Der Retro-Moment der Woche (wird 20!): Memoiren eines Daddlers

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Hachja, sie werden soooo schnell erwachsen. Stolze 20 Lenze zählt der Retro-Moment jetzt schon… und wächst mir langsam, aber sicher über den Kopf hinaus. Lasst mir Euch eines sagen: Es ist gar nicht so einfach sich jede Woche auf’s neue an ein fantastisches Spiel seiner Jugend zu erinnern. Auch wenn es sich verlockend anhören mag. Es ist nicht einfach. Wirklich nicht.

Euch allen möchte ich jedenfalls ein ganz, ganz dickes Dankeschön für all die netten Kommentare geben. Gute 500 Kommentare bis heute übrigens – bin stolz auf Euch 😀

So ist meine Schreibe zwar noch immer nicht gut genug um die Marmelade auf dem Toast vor mir zu finanzieren, aber es gibt Aufwind. Noch mehr Aufwind, als die Linsensuppe meiner Schwiegereltern mir gestern ohnehin schon gegeben hat.

Angefangen hat alles mit einem Ausflug in die versauten Welten von Conker dem Eichhörnchen, Zwischenstopps gab es in der Slime World, bei einem Besuch der Kanoni-Brüder in Secret of Mana, einer aufregenden Begegnung mit pixeligen Zombies, sowie noch viel, viel pixeligeren Alien-Ärschen. Unter den Konsolen habe ich bisher vorwiegend das NES (mea culpa!), dicht gefolgt von der guten alten PSOne und dem Super Nintendo mit Momenten bedacht – aber auch Exoten (3DO, Lynx) und aktuellere Konsolen (Dreamcast, PS2) durften mal ran.

Fehlt noch… richtig! Das Mega Drive! Das Master System! Der Game Gear! Problem: Ich besitze zwar ein Mega Drive und einen Game Gear, ersterer wurde jedoch (lang, lang ist’s her!) nur aufgrund der Sonic-Saga gekauft, während letzterer den Weg über meinen Bruder in meine Sammlung fand. Dementsprechend schwierig sind Erinnerungen zurück an die Sega-Zeit, welche für mich unglücklicherweise erst mit dem Dreamcast begann.

Überhaupt sind Erinnerungen ein seltsames Phänomen: Der genannte Dreamcast liegt beispielsweise bereits gute 11 Jahre zurück – vom Gefühl her könnte es gestern gewesen sein, dass ich mit Ryo Hazuki durch seinen Dojo getrappelt bin und mich das erste Mal Lan Di stellen musste. Dass ich mit einem Taxi („It’s Time to make some craaazy money!“) unter den Klängen von Bad Religion durch San Francisco rasen durfte (Runterschalten, Hochschalten, Gas geben!). Dass ich ungläubig auf den großen Wal starrte, der da hinter Sonic aus dem Meer sprang.

Erstaunlicherweise habe ich an die „neue“ Generation kaum mehr Erinnerungen, während ich Euch beinahe blind jedes Spiel aus der NES-Zeit runterbeten könnte. Dies hat nicht zuletzt mit dem absoluten Overkill an neuen Spielen zu tun – ein bekanntes Problem, welches schon in zahlreichen Blogs angesprochen wurde. Ungespielte Perlen, welche im Regal vor sich hinmodern. Der Grund: Ich werde erwachsen. Wir werden erwachsen. Zumindest was mangelndes Zeit-Management betrifft. Und die Welt um mich herum altert beinahe genauso schnell – plötzlich wird munter geheiratet, die Streber von Gestern offenbaren sich als die neue, konservative Elite und selbst Nachwuchs ist kein Tabu-Thema mehr.

Kurz: Das innere Kind leidet, wenn es um Steuererklärungen, Job-Suche, Ehe-Krisen und weltliche Dinge fernab der träumerischen, virtuellen Spielewelt geht. Und das Kind hat plötzlich nicht mehr die Zeit für sein Hobby, welche es noch vor einigen Jahren hatte. Da ist es dann auch kein Wunder, dass epische Rollenspiele mittlerweile zum puren Zeit-Luxus gehören – und es ist der wohl wesentliche Grund, warum „Quickies“ wie Arcade-Spiele, Handy-Spiele und facebook-„Ja, ich lasse mein Gehirn an der Rezeption zurück“-Kram in einem Aufwind stehen, der seinesgleichen sucht.

Leider steht die Branche vor einem schwierigen Spagat: Die Kreativ-Köpfe alter Zeiten danken ab, während die neuen Game-Designer kaum mehr drauf haben, als Zahlen in Excel-Tabellen hin- und herzuschubsen. Nur wenige der abertausenden Neuerscheinungen verkaufen sich richtig gut, dennoch liegt der Fokus nicht auf „Kreativität“ – vielmehr wird nachgeahmt und kopiert, aus einem guten Spiel wird schnell eine mehrteilige Saga und neue Konzepte müssen erst von den Frauen der Chefs (von den Firmenleitern deren Schwagern Vätern) absegnet werden.

Aber ich schweife mal wieder ab. Immerhin war zumindest letzteres zu Zeiten von Street Fighter 2, Street Fighter 2 Turbo, Super Streeet Fighter 2 oder einer kleinen Serie namens Mega Man nicht anders. Nur hatte ich damals noch keine Ahnung davon, was in den Firmen meiner Lieblingsspiele so abging. Damals gingen die Hassgesänge der Fans gegen die Konkurrenz der heimischen Konsole („Nintendo stinkt und Kirby ist schwul!“), heute geht der Forenhass in Richtung aller Publisher – kein Wunder, wenn sich ein hohes Tier mal wieder als absolut ahnungslos herausstellt und mal eben 500 Leute auf die Straße setzt.

Es bleiben die Erinnerungen an die Spiele. Ich denke nicht, dass ich in zwanzig Jahren einen Retro-Moment über Call of Duty: Serbia Mass Destruction verfassen könnte. Oder über Zelda 10: The Legend of Link travelling through time again. Oder über Marvel VS Super Street Figher 8 Turbo. Oder Final Fantasy 19. Im Gedächnis bleiben die Spiele, welche zuerst kamen. Welche ein Genre gründeten, oder abseits der Masse schwammen. Katamari Damacy. Nier. Deadly Creatures. Brütal Legend. Guitar Hero…. bevor es von den geldgierigen Bossen bei Activision zu Tode vergerockwaltigt wurde.

Das Wichtigste zuletzt: diese Erinnerungen gehören uns allen. Doom hat uns nachweislich nicht zu Massenmördern mutieren lassen, sondern es hat unser kartographisches Gedächnis geschult. Und Mario hat uns beigebracht, worum es im Leben wirklich geht: Die Prinzessin retten. In welchem verdammten Schloss sie sich auch verstecken mag. Die Prinzessin retten!

Euch einen an den Bart labern und in der Vergangenheit schwelgen? Mein zwanzigster Retro-Moment der Woche!

PS: Wer mal wieder einen richtigen Flashback sucht, dem kann ich zur Zeit wärmstens das PC-Spiel Desktop Dungeon empfehlen. Ihr benötigt stolze 4,5 MB freien Platz auf Eurer Festplatte, der Download ist kostenlos und erfolgt über diese Seite. Ist zwar ein PC-Spiel… aber verdammt, aus diesen Zeiten sind wir langsam raus, in denen man keinen „Spiele-PC“ zu Hause stehen hatte. Wobei Ihr Desktop Dungeon übrigens auch noch gut mit Eurer alten Möhre von 1995 zocken könntet. Oder auf dem Teil, über welches Ihr diesen Text lest.

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