Reise nach Japan – Teil 2: Fortbewegung im Land der Massen

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Japan – Land der Hundekostüme, Land des grünen Tees, Land der Videospiele… ja, Japan gilt bis heute (trotz der kreativen Erstarkung des Westens) als Mekka für die spielende Zunft.

Nintendo hat sein japanisches Hauptquartier in Kyoto, wo die Vorväter von Miyamoto bereits ab 1889 Spielkarten verkauften. Sega wurde zwar (ca. 1940) auf Honolulu gegründet, zog aber schnell in das schillernde Tokyo um – vielleicht ein Grund, warum Sonic in einem Palmenlevel beginnt. Konami startete 1969 im schillernden Osaka, aus dem auch die Street Fighter Heroen von Capcom stammen. Der japanische Rollenspiel-Riese Square fand 1983 in Yokohama seinen Anfang, während das heutige Square Enix in Mitten von Tokyo im Stadtteil Shibuya residiert.

Kurz: Wer die Geschichte der Videospiele bis heute verstehen und nachvollziehen will, für den ist Japan der wohl wichtigste Ort der Welt. Im ersten Teil unseres Ratgebers gaben wir bereits erste Reise-Tipps rund um Aufenthaltsdauer, Kosten-Planung, Gepäck, Flugverbindungen und die besten Flugzeiten. Jetzt geht es endlich weiter!

Fortbewegung in Japan – wie komme ich am schnellsten von A nach B?

Einmal in Japan angekommen, steht man natürlich vor der großen Frage: Wie komme ich jetzt an mein Ziel?

Bahnfahren ist in Japan ein Muss. Natürlich kann man sich auch ein Auto mieten, aber gerade in Großstädten (Tokyo, Osaka, etc.) ist der Nahverkehr die günstigere und schnellere Wahl. Ohne Ortskenntnisse ist die Parkplatzsuche in Tokyo für Ausländer ein Buch mit sieben Siegeln – von der Streckenführung ganz zu schweigen.

Ganz im Gegensatz zum Streckennetz der Bahn: Dieses ist umfangreich und das ganze Land gut erschlossen – der wichtigste Punkt ist jedoch, dass japanische Bahnen äußerst pünktlich sind. Nur ganz selten kommt es vor, dass ein Zug verspätet einfährt… und selbst diesen Rückstand holt man (meist) auf der Strecke wieder ein. An diesen minutengenauen Abfahrten könnte sich die deutsche Bahn definitiv ein Beispiel nehmen.

Der Shinkansen hält haargenau in der dafür vorgesehenen Markierung, daher hat man vorher genug Zeit sich das richtige Abteil zu suchen. Übrigens sollte man nicht hinter die gelbe Linie treten, sonst gilt man als potentieller Selbstmörder!

Der Shinkansen hält haargenau in der dafür vorgesehenen Markierung, daher hat man vorher genug Zeit sich das richtige Abteil zu suchen. Übrigens sollte man nicht hinter die gelbe Linie treten, sonst gilt man als potentieller Selbstmörder!

Eine der eindrucksvollsten Erinnerungen bleibt eine Bahnverspätung, welche dank eines technischen Fehlers über 10 Minuten auf dem Tacho hatte. Endlich eingestiegen, entschuldigte sich der Bahnfahrer an JEDER Station für die Verspätung – ein hierzulande eher weniger auftretendes Verhalten.

Wer in seinem Japan-Urlaub mehrere Stationen ansteuern will (zum Beispiel Tokyo – Kyoto – Osaka), der ist trotz des mittlerweile hohen Preises mit einem Japan Rail Pass gut beraten. Die kleine Karte erlaubt Euch die Nutzung diverser Shinkansen-Züge (Hochgeschwindigkeitszüge), welche Euch im Null-Komma-Nix durch’s ganze Land befördern – so könnt Ihr (einige Vorausplanung vorausgesetzt) definitiv Geld sparen.

Was bringt mir der Japan Rail Pass? Brauch ich den?

Den Japan Rail Pass hatten wir bereits im ersten Teil unseres Ratgebers angesprochen – jeder Urlauber mit Touristenvisum kann das kleine Stück Pappe erwerben. Er ist jedoch nur außerhalb von Japan bestellbar, ein Antrag vor der Abreise ist also notwendig. Die richtigen Ansprechpartner dafür sind Reisebüros wie Megatravel, Explorer Fernreisen oder Jaltour.

