Retro-Moment der Woche (Numero 15): Die Contra Geschichte

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Nur wenige Action-Titel alter Tage sind so gut gealtert, wie das muntere Sci-Fi Spektakel von Konami. Hierzulande bekannt unter dem Namen Super Probotector: Alien Rebels, hörte der Titel im Ausland auf den Namen Contra 3 – The Alien Wars, im fernen Japan schlicht und einfach auf Contra Spirits.

Der Grund des Namenswirrwarrs lässt Langzeitzocker heutzutage schmunzeln – die amerikanische Version samt menschlichen Rambo-Helden war der damaligen Bundesprüfstelle schlicht zu brutal und Nintendo ersetzte die wenig charmanten Heldenfiguren kurzum durch Roboter.

Welche Fassung jetzt „cooler“ ist, muss jeder Spieler selbst entscheiden – zu Super Nintendo Zeiten hatte man jedoch nicht die Import-Möglichkeiten, welche heute herrschen… und so lernte der Großteil der damaligen Jugend das Spiel mit dem blauen und dem roten Roboter kennen.

Ich persönlich bin übrigens auch ein Fan der Roboter… und bin immer wieder erstaunt, wieviele Leute aus meinem Umfeld mir dabei Recht geben. Es müssen halt nicht immer 08/15 Rambos sein – das schicke Mecha-Design rockt bis heute!

Während 3D-Shooter Helden der Neuzeit auf Dauerfeuer verzichten und vorsichtige Schuss-Salven in Richtung Gegner abfeuern, war damals noch brachiales Dauerfeuer angesagt. Während der Daumen bei Jump’n’runs die ganze Zeit auf der Sprint-Taste ruhte, verweilte unser dickster Finger bei Probotector auf der Schuss-Taste, während die sanfte Unterseite des Daumens hin und wieder die Sprungtaste streichelte.

Oder wie es bereits im Intro erklärt wird: „It’s time for revenge. Let’s attack aggressively!“ Der Spruch ist T-Shirt reif. Lasst uns aggressiv attackieren… und diese häßlichen Alien-Mißgeburten zurück in die Hölle schicken!

Apropos Alien-Mißgeburten: Diese stammen aus der Hand von Nobuya Nakazato, der sich in seiner Design-Zeit munter bei H.R. Giger’s Alien und und dem großen, japanischen Sci-Fi Anime Akira (1988) bediente. In Sachen Videospielen ist der Mann bis heute aktiv und arbeitete unter anderem auch an Rocket Knight Adventures, dem PS2-Action-Gemetzel Nano Breaker, dem Castlevania Meilenstein Symphony of the Night und dem Strategie-RPG Vandal Hears 2.

Ihm jedenfalls haben wir die wohl häßlichsten Alien-Köter der Videospielgeschichte zu verdanken:

Wuff?

Wuff?

Natürlich ist dieser fiese Köter nur eine Kleinigkeit, wenn man ihn gegen die zahlreichen Endbosse stellt. Riesige Schildkröten mit Gehirnen als Beinen, Giger-Aliens mit Wespen-Flügeln, die Terminator-Zwillinge und der Flammenspeiende Riesen-Terminator, der überraschend durch eine Wand bricht… Sandwürmer, Gehirne… und noch mehr Gehirne, überall Gehirne! Nakazato setzte sich mit Super Probotector selbst ein Denkmal, wenn es um kreative Feindgestaltung geht… auch wenn die Hälfte wie bereits erwähnt schlicht aus bekannter Sci-Fi der Epoche ausgeliehen war.

Mit Super Probotector war das Run’n’Gun Genre zwar nicht geboren – aber es ist bis heute schlichtweg die Ideenschmiede für viele ähnliche Titel. Für alle Geschichts-Fans: Das Ur-Contra erschien 1987 in den Arcades und wurde unter anderem für das NES umgesetzt. Und das Genre der Run’n’Gun Spiele hat uns bis heute viele meiner absoluten Lieblingstitel beschert: Die Metal Slug Reihe, Gunstar Heroes und die Turrican Serie sind da nur die Spitze des Eisberges.

