Retro-Moment der Woche (Numero 8): Über den Wolken…

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… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
blieben darunter verborgen, und dann
würde was uns groß und wichtig erscheint
plötzlich nichtig und klein.

Shalala! Ja, das ich meinen heutigen Retro-Moment der Woche ausgerechnet dem deutschen Liedermacher Reinhard Mey verdanke… ich kann es ehrlich gesagt selbst kaum glauben. Aber einer muss Euch Kulturbanausen da draußen ja etwas deutsches Liedergut näher bringen 😉 Obwohl die Videospieler in meinem Umfeld alles andere als Kulturbanausen sind… zurück zum Thema!

Als Rollenspieler bin ich in meinem Leben in zahlreiche Rollen geschlüpft: Meist mit Schwert in der Pranke, hin und wieder auch mit Pistole, Maschinengewehr, Laserschwert oder Bumerang ausgerüstet, habe ich mich durch Steppen, Wüsten, eisige Gipfel, frostige Höhlen, staubige und rattenverseuchte Keller, blühende Landschaften, dunkle Wälder und viele Ortschaften mehr geprügelt, geknobelt und gelabert.

„Komm zum Thema Jong!“ Und ja, ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen! Denn obwohl sich der Dreamcast-Klassiker Skies of Arcadia an so ziemlich jede JRPG-Konvention hielt, war (und ist!) zumindest das Setting bis heute ungewöhnlich bis einzigartig. Womit wir wieder bei Reinhard Mey wären: Über den Wolken…

…denn genau dort spielte sich der Großteil der Abenteuer von Skies of Arcadia ab. In der Rolle von Luftpirat Vyse und seinen beiden Ladys (der quirligen Aika und der mysteriösen Fina) kämpfte man sich durch einen ganzen Haufen an Zufallsbegegnungen und klemmte sich einige Male sogar als Kapitän hinter das Ruder eines der schwer bewaffneten Luftschiffe.

Die Geschichte kann ich Euch an dieser Stelle kaum mehr erklären – zu lange ist es her und bei Wikipedia oder diversen RPG-Seiten abschreiben gilt nicht 😉 Soviel nur kurz zur Auffrischung: Nach anfänglichen Auseinandersetzungen untereinander, musste sich Eure Truppe auf die Suche nach sechs Mondkristallen machen, welche gigantische Roboter (Gigas) befehligen konnten. Und ein pöses, pöses Imperium war natürlich ebenfalls ganz scharf auf die Teile.

Skies of Arcadia hat mich jedenfalls sehr lange beschäftigt – über 60 Stunden segelte ich damals über die Wolkenmeere, bekämpfte gigantische Roboter in epischen, strategisch angehauchten Luftschiffmanövern… und verlor mich in der Welt über den Wolken. Denn eine Sache, welche heutige Fast Food RPGs wie Final Fantasy 13 beinahe vollkommen außer Acht lassen: Nichts geht über die Vorstellungskraft der Spieler, bzw. die „geilste Grafikkarte aller Zeiten“.

Denn neben der Hauptaufgabe des Spiels, gab es auch abseits einiges zu entdecken: Geheime Inseln und legendäre Artefakte warteten nur darauf, von mutigen Piraten gefunden zu werden. Und im späteren Verlauf des Spiels offenbarte sich, dass es sogar eine Welt unter den Wolken gab – eine ähnlich große Enthüllung für mich, wie die Schattenwelt in A Link to the Past… oder das auf den Kopf gestellte Schloss von Dracula in Symphony of the Night.

Was lag unter den Wolken? Wie weit konnte ich das Luftschiff noch treiben? Meine Gedanken bei Skies of Arcadia über (und unter!) Wolken schweben lassen… mein Retro-Moment der Woche!

Noch einige Infos zum Abschluss: Erschienen ist der Titel auf zwei GD-Roms am 5. Oktober 2000 in Japan (dort übrigens unter dem Titel Eternal Arcadia), die Veröffentlichung in Europa geschah nur ein halbes Jahr später im April 2001. Leider hatte der Titel jedoch ein gewaltiges Problem: Die gewählte Plattform (SEGA’s Dreamcast, Friede ihrer Asche!) lag im Sterben. Genauer gesagt: Die Dreamcast röchelte gerade ihre letzten Atemzüge. Und so verpasste ein Großteil der noch immer freudig auf Playstation 2 zockenden Gemeinde den Titel schlicht aufgrund der gewählten Plattform.

Doch SEGA hatte ein Einsehen mit den Fans – und portierte das Spiel als Director’s Cut drei Jahre später unter dem Namen Skies of Arcadia Legends auf den Nintendo Gamecube. Nur Schade, dass ein Großteil der Rollenspielerzunft hierzulande zu dieser Zeit ihre Importe und mühsam aus dem Internet gezogenen „Kopien“ lieber auf der Playstation 2 zockte. So blieb auch für die inhaltlich aufgewertete Gamecube-Version der kommerzielle Erfolg aus.

Unter Spielern gilt Skies of Arcadia jedoch als heiliger Gral der Dreamcast-Zeit – selbst die Fachzeitschriften und diverse Internet-Portale überschütteten das Spiel des japanischen Studios Overworks mit Lob. Wem der Name Overworks jetzt nichts sagt: Das sind die Jungs hinter Streets of Rage, Revenge of Shinobi, Sakura Wars, und Phantasy Star. Mittlerweile existiert das Studio nicht mehr, sondern wurde zusammengefügt mit Wow Entertainment (House of the Dead) und existiert mittlerweile als Sega Wow.

Warum ich Euch das erkläre? Nun, Sega Wow ist heutigen Rollenspielfans sicher kein Unbekannter. Und wer Valkyria Chronicles gezockt hat, der weiß sowieso Bescheid… schließlich tauchten auch hier zwei gute, alte Bekannte auf… diesmal unter den Namen Vyse Inglebard und Aika Thompson – Mitglieder des Squad 7!

So, genug gefachsimpelt! Um es nochmal mit Reinhard Mey zu halten:

Gute Nacht Freunde! Es wird Zeit für mich zu gehen!