Die Preise sind überall gleich und werden in Yen angegeben – die Möglichkeiten zum Sparen sind gering bis nicht vorhanden. Den Pass gibt es für eine, zwei, oder drei Wochen – bei dem starken Yen-Kurs ist vorausschauende Planung sinnvoll. Wie bereits erwähnt lohnt sich der Pass nicht (!) für den Nahverkehr (beispielsweise für Leute, die nur in Tokyo Urlaub machen wollen). Anstelle dessen greift man zu preiswerten Einzel- oder Tagestickets.

In Japan angekommen wird der Gutschein an bestimmten Ausgabestellen eingelöst, Informationen und Karten zu Umtauschstellen werden meist mit dem Gutschein zusammen verschickt. Für den Umtausch in den richtigen Rail Pass wird der Reisepass benötigt – außerdem wollen die Leute von JR wissen, in welchem Zeitraum man den Japan Rail Pass nutzen möchte. Für Touristen ohne Japanisch-Kenntnisse bieten sich hier die Umtauschstellen am Flughafen, oder an den großen Bahnhöfen (Shinjuku, Ikebukuro) an. Das JR Personal ist dort in Sachen „Englisch“ um einiges versierter.

Welche Züge kann ich mit dem Rail Pass nutzen?

Mit dem gültigen Japan Rail Pass könnt Ihr alle Shinkansen Züge (außer dem Nozomi, dem Prunkstück der japanischen Zugflotte), einige Langstreckenbusse, JR Nahverkehr und die Fähre nach Miyajima nutzen – eine kleine Insel südwestlich von Hiroshima, bekannt für Ihr rotes, im Meer untergehendes Tor (den Itsukushima-Schrein). Letzteres würde Euch sonst stolze 3 Euro kosten – also keine besondere Ersparnis 😉

Bevor Ihr Euch den Rail Pass zulegt solltet Ihr Euch außerdem überlegen, wo Ihr genau hinfahren wollt und ob diese Strecke mit dem Japan Railway Netz erschlossen ist. In Japan gibt es viele unterschiedliche Bahnunternehmen (sei es im Nah- oder Fernverkehr) und nicht alle Orte sind mit JR zu erreichen. Die klassischen Touristen-Hotspots sollten Euch diesbezüglich jedoch keine Probleme machen.

Wenn man Glück hat, kann man den Fuji während einer Shinkansen Fahrt von Tokyo nach Osaka sehen. Einfach auf die Japaner im Abteil achten, die gucken zur richtigen Zeit raus!

Wenn man Glück hat, kann man den Fuji während einer Shinkansen Fahrt von Tokyo nach Osaka sehen. Einfach auf die Japaner im Abteil achten, die gucken zur richtigen Zeit raus!

Weitere Infos (sogar auf Deutsch!) zum Railpass gibt es auf der dazugehörigen Homepage! Gute Seiten, um sich vorher Zugverbindungen herauszusuchen sind Jorudan und Hyperdia.

Wer darauf besteht, kann übrigens auch vorab seine Wunschplätze in Zügen reservieren (mit dem JR Pass kostenlos). Dies ist jedoch nicht ganz so wichtig, da vor allem der Shinkansen auf den wichtigen Strecken (Tokyo – Kyoto – Osaka)  regelmäßig fährt und die Anzahl an Zugabteilen mit unreservierten Plätzen entsprechend hoch ist. Die erste Klasse erkennt Ihr daran, dass sich ein grünes Kleeblatt auf den Waggons befindet. Diese dürft Ihr nur nutzen, wenn Ihr auch den entsprechenden First Class Rail Pass mit Euch führt.

Einmal im Zug niedergelassen, könnt Ihr Japan dann in Hochgeschwindigkeit an Euch vorbeiziehen lassen – ein einmaliges Erlebnis!

Ich hasse Züge! Zu viele Menschen! Zu eng! Es stinkt! Alles doof!

Ruhig Blut für alle Bahn-Geschädigten – verglichen mit einem Bahn-Trip durch Deutschland, ist eine Fahrt im Shinkansen purer Balsam für die Seele. Die Züge gleiten mit teils bis zu 300 Km/h durch die Landschaft und lassen Euch dabei nichts von der Strecke spüren. Keine brutalen Bremsungen, kein Ruckeln, keine quietschenden Waggons. Die Toiletten sind sauber, an jedem größeren Bahnhof hetzt eine Putztruppe durch den gesamten Zug (!) und die Sitze sind selbst für fette Europäer wie unsereins großzügig bemessen.

