Fortsetzungswahn: Wenn der Publisher dreimal klingelt

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Hersteller wagen sich heutzutage ungern an neue Konzepte – was gut war, ist gut und wird gut sein. Vor 15 Jahren hätte ich ehrlich gesagt nicht daran gedacht, im Jahr 2010 noch mit Ryu und Ken vor einem mit Elefanten gefüllten Hintergrund Feuerbälle um mich zu werfen. Oder mit Mario über bunte Planeten zu hüpfen – 2010 war damals WEIT in der Zukunft, für diese Vorstellung waren fliegende Autos und eine Armee von fiesen Cyberdyne Robotern (welche die Welt unterjochen wollen) reserviert.

Davon hat sich nichts erfüllt: Mario rast noch immer im Kart durch die Gegend. Snake heißt jetzt zwar Old Snake, aber im Grunde bleibt alles beim Alten. Und dass es von Final Fantasy einmal einen dreizehnten Teil geben würde, welcher eine britische Popsängerin den Titeltrack trällern lässt… tja, DAS wäre eher Stoff für meine Alpträume gewesen.

Damals hat man noch Scherze über die FIFA – Serie von EA gerissen, welche es jährlich zu einem neuen Update brachte – von NHL und Madden ganz zu schweigen. Doch EA wurde mittlerweile übertrumpft vom neuen „EVIL“, der neuen Macht in der bunten Welt der Videospiele: Activision. Guitar Hero Van Halen? Anyone?

Je mehr Geld eine Branche einnimmt, desto mehr Anzugträger werden angelockt – und diese mögen zwar Ahnung von Marketing, Zahlenjonglieren und Produkt-Placement haben, die Seele des verkauften Produktes verstehen sie dabei aber meist genauso wenig, wie eine fette Ratte in der Käsekammer die Unterschiede zwischen holländischem Sockenkäse und edlem Trüffel-Camembert erschnüffeln könnte. Und wenn Call of Duty nunmal gut ankommt, wieso sollte man dann nicht einen zweiten Teil nachschieben? Und einen dritten?

Erstaunlicher Weise trifft die Schuld aber nicht nur die bösen, grauen Männer in Nadelstreifen – auch der Konsument wurde durch die Dauerberieselung einzelner Titel mittlerweile soweit erzogen, dass sich neue Namen nur schlecht – und wenn dann nur mit größtem finanziellen Aufwand – verkaufen lassen. Ein Resident Evil ist blind gekauft, während ein Alan Wake sich erstmal seinen Ruhm durch zahlreiche, mediale Auftritte verdienen muss – ob sich das bereits im weiten Vorfeld gehypte Produkt dann jedoch wirklich gut verkauft, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wenn ich meine Spiele-Reihe so durchgehe, strahlen mich erstaunlich viele Zahlen an: Mass Effect 2, Call of Duty: Modern Warfare 2, Dirt 2, Tekken 5, Street Fighter 4, Forza 3, Resident Evil 5, Final Fantasy 13… verdammt, selbst die Lego Indiana Jones Trilogy bekam einen zweiten Teil spendiert!

Von einem Trend kann man deswegen schon lange nicht mehr reden: Fortsetzungen sind längst Usus geworden und gehören zur medialen Kultur, wie blaue Unterhosen zu Mega Man. Aufhören wird es auch nach Final Fantasy 14 und Super Street Fighter 4 nicht – die Zukunft trägt dieselben Namen wie die Vergangenheit.

Besonders Schade wird dies bei scheinbar einmaligen und nicht zu wiederholenden Spiele-Erlebnissen – Bioshock 2 ist hierfür ein gutes Beispiel. Trotz toller Atmosphäre, neuen Waffen und Plasmiden – das „He, das kenn ich doch!“-Gefühl lässt bei Teil 2 einen schalen Geschmack zurück.

Nicht falsch verstehen: Dies soll keine Kritik gegenüber Nachfolgern sein, ich bin nichtmal gierig nach Innovationen – simple Abwechslung durch Modifikation würde mir schon reichen! Um noch ein Beispiel zu nennen: Dante’s Inferno! Das Spielprinzip ist dreist kopiert, aber wenigstens hängt keine „2“ dahinter. Und es ist ein neuer Charakter! Und ein neues Setting!

BlazBlue zeigt, dass es nicht immer Street Fighter oder Tekken sein muss! Alan Wake versucht einen neuen Helden in die aus stillen Hügeln und bösen Residenzen bestehende Genre-Landschaft einzuführen. Und selbst Sonics Ausflug auf die Kartbahn gefällt mir prima!

Das ein Nachfolger eines großen Titels nicht mit Innovation geizen muss, zeigen die Mario-Spiele am besten – deswegen nochmal zur Richtigstellung: Ich bin sehr gespannt auf Super Mario Galaxy 2 (und alle Teile, die da noch kommen mögen), aber zur Zeit genieße ich jeden neuen, gut und originell dargestellten Spielestoff um einiges mehr.

Ich würde mich zum Beispiel tierisch freuen, wenn sich jemand mal dem Katamari Stoff aus einem anderen Blickwinkel nähern würde! Oder mal wieder ein neues, frisches Arcade-Raser Setting, welches fernab von WipEout, Ridge Racer und Sega Rally existieren kann.

Klar, wir lieben die Helden unserer Kindheit und würden nur ungerne Abschied von Mario, Sonic, Nathan Drake, Kratos und Co. nehmen – ein Dante’s Inferno und Bayonetta ist mir zur Zeit jedoch um einiges lieber, als ein genial opulentes God of War 3 – alleine um den Fortsetzungstrend einen Riegel vorzuschieben. Obwohl… Bayonetta soll einen Nachfolger bekommen? Ok… here we go… again!

Wie steht Ihr dazu? Ab welcher Nummer seid Ihr raus aus dem Fortsetzungsspiel? Haben diese Fortsetzungseskapaden vielleicht auch etwas mit dem eigenen Spiele-Alter zu tun? Und welches Spiel-Konzept würdet Ihr mal gerne mit neuen Charakteren und Setting sehen?

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