch ihre langen, schwarzen Haare: Die Keratinhaltigen Hornfäden entwickeln im Spiel ein unheimliches Eigenleben und verwandeln sich bei Boss-Gegnern gerne mal in einen riesigen Dämon, welcher den Boss stilecht zerfleischt. Oder in eine riesige Faust, welche die Gegner quer durch das Level schleudert.  Überhaupt geht Bayonetta nicht zimperlich mit ihren himmlischen Gegnern um. Der Spieler erfährt schnell: Auch Engel können bluten! Und wenn Bayonetta die Guillotine, die Eiserne Jungfrau oder das Fallbeil auspackt, bleibt keine weiße Feder auf der anderen.

Dazu kommen Verwandlungen (zum Beispiel in einen Panther!) und diverse Relikte, welche für viel Geld über den Thresen des als Bar getarnten „Gates of Hell“-Waffenlagers gehen. Hier ersteht man auch diverse Waffen, welche im Spielverlauf freigeschaltet werden: Zwei Schrotflinten, ein Katana, Peitsche und Co. wandern nach und nach in das Inventar der schlagfertigen Hexe. In Kombination mit einer Tritt und einer Schlagtaste entwickeln sich so dermaßen viele Kombos, dass man als Laie schnell die Übersicht verliert. Gewitzter Einfall: Während der Ladezeiten kann man die diversen Kombinationen live austesten.

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Gigantische Endgegner am Fließband: Feuchte Hände sind hier vorprogrammiert.

Womit wir gleich zum wichtigsten Grund kommen, warum Bayonetta in vielerlei Hinsicht besser ist, als viele Action-Spiele der heutigen Zeit: Der Schwierigkeitsgrad ist nichts für Warmduscher! Wer nicht im Sekundenbruchteil ausweichen kann und die diversen Kombos blind beherrscht, der sieht in den späteren Level schon bald kein Land mehr. Im Kampf gegen blitzschnelle Gegner und gigantische Endgegner müssen Taktiken zuerst erprobt werden – dies bedeutet zwangsläufig an einigen Stellen das Game Over. Dabei ist das Spiel jedoch nie unfair – eigene Versäumnisse sind stets der Grund für das virtuelle Scheitern.

Stichwort „Ausweichen“: Wer im richtigen Zeitpunkt zur Seite springt, der aktiviert die „Witch Time„. Für kurze Zeit färbt sich der Bildschirm lila und die Gegner werden deutlich langsamer – die Chance für schnelle Konter und harte Finalschläge. Wer seinen Lebensbalken während des Kampfes aufpolieren will, greift zum Lolly: Bayonetta steht ganz besonders auf grüne Heil-Lollys, welche ihre Lebensgeister zurückbringen.

Wer wirklich nicht mehr weiter weiß, stellt den Schwierigkeitsgrad auf „Easy“ und genießt das Spiel im Schnelldurchlauf – leider wird das Gameplay dadurch jedoch witzlos und weicht vom wesentlichen Kern ab. Archiement-Jäger kommen um die „Hard-Modi“ sowieso nicht umher.

Ebenfalls eine Klasse für sich ist der Soundtrack:  Zwischen opulenten Kirchenchorälen, entspannt-süffigem Blues und fluffigem J-Pop macht sich die heiße Action gleich doppelt so prächtig. Grafisch zeigt sich das Spiel ebenfalls von der besten Seite – im Gegensatz zur Xbox 360 Version müssen PS3-Besitzer leider mit einigen Unschönheiten wie Rucklern und Tearing leben. Dies wirkt sich jedoch nicht wirklich negativ auf die grandios gestalteten Kulissen und das geniale Engel-Design aus – hier waren wahre Meister am Werk.

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Ausweichen und mit Kombos kontern - das Kampfsystem reagiert jederzeit präzise.

Zusammengefasst: Unzählige Kombos, Verwandlungsmöglichkeiten, Waffen, das knackige Hinterteil von Bayonetta, atemberaubende Bosskämpfe, stilistisch genialer Soundtrack und gehörig viel Wiederspiel-Wert machen Bayonetta zum Action-Oberkracher allererster Güte.

Die Demo zum Spiel ist übrigens auch im deutschen Martplatz erhältlich – wer neugierig geworden ist, sollte unbedingt mal reinschauen! Weitere Infos findet Ihr auf der offiziellen Homepage zum Spiel von Sega.

Zumindest für alle Fans des „Stylish-Action“- aka „Devil may cry“-Genres, hier meine blinde Kaufempfehlung! 5 von 5 Stilettos!

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