Auch um das Gepäck muss man sich keine Sorgen machen – Stellflächen hinter den Sitzen sind breit genug für Koffer und Rucksäcke. Wer nicht gerne mit dem Rücken in Fahrtrichtung fährt, der darf aufatmen: Japaner schaffen es tatsächlich die Sitze in Zügen immer in Fahrtrichtung zu drehen – und dank der tollen Motorik lassen sich die Sitze per Hebel auch wieder zurückdrehen. Praktisch, wenn man mit mehreren Personen reist, oder wenn man es sich einfach etwas bequemer machen will. Japaner ziehen Ihre Schuhe beim „Füße hochlegen“ übrigens aus und Euch wird diesbezüglich auch kein Pförtner nerven.

Chillaxen auf Japanisch: Dieser Japaner dreht einfach zwei Sitze herum und macht es sich so zusammen mit seiner Tochter in einer Vierplatz-Insel bequem...

Chillaxen auf Japanisch: Dieser verschlafene Bursche dreht einfach zwei Sitze herum und macht es sich so zusammen mit seiner Tochter in einer Vierplatz-Insel bequem...

Für den Hunger zwischendurch gibt es an jedem Bahnhof Reiseverpflegung (Ekiben), dazu kommen diverse Service-Leistungen während der Fahrt. Wenn eine kleine Japanerin Euch mit mobilen Servicewägelchen versorgt (oder mit nervigen Handy-Aufklebern bombardiert) und sich daraufhin gefühlte tausend Mal bedankt, kommt Ihr Euch schnell wie in der ersten Klasse eines Flugzeuges vor.

Billiger kommt Ihr natürlich davon, wenn Ihr Euch bereits vor der Reise in den diversen Supermärkten versorgt. Das sieht dann folgendermaßen aus und ist nur bedingt gesund. Japanische Hot-Dogs gehören für Fleischwurst-Fans wie meiner einer sowieso zum Pflichtprogramm 😉

Eine ganz andere Welt erlebt der geneigte Japan-Tourist in Tokyo: Hier sieht das Bahnfahren schon ganz anders aus! Die wohl bekannteste Bahnlinie in Tokyo ist die Yamanote-Sen – Videospieler mit Nippon-Hang kennen den grünen Zug aus der kruden, japanischen Bahn-Sim Densha de Go!

Yamanote Line? Wo hält die denn?

Die Yamanote Linie gehört zum JR Konzern (somit auch mit dem Rail Pass nutzbar!) und verbindet die wichtigsten Punkte Tokyos in einem großen Kreis miteinander – deswegen ist die Yamanote auch als Ringlinie bekannt. Den Zug erkennt man an seiner hellgrünen Färbung – auch auf Bahnhöfen ist diesbezüglich alles in grünen Tönen ausgeschildert.

Lange Wartezeiten gibt es bei der Yamanote nicht. Aber passt auf die gelbe Linie auf :)

Lange Wartezeiten gibt es bei der Yamanote nicht. Immer brav in Reihe aufstellen - und passt auf die gelbe Linie auf 🙂

 

Für Touristen gibt es kaum eine bessere Alternative, um Tokyo zu erkunden. Einfach in die Bahn setzen und an einem der 29 Bahnhöfe aussteigen. Kurze Info für Uneingeweihte: Die schiere Größe von Tokyo hat diverse Zentren rund um die Bahnhöfe entstehen lassen. Während in Deutschland eine Stadt meist herum um eine Kirche (oder die alte Stadtmauer) gewachsen ist, gelten in Tokyo die Bahnhöfe als Mittelpunkt vieler Stadtteile – je weiter Ihr Euch vom Bahnhof entfernt, desto mehr Wohngebiete sprießen um Euch herum.

Für die ganze Runde benötitgt die Yamanote-Sen ungefähr eine Stunde – falls man also erschöpft in der Bahn einschlafen sollte, kommt man irgendwann trotzdem an sein Ziel. Zu den wichtigsten Stationen der Yamanote-Sen gehören Shinjuku (der Bahnhof mit dem größten Passagieraufkommen der Welt!), das schräge Jugendviertel Harajuku, die Party- und Shopping-Meile Shibuya, Tokyo (Hauptbahnhof mit riesigen unterirdischen Shopping-Dungeon), das Elektronik- und Nerdviertel Akihabara, Ueno (Parkanlagen, Museen und Einkaufsmeile) sowie Ikebukuro (Sunshine City Center und Hochburg vieler Big Camera Filialen).