Neben dem grandiosen Alien-Design, setzte Super Probotector aber noch ganz andere Meilensteine. Der damalige Mode 7 Effekt simulierte tolle 3D-Effekte (wie das in den Bildschirm hineinfliegende Kampfflugzeug im ersten Level) und die Spielmechanik ließ Euch kaum zur Ruhe kommen. Bereits im ersten Level fahrt ihr in einem Panzer, hangelt Euch an Stangen über Feuersbrünste und wechselt zwischen diversen Waffen flüssig hin und her – für damalige Verhältnisse war die stetige Verknüpfung dieser Elemente bahnbrechend.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Nintendo seine Super Nintendo Offensive hierzulande mit Super Probotector im Gepäck startete – in der folgenden Retro-Werbung erscheint das Spiel gleich an zwei Stellen. 360 Grad Turns? Geil, sowas MUSSTE man damals einfach haben.

Der Grund für diesen Retro-Moment ist diesmal übrigens keine bloße Rückerinnerung, sondern die baldige Veröffentlichung von Hard Corps: Uprising über Xbox Live Arcade und das Playstation Network (Erscheinungstermin ist der 16. Februar!). Viele Spieler kennen die Contra-Serie kaum mehr, immerhin hat Konami die letzten Fassungen konsequent gegen die Wand gefahren – eine nach der anderen. Und auch die Hoffnungen für Uprising sind verschwindend gering – besonders der neue Anime-Stil kommt bei den Fans nur bedingt an.

Nach dem seligen Super Probotector erschien noch eine ultra schwere, aber durchaus ansehnliche Version für das Sega Mega Drive: Contra: Hard Corps (respektive Probotector MD). Danach… kam lange, lange Zeit keine vernünftige Iteration mehr. Während in der Playstation Zeit 3D-Spiele boomten, versuchte sich Konami erneut am Contra-Stoff und setzte das vorher für Ecco verantwortliche Studio Appaloosa Interactive in die Verantwortung. Die Delphin-Freunde waren jedoch schlicht überfordert und Contra: Legacy of War verkam zum spielerischen Desaster.

Aber jeder Programmierer hat im Leben eine zweite Chance verdient – also entschied Konami: Geben wir den Jungs von Appaloosa Interactive doch noch eine zweite Chance! Gute Idee? Nicht wirklich! Das Ergebnis hörte auf den dämlichen Namen C: The Contra Adventure und gilt bis heute als schlechtestes Spiel der kompletten Serie – dagegen glänzt sogar der Vorgänger wie mehrere Barren Gold im Gewehrfeuer. Eine geplante Contra-Version für das Nintendo 64 wurde aufgrund der fiesen Kritiken übrigens eingestampft.

Beinahe vier Jahre später, anno 2002, kam Nobuya Nakazato zurück in den Ring und beanspruchte die Contra-Krone zurück. Das daraus resultierende Playstation 2 Geballer kam unter dem Titel Contra: Shattered Soldier in die Läden und ließ Fans aufgrund des knackigen Schwierigkeitsgrades vor Freude aufheulen. Nur die kurze Spieldauer schien mittlerweile für viele verwöhnte Zocker zum Problem geworden zu sein – dafür durftet Ihr die fiesen Bossgegner und deren Kugelhagel penibel auswendig lernen, um überhaupt zum Ende zu kommen.

Auch Shattered Soldier bekam einen direkten Nachfolger, der 2004 in die Regale stürmte: Neo Contra. Mittlerweile hatten aber selbst die Hardcore-Fans kaum mehr Lust auf den immer gleichen Stoff – Neo Contra fand entsprechend wenig Beachtung. Heutzutage hat sich dies alles zum Positiven gewandt: Contra 4 kam exklusiv für den Nintendo DS heraus und besann sich auf den grafischen Stil alter Tage. Und was auf DS super funktioniert, das klappt auch als Download: Contra ReBirth war die Wiedergeburt des 2D-Action-Jump’n’runs per Download über WiiWare… und heimste 2009 zahlreiches Lob aus der Presse ein.

Hier endet mein Ausflug in die Probotector / Contra – Welt auch schon. Ich drücke die Daumen, dass der neuen Uprising-Verwurstung Mitte Februar bessere Kritiken gegönnt sind, als den eher schwachen Vorgängern. Und wer damit nichts anfangen kann, der sollte zumindest Super Probotector nochmal aus der Mottenkiste holen und einige Runden wagen – dieses Spiel rockt auch heute noch gewaltig die Hütte! Alternativ könnt Ihr Super Probotector übrigens über die Virtual Console der Wii herunterladen.

Bleibt nur noch zu sagen: Let’s attack… aggressivly!