Das Daddel-Wort zum Sonntag: Zusammenfassung der Gamescom 2010

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Kurz vor Veröffentlichung dieses Beitrages muss auch noch mein Blog offline gehen – verdammte Sonntage 🙂 Dafür bekommt Ihr die Zusammenfassung mal wieder zur gewohnten Zeit: Viel zu spät abends! Hoffe es gefällt trotzdem 😉

Was für eine Woche: Games, Games, Games und die Gamescom 2010 – es war vor allem wieder eines: anstrengend! Gelobt sei die heimische Couch, der heimische Fernseher und der heimische Kühlschrank, wenn es darum geht neue Spiele anzutesten – vor allem, wenn man sich nicht mehrere Stunden in eine Warteschlange stellen muss.

Womit wir gleich zu einem der schlimmsten Negativ-Punkte der Gamescom (und Messen allgemein) wären: Schlangen! Nicht nur Indiana Jones hasst Schlangen – seit der Gamescom hasst auch meiner einer Schlangen wie die Pest. Besonders seltsam muten vor allem die Schlangen an, welche bei Spielen wie Tom Clancy’s H.A.W.X. 2 enstehen – immerhin kann man das Spiel auch bequem zu Hause vor der heimischen Konsole als Demo austesten. Unwissen? Spaß am Schlange-Stehen? Oder einfach nur Hoffnungen etwas Neues sehen zu können?

Die Zelda-Demo am Nintendo-Stand war heiß umkämpft. Schlange stehen war angesagt!

Für Assassin's Creed Brotherhood durfte man gleich mehrere Stunden warten. Selig die, welche an ihren DS oder ihre PSP gedacht hatten!

Bevor ich jedoch in demotivierendes Dauergeheul verfalle, liste ich mal lieber meine Highlights diesen Jahres auf:

1.) Konami!
Auf der Konami Konferenz gab es nicht nur tolle Spiele zu sehen, sondern auch Haufenweise lustige Promis und Entwickler. Unvergessen: Der Rap-Auftritt von Curse und der wohl charmanteste Entwickler aller Zeiten Shigenobu Matsuyama, der zur Zeit an Metal Gear Rising arbeitet und seinen Auftritt folgendermaßen bestritt:

„Sorry Leute, ich wollte mich unbedingt mal in der Öffentlichkeit zeigen, und beweisen wie hart wir an dem Spiel arbeiten, aber wir haben momentan absolut nichts zu zeigen, aber he, ihr bekommt meinen ersten öffentlichen Auftritt geboten!“ … ok, ok… die deutsche Übersetzung wird dem japanischen Original nur wenig gerecht 🙂

Def Jam Rapstar wurde von Curse vorgetragen.

Außerdem gab es endlich einen deutschen Termin für Castlevania – Lords of Shadow (am siebten Oktober ist es soweit!), sowie erste Infos zur Special Edition inklusive Soundtrack und Artbook. Hier nochmal der aktuelle Trailer zum Spiel, dem ich gute Chancen einräume zum ersten „richtigen“ 3D-Castlevania zu werden.

2.) Blizzard
Am Blizzard-Stand konnten wir gleich zu Cataclysm durchgehen – ohne Wartezeit. Dafür haben wir nur knappe 15 Minuten dort verbracht – nach den Warteschlangen, die sich die Tage darauf gebildet haben ein blanker Hohn. Aber ich warte lieber auf die Live-Version – auch wenn der erste Flug durch die „alte“ Welt schon ziemlich episch war. Kurze Tour über Sturmwind, die brennende Steppe, das Ödland bis hin zum Loch Modan und dem zerstörten Staudamm der Zwerge… schon war die Reise zu Ende.

Ab Donnerstag heiß umlagert: Der Blizzard Stand. Leider gab's außer Cataclysm und der "alten" Diablo 3 Demo nicht viel neues zu sehen.

3.) ID Software
Zu RAGE gab es eine knapp halbstündige Vorstellung im eigenen Kino – sehr beeindruckend dank großer Leinwand und entsprechender Beschallung. Einige Szenen kannte ich schon aus den bereits auf youtube veröffentlichten Trailern, aber es gab genug neues zu sehen. Bestimmt kein Spiel, welches Innovationspreise gewinnen wird – grafisch und atmosphärisch ist RAGE aber schon jetzt ein ganz, ganz dickes Kaliber.

