Drachenzähmen leicht gemacht – das Videospiel

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Das aktuelle Werk von Dreamworks Animation (den Machern von Shrek, Madagascar, Kung Fu Panda und Monsters vs Aliens) hört auf den nicht ganz so eingängigen Namen „Drachenzähmen leicht gemacht“ und orientiert sich lose am gleichnamigen Kinderbuch von Cressida Cowell aus dem Jahr 2003. Um es kurz zu machen: Wikinger-Junge Hiccup ist alles andere, als ein gestählter Wikinger – doch wo das Fleisch schwach ist, ist der Geist umso stärker.

Das ruhige Leben der Wikinger wird immer wieder durch Angriffe von Drachen auf eine harte Probe gestellt – die Auszeichnung einen Drachen zu töten ist somit das höchste Gut im Dorf, welches ein junger Wikinger wie Hiccup erringen kann. Als er tatsächlich die Chance bekommt, weicht der kleine Junge jedoch zurück… und findet bald heraus, dass die Drachen gar nicht so fies sind, wie alle behaupten.

Den Rest der Geschichte kann man sich schnell selber ausmalen, ohne dass ich hier zur obligatorischen SPOILER!-Warnung greifen müsste. An dieser Stelle geht es eben auch nicht um den charmant-lustigen Film, sondern um das dazugehörige Videospiel, welches über Activision vertrieben wird und für alle gängigen Konsolen (einschließlich Nintendo DS) erhätlich ist. Der Test hier beruht auf der Xbox 360 Version.

Spiele zu Filmen haben in der Videospielkultur keinen besonders guten Ruf und gelten meist als billige Möglichkeit ans schnelle Geld zu kommen. Wächst Drachenzähmen leicht gemacht aus dem Schatten seines Rufes… oder versinkt es im fiesen Dunst seiner Vorgänger?

Um es gleich klarzustellen: Drachenzähmen leicht gemacht ist ein Spiel für Kinder und entsprechend seicht gehalten. Die anfangs gewöhnungsbedürftige Mischung aus Rollenspiel (mit World of Warcraft Anleihen), diversen Mini-Spielen und dem Drachenkampf als Hauptmodus beschränkt sich meist auf simple Reaktionstests und das Beherrschen diverser Kombos.

Gegen unseren Level 10 Drachen ist kein Kraut gewachsen.

Aber fangen wir am Anfang an: In der Rolle von Hiccup (oder alternativ auch Astrid) starten wir im charmant modellierten Dorf unsere Drachenzähmerkarriere. Aufgaben werden uns mit einem Ausrufezeichen über den Köpfen der Einwohner angezeigt – das aus World of Warcraft entliehene System zeigt schnell, wo man als nächstes hin muss. Leider wurde auch gleich das zweite, wesentlich weniger geliebte System aus World of Warcraft entliehen: Unsinnige und zeitraubende Sammelquests!

So dürfen wir bereits kurz nach dem Anfang eine optionale „Fang 40 Hühner!“-Quest annehmen, welche nur durch stupides im Kreis laufen (die leckeren Hühnchen spawnen im Sekundentakt!) zu erfüllen ist.

Im späteren Spielverlauf stoßen weitere Drachen zu unserer Truppe.

Das nett gestaltete Dorf ist auch der Ausgangspunkt für alle weiteren Ortschaften: In der Trainingshöhle bringen wir unseren Drachen neue Kombos bei und lernen, wie man ordentlich Feuer spuckt. Im eigenen Haus werden die Drachen verwaltet, gefüttert und mit neuen Fertigkeitspunkten aufgemöbelt – leider sind die Ladezeiten hier stark an der Grenze zu „Oh, ich geh kurz einkaufen, danach mach ich mir noch einen Kaffee und lese ein Buch!“.

In der Wildnis warten Wildschweine, Blümchen und andere Dinge darauf, eingesammelt zu werden – wer gerne im Sekundentakt auf denselben Knopf drückt, ist hier an der richtigen Stelle. Etwas weiter findet sich dann noch die Höhle mit Mini-Spielen – 5 Stück, um genau zu sein, darunter ein Memory und Aufgaben wie „Flieg durch alle Ringe“ oder „Rette die Schafe!“. Trotz verschiedener Schwierigkeitsgrade sind 5 Mini-Spiele alles andere als viel – hier wäre mehr drin gewesen!

Ja, die Drachen sehen auch im Spiel richtig gut aus! Leider erkennt man die Viecher im Kampf jedoch nur aus einer weit entfernten Perspektive.

