Reise nach Japan – Teil 3: Suche nach Sushi!

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Nachdem wir uns in den ersten beiden Teilen des Ratgebers mit der Planung eines Japan-Urlaubes und den dortigen Fortbewegungsmöglichkeiten beschäftigt haben, widmen wir uns diesmal der kulinarischen Seite des Landes: Es wird Zeit sich mal etwas zwischen die Kiemen zu drücken!

Viele Europäer lassen sich alleine aufgrund der japanischen Futtergewohnheiten von einer Reise nach Nippon abschrecken – andere fliegen alleine deswegen dorthin. Wir zeigen, was besonders lecker ist, wo man preiswert schnabulieren kann und welches Bier am süffigsten ist. Kampai und Itadakimasu!

Ich habe rund 15 Stunden Flug hinter mir und bin endlich angekommen: Ich habe Hunger! Ich habe Durst!

Der Flug von Deutschland nach Tokyo lässt Euch gute 15 Stunden in einem Flugzeug sitzen – wenn Ihr Pech habt, seid Ihr dabei eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse. Da wird dem Magen nicht nur vom Fliegen selbst schummrig! An Bord der meisten Airlines gibt es kleine Versionen von Cup Noodles, die Euch auf Euren Asientripp einstimmen. Positiver Nebeneffekt: Auf Futtersuche im Flugzeug könnt Ihr Euch mal die Beine vertreten – bei zwölf Stunden Flug keine schlechte Idee.

Nach der Landung in Narita befindet Ihr Euch in einer anderen Zeitzone (sieben oder acht Stunden im Voraus), das Gepäck-Schleppen drückt auf den Kreislauf… selbst der Geruch der Luft um Euch ist so verschieden, dass Hungergefühle ganz hinten anstehen. Dennoch solltet Ihr Euch gleich am Flughafen was zwischen die Beißerchen klemmen – Auswahl gibt es genug! Noch wichtiger sind Getränke – lasst ordentlich Wasser durch Euren Körper zirkulieren! Denkt immer daran: Die Fahrt nach Tokyo dauert von hier aus noch gut ein bis zwei Stunden – je nachdem, wo Euer Hotet liegt und wie Ihr Euch fortbewegt auch mal länger.

Die häufigste Ankunftszeit in Narita ist Vormittags – das heißt Euer Körper ist auf 2 oder 3 Uhr morgens gewöhnt, während um Euch herum die Sonne vom stahlblauen Himmel strahlt (in Japan ist der Himmel blauer als hierzulande!) und emsige Japaner Euch, den Ausländer (Gaijin), mit großen Augen anstarren.

Euer erstes Ziel lautet also: Überlebt den Tag, so gut Ihr könnt. Geht nicht schlafen! Ich bin sicher kein Ernährungswissenschaftler, aber die Erkenntnis dass Ihr nach 15 Stunden Flug, guten 9000 Kilometern Luftlinie und dem Wechsel von mehreren Zeitzonen nicht gleich zur XXL-Portion Curry oder Sushi greifen solltet, diktiert (eigentlich) der gesunde Menschenverstand.

Noch einmal die dringende Warnung: Egal wie müde Ihr seid – ein zu früh angesetztes Nickerchen zieht sich gerne mal 8 Stunden lang… und wenn Ihr dann vollkommen verwirrt mitten in der Nacht aufwacht, dann ist auch der nächste Tag im Land des Lächelns für die Katz. Wer morgens ankommt, stellt sich auf den ersten, großen Tiefpunkt am Nachmittag ein – haltet Euch durch einen ersten Trip ins Unbekannte wach (etwa durch munteres Videospiele-Shopping in einer der großen Elektronikketten Big Camera oder Yodobashi Camera).

Futter-Kultur in Japan: Ein Überblick

Wer nach Japan reist, dem muss eines klar sein: Japaner LIEBEN Essen. Während wir Deutschländer (Würstchen) uns immer mehr am amerikanischen Vorbild orientieren („nicht darüber nachdenken, einfach rein damit!“), hat Essen in Japan einen hohen, fast künstlerischen Anspruch. Das heißt natürlich nicht, dass der typische Japaner beim Essen tief in sich geht – besonders zur Mittagszeit wird auch dort um die Wette geschlungen (schließlich lässt der Job keine Zeit zur eifrigen Auslebung der Futter-Kultur). Aber die Idee vom „Essen“ selbst ist beileibe nicht mit der hierzulande üblichen zu vergleichen.

Frischer gehts nicht: Sushi essen am Tsukiji Fischmarkt.

Frischer gehts nicht: Sushi am Tsukiji Fischmarkt. Präsentiert wie ein Kunstwerk.