4.) Fallout: New Vegas
Zumindest der Stand war super im Casino-Stil präsentiert, die aktuelle Xbox 360 Version jedoch war… nun ja… enttäuschend steril. Es sieht wirklich GENAU so aus wie Fallout 3, also macht Euch bloß keine Hoffnungen bezüglich einer grafischen Revolution! Auch spielerisch ist der Titel beinahe eine 1-1 Umsetzung – was so gesehen natürlich auch alles andere als schlecht ist.

Mir jedenfalls hat die kurze Reise ins postapokalptische Las Vegas dennoch Spaß gemacht! Pipboy rockt!

4.) Bester Stand der Messe (und die weniger guten Stände gleich danach!)
Nun, diese Ehre würde ich (mal wieder) Sony zukommen lassen, denn hier stimmte wirklich alles: Aufteilung, kreativ gestaltete Bereiche und viele unterschiedliche Games zum anzocken – nett! Besonders begeistert haben mich die Killzone 3 Displays, oder die geniale Gestaltung vieler Move-Stände: Vom brutalen Irrenhaus-Look bis hin zu LCD-Monitoren, die über Betten angebracht sind, von Duschkabinen mit SingStar bis zu einer äußerst großzügigen Anzahl an Gran Turismo 5 Autokabinen – hier stimmte alles.

Gran Turismo 5 gab sich endlich mal freizügig: Mehrere Strecken und Modi waren anzockbar!

Die PSP mag tot sein - viele Kids griffen dennoch zu den Unmengen an ausliegenden Geräten.

Besonderes Erlebnis: Killzone 3 genoß man im Krankenhausbett.

SingStar unter der Dusche? Warum eigentlich nicht!

Vorgemerkt für's Eigenheim: Riesige LCD's an der Decke über dem Bett befestigen.

Bei dem im klinisch weiß gehaltenen Stand von Nintendo bekomme ich jedoch immer wieder die Krise. Weiß der Geier, warum Nintendo so sehr auf simple Weiß-Töne abfährt – immerhin basiert ein Großteil der Firma auf quietschbunten Marken wie Pokémon, Super Mario und Donkey Kong! Wenn jemand mehr dazu weiß – immer her mit den Infos!

Immerhin konnte man beinahe ALLES austesten, was bereits auf der E3-Konferenz im Juli vorgestellt wurde. Dazu gehören absolute Software-Kracher wie das neue Donkey Kong Country, das unglaublich knuffige (und auf diesem Blog schon öfters angesprochene) Kirby’s Epic Yarn, das bereits in wenigen Wochen erwartetete Metroid: Other M, zahlreiche neue und aktuelle DS-Games und sogar das neue Zelda: Skyward Sword!

Für letzteres benötigte man jedoch eine gehörige Portion Geduld: Selbst am Pressetag war die Warteschlange unglaublich lang und kräftezehrend.

Einzig das Ausbleiben einer spielbaren Version des hochgejubelten Nintendo 3DS blieb aus – das wundersame Gerät wurde nur ausgewähltem Publikum in der Business Area vorgeführt. Schade!

Das neue "Donkey Kong" zog auch junge Zocker magisch an. Kein Wunder!

Erstmals spielbar für die breite Masse: Metroid: Other M!

Microsoft bildete übrigens meiner Meinung nach das Schlusslicht der großen Drei in Sachen Vertretung auf der Messe: Der Stand war ungeordnet, hatte irgendwie ein sehr loses Konzept und… war pottenhäßlich. Und ja – eigentlich ist meiner einer eher Microsoft-Fanboy.

Lediglich die Kinect-Kabinen verliehen dem Areal so etwas wie eigenen Stil – da ich persönlich absolut kein Freund von Hampelspielen bin, konnten mich diese jedoch nur schwer wieder versöhnen. Ausgerechnet Kinectimals übte von „außen“ die größte Anziehungskraft auf mich aus – aber ein Kinderspiel mit knuddelwuddel-süßen Tierchen für knapp 200 Euro liegt momentan einfach nicht in meinem Budget.

Bisher absolut gar nicht im Blickfeld hatte ich Sonic Free Riders – das neue Racing-Spiel kommt scheinbar exklusiv für Kinect und sah ganz spaßig aus. Auch hier nur äußerst subjektive Eindrücke von außerhalb der Kabine – ob es sich gut steuern lässt, ist eine ganz andere Frage.

Großer Unterschied: Normales Publikum beim "Dance Central" und...