Diese Karte ist auf meinem Mist gewachsen - deswegen keine Garantien ;-)

Diese Karte ist auf meinem (Photoshop-Anfänger) Mist gewachsen - deswegen keine Garantien 😉

Absolut beeindruckend ist auch die Frequenz, in welcher die Yamanote in die Bahnhöfe einfährt. Die Züge kommen zur Hauptzeit alle zwei Minuten, ansonsten im vier Minutentakt. Immer wieder ein höchst seltsames Verhalten von Japanern: Obwohl sie eigentlich nur zwei Minuten warten müssten, rennen sie trotzdem zur Bahn und rempeln (für Japaner sonst sehr ungewöhnlich) alles um, was sich ihnen in den Weg stellt. Da kommt man sich als Urlauber schonmal veralbert vor 😉

Die Züge sind äußerst modern eingerichtet: Auf LCD Monitoren laufen verrückte Werbespots und Wetterberichte, außerdem wird die nächste Station (auch in englischer Sprache) angezeigt. Zweisprachige Ansagen sorgen dafür, dass man hier selbst ohne Japanisch-Kenntnisse jede erdenkliche Chance hat, seinen gewünschten Zielort zu finden. Mit einer Länge von 11 Wagons steht man als deutscher Tourist meist ungläubig am Bahnsteig – so lange Bahnen ist man hierzulande nicht gewöhnt.

Stoßzeiten sind unbedingt zu vermeiden – Ihr werdet ohnehin eher selten in den Genuss eines Sitzplatzes kommen. Morgens (bis etwa halb 10) und zum Feierabend mutieren die Züge dann zu fahrenden Sardinenbüchsen. Zu diesen Zeiten gibt es übrigens eigene Waggons für Frauen – aufgrund von fiesen Griffel-Attacken der männlichen Kundschaft (sogenannten Chikan).

Bahnverkehr in Ueno

Bahnverkehr in Ueno

So komisch es sich anhört: Jeder Bahnhof hat seinen eigenen Sound – einige Melodien sind sogar je nach Fahrtrichtung unterschiedlich. Wenn ich an Japan denke, stehen diese Töne meist an oberster Stelle meiner Lieblingserinnerungen. Alle Durchsagen kann man sich übrigens auch im Internet anhören – insbesondere für Leute, die schon vor Ort waren, ein gewaltiger Flashback: Klick mich! Hier! Tu es! Komm schon! Tu es!

Noch eine letzte Info für Party-People: Die letzte Bahn fährt ca. um kurz nach 1 Uhr morgens, danach sind Taxis angesagt! Frühaufsteher nehmen die erste Bahn der Yamanote Linie um 4 Uhr 26. 

Die Yamanote-Sen als japanisches Phänomen

Die grünen Züge der Yamanote-Sen sind mittlerweile aus Tokyo nicht mehr wegzudenken – nach den vielen Jahren hat sich ein absoluter Hype um die Züge (und Züge allgemein) gebildet. Mangas, Animes, T-Shirts, Blogs, Videospiele (besagtes Densha de Go!), Uhren, Wecker, Plastik- und Plüsch-Maskottchen… im Gegensatz zur deutschen Bahn ist die Yamanote-Sen mit allem gesegnet, was die japanische PR hergibt.

Wer sich für das Zeug interessiert, der sollte mal in diversen japanischen Kaufhäusern (z.B. Tokyu Hands) vorbeischauen – die Teile gehören mit zu den beliebtesten, japanischen Mitbringseln! Und wer gerne mit japanischen Kollegen einen über den Durst trinken will, der nimmt am Yamanote-Trinkspiel teil: Hierbei müssen alle Bahnhöfe in der richtigen Reihenfolge angesagt werden – wer falsch liegt, der darf ordentlich Sake schlucken. Kampai! Profis erinnern sich dabei am besten an den Yamanote-Song.

„Poah, ist der groß!“ Orientierung in japanischen Bahnhöfen

Wie soll man sich als Tourist in einem Bahnhof zurechtfinden, welcher die Größe eines Einkaufszentrums hat? Für Uneingeweihte ist es kaum vorstellbar, wie gigantisch die im Untergrund verborgenen Hallen von Tokyo sein können – über mehrere Ebenen wandert Ihr an diversen Shops und Futtertempeln vorbei und kommt allerhöchstens auf Laufbändern und extrem langen Rolltreppen zu einer Verschnaufspause.

