Geheimnisse hinter dem Wasserfall

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Wenn Videospiele neugierig machen, oder: Hinter einem Wasserfall hausen Elfen mit dicken Hupen!

Geheimnisse sind der Treibstoff für unser aller Kreativ-Motoren, welche unsere inneren Karossen mit turbozistiöser Geschwindigkeit über die mit diversen Aufgaben und Schwierigkeiten gefüllten Highways unserer geliebten Software jagen. Seit einiger Zeit laufen diese jedoch nur noch im Sparmodus – aktuelle Spiele setzen nur noch selten einen Fokus auf ausladende Erforschungen der Spielwelt und selbst wenn, gibt es in den Weiten aktueller, virtueller Habitate kaum etwas, was einen Spieler für die Mühen stundenlanger Erforschung entsprechend belohnen würde.

Doch fangen wir am Anfang an: Ja, der Wasserfall ist Schuld, dass ich mich überhaupt diesem Thema widme. Kurzer Rückblick: Mein mit Raketenwerfern und dicken Maschinengewehren beladener Borderlands-Berserker stampft durch die trockene, im Mad (Moxxi) Max Stil gehaltene Steppe und stolpert über einen kleinen Flusslauf, der hinauf zu einem Wasserfall führt. Und was mache ich? Richtig! Genau das, was jeder alte Zocker hier getan hätte! Ich renne zum Wasserfall, nehme Anlauf … und pralle mit voller Geschwindigkeit gegen die feste Mauer hinter dem Wasserfall.

Zum Glück ist meine bessere Hälfte gleich hinter mir – in der Form der fiesen Assassine Lilith hat sie mir schon mehr als einmal den dicken Hintern aus den Fängen kläffender Skaggs und Mutanten gezogen. Die (berechtigte!) Frage lautet natürlich sofort: „Was zum Geier hat dein kleines Berserkerhirn jetzt schon wieder vorgehabt?“

Um diese Frage zu beantworten (wohlweißlich nicht die, welche sich um mein Berserkerhirn dreht) müssen wir noch weiter an der Uhr drehen und halten irgendwann 1988 an, als ein kleiner Daddler mit leuchtenden Augen vor einem (für heutige Verhältnisse) winzigen Fernseher saß, und mit einem kleinen Pixelgebilde namens Link durch die Prärie stapfte.

Hier war sie! Die erste Begegnung mit dem legendären Wasserfall, einem rauschenden Gebilde aus weißen und blauen Pixeln. Und was erwartete mich hinter dem Wasserfall? Richtig! Eine Fee!

Der Mythos des Wasserfalls war für mich geboren – unwissend, dass das Thema natürlich auch einen literarischen Ursprung hegt. Mir war das Schnuppe – Hauptsache auch die nächsten Konsolen-Abenteuer boten mir einen rauschenden Katarakt mit einem entsprechenden Geheimnis dahinter. Und ich wurde nicht enttäuscht.

In The Legend of Zelda – A Link to the Past bekam der geheime Wasserfall einen Wunschbrunnen spendiert, in welchen man sein komplettes Equipment schmeißen konnte, nur um danach von einer Elfe zurechtgewiesen zu werden. Natürlich hatte das Ganze auch noch einen praktischen Nutzen: Madame verwandelte unseren blauen Bumerang in einen roten Bumerang, der erheblich weiter fliegen konnte – yeehaw Elfenbacke!

Beinahe in jedem virtuellen Abenteuer der letzten Jahre wurde mein Gehirn trainiert wie der pawlowsche Hund: „Wasserfall“ -> „Schatz!“ Doch in letzter Zeit rennt nicht nur mein dicker Borderlands-Berserker gegen verschlossene Türen – trotz der immer größeren, virtuellen Spielplätze verkommt der Mythos vom Wasserfall zum Reinfall – und damit auch der Ansatz Rätsel möglichst clever in ein Spiel einzubinden. Aber sind Spiele von Heute diesbezüglich wirklich einfacher gestrickt?

Sicher wird niemand abstreiten, dass der Forschungs- und Rätsel-Aspekt von Spielen wie (ausgerechnet) Final Fantasy 13, GTA 4 (Taubenschießen?), Modern Warfare 2 (Laptops kaputt schießen?), Resident Evil 5 (Glitzerteile kaputt schießen?) eher dazu gesponnen wurde, um den Spieler möglichst sinnlos weitere Stunden vor der nicht mehr flimmernden Flimmerkiste verbringen zu lassen. Einfach 50 Gegenstände der Marke X an besonders eigenartigen Stellen im Spiel verstecken und den Spieler zwingen diese a) abzuschießen oder b) einzusammeln – fertig ist die moderne Forscherkunst.

Natürlich geht das alles auf das gleiche Prinzip zurück: Videospieler sind geborene Forschernaturen und testen gerne die Grenzen ihrer Lieblingsspiele aus – meist bis in das virtuelle Wunderland hinein, welches als Glitch-Paradise bekannt ist und nur wenig mehr bietet, als unendliche Texturtapeten, wegploppendes Gelände oder eine umgedrehte Spielwelt. Diese wunderbare Neugier will in uns allen gestillt werden und geht quer durch alle Genres – ok, ich lasse die etwas einfacher gestrickte „FIFA“- und „PES“-Gemeinde hier mal außen vor.

Der Trend geht dahin, dass wirklich jeder Zocker praktisch alles vom Spiel sehen soll – eine Warp Zone in Super Mario Bros. war genial versteckt, heute werden die Warpröhren gleich auf der Karte angezeigt. Geheime Joypad-Codes gehören praktisch vollkommen der Vergangenheit an – wer braucht schon unendlich Leben, wenn man automatisch hinter der letzten Ecke wiederbelebt wird? Und wer sich durch die Gummischläuche eines Final Fantasy 13 gegrindet hat, genießt den Abspann nur aufgrund dessen, dass die verworrene Geschichte endlich ein Ende gefunden hat.

Sterben Geheimnisse also in heutigen Spielwelten aus? Welcher Wasserfall bot Euch zuletzt eine Überraschung an? Und wie steht Ihr zu aktuellen Spiele-Highlights, welche Euch an die Hand nehmen und wie eine gestresste Mutter durch das virtuelle Gelände zerren?

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