Yuri – Die politische Aussage einer Videospielfigur

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Gut, Yuri ist neu in Super Street Fighter 4 dabei. Gut, sie hat eine fesche Frisur. Und sie hat lila-farbene Kicks! Und Ihr eines Auge funkelt LILA! Reicht noch immer nicht?

Hab ich erwähnt, dass Sie sexy ist? Nein? Sie ist SEXY! Und sie kann Dinge mit ihren Beinen anstellen… gut, ok, das ist ein wenig unfair gegenüber Chun-Li, Cammy und den anderen Charakteren, denn mmerhin ist sie ein Roboter!

Jetzt aber zum wichtigsten Punkt: Wie Yoshinori Ono (Producer von SSF4) in diversen Interviews nicht genug betonen kann, ist Yuri die erste KOREANISCHE Kämpferin, welche beim Street Fighter Tournament mitmischen darf. Ok, sie ist also ein attraktiver, koreanischer Roboter mit lila Kicks. Aber warum das „Yadda Yadda OMG Sie ist KOREANERIN Yadda Yadda!“?

Hier also ein wenig Geschichtsunterricht für jüngere (oder unwissende) Gamer, denen asiatische Politik gewöhnlich an der rechten Arschbacke vorbeigeht 😉

Da sich Japan eigentlich schon immer in ganz Asien breit machen wollte, kam es Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer japanischen Kolonialisierung in ganz Asien. Japan hatte viel vom Westen gelernt und fühlte sich den anderen asiatischen Ländern derart überlegen, dass es die japanischen Lehren überall aufzwingen wollte. Für Korea bedeutete dies einen hohen Grad an Unterdrückung: Die Japaner betrieben dort einen massiven Sprachimperialismus und verboten große Teile der koreanischen Kultur.

Aufgrund diesen Hintergrundes (und natürlich auch wegen des zweiten Weltkrieges) sind die Beziehungen von Japan zu anderen asiatischen Ländern, vor allem Korea und China,  immer etwas kompliziert.

Nicht unwesentlich zu den verbesserten Beziehungen beigetragen haben koreanische Dramen (vor allem die Serie „Winter Sonata“ mit dem Schauspieler „Joon-sama“). Auf diese steht mittlerweile jeder Japaner! Stellt euch einfach vor, jeder in Frankreich wäre total vernarrt in „Gute Zeite, Schlechte Zeiten“ oder „Anna und die Liebe“.

Die aufblühende Korea-Symphatie geht sogar soweit, dass im heutigen Japan alle Züge nach Kimchi stinken. Vor allem für Europäer nicht gerade ein positives Beispiel an kultureller Errungenschaft – Koreaner benutzen nicht umsonst eigene Kühlschränke für das gewagte Konzentrat aus Kohl, Knoblauch und Mundverätzender Sauce.

Bleibt zu hoffen, dass selbst so ein scheinbar kleiner Schritt wie die Integration einer virtuellen, koreanischen Spielfigur in eines der bekanntesten Videospiel-Franchises der Welt für eine friedliche Entwicklung zwischen den Ländern sorgt!