Wenn Japaner in eine andere Stadt reisen, stehen dortige Gerichte meist auf Platz 1 der To-Do-Liste. Jede Region hat ihre Spezialität – auch für deutsche Touristen lohnt eine Probe der lokalen Snacks (und sei es nur, um vor den japanischen Kollegen damit anzugeben). Dieselben freuen sich übrigens sehr über mitgebrachtes Essen – solange Euch der Zoll keinen Strich durch die Rechnung macht, sind Futter-Präsente in Japan hochgeschätzt.

Eigenheiten gibt es nicht nur beim Essen, sondern auch bei der Präsentation des Essens: Restaurants stellen ihr Essen als Plastik- oder Wachs-Nachbildung in Vitrinen aus – diese seltsamen Nachbauten sehen dem Original erschreckend ähnlich und sind bei Touristen ein beliebtes Mitbringsel. Wer den Fachbegriff dafür sucht: Shokuhin Sanpuru!

Kurz: Japan zelebriert Essen in einer Form, wie sie uns hierzulande fremd erscheint.

Zu den bekanntesten Gerichten gehört natürlich Sushi – aber Ihr braucht Euch jetzt keine Sorgen machen, dass es in Japan NUR Sushi gibt (in etwa das gleiche Vorstellungsvermögen haben Ausländer beim Wiener Würstchen, unseren „kaasigen“ Nachbarn oder den ausschließlich Pizza- und Nudeln-mampfenden Italienern). Selbst wenn Ihr Hunger auf Sushi haben solltet – die Preise in Japan lassen sich auf keinen Fall mit den total überzogenen Preisen hierzulande vergleichen.

Worauf Ihr Euch dennoch einrichten solltet, ist Reis. Jede Menge Reis. Reis ist DAS Grundnahrungsmittel in Japan und wird zu beinahe jedem Gericht serviert – Kartoffeln und Pommes gibt es nur in den eher westlich angehauchten Restaurant- und Fast Food Ketten.

Weißer Reis ist Japanern heilig, „Gohan“ ist nicht nur das Wort für eine ganze Mahlzeit, sondern auch für gekochten, weißen Reis. Dragonball-Fans kennen das Wort durch den Namen des Helden Son-Gohan.

Dementsprechend ist es nicht schicklich Soya-Soße auf Reis zu tropfen – eine Unsitte, welche ich als Salz-Junkie entwickelt habe. Beim Sushi-Essen dippt man nur den Fisch in die Soya-Soße, der Rest bleibt außen vor.

Neben Reis gehört auch Miso Suppe zu beinahe jedem Gericht dazu: Die kleine Suppe besteht hauptsächlich aus Wasser, Miso-Paste (aus Soyabohnen), Algenblättern und Tofu-Blöcken – geschmacklich irgendwo zwischen „Schuh-Sohle“ und „Ich hab beim Badewannentauchen was zwischen die Zähne bekommen!“. Von Gewürzen verwöhnte Europäer fragen sich in den ersten Augenblicken nach dem Genuss einer solchen Suppe: „Was zum Geier soll der Hype?“

Gebt Euch selbst etwas Zeit – die Miso Suppe „wächst“ tatsächlich und spätestens nach Eurem zweiten Japan-Aufenthalt wollt Ihr das leckere Süppchen auch hierzulande nicht mehr missen.

Viele Menschen bezichtigen Japan zahlreicher, kulinarischer Diebstähle… und Recht haben sie! Das selbst hierzulande immer beliebtere Ramen (große Schüssel mit Nudelsuppe) stammt ursprünglich aus China, zählt mittlerweile aber zu den „Wa-Shoku“-Gerichten. „Wa 和“ ist das Zeichen für Frieden und Harmonie und steht gleichzeitig als Kürzel für „Japan“. „Shoku 食“ bedeutet „Essen“. „Wa-Shoku 和食“ bezeichnet dementsprechend die „typisch japanische Küche“.

Neben Ramen wurde auch Curry japanisiert. Dieses kommt als recht milde Variante zusammen mit Reis auf den Tisch und wird traditionell mit dem Löffel gegessen.

Aufstehen! Raus aus den Federn! Frühstück!

Ein japanisches Frühstück besteht  aus folgenden Ingredenzien: Reis, Fisch, eingelegtem Gemüse, rohem Ei oder Omelett, Miso Suppe und… Natto. Letzteres sind fermentierte, also gegohrene Soyabohnen – geschmacklich sicher nicht jedermanns Sache. Ziehen sich wie schleimige Popel und riechen wie verfaulte Eier – sind aber angeblich sehr gesund.

Wem dies alles morgens auf den Magen schlägt, der sucht sich so schnell wie möglich eine westlich angehauchte Bäckerei (zum Beispiel „Vie de France„) in der Nähe seiner Absteige. Ein Frühstück mit Croissants, süß gefüllten Teigtaschen und leckeren Baguettes hat zumindest uns an einigen Tagen sehr geholfen. Milch und Kakao gibt es in kleinen Tetrapacks – entweder gleich in der Bäckerei, oder im nächsten Conbini (kleiner Supermarkt).

