Retro-Moment der Woche (Numero 18): Monster in my Pocket

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Eigentlich müsste dieser Beitrag eher „Monster vom Dachboden“ heißen. Oder wie meine Eltern das „Zimmer“ in der obersten Etage nannten: das Kabäusken. Weiß gar nicht, ob „Kabäusken“ ein richtiges Wort ist (kurz nachgeschlagen und überrascht herausgefunden – es IST ein richtiges Wort!).

Unser Dachgeschoss inklusive meiner Jugendwohnung hielt (zum Glück!) auch eine kleine Toilette bereit… und in dieser gab es eine kleine Tür in der Wand. So wie sich viele Kinder immer vor dem Monster im Schrank fürchten, pflegte meiner einer in seiner Kindheit anständige Klo-Paranoia. Abhilfe schufen erste Kontakte mit Playboy und Co. – aber dies ist ein anderes Thema.

Heutzutage muss ich ganz schön den Kopf einziehen, um mich überhaupt in das winzige, mit Kisten vollbeladene Zimmer dahinter zu quetschen. Die Dachschräge macht das Abenteuer ins Spielzeugland meiner Kindheit nicht gerade leichter, der muffige Geruch erinnert an Schwimmflügel (PVC?), Sommer mit Omi und Mami im Schwimmbad, Rumlümmeln auf Teppichen… und die Modelleisenbahn meines Vaters – ich persönlich war da eher der Strax-Typ (Beispielvideo gibt’s hier!).

Dies zum Kabäusken. Meine Eltern kamen nun letzte Woche auf die grandiose Idee das ganze, verdammte Zeug aus dem Stauraum zu entfernen… und mir anzudrehen. Als hätte ich in meiner knapp über 50 Quadratmeter großen Wohnung nicht schon genug Nerd-Krempel rumstehen (ein kleiner Rundblick über Yoshi-Stofftiere, Sammelfiguren, Final Fantasy Trinkdosen, diverse Gesellschaftsspiele, sowie einer abenteuerlichen DVD- und Videospiele-Sammlung bestätigen mich).

Kein Platz für noch mehr Nerd-Crap!

Kein Platz für noch mehr Nerd-Crap!

Aber klar, immer nur her damit! Um Euch die Dimensionen etwas verständlicher zu machen: Stolze sieben XXL-Quelle-Pakete (die innig-geliebte Einpack-Variante meiner Eltern – nebenbei: Wußtet Ihr, dass Super Nintendo Module perfekt in die Eisschalen von Bofrost passen?) stehen jetzt hier rum. Und nerven.

Jurassic Park und mein T-Rex

Jurassic Park und mein T-Rex

Während meiner Durchsicht bin ich auf einige sehr coole Teile gestoßen: ein paar lose He-Man Figuren – inklusive Stinkor (den Namen merke ich mir für den nächsten Online-Shooter vor!). Der He-Man Kassettenkoffer inklusive ALLER Kassetten bis Folge 37. M.A.S.K. – die kultigen Fahrzeuge, welche sich verwandeln konnten. Mighty Max, das maskuline Pendant zu Polly Pocket. Das beinahe komplette Sortiment an Jurassic Park Dinos, Figuren und Fahrzeugen. LEGO-Technik. LEGO-Piraten. Alles, was man sich vorstellen kann und alles, was meine Jugend nachhaltig prägte.

Der sagenumwobene He-Man Koffer

Der sagenumwobene He-Man Koffer

Schlümpfe!

Schlümpfe!

Besonders überrascht war ich über die gewaltige Ü-Eier Sammlung. Herausfinden, dass man Schlumpfine MIT Original-Springseil hat (Listenpreis 200 Euro aufwärts): Unbezahlbar. Daraufhin herausfinden, dass das verdammte Springseil mit Silikon an eine Hand geklebt ist – Unvorstellbar ärgerlich.

Wo stell ich das Zeug jetzt hin?

Wo stell ich das Zeug jetzt hin?

Zusammengefasst: Meine Wohnung versinkt im Spielzeugchaos… und ich muss einen Retro-Moment schreiben, zudem mir mal wieder spontan kein vernünftiges… Halt! Monster in my Pocket… da gab’s doch… *wühl*, *kram*,… Ah, jetzt, hier, eine Insel!