...richtige Profis am Werk. Natürlich zockten die Damen auf "Hard" und schienen keinen Move zu verpassen. Respekt!

Was ich übrigens recht oft in diversen Foren lesen musste: Die Kinect-Steuerung sei äußerst laggy und reagiere nur träge auf Eure Eingaben. Meinen einzigen Vergleich kann ich nur zu Guitar Hero und Rock Band ziehen – diese sind auf Messen wie dieser ebenfalls alles andere als gut kalibriert. So musste ich bereits nach wenigen Sekunden Spielzeit DJ Hero 2 links liegen lassen – testen die Messeleute solche Displays eigentlich mal selbst an? Sind die taub? Oder blind? Oder beides gleichzeitig?

Deswegen würde ich auch noch nicht soviel auf alle Behauptungen geben, dass Kinect absolut unbrauchbar ist – solche Messestände sind IMMER eine schlechte Testumgebung.

Natürlich bestand die Messe nicht nur aus Microsoft, Sony und Nintendo: Auch die anderen Hersteller protzten mit riesigen Ständen, attraktiven Messe-Hostessen (PC-Eingabegerät-Lieferant Razor kleidete seine „Babes“ in die wohl kürzesten Pants aller Zeiten, Browser-Spiele Profi Bigpoint gab an seinem Stand eine Signierstunde mit Playboy-Bunnys) und gigantischen Leinwänden.

So sehen richtige DJ Heroes aus! Wie sagt man? "Derber Style, alta!"

Bastelstunde mit den PC-Moddern.

Die Rabbids-Merchandise-Maschine läuft weiter. Auch zu "Die verrückte Zeitreise" kommen wieder eigene Figuren auf den Markt.

Wer braucht schon Luigi, wenn man Mario gleich zweimal haben kann?

Torwart-Line-up bei EA: Andi Köppke, Lutz Pfannenstiel und Lars Leese beim munteren Interview zu FIFA 11.

Torchlight 2 war eines der gut versteckten Highlights der Gamescom. Die Verhandlungen zur Adaption des ersten Teils für XBLA und PSN sind übrigens am laufen!

Die Hände zum Himmel: Sobald es was zum Absahnen gab, spielte die Menge verrückt.

Ahja, sowas steuert heutzutage also Kampfroboter. Soso...

Außerhalb der Messe durfte man sich mit einem Stuhl gen Himmel schleudern lassen. Yeah! (Quelle: Thomas Majde)

Noch ein Highlight zum Schluss: Der Retro-Stand von René Meyer (Haus der Computerspiele) gehörte wie schon in den letzten Jahren zu den heimlichen Stars der Messe. Hier konnten sich Retro-Liebhaber auch abseits vom Messe-Stress bequem hinplätzen und gemütlich mehrere Runden Pong, Giana Sisters (und die dreiste Kopie Super Mario Bros. ^^), sowie eine Runde Tekken auf der guten, alten Playstation Numero Uno zocken.

Die Retro-Sammlung ist mittlerweile so groß geworden, dass sie sogar im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet ist. Mehr als 750 Konsolen, Heimcomputer und LCD-Spiele horten die Macher mittlerweile, dazu kommen rund 5000 Retro-Games. Wer mehr wissen will, surft einfach mal beim Wiki-Eintrag von Renè vorbei – hier finden sich auch alle weiterführenden Links!

Ich persönlich war besonders fasziniert mal wieder ein Mario’s Cement Factory bewundern zu dürfen. Der für seine Verhältnisse recht große Tabletop war meine erste Berührung mit Videospielen, in einem Zeitalter jenseits von Breitband-Internet, WLAN und iPhone. In Japan hätte ich das schmucke Teil beinahe selbst kaufen können – wenn nicht die 150 Euro gewesen wären 🙂

Mein heiliger Gral - mal wieder hinter einem dicken Display vor meinen Patschehänden gesichert.

Mein Fazit: Ich werde zu alt für solche Messen 🙂 Scheinbar drehen die Veranstalter auch den Sound der Messe in immer schrillere Höhen – nach der Messe versagte meine Stimme und in meinen Ohren spielte eine unbekannte Band den Cha-Cha-Cha-Song. An Probespiele war von Donnerstag bis Sonntag nicht zu denken – einzig der Pressetag bot dazu das passende Ambiente.

Dennoch freue ich mich auf die nächsten Jahre – immerhin ist die Gamescom die einzige, europäische Messe dieser Art. Also: Bis zum nächsten Jahr auf der Gamescom!