Wie immer im Leben gilt auch hier: RUHE BEWAHREN. Die Züge fahren in äußerst kurzen Abständen, so dass ein verpasster Zug die Hektik davor kaum rechtfertigt. Dank japanischer Schilder-Kultur findet Ihr praktisch selbst als absoluter Anfänger die passende Bahnlinie, welche sich alle durch eine distinktive Farbe voneinander unterscheiden lassen. Folgt den Linien am Boden, den U-Bahn Farben und den Ausschilderungen für die Metro und den JR Linien… und seid vorsichtig, wenn Ihr an eine Ecke kommt 😉

Während man schon hierzulande nicht immer den richtigen Ausgang am Hauptbahnhof findet, ist die Angelegenheit in Japan noch komplizierter. Wer beispielsweise in Akihabara oder Ueno gleich den richtigen Ausgang erwischt, hat schlicht Glück oder eine sehr gute Spürnase bewiesen. Versucht die Ausschilderung zu beachten – so schwer es teilweise auch fallen mag.

Neben der Yamanote-Sen sind speziell für Touristen noch einige Tokyo-Metro Linien interessant: Die rote Marunouchi-Linie führt Euch zum Tokyo-Dome (Station Korakuen), mit der gelben Ginza-Linie kommt Ihr selbstverständlich zur teuren Einkaufsstraße Ginza und zum berühmten Senso-Ji Tempel nach Asakusa. Die graue Hibiya-Linie nutzt Ihr um im „Ausländerviertel“ Roppongi einzukaufen, oder um Euch früh am Morgen den berühmten Tsukiji Fischmarkt anzuschauen.

Die vorgelagerte Insel Odaiba, inklusive Fahrt über die Rainbow-Bridge, erreicht Ihr von Shimbashi aus mit der Yurikamome Linie. Da Odaiba genug Stoff für einen ganz Tag bietet (beispielsweise Sega Joypolis und zwei Einkaufszentren), könnt Ihr dort getrost zu einem Tagesticket greifen.

Und so sieht das dann aus, wenn zwei deutsche Nerds durch den Bahnhof von Ikebukuro tuckern – ganz fiese Wackelkamera inklusive (sorry!).

Noch einmal zusammengefasst: Merkt Euch die Farbe „grün“ und den Namen Yamanote. Und seid nicht scheu mal nachzufragen – erstaunlich viele Japaner begleiten Euch daraufhin wie selbstverständlich bis hinauf zum gesuchten Bahnsteig. Auch ein Verhalten, wovon man hierzulande nur träumen kann.

Die komplette Karte der U-Bahn in Tokyo gibt es hinter diesem Link als pdf zum herunterladen und ausdrucken.

Panik am Bahnhof: Diese Ticketautomaten… versteht man die auch als Ausländer?

Klare Antwort: Ja, selbst als ungebildeter Hinterwäldler hat man jede Chance einen japanischen Ticketautomaten zu verstehen. In Tokyo sind diese meist mehrsprachig – einfach die gewünschte Station wählen, Geld einwerfen – fertig! Das Ticket öffnet Euch dann die Schranke zum Bahnsteig – beim Verlassen des Zielbahnsteiges wird das Ticket eingezogen. Den Rail Pass hingegen zeigt Ihr einfach den Leuten im „He, ich kann hier den ganzen Tag sitzen“-Häuschen neben den Schranken – die winken Euch daraufhin durch.

Wer seinen Zielort (noch) nicht kennt, der kauft erstmal das billigste Ticket und zahlt am Zielbahnhof per „Fare adjustment“ nach – fragt zur Not einfach die besagten Aufpasser. Besser zu wenig bezahlen, als zu viel! Gerade wenn Ihr umsteigen müsst (oder Euch nicht sicher seid) ist das günstigste Ticket die bessere Wahl – viele Japaner sind ebenso planlos und machen es genauso!

Japan-Dauerbesucher sollten über die Anschaffung einer Guthabenkarte für das Nahverkehrssystem nachdenken. Wenn Ihr das erste Mal durch eine Ticketschranke lauft, achtet einfach auf die vielen Japaner neben, vor und hinter Euch. Viele werden ihr Portemonnaie oder Handy einfach auf ein Sensorfeld am Anfang halten und kein einzelnes Ticket verwenden.