Monster in my Pocket war eine Serie aus Sammelfiguren, gebrandmarkt durch die Morrison Entertainment Group (zwei der Typen dahinter waren vorher bei Mattel), weltweit vertrieben durch Matchbox. Der „Kult“ begann 1990, das dazugehörige Videospiel erschien Anfang 1992 über Konami für das NES. Pah, wenn das nicht für ’nen Retro-Moment taugen soll…

Ok, in bewegten Bildern sieht das ganze dann doch anders aus. War das Spiel eine Gurke? Denk nach Daniel, denk nach!

Der Trip die Memory Lane hinab findet seinen ersten Halt im großen Zimmer meines kleinen Bruders – ironischer Weise durfte ER meist das größere von zwei Zimmern besetzen (lange vor der Zeit, in der ich meinen pubertären Hintern ins Dachgeschoss hievte).

Während 1992 Hans Dietrich-Genscher in Rente geht, Erich Honecker am Berliner Flughafen verhaftet und Bill Clinton zum Präsidenten gewählt wird, Windows 3.1 auf den Markt prischt und Rage against the Machine ihr erstes Album veröffentlichen, hocken mein Bruder und meiner einer vor der heimischen Glotze und daddeln Monster in my Pocket. Und ja, in Verbindung mit dem obigen Video kann ich guten Gewissens sagen: Wir hatten damals viel Spaß mit dem Teil.

Was natürlich durchaus auch an der fähigen Konami Crew hinter dem Spiel lag. Verglichen mit anderen PR-Spielen der frühen 90er, mussten sich die Monster jedenfalls kaum in der Tasche verstecken. Das Spiel flackerte zwar wie Mondgrütze (angenommen, es gibt überhaupt Mondgrütze… und angenommen sie flackert), aber das epileptische Spielgeschehen fesselte dennoch durch angenehmes Level-Design (über mehrere Ebenen!), coole Monster, kreative Endgegner und sogar annehmbaren Sound – sicher alles keine Voraussetzungen für damalige Werbespielchen.

Vampir und Frankenstein gucken TV

Vampir und Frankenstein gucken TV

Kurz zur kruden Hintergrundgeschichte: Fiesling Warlock überrascht Dracula und Frankenstein bei der abendlichen TV-Session und schickt den „guten“ Monstern seine Mobster auf den Hals. Angriff ist beste Verteidigung, also ab durch’s Haus, die Kanalisation (was hat Konami nur mit diesen Kanalisations-Leveln?),  eine Baustelle, einen orientalischen Garten… bis hinauf zum Monster Mountain. Herausstechende Merkmale von Monster in my Pocket: Der damals ebenfalls längst nicht selbstverständliche Zweispieler-Simultan-Modus (wow, was für ein Wort!) und die Fertigkeit der Helden einen Doppelsprung auszuführen.

Außerdem lag der Spiele-Verpackung eine heutzutage besonders gesuchte Figur bei, welche ich selbst nach einer genauen Durchsicht der sich hier stapelnden Quelle-Kartons nicht finden konnte. Hat bestimmt mein Bruder. Die Sau.

Fazit: Trotz seiner Qualitäten dürfte sich heute kaum jemand an dieses Spiel erinnern – außer er liest diesen Text, oder ihm fallen die Eltern mit alten Spielsachen ins Haus.

Womit ich nochmal auf die Figuren zurückkommen will. Den Sammelobjekten. Dem Sammelwahn. Es geht mir hier jedoch nicht um Material und Figuren – es geht hier um Erinnerungen. Erinnerungen, welche hochkommen, wenn man am Gummi alter T-Rex Figuren schnüffelt und sich plötzlich als kleiner Pimpf in der heimischen Badewanne wähnt. Mami kommt zum Haare waschen. Und Mami konnte schön die Kopfhaut kraulen!

Deshalb nochmal mein gesondertes Fazit für alle Spieler da draußen: Schmeißt Euer Zeug nicht blindlings weg. Und falls Ihr noch nie Toy Story gesehen haben solltet: Behandelt Euer Spielzeug mit Respekt! Immerhin hängt daran ein wesentlicher Teil Eures Lebens. Ihr, die Spielkinder. Darf man sowas zu erwachsenen Videospielern eigentlich noch sagen? „Spielkinder“?

Genug gefaselt, ich steig in die Badewanne und nehme meinen T-Rex mit. Mal schauen ob Mami zum Haare waschen kommt!

Fundstücke im Kabäusken, Monster aus meiner Erinnerung… UND Monster in my Pocket? Mein Retro-Moment der Woche!