Starcraft 2 Open Beta: Twinkle, Twinkle, Little Star…

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Ich denke „kleiner Stern“ ist eine ganz gute Beschreibung dafür, wie man sich so als lange abstinenter Starcraft-Zocker nach den ersten Runden in der Open Beta von Teil 2 im wilden Online-Gehege fühlt.

Zuerst einmal generell: Das Gefühl von vor vermutlich 10 bis 15 Jahren kehrt sofort zurück.Die ersten Netzwerk-Sessions im „Computer-Raum“ meines Gymnasiums. Die ersten organisierten Netzwerk-Partys mit wirklich eigenartigen Leuten, welche sich stundenlang nur von Coke und Chipsletten ernähren konnten (und später nach alten, in Hundekot gewälzten Socken rochen). Die ersten Berührungen meinerseits mit Online-Spielen. Netzwerkkabel mit T-Adapter und einer Länge von über 20 Metern.

Genug Vergangenheitsbewältigung, kommen wir zurück in die Zukunft: 2010! Das Jahr von Starcraft 2. Blizzard ist mitunter dafür bekannt, dass Sie sich mit ihren Spielen gerne Zeit lassen – eine lobenswerte Einstellung, wenn man das jährliche Auspressen von anderen Spiele-Marken betrachtet. Der erste Teil gilt bis heute als eines der best- „gebalancten“ (Notiz an mich selbst: Denglisch ist böse!)… ausbalanciertesten Spiele aller Zeiten und zählt zu den modernen E-Sport-Spielen schlechthin.

Da muss Starcraft 2 ein schweres Erbe antreten – doch bereits die Beta zeigt, dass dies mit Bravour gelöst werden wird. Einloggen, Verknüpfung mit dem Battlenet-Account erstellen (über den auch World of Warcraft läuft… und in Zukunft auch Diablo 3), Spiel starten, fertig! Blizzard plant die Welteroberung mit vielen kleinen Schritten – wenn das Battlenet am Ende so funktioniert, wie angepriesen, werden dort die heißesten PC-Spiele der Zukunft unter einem Banner vereint – Spielerherz, was willst du mehr?

Sci-Fi pur! Die Collectors Edition ist Pflichtprogramm für alle Starcraft-Fans!

Einen festen Termin für Starcraft 2 gibt es zwar immer noch nicht, dafür wurden erste Inhalte der Collectors Edition bekannt. Neben einem 176-seitigem Artbook, einem 14 Track großen Soundtrack und einer „behind the scenes“ DVD, stechen vor allem zwei Sachen aus der gewohnten Collectors-Mischung heraus: Ein 2GB USB Stick im Jim Raynor Dog Tag Style ist zwar ansich noch nichts besonderes, allerdings enthält dieser sowohl Starcraft, also auch StarCraft: Brood War.

Die zweite Besonderheit ist Ausgabe 0 des Comics, die Creme de la Creme (zumindest für passionierte World of Warcraft Spieler) ist jedoch der Mini-Thor als Charakter-Pet, welcher Euch nach der Freischaltung quer durch Azeroth begleiten wird.

Natürlich hat der Spaß auch einen Preis: 99 Dollar soll die Collectors Edition kosten, hierzulande werden wohl 79 Euro bis 89 Euro dafür fällig (wenn man die aktuelle Finanzpolitik von Activision verfolgt, evtl. sogar noch mehr!).

Noch sammeln die ersten Drohnen entspannt vor sich hin...

Damit auch blutige Anfänger bei Starcraft 2 eine Chance haben, beginnt man in der Übungsliga: Die Zeit läuft merklich langsamer, außerdem ist das spontane „rushen“ des Gegners dank großer Felsblöcke, welche den Weg zur Basis versperren, beinahe gebannt.

Womit wir gleich beim Thema wären: Rushen! Kein anderes Strategiespiel profitiert dermaßen davon, seinen Gegner bereits in den ersten Spielminuten mit hinterhältigen Angriffen zu piesacken, seine Mineraliensammler zu zerfetzen und allgemein für Unruhe im Spielfluss zu sorgen – eine bittere Lektion, die Anfänger nach den ersten fünf Gefechten im Übungsmodus zwangsläufig lernen müssen.

Der Spielablauf und die wählbaren Rassen sind für alte Hasen schnell wieder erkannt. In der Solo-Kampagne zieht man erstmal nur mit den Terranern ins Gefecht und erhält für kurze Zeit Kontrolle über die hochtechnologisierten Protoss – der Solo-Modus ist in der Open Beta jedoch nicht enthalten.