Für JR Linien gibt es die schicke grüne Suica Karte („Super Urban Intelligent Card“) mit Pinguin drauf. Diese ist nicht nur in Tokyo, sondern auch in anderen Städten mit JR Nahverkehr gültig, zum Beispiel Hiroshima oder Osaka. Die JR Karte ist darüber hinaus noch ein praktisches Zahlungsmittel: Bezahlt in Geschäften wie Yodobashi oder Bic Camera mit dem Pinguin, oder zieht Euch mit Eurem Guthaben ein Getränk am nächsten Automaten. Suica ist um einiges vielseitiger als die deutsche Geldkarte und sehr beliebt – hier der Link zur englischen JR-Seite.

Tokyo-Touristen sollten zur praktischen Pasmo Karte greifen. Diese gilt für das Tokyo Metro und das JR Netz innerhalb der Hauptstadt. Ihr könnt also ohne Bedenken die Bahnlinien wechseln und müsst nicht immer darauf achten, mit was für einem Betreiber Ihr fahrt. Weitere Infos gibt es hier.

Für beide Karten müsst Ihr 500 Yen Pfand bezahlen. Ihr bekommt diese in JR und Metro Reisebüros (dort könnt Ihr sie nachher auch zurückgeben), oder an den jeweiligen Automaten. Aufladen könnt Ihr die Karte ebenfalls am Automaten. Auch hier gilt „Fare adjustment„: Wenn Ihr zu wenig Guthaben habt, bezahlt Ihr einfach vor dem Verlassen der Schranke nach.

Rush-Hour in Tokyo, oder: Das Schwarmverhalten von Japanern

Den Großteil der Zeit verschwenden die Japaner mit Bahnfahren – die meisten Japaner kommen aus dem Umland von Tokyo und sitzen schonmal gerne zwei oder drei Stunden in der Bahn um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Wer als Tourist verstehen will, was das japanische Bahnsystem ausmacht, der kommt um einen Besuch in Shinjuku nicht herum: Hier gibt es den wohl größten Bahnhof der Welt! Täglich rennen hier rund drei Millionen (!!!)  Menschen hindurch. Trotz der schieren Anzahl an Menschen, die um einen herumwuseln, bleibt die Ordnung stets gewahrt – Ausländer haben zudem den Vorteil den kleinen Japanern über den Kopf schauen zu können und sich so besser zu orientieren.

Die Bahnen sind scheinbar auch der einzige Ort, wo Japaner schlafen können. Durchaus verständlich, beträgt doch die durchschnittliche Schlafdauer eines Japaners im mittleren Alters ungefähr dem Nettoeinkommen eines Dorfeinwohners in Zimbabwe in Minuten. Und (sonst so gar nicht liebesbedürftig) kuscheln sich Japaner in der Bahn dann gerne an fremde Schultern und sabbern deren Jacken voll, während sie sich durch abstrakte Traumkonstrukte kämpfen – entweder als rosa Power Ranger verkleidet gegen Godzilla kämpfend, oder als schriller „Gackt“ Verschnitt vor Schulmädchen posend.

Wovon ich bis heute absolut begeistert bin, ist das „Schwarmverhalten“ von japanischen Menschenmassen. Während einem hierzulande schon einmal zwei oder drei entgegenkommende Menschen aus dem Tritt bringen können, „fließt“ in Japan alles sauber aneinander vorbei – Ihr werdet Euch also sicher nicht so genervt fühlen, wie in Good Old Germany. Selbst Leute mit Platzangst können aufatmen: Die Bedrängung in Bahnen ist wesentlich einfacher auszuhalten, wenn man weiß, dass solche Dinge wie Taschendiebstahl  in Japan kaum vorhanden sind – Tokyo gilt nicht umsonst als einer der sichersten Orte der Welt.

Busfahren in Japan – gibt’s da etwa auch Sonderregeln?

Busse in Japan sind meist wenig komfortabel und in wenigen Städten zu empfehlen – in Kyoto beispielsweise werden Busfahrten zur (nervigen) Pflicht für Touristen, da es kaum Alternativen gibt. Daher lohnt sich in Kyoto fast immer die Anschaffung einer Tageskarte für den Bus. Diese könnt Ihr an einigen Automaten direkt an der Kyoto Station ziehen oder nach Eurer ersten Fahrt beim Busfahrer erwerben.

Das System ist einfacher und verständlicher als in Deutschland: Hinten einsteigen, Nummer ziehen, hinsetzen! Daraufhin auf die Durchsagen und die große Leuchttafel vorne achten – dort steht auch gleich der Preis, den Ihr an Eurer Station möglichst passend zahlen solltet.

