How much is the fish? – Wie teuer darf ein Spiel sein?

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Für ständige Internet-Nutzer wie meinereiner verkommt eine Shopping-Tour in der Stadt meist zu einer Reise des Grauens. Erst kürzlich war ich wieder unterwegs in Mediamarkt, Saturn und Co. – immer auf der Suche nach neuer Software für Xbox 360, Wii, Playstation 3 oder PC. Besonders heiß begehrt: Bioshock 2. Das Ergebnis: Ernüchternd! Egal in welche Filiale ich gehe, die Preise sind scheinbar festgetackert auf  „Wenn du mich kaufst, bist du von allen guten Geistern verlassen“, oder anders gesagt: 69 Euro.

69 ist dabei eine Zahl, welche ich allerhöchstens als sexuelle Praktik schätze – verbunden mit Videospielen steht die 69 jedoch auf meiner roten Liste. Ich meine – ernsthaft! – das Hintergrundwissen, welches sich durch Internetportale wie „mydealz.de“, oder durch einen einfachen Blick auf Internet-Großhändler wie „amazon.de“ und „amazon.co.uk“ gebildet hat, macht solche Einkaufstouren zur persönlichen Tortur.

Hier ist das Spiel, auf welches ich mehrere Monate (manchmal Jahre!) gewartet habe, ich halte es in meinen Händen, lese mir die Rückseite der Spielepackung mit feuchter Vorfreude durch… aber ich kann es einfach nicht kaufen! Nicht mit dem Hintergrundwissen, dass ich es bereits einen oder zwei Tage später für mindestens 20 Euro weniger im Internet bestellen kann!

Am aktuellen Beispiel Bioshock 2: Bei Mediamarkt gibt’s das Spiel für 69 Euro, bei amazon.de für 45 Euro, bei amazon.co.uk gar für (umgerechnet) ca. 38 Euro. Das wären 31 Euro, welche ich gespart hätte – von dem Weg in die Stadt, Parkgebühren und nervige Anstellschlangen ganz abgesehen. 31 Euro, für die ich beinahe ein weiteres, fast neues Spiel bekommen könnte!

Bleibt die Frage: Wer kauft ein Spiel in der heutigen Zeit für 69 Euro… und warum? Unwissen über andere Angebote? Gewohnheit? Schlicht Dummheit?

Wer sich mit dem Preisverfall bei Spielen auskennt, greift sowieso nicht unbedingt in der ersten Verkaufswoche zu seinem Lieblingstitel. Besonders anfällig für fallende Preise sind Titel von Sega oder Ubisoft. Ein gutes Beispiel: Valkyria Chronicles hat vor einigen Monaten noch 69 Euro gekostet, jetzt liegt es für 20 Euro im örtlichen Saturn. So ist auch Sonic & Sega All Star Racing bei mir ein heißer Kandidat für einen späteren Kauf, denn sparen kann man durchschnittlich 30 Prozent bei nur wenigen Wochen Wartezeit.

Ganz im Gegensatz zu Nintendo: Hier sind die Spiele zwar allesamt etwas billiger abzustauben, dafür fällt der Preis praktisch NIE. Bestes, aktuelles Beispiel sind die Professor Layton Titel für Nintendo DS: Sowohl Teil 1, wie auch Teil 2 liegen meist zum gleichen Preis im Regal – trotz zeitlicher Differenz von mindestens einem Jahr. Und die Suche nach einem preiswerten Mario Party 8 habe ich mittlerweile ganz aufgegeben.

Bleiben noch die sogenannten Perlen der Videospiel-Geschichte: Besonders seltene Spiele oder Special-Editions, welche nur an die Presse und besondere Personen gegangen sind. Hier ist es erstaunlicher Weise genau umgekehrt: Diese Spiele können gar nicht teuer genug sein, schließlich entwickelt sich ein Großteil des Hypes um diese Spiele gerade WEGEN des Preises. Eines der bekanntesten Spiele dieser Gattung ist wohl der NEO GEO Prügler Kizuna Encounter, von dem es weltweit nur 5 (in Worten: FÜNF!) Module geben soll. Mitte 2007 ist eines dieser Spiele aufgetaucht und wurde für 10.000 Euro verkauft – da können Elektronikmärkte mit ihrer 69 nur doof aus der Wäsche schauen.

Mein persönlicher Rekord liegt übrigens bei 160 bis 170 Euro für diverse Import-Rollenspiele aus PsOne- und PS2-Zeiten. Heute dagegen wird jeder Euro doppelt herumgedreht. Die wilden Einkaufszeiten in Importshops oder Elektronikmärkten scheinen jedenfalls vorbei – die Freude mit einer vollgepackten Einkaufstüte mit dem Zug nach Hause zu fahren hat den Platz getauscht mit der Vorfreude zur Packstation zu stapfen und ein dickes Paket von diversen Internethändlern in Empfang zu nehmen.

Einen vollkommen anderen Ansatz bietet der Direktkauf (aka Digitaler Download) im Internet. Auch hier scheinen sich die Hersteller an den extravaganten Preisen großer Handelsketten zu orientieren: „Lasst uns das Spiel möglichst teuer anbieten, obwohl… he es ist eigentlich schon uralt, aber DIESEN Preis ist es definitiv noch wert!“ Den wirklichen Nutzen dieser Downloads habe zumindest ich noch immer nicht verstanden: 29 Euro für den ersten Teil von skate., welches ich gebraucht oder auf einem Wühltisch meiner Wahl im einwandfreien Zustand für 10 Euro bekomme? Kann ein digitaler Download überhaupt im neuwertigen Zustand sein? Fragen über Fragen!

Ein wohltuend anderes Konzept verfolgen die Xbox Indies, welche mit nicht mehr als maximal 3 Euro zu Buche schlagen – einige der coolsten Titel sind sogar für nicht mehr als einen guten Euro erhältlich. Da muss man selbst als Sparfuchs auf seine Xbox Punkte aufpassen. Oder, um noch ein letztes, aktuelles Beispiel zu nennen: Der geniale Lumines (Light)-Klon Chime spendet schlicht 60 Prozent des Kaufpreises an einen guten Zweck. Dazu bekommt man noch 50 Gamerpoints zur virtuellen Ego-Befriedigung – wenn das kein Value for Money ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Wie seht Ihr das? Was war Euer teuerstes Spiel? Und wieviel sollten Spiele generell kosten?

PS: Übrigens, wer es noch nicht kennt: Hinter diesem Link findet sich eine praktische Auflistung so ziemlich aller, großer Importshops bei „mydealz.de“. Etwas trockener, dafür übersichtlicher und mit vielen Zusatzinfos gespickt: Die !mport-Liste aus dem „maniac’schen“ Klassik-Forum. Und abschließend noch ein Shopping-Tipp von mir, der zwar nicht besonders billig, dafür aber extrem kultig ist: www.toysnjoys.com – wann bestellt man sonst schonmal Spiele aus Hawaii?

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