Taktik für Pussys: Terraner bauen den Eingang zur Basis zu. Die Depots lassen sich mittlerweile absenken, um eigene Truppen aus der Befestigung zu entlassen.

Als Anfänger ist man zudem gut damit beraten, zuerst einige Kämpfe gegen die K.I. zu unternehmen – diese einfach auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad packen, Handicap auf 50 Prozent und los geht die muntere Einheiten-Produktion. Wer gegen Profis bestehen will, sollte sich zudem auf eine der drei wählbaren Rassen konzentrieren: Egal ob fies-schleimige Zerg, die menschlichen Terraner oder energiegeladene Protoss – die Menge an unterschiedlichen Vorgehensweisen ist beeindruckend und erlaubt zahlreiche, taktische Eigennoten.

Meinereiner zockt derweil am liebsten mit den etwas „sperrigen“ Protoss. Je länger die Spiele dauern, desto mehr Chancen bekommt die blau leuchtende Spezies mit wirklich starken Einheiten, wie einem sehr schnellen und wendigen Kampfschiff (dem Phasengleiter, bzw. Void Ray), welches sowohl Luft- wie auch Bodeneinheiten einheitzt. Dazu kommen die aus Teil 1 bekannten, gigantischen Trägerschiffe, welche mal eben eine eigene Armada von winzigen Mini-Raumschiffen auf die Feinde loslassen.

Wer mit den Protoss jedoch möglichst früh im Spiel angreifen will, muss einiges an Können und Mikro-Management beherrschen – neben dem obligatorischen Berserker-Rush scheint vor allem das besagte Kampfschiff für schnelle Angriffe gegen Spieler, die auf Bodeneinheiten setzen geeignet zu sein.

Alltägliches Streben in einer Protoss-Basis. Der Nexus versorgt alle weiteren Gebäude auf Knopfdruck mit dem Chrono-Boost.

Die Königin der Zerg ist eine frühe Abwehr gegen Flugschiffe und spawnt zudem zusätzliche Larven. Perfekt für den schnellen Rush.

Natürlich gibt es auch einige vollkommen neue Einheiten auf Seiten der Protoss: Der Koloss ist zwar unverschämt teuer, kann aber durch seine riesigen Beine (welche ein wenig an Krieg der Welten erinnern) quer über die jegliche Erhebungen der Karte laufen. So staunt der Gegner nicht schlecht, wenn sich einige Kolosse von hinten an der Verteidigung vorbei mogeln um in der Basis aufzuräumen. Gegen Flugeinheiten haben die Kolosse jedoch keine Verteidigung parat und werden so schnell zum Kanonenfutter.

Die Hetzer (Stalker) dagegen ersetzen die damaligen Dragoner und sind sehr früh im Produktionszyklus erhätlich – viele Spieler setzen zuerst auf eine Mischung aus Berserkern und Hetzern, die auch Flugschiffe vom Himmel holen können. Wer etwas Forschung betreibt, stolpert zudem schnell über die Möglichkeit „Transit„, welche den Hetzer auf Knopfdruck mehrere Meter nach vorne springen lässt – ideal zur Flucht, oder zur Überbrückung von feindlichen Verteidigungs-Linien.

Soviele Overlords auf einmal? Das kann nur eines bedeuten: Hier werden schleimige Truppen in den Rücken des Gegners transportiert!

...und die Taktik geht auf! Schnell klettern Schaben und Co. aus den Overloards und machen die gegnerische Basis platt.

Zu den Spezial-Einheiten gehören weiterhin die hohen Templer, welche mit ihren Psi-Stürmen dicht gedrängte Gegnermassen im Nullkommanix wegbrutzeln können. Eine sehr starke, aber auch nur sehr speziell einsetzbare Einheit ist der Protektor: Dieser kann ein Schild erschaffen, um Einheiten vom feindlichen Beschuss zu schützen. Außerdem verfügt der Protektor über die Fähigkeiten „Kraftfeld“ und „Halluzination“ – erstere blockt für wenige Sekunden Engstellen für Bodeneinheiten undurchdringbar ab, letztere erschafft bis zu vier Klone einer Einheit, welche zwar keinen Schaden verursachen, den Gegner jedoch maßgeblich verwirren können.

Unsterbliche hingegen sind die direkten Nachfahren der Dragoner: Schwer gepanzert und schwer bewaffnet räumen diese im Nu in einer feindlichen Basis auf. Fürchten müssen Unsterbliche nur kleine Einheiten wie Zergs und Space Marines, sowie Flugeinheiten – gegen letztere gibt es keine Verteidigungsmaßnahme, gegen erstere helfen einige Kolosse im Rücken der Streitmacht.

