Retro-Moment der Woche (Numero 14): Krazy Ivan

Flattr this!

Willkommen in einem Zeitalter, in dem kurze Filmchen mit realen Schauspielern noch der letzte Schrei auf dem stark anwachsenden Markt der Videospiele waren. Willkommen in einer Zeit, in der eine kleine, graue Kiste (welche ursprünglich als Disc-Laufwerk für das selige Super Nintendo geplant war) unser aller liebstes Medium in neue Bahnen lenkte. Willkommen auf der guten, alten Playstation!

Videos mit realen Schauspielern gelten heutzutage als betagt und sind nur noch sehr selten in Videospielen zu sehen – die Renderkunst eines Final Fantasy 13 oder diverse Trailer (beispielsweise das erste Teaser-Video zum neuen Batman: Arkham City) benötigen keine Schauspieler mehr, die Übergänge zwischen Realität und Virtualität verwischen immer mehr. Da ist es beinahe verstörend, wenn Sony beispielsweise Werbung mit realen Schauspielern für das zukünftige Resistance 3 produziert – ich jedenfalls musste bei diesem Trailer doch sehr an alte Zeiten denken. Und die, meine werten Damen und Herren, waren alles andere als rosig.

Wer an diese frühen Versuche von Film-Videospiel-Hybriden denkt, dem fallen wohl zuerst Wing Commander und Command & Conquer ein – zumindest letztere ist eine Serie, welche selbst heute noch auf diese Real-Einblendungen setzt (dank zwinkerndem Auge und haarsträubender Dialoge sogar erfolgreich).

Aber ich will hier nicht mit Spielen anfangen, welche eh jeder Retro-Zocker auswendig kennt – heute will ich mich einem ganz besonderen Charakter meiner Jugendzeit widmen: Ivan Popovich, besser bekannt unter seinem Synonym KRAZY IVAN!

Das äußerst schräge Mech-Geballer erschien nur wenige Monate nach der Veröffentlichung der Playstation Anfang 1996 in Europa und gehörte somit beinahe zum Start-Line-up der Konsole. Entwickelt wurde der Titel vom englischen Studio mit der Eule, dem ich bis heute noch einige Tränen nachweine: Psygnosis (…und selbst heute muss ich noch nachschlagen, wie der Name geschrieben wird!). Zwei Umsetzungen erschienen für PC und Sega Saturn.

Die eifrigen Programmierer sind vielen Zockern eher bekannt durch Spiele wie Shadow of the Beast, oder den später für Playstation erschienenen Titeln Destruction Derby, Formula 1 und G-Police – mit Krazy Ivan bringt man das Studio dagegen eher nicht in Verbindung. Was dank der Qualität wohl auch besser so ist.

Indem für heutige Maßstäbe grausam anzublickenden 3D-Geballer konntet Ihr Euch frei in einer dreidimensionalen Welt bewegen und diversen Mechs eins auf die Mütze geben. Aus  jedem abgeschossenen Mech flohen kleine, blaue Soldaten, welche Ihr dann retten musstet. Extrawaffen gab’s einige, die Gegnermodelle waren recht schick gemacht… aber das absolute K.O.-Kriterium kam mit der extrem knappen Spielzeit von gerade mal einer bis maximal zwei Stunden.

Nur fünf Welten hielt das Spiel für Euch bereit: Vom kargen Russland ins noch kargere Arabien, über Frankreich nach Amerika und letztendlich Japan – wer sich Zeit ließ, benötigte für jede Zone maximal 15 bis 20 Minuten. Und da heulen die Leute heutzutage, wenn Ihr fett produziertes Call of Duty „nur“ sechs bis sieben Stunden dauert 😉

Warum schafft es der mittelprächtige Titel dann zu einem Retro-Moment der Woche? Nun, zum einen habe ich vor kurzem den bereits erwähnten Resistance 3 Trailer mit Real-Schauspielern gesehen und wurde sofort an Krazy Ivan erinnert. Zum anderen will ich den Retro-Moment sicher nicht nur guten Spielen widmen – Gurken-Games machen in Sachen Retro viel mehr Spaß!

Hier noch einer der wohl besten Gesprächsfetzen aus dem Spiel:

„Der Eiffelturm ist zerstört, Notre Dame ist zerstört…“
Krazy Ivan gähnt gelangweilt.
„…nun bewegen sich die Truppen in Richtung Euro Disney.“
Krazy Ivan blickt auf.
„Waas? Sie wollen Disneyland zerstören? Niemals! Los! Halt durch Mickey, ich komme!“

Trash pur!

Resistance 3 Werbung gucken und an Retro-Trash wie Krazy Ivan denken? Mein Retro-Moment der Woche!

Neben der vielen Kritik verbirgt sich in Krazy Ivan aber noch ein echtes Highlight – zumindest für Fans elektronischer Klänge. Den Soundtrack zum Spiel lieferte CoLD SToRAGE, ein „waliser Jung“ mit Realnamen Tim Wright (toll, jetzt will ich einen Retro-Moment über Sim City verfassen!).

Und wem CoLD SToRAGE (damals war es noch cool, Namen so zu schreiben!) jetzt gar nichts sagt: Ähnlichen Beats dürft Ihr auch bei WipEout und WipEout 2097 lauschen!

Zuletzt war Tim Wright bei Sonic & Sega All Star Racing involviert, aber sein Schaffen in Sachen Videospielen geht weit über diese Titel hinaus. Wie Ihr seht: Ein interessanter Typ! Wer mehr wissen (und hören!) will, schaut mal auf seiner offiziellen Homepage nach – dort gibt’s die entsprechenden Verlinkungen und eine gewaltige Liste an kostenlosen Songs! Fast wie Weihnachten 😉

Zum krönenden Abschluss noch mein Lieblingstitel und gleichzeitig wohl auch einer der bekannteren Songs von CoLD SToRAGE: Cold Comfort. Diesmal aus WipEout, dem Erstling wohlgemerkt (ein Titel, der ebenfalls nach einem Retro-Moment schreit!).