Mit dem Katzenbus geht es zum Studio Ghibli in Mitaka.

Mit dem Katzenbus geht es zum Studio Ghibli in Mitaka.

Reisebusse sind eine weitere Alternative, wenn man partout nicht mit der Bahn fahren oder dank Nachtfahrt eine Übernachtung im Hotel einsparen möchte. Die günstigen Reisebus-Gesellschaften bieten nicht sehr viel Platz, wer dagegen den Japan Rail Pass nutzt genießt den Luxus von JR Reisebussen. Beinfreiheit, leere Busse (weil der Preis höher ist und nicht so viele Teenies mitfahren können), sowie Decken und Pantoffeln für den vollen Komfort inklusive.

Tickets für Reisebusse gibt es im japanischen Reisebüro (Achtung Sprachbarriere!), oder in einem JR Reisecenter („Midori no madoguchi“).

Hau mir ab mit Nahverkehr – ich will ein Auto und gemütlich cruisen!

Gemütlich „cruisen“ in Tokyo ist ein Ding der Unmöglichkeit – da in Japan Linksverkehr herrscht, müsst Ihr Euch erstmal darauf konzentrieren. Grelle Neon-Reklamen, Hochhausschluchten und unglaublich enge Straßen lenken Euch schon als Fußgänger genug ab – im Auto mutiert das Lichtermeer zum epileptischen Kurzschluss. Kurz: Selbst für Linksverkehr erprobte Autofahrer ist Tokyo (meiner Meinung nach) ein absolutes Tabu. Bei Überlandfahrten sieht das schon ganz anders aus – hier erreicht Ihr mit dem Auto einige Orte schneller und (was viel wichtiger ist) könnt auch mal von der ausgenudelten Touristenroute abweichen.

Kommen wir schnell zum „rechtlichen“: Ein deutscher Führerschein reicht nicht, Ihr benötigt eine japanische Übersetzung von selbigem. Dies könnt Ihr schon im Voraus per Post erledigen. Die wichtigsten Adressen hierfür sind die deutsche Botschaft oder der JAF (das japanische Pendant zum ADAC). Kostenpunkt: rund 30 Euro. Schneller geht es es vor Ort, beispielsweise in der deutschen Botschaft, oder beim JAF-Büro in Tokyo. Der JAF ist dabei empfehlenswerter: Hier benötigt Ihr nur wenige Stunden, bei der Botschaft malen die Mühlen der Bürokratie drei bis fünf Tage.

In Sachen Kostenfaktor sollte man noch einige Dinge wissen: Parkplätze sind nicht nur äußerst rar, sondern auch teuer, Autobahnen sind in Japan kostenpflichtig, Mietwagen erschwinglich (ab 5000 Yen), Benzinkosten niedriger als in Europa. Japanische Tankstellen nehmen meist keine internationalen Kreditkarten an – wie immer gilt auch hier: Bargeld mitnehmen!

Straßenschilder außerhalb Tokyos sind nicht immer zweisprachig, mittlerweile gibt es aber in fast jedem Wagen eingebaute Navigationsgeräte, deren Sprache sich zumindest auf Englisch (oft auch auf Deutsch) umstellen lässt.

Zum Abschluss noch zwei Links zum Thema: Diverse Hinweise vom Generalkonsulat Osaka und die JAF Seite auf Englisch.

Züge sind mir zu voll, Autos verpesten die Umwelt, Busse stinken – ich will mich natürlich fortbewegen!

Ich fahr mit meinem Fahrrad! Wer tatsächlich auf einem Drahtesel durch Tokyo preschen will, der kann selbigen natürlich in diversen Shops mieten. Eine wichtige Regel hierbei: Stellt Euer Fahrrad nicht vor Bahnhöfen ab – dies ist in den meisten japanischen Städten verboten. Ergebnis: Euer treues Gefährt wird rigoros abgeschleppt. Das abgeschleppte Fahrrad gibt’s nur gegen eine Gebühr zurück – ohne Japanisch-Kenntnisse seid Ihr hier meist hilflos wie ein Baby im Dschungelcamp.

Helme werden keine benutzt – trotz allem fahren viele Japaner recht rabiat Fahrrad. Natürlich müsst Ihr auch hierbei den Linksverkehr beachten.

