Retro-Moment der Woche (Numero 17): Po’ed und die anale Phase

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PO’ed? Was zum Geier? Was bedeutet „PO’ed„? Nun, um es genau zu nehmen:Angepisst. Mächtig angepisst.

Und woher kommt PO’ed? Vom 3DO! Immerhin hatte Konsolen-Produzent Panasonic rückwirkend betrachtet auch allen Grund angepisst zu sein – die als Interactive Multiplayer angepreiste Konsole wurde dank unerschwinglichem Preis (699 Dollar!) zu einem der wohl größten Flops der Videospielgeschichte.

Für Retro-Forscher ist das 3DO übrigens ein ebenso sperriges Objekt – neben dem Vertrieb durch Panasonic gab es noch den Goldstar 3DO Interactive Multiplayer, ebenso wie den Goldstar 3DO ALIVE II (Süd Korea) und den Sanyo TRY 3DO Interactive Multiplayer (Japan) – alles Geräte, über die man nicht allzu viele Informationen im Internet findet.

Nicht dass meiner einer sich je ein 3DO hätte leisten können (genauso wenig wie das um WELTEN attraktivere NEO GEO). Ich griff zwei Jahre später einfach zur PO’ed Version auf der guten, alten Playstation. Übrigens einer der Titel, in denen Wände noch eindimensional sein durften. Gute, alte Zeit!

Entwickelt wurde PO’ed von Any Channel, vertrieben von Accolade. Über ersteres konnte ich selbst nach etwas ausgiebiger Suche nicht viel herausfinden – zumindest existiert die hinten auf die Anleitung gedruckte Internet-Adresse anychannel.com nicht mehr. Ja, wo sind die bloß die ganzen Leute hin, welche uns 1997 (bzw. der 3DO-Release 1995) diesen – entschuldigt meine degoutante Ausdrucksweise – kranken Scheiß aufgetischt haben?

Nichts, aber auch wirklich NICHTS in diesem Spiel verfolgte einen höheren Sinn. Das Level-Design ist aus heutiger Sicht schlicht psychopathisch, die Gegner-Kreationen entsprangen scheinbar dem Hirn eines drei Monate lang mit Wodka Red Bull abgefüllten Teenagers. Alles übrigens auch genau die Gründe, warum mir das Spiel bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Fangen wir vorne an: Held Ox gehört zur Crew der U.S.S. Pompous und betätigt sich in der Kantine als bester Koch des Universums – schließlich wollen die Jungs der Space Marines zwischen ihren Aufträgen was zwischen die Beißerchen bekommen. Probleme gibt es, als die Pompous plötzlich von fiesen Aliens überrannt wird und die genannten Marines nicht mehr in Burger beißen, sondern ins Gras. Für Ox bleibt nur ein Ausweg: Schnell die Bratpfanne gekrallt und ab in den Kampf!

Soviel zur verrückten Hintergrundgeschichte. Bereits bei der Wahl des Schwierigkeitsgrads kommt der krude Humor des Spiels zum Vorschein. Wählen dürft Ihr zwischen „I like to watch (easy)“, „I’m over 30, I have Arthritis in my fingers (medium)“ und „I don’t eat Quiche (hard)“. Überhaupt hat der ruppige Charme des Spiels viel von Duke Nukem – ohne natürlich dessen Qualitäten zu erreichen.

Kommen wir zu den wahren Stars des Spiels: Ärschen auf Beinen, welche Euch zu allem Überfluss noch mit gelb-braunen Exkrementen beschießen. Falls Ihr es noch nicht getan haben solltet, dann solltet Ihr Euch JETZT das oben verlinkte Video anschauen. Das Zusammenspiel von Soundeffekten (Bratpfanne auf Popo) mit verpixelter 3D-Grafik wird Euch sicher in Euren nächsten Träumen verfolgen!

Neben den (in der vor mir liegenden Anleitung) als Buttheads titulierten Feinden, gibt es noch weitere Ausgeburten krankhafter Fantasie: Ralph ist ein großes Maul auf zwei Beinen, die Amazonen heizen Euch mit zwei Raketenwerfern ein, Arnie schmeißt mit Felsbröcken… und da versagt auch schon die Fantasie von unserem mit Wodka Red Bull abgefüllten Teenie. Fledermäuse? Lahm! Komische Wespen? Noch lahmer! Cypider als böse Spinne… und Endgegner? Lahm, lahm, lahm!!!

Selbes Bild bei der Waffenauswahl: Während die Bratpfanne und der Bohrer (ja, ihr bohrt sprichwörtlich in fremden Hintern herum!) damals noch als revolutionär-kranke Ideen gefeiert wurden, hat man den Rest bereits hunderte Male vorher gesehen: Laser, Flammenwerfer, Schnellfeuerkanonen, Raketenwerfer… sicher nichts, woran man sich heute noch erinnern muss.

Die Level des Spiels waren vor allem eines: unübersichtlich. Für heutige Verhältnisse würde ich fast sagen: unspielbar. Löcher im Boden erkannte man kaum, die tatsächlich meist eindimensionalen Wände machten einige Labyrinthe bereits damals zur epileptischen Qual. Und dennoch bleibt mir diese eine Szene bis heute in Erinnerung: Der Koch mit Jetpack und Bohrer in der Hand – immer dazu bereit Alien-Popos blutig zu bohren.

Schon in der Schule sagte man mir nach, ich sei in der „analen Phase“ steckengeblieben – und mein favorisierter Popo-Humor kam in diesem Spiel wie für mich gemacht. Die „Anale Phase“ – Witze meiner Schulkollegen dagegen stammten aus einem simplen Manga von Großmeister Akira Toriyama: Dr. Slump! Verstehe bis heute nicht, was an kleinen Kindern welche Kacke mit Stöcken aufspießen und den Erwachsenen vor die Nase halten schlimm sein soll – Arale ist die Beste! (…womit übrigens auch endlich geklärt ist, woher ich mein Profilbild habe).

Mit Bratpfannen auf Alien-Ärsche hauen? Mein Retro-Moment der Woche!

PS: Noch eine Frage in die Retro-Runde: An welche Spiele erinnert Ihr Euch, in denen Hintern als Gegner vorkamen?