Retro-Moment der Woche (Numero 11): Zombies ate my neighbors

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Zombies jump around! Jump! Jump! Jump around!

Zombies jump around! Jump! Jump! Jump around!

Eigentlich ist es ja der Retro-Moment der letzten Woche 😉 Aber psssst! Nicht weitersagen!

Zombies sind „in“. Zombies sind „cool“. Sie tümmeln sich in (hierzulande nicht erhältlichen) Wii-Spielen, treiben Call of Duty Spieler durch Kinosäle und lassen sich sogar im Wilden Westen von Red Dead Redemption blicken. Das war natürlich nicht immer so – Anfang 1994 mussten sich die fauligen Untoten noch mit einem Nischendasein zwischen altgedienten Horror-Fans und schlecht gelaunten Mitgliedern der hiesigen Bundesprüfstelle für jugendgefährdene Medien zufrieden geben.

Wenn, ja wenn da nicht LucasArts gewesen wäre. Die eifrigen Entwicklerburschen von damals haben natürlich nicht mehr viel gemein mit der Gruppe, welche sich heutzutage allen voran dem Star Wars Franchise verschworen hat und diese Sci-Fi-Kuh (stilecht mit Darth Vader Helm!) bis zum Umfallen melkt. 1994 war der Titel, dem ich diesen Retro-Moment widmen möchte, ein kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommenes Aufflackern LucasArt’scher Kreativität ganz im Stil der großen Vorbilder wie Maniac Mansion, Monkey Island und Loom.

Die Rede ist vom Super Nintendo und Mega Drive Klassiker Zombies ate my Neighbors – in Europa kurzerhand umbenannt in Zombies und von Konami veröffentlicht. Das Spielprinzip war simpel wie genial: In der Form von Blondie Zeke (inklusive 3D-Brille!) oder der braunhaarigen, Cappy-tragenden Julie machte man sich aus einer seitlich versetzten Vogelperspektive auf durch diverse Level, rettete Nachbarn vor blutrünstigen Monstern und bekam die finale EXIT-Tür erst dann zu sehen, wenn alle Personen entweder gerettet oder entsprechend zum Zombie-Snack verarbeitet worden waren.

Um mich dem Spiel noch einmal zu stellen, habe ich im Voraus die Anleitung studiert – 1994 war die Zeit, in der Anleitungen mehr waren, als simple Schwarz-Weiß Beilagen mit notgedrungener Knopfbelegung.

Doch lassen wir LucasArts für sich selbst sprechen!

„Willkommen! Es erwartet Sie eine äußerst ungewöhnliche Spielerfahrung.
Dieses Konami-Spiel ist randvoll gefüllt mit Ghoulen, Monstern und Zombies.

Erobern Sie 55 Level voller Riesenameisen, verrückter Wissenschaftler und monströser Babies.
Finden Sie die punktebringenden Bonus-Level, und laden Sie Ihre Wasserpistolen und andere Waffen nach!
Sehen Sie… wie Zombies die Welt bedrohen, wie Außerirdische Cheerleader entführen, wie Mumien Touristen verfolgen!
…und das alles auf Ihrem Fersehschirm in ZOMBIES! von Konami.“

 

Ja, richtig gelesen: Riesenbabys! Und Riesenameisen! Und Mumien! Dazu kamen sogar noch kleine Kinderpuppen, welche frappierend an Chucky die Horrorpuppe erinnerten… und deren lachendes Gekreische für Gänsehaut sorgte. Für pubertierende Jugendliche wie meinereiner war dies damals die gesamte Monsterpalette für MEIN Super Nintendo.

Dazu gab es neben der öden Wasserpistole mit dem „Pffft“-Soundeffekt noch jede Menge andere, coole Waffen: Bazookas! Sodabomben! Messer! Teller! Feuerlöscher! Rasentrimmer! Eis am Stiel! Eine aufblasbare Clownsfigur, welche durch Ihr schallendes Gelächter alle Untoten anlockt. Und ein ganz besonderer Trank, der Euch kurzzeitig in einen prügelnden Werwolf verwandelt.

Ihr merkt schon: Zombies ate my neighbors war ein Kreativ-Fest für alle Horrorfans. Im Einkaufscenter spielte ein Baby auf der Rolltreppe. Und im Heckenlabyrinth machten verrückte Kettensägenmörder mit weißer Maske auf Euch Jagd. Womit wir auch gleich bei meinem Retro-Moment wäre: Chainsaw Hedgemaze Mayhem!

Alleine die Musik des Levels hat sich bis heute festgebrannt, aber zusammen im Zweispieler-Modus mit meinem jüngeren Bruder durch das Heckenlabyrinth rennen, während der verrückte Kettensägentyp auf uns Jagd macht? Dies ist definitiv mein Retro-Moment der Woche!

Hier noch einige, eher unbekannte Fakten zum Klassiker:

1.) Level 25 hörte auf den Namen „Guck mal, wer da einkauft“ und bot gigantische Riesenbabys als Gegner. Der von Thomas Gottschalk schrecklich synchronisierte Film „Guck mal wer da spricht!“ schlug zur selben Zeit Wellen in der Filmlandschaft.

2.) Es gab einen Bonus-Level, in welchem die Tentakel aus dem Kultklassiker „Day of the Tentacle“ (bzw. „Maniac Mansion“) einen Auftritt hatten. Beweisvideo folgt!

3.) In der Anleitung enthalten sind die Titel, welche das Spiel sonst noch hätte bekommen sollen (wohlweißlich: dies ist die deutsche Anleitung!):

Geht ein Zombie zum Arzt…
Ghoul Busters
Zombie-Grillfete im Kleingartenverein
Zombies – Damit sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können
Zombies – bitte nicht füttern!
My Grab is my Castle
(krude Übersetzung ^^)
Kein schöner Sarg in unser Zeit
Ghouls just wanna have Fun
Herr Doktor, ich fühl‘ mich so blutleer!
Immer lustig und vergnügt, bis der Typ im Sarge liegt
(OUCH!)
Lieber Zombie als Lassie (DOPPEL OUCH!)
Wenn der Zombie schlägt…

Ganz schön … creepy 🙂 Wieviel die Entwickler und Übersetzer damals an Alkoholika und Halluzinogenen zu sich genommen haben, gehört ins Reich der Spekulation.

4.) In Deutschland hörte der verrückte Kettensägenschwinger auf den Namen „Heinz Zimmermann„.

5.) Es gab tatsächlich einen Nachfolger zum Spiel: Ghoul Patrol erschien nur wenige Zeit später, wurde jedoch von einem Third Party Studio programmiert und erreichte nicht mehr ganz die Klasse des Vorgängers.

Für alle, die jetzt nochmal selbst in die Welt der Zombies abtauchen wollen: Nintendo hat das modrige Grab der Zombies als Virtual Console Download für die Wii geöffnet, so kommt Ihr also auch heute noch an den Klassiker.