Kommen wir endlich zum Drachenkampf, dem Hauptteil des Spiels (dieser ist auch im Arcade-Modus mit zwei Drachenzähmern spielbar!): In einer Arena treten diverse Drachenarten gegeneinander an und beherrschen (zumindest für die junge Zielgruppe) eine große Anzahl diverser Manöver – nur Schade, dass die Hälfte von diesen schon nach kurzer Eingewöhnung obsolet wird. Das Ausweichen in die dritte Dimension ist einen Tick zu langsam, um im laufenden Kampf wirkliche Vorteile zu bringen.

Und der aufladbare Drachenatem ist viel zu langsam, um eine echte Alternative gegenüber der schnellen XYXY-Kombos zu sein – kurz: Wer gerne wie bekloppt auf X und Y hämmert (Xbox 360 – Version), der braucht sich nicht vor seinen Gegnern zu fürchten. Kindgerecht? Vielleicht. Herausfordernd? Nicht die Bohne.

Fieser Möb: Der Grobian tritt gegen uns im ersten Wettkampf an.

Weitere Negativ-Punkte: Wieso hat der Händler im Dorf eigentlich immer genau die Sachen parat, die ich NICHT für die erforderliche Quest benöitge? Anstelle also die verlangten Karotten vom Händler zu kaufen, muss mich erst durch’s ganze Dorf buddeln, bis ich schließlich das Karottenfeld entdeckt habe!

Und wieso in Gottes Namen darf ich zwar die Schwanzlänge meines Drachen, sowie dessen Farbe einstellen – nicht aber den Namen des Drachen? Wenn ich schon vier Drachen individualisieren, hochleveln und durch stundenlanges Knöpfchendrücken an mich binden darf – wieso darf ich meinen Feuerspuckern keinen Namen geben?

Das wirklich schlimmste am Spiel? Wie, da kommt noch was? Stellt Euch vor, Ihr würdet ein Spiel über Drachen machen. Diese ansprechend darstellen, so dass diese selbst aus der Nahperspektive noch gut aussehen. Überhaupt: Die Drachen sind halt die Stars im Spiel! Sie snd mega knuffig, süß, können Feuer spucken und fiese Kombos ausführen. WARUM aber nimmt die einzige Perspektive im Kampf dann den Fokus nicht auf die Drachen? Argh!

Um es besser zu erklären: Stellt Euch vor Ihr seid mit eurer Kamera unterwegs und erblickt… genau, einen Drachen! Wo packt Ihr diesen ins Bild hin? Richtig! Ihr fokussiert den Drachen! Und was machen die eifrigen Programmierer? Sie packen die Drachen nach unten ins Bild, so dass teilweise die Flügel (im wahren Sinne des Wortes) herausgeschnitten werden. Und Sie zoomen die Kamera so, dass man gefühlte 75 Prozent der (mehr schlecht als recht modellierten) Arenen sieht – und nur 25 Prozent der Drachen selbst.

Soviel Kritik und kein gutes Wort?

Die Drachen sind knuffig. Grafisch kann sich das Spiel (trotz eigenartig gewählter Kampf-Perspektive) durchaus sehen lassen – allen voran die Animationen der Drachen. Das Aufleveln eben dieser kann durchaus einen gewissen Suchtfaktor auslösen – mich hat das Spiel durch simple Knöpfchendrückspielchen immerhin drei Stunden am Stück vor den Fernseher gefesselt .

Hab ich erwähnt, dass man im Training jeweils denselben Kampf fünfmal nacheinander wiederholen muss, um jede Menge Erfahrungspunkte abzusahnen? Für insgesamt 7 Kombo-Arten? Macht 35 mal wildes XY-Gehämmer. Wohlgemerkt: Pro Drache! Wer alle Drachen aufleveln will, darf denselben Humbug 140 mal bestreiten.

Mist, jetzt drifte ich schon wieder ab. Machen wir es wirklich kurz: Drachenzähmen leicht gemacht ist sein Geld (immerhin ist es ein Vollpreistitel für 59 Euro) leider nicht wert – selbst für die werten Kinder gibt es zahllose Spiele, wo sie auf kindgerechte Art und Weise besser (und bei weitem!) cleverer gefordert werden. Sicher ist es kein Totalausfall – wer es unbedingt mal ausprobieren will, der sollte vorher probezocken oder einige Zeit warten bis es billiger wird.

Hab ich erwähnt, dass die Drachen knuffig sind?

Meine finale Wertung: 2 von 5 Schafen. Määääh!