Per Pedes: Mit ein wenig Selbstvertrauen und leichten Japanisch-Kenntnissen erkundet man die meisten Städte wunderbar zu Fuß – am Besten startet Ihr am jeweiligen Bahnhof und versucht Euch zum nächsten Bahnhof durchzuschlagen. „Verloren gehen“ gehört zum Abenteuer dazu – versucht den nächsten Bahnhof nur vor 1 Uhr morgens zu finden, da sonst eine Nacht auf der nächsten Parkbank, im Manga-Café, oder eine teure Taxi-Fahrt ansteht.

Auf diese Weise entdeckt Ihr nebenbei viele neue Orte und Geschäfte – auch abseits der gewöhnlichen Routen. Männer müssen eventuell einmal über Ihren Schatten springen und nach dem Weg zum nächsten Bahnhof fragen. Am besten mit folgender Phrase:

„Eki wa doko desu ka?“

Beim „desu“ wird da „u“ nicht gesprochen, Ihr sagt einfach „deska?“. Also ausgesprochen „Eki wa doko deska?“

Wer nach einem bestimmten Bahnhof sucht, baut einfach den gesuchten Ort an den Anfang des Satzes ein: „Akihabara Eki wa doko desu ka?“ – „Eki“ steht übrigens für Bahnhof. Wenn Ihr andere Dinge sucht: „XXX wa doko desu ka?“ ist immer eine gute Phrase zum auswendig lernen und in Verbindung mit einer Straßenkarte eine unschlagbare Kombo 😉

Eine weitere Sache, welche Ihr umstellen müsst, ist Eure horizontale Sichtweise der Dinge. In Japan denkt und sucht man vertikal! Ihr findet Euer Restaurant nicht? Dann schaut mal im 15. Stock nach! Ihr wolltet Euch an genau dieser Stelle mit Freunden treffen? Schaut mal ein Stockwerk tiefer nach! Euch waren vom charmanten Yakuza-Boss nette Hostessen versprochen worden? Achtet auf die rot blinkende Leuchtreklame im vierten Stock des versifften Gebäudes vor Euch!

Adressen in Japan – ein Mysterium

Das Zurechtfinden mit japanischen Adressen ist eine hohe Kunst. Die Straßen sind meistens nicht benannt, die Häuser sind konfus nummeriert, kurz: Chaos pur! Es ist bis heute ein absolutes Mysterium, wie japanische Postboten ihr Ziel finden. Wenn man doch einmal den richtigen Häuserblock erreicht hat, gibt es meist eine kleine Karte des Gebietes – doch auch die will erstmal gefunden werden.

Auch auf Visitenkarten finden sich hin und wieder Wegbeschreibungen vom nächsten Bahnhof aus. Navigationsgeräte sind die beste Lösung – leider müsstet Ihr Euch dafür erstmal mit einem Auto nach Tokyo trauen. Treffen mit Bekannten finden eigentlich generell an einem der reichlich vorhandenen Bahnhöfe statt.

Wer absolut keine Ahnung hat, wo ein bestimmtes Ziel liegt, der recherchiert vorher im Internet – am besten über Googlemaps. Ganz Tokyo ist im 3D-Modus begehbar – so findet man schnell seine Wunschadresse und kann sich den Weg auch merken. Hinter diesem Link findet Ihr zum Beispiel das sagenumwobene Super Potato – und könnt gleich eine kurze Tour durch’s stille Akihabara drehen. Fehlt nur noch das 8-Bit Gedudel im Hintergrund!

Leider braucht man für das japanische Googlemaps Erfahrung mit der japanischen Sprache. Ansonsten bleibt einem nur die Möglichkeit vor Ort nachzufragen, oder sich an Taxifahrer und das nächste Kôban (kleines Polizeihaus) zu wenden. Sammelt ruhig so viele Karten an Bahnhöfen ein, wie Ihr tragen könnt – kann nicht Schaden! Dank japanischer Schilderkultur gilt aber generell: Jeder Touristen-Hotspot ist hervorragend ausgeschildert und ohne Probleme zu erreichen.

Soviel also zum zweiten Teil unseres Japan-Ratgebers – aufgrund seiner Länge mussten wir ihn leider wieder absägen, dafür ist Teil 3 bereits so gut wie fertig. Freut Euch schonmal auf einen kulinarischen Ausflug ins Land des Lächelns – wir zeigen, wovon man besser die Finger lässt, was lecker schmeckert und wo auch wenig gut betuchte Herrschaften schnabulieren können.

Und wer Teil 1 verpasst hat, der schaut einfach hinter diesem Link vorbei!