Ausflug nach Yudanaka: Die Schnee-Affen von Jigokudani

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Gleich zwei Worte, welche Europäer nur schwer über die Lippen, geschweige denn buchstabieren können: Yudanaka ist ein kleines, romantisch-verschneites Dorf in den japanischen Alpen in der Nähe des bekannten Olympia-Ortes NaganoJigokudani dagegen ist der Ort, wo die wohl sprichwörtlich coolsten Affen des Planeten gemächlich in warmen Wasserpools vulkanischen Ursprungs chillen und entspannen.

Übersetzt heißt Jigokudani Höllental – Grund hierfür sind die heißen Quellen und die daraus resultierenden schwefeligen Dämpfe, welche den Ort vor allem im Winter zur schaurigen Umgebung im „Silent Hill Stil“ verwandeln.

Hier erfahrt Ihr, wie Ihr die Affen im japanischen Hinterland am besten und einfachsten ausfindig macht!

Im Winter wirkt die Stadt wie eine düstere Version von "Silent Hill". Brrrr!

Im Winter wirkt das kleine Berg-Nest Yudanaka wie eine düstere Version von "Silent Hill". Brrrr!

Anfahrt:

Nagano ist von Tokyo ca.  90 Minuten entfernt – dank der genialen Shinkansen-Verbindung vergeht die Reisezeit äußerst bequem und wie im Flug. Die Stadt selbst hält für Touristen neben einem bekannten Tempel samt kultiger Buddha-Statuen und einem Einkaufszentrum nicht viel parat – außer im Winter, denn dann mutiert Nagano zum Wintersport-Paradies für Japaner. Nagano wurde vor allem durch die Austragung der olympischen Winterspiele 1998 auch bei uns bekannt.

Yudanaka hingegen ist weit weniger auf Touristen ausgelegt und nur per gemütlicher Bimmelbahn erreichbar. Die Nagano Dentetsu Linie fährt in ziemlich unregelmässigen Abständen ca. alle zwei Stunden von Nagano bis Yudanaka und braucht für eine Strecke 45 Minuten. Die genauen Fahrtzeiten erfahrt Ihr hier.

Yudanaka kurz vor Sonnenuntergang - wenn sich der Nebel lichtet, wirkt die Stadt gleich charmanter!

Yudanaka bei Sonnenuntergang - wenn sich der Nebel lichtet, wirkt die Stadt gleich charmanter!

Vor Ort:

Gleich am Bahnhof von Yudanaka befindet sich auch der Busbahnhof und ein kleiner 24H-Einkaufsladen für den schnellen Snack zwischendurch. Wer etwas durch die Stadt streift, findet einen erstaunlich platzierten Kollegen aus Good Old Germany: Einen Spar-Laden! In einem kleinen Nest wie Yudanaka wirkt dieses Stückchen Heimat gleich doppelt befremdlich.

Hotels gibt es einige, viele preisen hauseigene Onsen (heiße Quellen) an. Überhaupt ist ganz Yudanaka ein äußerst heißer Ort – im Winter stoßen die Dampfschwaden aus einer Vielzahl an vulkanischer Quellen.

Der Weg zu den Affen:

Wer sich von Yudanaka zu Fuß aufmachen will, der sollte etwas mehr Wandererfahrung mitbringen, als meine Frau und meiner einer. Die Strecke ist lang… und vor allem bergig, also nichts für wohlproportionierte Leute. Eine einfache Möglichkeit wäre die Wanderroute von Shibu Onsen aus, aber auch dort muss man erstmal hinkommen.

Ab Yudanaka fährt jedoch auch ein Bus, über Shibu Onsen direkt zur Haltestelle Kambayashi Onsen. Die Busse fahren nicht regelmässig, nicht sehr lange und auch nicht oft, man sollte sich vorher also gut informieren. Die genauen Fahrzeiten liegen am Busbahnhof Yudanka aus. Für alle, die den letzten Bus verpassen bleibt nur ein Fußmarsch, oder die Fahrt mit dem Taxi!

Ab der Haltestelle Kambayashi Onsen beträgt die Wanderzeit noch immer gute 30 bis 45 Minuten – je nach Gemütslage.