Der ganze Stolz der Protoss-Flotte: Das Mutterschiff sieht gigantisch aus und hat einige spielentscheidende Fertigkeiten auf Lager.

Protoss-Picknick in der Pampa: Kreuzer, dunkle Templer, Unsterbliche und Kolosse.

Gegen dunkle Templer ist kaum ein Kraut gewachsen: Dank ihrer Tarnung mogeln sich die stark bewaffneten Nahkämpfer gerne in jede feindliche Basis.

Der ganze Stolz der Protoss ist jedoch die teuerste und seltenste Einheit auf dem Schlachtfeld: Das Mutterschiff. Alle Einheiten, sowie Gebäude, welche sich unter dem Mutterschiff befinden werden unsichtbar – ein gewaltiger Bonus im Kampf gegen Feinde ohne Aufklärungsfunktion.

Dazu ist auch die Bewaffnung des Mutterschiffs nicht ohne: Laser brutzeln selbst dicke Feinde nieder, der erschaffene Vortex zieht alle umstehenden Einheiten in ein großes Loch und nimmt diese für einige Zeit aus dem Spiel. Größtes Highlight ist der Massenrückruf, mit dem alle Einheiten des Spielers im Zielgebiet zum Mutterschiff teleportiert werden – wichtigster Grund für Angstperlen auf den Gesichtern der Gegner!

Auch in Sachen Gebäude hat sich einiges getan: Dank Chrono-Boost (erhältlich im Nexus) wird die Einheiten-Produktion erheblich verschnellert – den „C“-Shortcut sollte man immer parat haben, wenn man neue Einheiten produziert. Die größte und spielentscheidenste Neuerung haben jedoch die Warpknoten (Produktionsstätten von Berserkern, Hetzern und Templern) erfahren, welche sich auf Knopfdruck in ein Warptor verwandeln können und die hergestellte Einheit zu einem beliebigen Ort befördern können, solange dieser entweder im Energiebereich eines Pylons, oder eines Warp-Prismas liegt.

Keine Lust auf öde Verteidigungsschlachten? Mit drei Warptoren, einem Warp-Prisma und ein wenig Unterstützung aus der Luft teleportiert man große Teile seiner Armee einfach in den Rücken des Gegners – genial!

Geschickt eingesetzt ist der Protektor eine äußerst starke Einheit: Hier schützt er gerade einige Unsterbliche mit seinem Schild vor den kläglichen Versuchen der K.I.

Die zweite Fertigkeit des Protektors ist - gekonnt eingesetzt - ebenfalls sehr stark: Hier versperren wir den Eingang zur Protoss-Basis mit einem kurzfristigen Kraftfeld.

Fazit: Nach einigen Schlachten im 1 vs 1 – , sowie im 2 vs 2 – Modus zeigt sich bereits jetzt, dass Starcraft 2 entgegen vorgehender Skeptik absoluten Suchtfaktor enthält. Es ist einfach unglaublich, wie es Blizzard schafft drei vollkommen verschiedene Rassen dermaßen aufeinander abzustimmen, dass der Spielfluss gewährt bleibt und sogar Anfänger wie meinereiner Chancen auf einen Sieg haben.

Grafisch macht das Spiel in Bewegung ebenfalls einen genialen Eindruck – die statischen Screenshots vermitteln nur wenig vom Gefühl, wenn mehrere Einheiten aufeinander stoßen und sich mit grüner Säure, Flammenwerfern und Lasergeschossen auseinandernehmen. Auch der Sound spielt hier eine große Rolle und liefert für jede der drei Rassen ein vollkommen anderes Spielgefühl: Rockige Töne lassen das Spielen mit Terranern eher entspannt wirken, während die epischen Klänge der Protoss gleich für ein gehöriges Überlegenheitsgefühl sorgen.

Ebenfalls erwähnenswert: Jede Einheit greift auf zahlreiche Soundsamples zurück, welche von witzig, über cool bis hin zu verschlagen und bösartig tendieren. Respekt!

Die Untergliederung der Ladder in diverse Schwierigkeitsgrade, ein Erfolgssystem und die noch nicht spielbare Kampagne sind da noch ein gewaltiger Berg Zuckerguss oben drauf. Schade, dass Online-Strategie in dieser Form bis heute abstinent im Lager der Konsolen ist – PC-Zocker dürfen sich jedenfalls schon jetzt auf das wohl größte Spiel-Ereignis des Jahres freuen!

Hail to the King!

The King is dead, long live the Immortal!

Großes Finale: Die gesammelten Protoss-Kräfte lassen von dieser Terraner-Basis kaum mehr als blutigen Staub übrig.