Retro-Moment der Woche (Numero 12): Chrono Cross

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What was the start of all this?
When did the cogs of fate begin to turn?
Perhaps it is impossible to grasp that answer now,
From deep within the flow of time…

Vor gefühlten hundert Jahren war meiner einer noch vom größenwahnsinnigen Wunsch beseelt irgendwann einmal (in hundert Jahren!) Schriftsteller zu werden. Ich war ein kleiner, zurückgezogener Teenager, der nicht viel mit Mädchen anfangen konnte, dafür aber mit einer gewaltigen Anzahl an geretteten, virtuellen Prinzessinnen punkten konnte (jedenfalls vor sich selbst und den nerdigen Freunden).

Während dieser Zeit sprudelte meine Phantasie jeden Tag über vor neuen, bahnbrechenden Ideen – welche Hollywood in den darauffolgenden Jahren gerne in mittelprächtiger Action-Kost umsetzte (ohne mich vorher gefragt zu haben!).

Das Benzin meines Gedankenmotors bestand weitgehend aus Videospielen, gewürzt mit einer Prise Stephen King und veredelt durch japanische Anime- und Manga-Kultur – einer der ersten (Queen Millenia – Königin der 1000 Jahre) hätte gar einen eigenen Retro-Moment verdient, wenn auch das Thema nur schwer an diese Stelle passen würde. Womit wir zu dem Spiel kommen, dessen englische Einleitungsworte Ihr bereits oben gelesen habt und welches ich bis heute als Katalysator meiner frühen Fantasie verstehe.

What was the start of all this?

Chrono Trigger? Pah! Da ich den Vorgänger verpasst habe, war Chrono Cross für mich persönlich der wahre, erste Teil des hochgelobten Rollenspiel-Duos. Ja, richtig gelesen. Meiner einer hat Chrono Trigger bis heute nicht zu Ende gespielt, während Chrono Cross regelrecht verschlungen wurde. Auch heute gehört Chrono Cross noch zu meinen absoluten Lieblingen. Neuzeitliche Rollenspiele aus dem Land des Lächelns –  wie etwa Lost Odyssey oder gar Final Fantasy 13 – stinken dagegen ab… weit ab!

Für alle Uneingeweihten: Chrono Trigger erschien bereits 1995 auf dem Super Nintendo in Nord Amerika und Japan – ein deutscher Release folgte 2008 (stolze 13!!! Jahre später) in aufgebohrter Version für den Nintendo DS. Jeder Nerd, der was auf sich hält, schwärmt bis heute von Chrono Trigger und lobt es in den höchsten Tönen als DAS Rollenspiel für Konsolen.

Schon damals waren Akira Toriyama und Nobou Uematsu an Bord der Produktions-Crew und sorgten für einen unvergessenen Soundtrack und geniales Charakterdesign.

Fünf Jahre nach Chrono Trigger, pünktlich im Jahr 2000 (Weltuntergang – olé!) kam Chrono Cross für die PSOne auf den Markt. Entwickelt wurde das Spiel von einem anderen Team: Den Soundtrack betreute diesmal Yasunori Mitsuda (u.a. Shadow Hearts 2 / Tobal No. 1), grafisch durfte sich Nobuteru Yuki (Seiken Densetsu 3 / Legend of Mana) austoben.

Selbstverständlich kam Chrono Cross NICHT nach Europa, denn für anspruchsvolle Rollenspiel-Kunst waren wir in den Augen von Squaresoft noch nicht geeignet – entweder dass, oder die fleißigen Japaner mochte uns einfach nicht (was ich bezweifle, denn beinahe alle Japaner lieben uns „Wurst-mampfende“ und „Bier aus großen Gläsern trinkende“ Deutsche!).

Ebay-Verkäufer freuen sich bis heute über den Umstand: Die US-Fassung von Chrono Cross lässt bis heute nette Summen ins eigene Portemonnaie fließen. Ich persönlich würde es selbstverständlich niemals verkaufen. Niemals!

Doch warum beeinflusste mich Chrono Cross so sehr?

Das Spiel beginnt recht dramatisch und steigert sich immer weiter und weiter: Hauptcharakter Serge ist zwischen zwei Welten gefangen und hält ein düsteres Geheimnis parat: In Welt Numero Uno ist er eigentlich tot, ertrunken am Strand. In eben dieser Welt trifft Serge auf die Diebin Kid, mit deren mysteriösen Anhänger er fortan zwischen den Dimensionen und Zeiten wechseln kann.

Das sich daran anschließende Abenteuer gehört erzähltechnisch und vom Charakterdesign her zum Besten, was mir bislang in einem Rollenspiel geboten wurde – die beinahe in Suikoden-Dimensionen anwachsende Charakteranzahl ganz außen vor gelassen..

Zahlreiche Ideen ließ ich auf ähnliche Weise auch in meine erste, selbstgeschriebene Geschichte miteinfließen: Die Wiedergeburt des Helden in einer anderen Welt, Zeitreisen…  selbst den mysteriösen Harlekin mit ihrem unverfälschlichen Z-Akzent (“Zis Anzer iz correct!”) ließ ich eine eigene Rolle zukommen. 500 vollkommen unformatierte Din A4 Seiten sind dabei herausgekommen, teilweise sogar noch auf einer guten, alten Schreibmaschine getippt.

Kein Wunder, dass mir das aufgeklappte Buch am Anfang von Chrono Cross zusammen mit der Musik und dem geschriebenen Text noch heute einen wohligen Schauder über den Rücken laufen lässt – immerhin ist die Erinnerung an das Spiel somit immer verbunden an mein erstes, großes Schreibvorhaben mit dem knappen Titel Back – The Begin.

Chrono Cross als lyrisch-kreative Schreibvorlage? Back – The Begin und Zeitreisen? Mein Retro Moment der Woche!

Yet even then, we ran like the wind,
Whilst our laughter echoed,
Under cerulean skies…

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in den schlicht überragenden Soundtrack des Spiels, produziert von Yasunori Mitsuda. Absolute Gänsehaut-Garantie! Vorweg gleich mein absoluter Lieblingssong Time’s Scar – ungeduldige Naturen halten mindestens bis 1:15 durch!

Ausflug nach Another Termina

Fast vergessen: Radical Dreamers verzückt mit japanischem Gesang. Der Titel des Songs lehnt sich an das gleichnamige Spiel an, welches zwischen Chrono Trigger und Chrono Cross erschienen ist und nur japanischen Nerds bekannt sein dürfte: Das Grafik-Adventure erschien für das japanische Satellaview-Add-On des Super Famicom.

Na, nanana… Star-Stealing Girl!

Noch ein letztes Wort: Wenn Ihr eine umgebaute Playstation oder gar eine US-Playstation besitzt, solltet Ihr Euch die Chance nicht entgehen lassen an ein Exemplar von Chrono Cross zu kommen. Ihr werdet es sicher nicht bereuen!