Im Winter (Dezember bis März)  fährt übrigens der sehr praktische SNOW MONKEY MiniBus. Aber auch dieser Bus fährt nicht besonders regelmässig und nicht an allen Tagen! Wenn Ihr das Glück haben solltet, fahrt Ihr jedoch direkt bis zum Jigokudani Parkplatz, von dort aus beträgt der Wanderweg nur noch 10 Minuten. Dieser Parkplatz ist  im Winter für alle anderen Autos geschlossen, die einzige Möglichkeit  nah an die Affen ranzukommen wäre dann also der MiniBus.

Tickets für den MiniBus müssen einen Tag vorher am Busbahnhof Yudanaka erworben werden, es gibt jedoch immer nur 9-18 Plätze. Telefonisch kann man die Tickets unter 0269-33-1851 vorreservieren, jedoch rate ich dringend zu guten Japanisch-Kenntnissen. Auch wenn die Schnee-Affen die Gegend berühmt gemacht haben, gibt es nur wenig Einwohner, die Englisch verstehen.

Endlich am Affenpark angekommen:

Der Weg war weit, bergig und sehr mühsam, wenn man nicht gut Japanisch kann. Jetzt möchte man also auch endlich was für die ganzen Mühen geboten bekommen!

Der Eintritt zu den Schnee-Affen kostet für Erwachsene 500 Yen, Kinder kommen für die Hälfte rein.

Geöffnet hat der Park an 365 Tagen im Jahr, von August bis Oktober sind die Öffnungszeiten von 8:30-17:00 Uhr, von November bis März von 09:00-16:00 Uhr.

Ca. 200 japanische Makaken bevölkern den Park und haben es sich in Jigokudani heimisch gemacht. Das Gebiet liegt mitten in der Natur und die Affen rennen überall frei herum. Die meisten Zuschauer verschlägt es natürlich direkt zur heißen Quelle, in der die Affen baden. Es gibt sogar eine Live-Kamera, die direkt auf die Affen Badewanne zeigt.

Die Affen haben sich dort natürlich vorrangig wegen dieser heißen Quellen angesiedelt, so dass ihnen menschliche Besucher schon lange nichts mehr ausmacht. Makaken gibt es überall in Japan, die badenden Schneeaffen zählen aber, aufgrund zahlreicher Fernsehberichte, zu den berühmtesten Tieren in Japan.

Natürlich gibt es auch Regeln im Affenpark – Japaner stehen halt genauso auf Bürokratie, wie wir in Deutschland. Man soll die Affen nicht versuchen zu betatschen oder sie zu erschrecken. Die Tierchen haben ziemlich scharfe Zähne und wissen sich durchaus gegen nervige Touristen zu wehren. Wenn ein Affe von selber auf einen zukommt (oder sogar hochklettert) heißt es: Keine Panik schieben! Man sollte den Affen auch nicht direkt in die Augen starren, sie sehen sowas als Provozierung.

Meine Versuche mit einem der Primaten eine Runde „Schere, Stein, Papier“ zu spielen sind ebenfalls voll in die Hose gegangen.

Außerdem ist die Fütterung der Affen verboten – ein Gebot, über welches viele Touris gerne mal hinwegsehen (zur Freude der Affen). Die Affen erhalten regelmässig Futter und suchen sich die meiste Nahrung in der Wildnis – wer den possierlichen Viechern Futter reicht, trainiert diesen unwissend „Touristen haben Futter!“ an. Das führt zu Überfällen, Diebstählen und kleinen Berserker-Affen – also lasst es am besten gleich bleiben (und hofft, dass die Touristen vor Euch ebenfalls die Regeln beachten!).

Fotos und Video-Aufnahmen sind übrigens im gesamten Park gestattet und gern gesehen. Man sollte sich die Chance nicht entgehen lassen – wann hat man sonst schon einmal die Gelegenheit japanische Schneeaffen beim Baden zu begaffen?

Hier zwei kleine, selbst gedrehte Videos aus dem wohl heißesten Affen-Puff aller Zeiten – und sorry für die schlechte Bild-Qualität!

Hier geht’s zur englischen Homepage vom Affenpark. Und noch eine Info zum Schluss – obwohl ich hier bereits einiges zusammengefasst habe: dieser Blog von Zeno zum Thema Snow-Monkeys ist einfach unschlagbar. Wer noch weitere (englische) Infos zum Thema sucht, ist dort sehr gut aufgehoben.