Vorsicht: Teigtaschen sind nicht immer mit dem gefüllt, womit Ihr denkt dass sie gefüllt sind. Süße Vorstellungen gepaart mit Ketchup oder Curry können zum Desaster werden – informiert Euch lieber doppelt!

Kaffeetrinker haben in Japan zahlreiche Möglichkeiten: Beinahe jeder Getränkeautomat bietet diverse „Kaffee-Laborversuche in Dosen“ an. Ketten wie Starbucks haben auch im Land des Lächelns viele Fans – kein Wunder, dass immer mehr Nachahmer aus dem Boden sprießen.

Leckeres zum Frühstück (im Uhrzeigersinn) frische Sandwiches, Brötchen mit Erdbeermarmeladenfüllung, Schoko Brötchen mit Nougat Füllung und typisch japanisches Melonenbrot!

Köstlichkeiten zum Frühstück (im Uhrzeigersinn) frische Sandwiches, Brötchen mit Erdbeermarmeladenfüllung, Schoko Brötchen mit Nougatfüllung und typisch japanisches Melonenbrot!

Rülpsen, Furzen, Suppe schlürfen – Was darf ich, was nicht?

Tischmanieren sind auch hierzulande ein eher unbekanntes Kapitel. In Japan beginnt man ein gemeinschaftliches Essen mit den Worten „Ich bediene mich / Ich bin so frei.“ – auf Japanisch hört sich das dann so an: „Itadakimasu!“ ( -> „I-ta-da-ki-mas!“, das „u“ am Ende wird nicht gesprochen).

Man beendet das Essen mit einem „Es war sehr lecker“ – hier wird es kompliziert: „Gochisōsama Deshita„->“Go-tschi-sō-sama-deschta“. Achtet vor allem darauf, dass das „i“ von „Deshita“ nicht ausgesprochen wird.

Wer sich die obigen Wörter nicht merken kann, greift zur Allgemeinfloskel „Oishii“ („Lecker!“) – damit kann man definitiv NIE etwas falsch machen (besonders um den japanischen Kollegen zu versichern, dass die glupschigen Tentakel absolut köstlich sind). Ebenfalls praktisch: Das Zeichen für „Groß“ (bzw. große Portion): Ōkii . Die kleine Portion hört auf Chiisai .

Noch viel, viel komplizierter als die Aussprache von japanischen Wörtern, ist der Umgang mit Stäbchen. Es wird Euch aufregen. Ihr werdet leiden. Ihr werdet fluchen! Ich persönlich hatte gnadenlose Fingerkrämpfe. Aber irgendwann gelingt der Durchbruch – ja, man kann es lernen! Fixiert „einfach“ das untere Stäbchen und bewegt nur das obere Stäbchen – Übung macht den Meister! Einen (von vielen) passenden Lehrgängen findet Ihr hinter diesem Link.

Wenn sich die Stäbchen dann trotz langjähriger Übung immer noch überkreuzen und sich die Finger brutal verknoten, kann man in Japan auch auf „normales“ Besteck zurückgreifen – der „Easy-Modus“ ist also immer mit dabei (gibt aber keine Achievements!). Zur Not bringen Stäbchen-Noobs einfach ihre eigene Gabel mit.

Manche mögen sich fragen, warum ein Land, welches die berühmtesten Messer weltweit herstellt, nicht auch auf diese während einer normalen Mahlzeit zurückgreift. Japanische Messer sind äußerst scharf  und sollten in keiner professionellen Küche fehlen, aber als Besteck auf dem gedeckten Tisch sind sie völlig fehl am Platz. Größere Stücke Fisch oder Fleisch sind entweder butterweich, oder wurden bereits vor dem Servieren in mundgerechte Stücke zerteilt. Ist dem nicht so, heißt es: Reinschaufeln! Oder wie Homer Simpson sagen würde: „Schlingt wie eine Ente!“

Sushi dürfen übrigens mit den Händen gegessen werden, was das Leben ungemein einfacher macht. Weitere Tischregeln im Schnelldurchlauf: Stäbchen werden nicht vertikal in Schüsseln gesteckt und es soll kein Essen von Stäbchen zu Stäbchen gereicht werden – beides weckt Assoziationen mit japanischen Beerdigungs-Ritualen. Hier reichen sich Familienmitglieder auf diese Weise die Knochen des Verstorbenen.

Wer etwas von einer großen Platte nimmt, der benutzt die anderen, nicht vollgesabberten Enden der Stäbchen (wenn keine Servierstäbchen vorhanden sind). Die Reisschale kommt nach links, die Miso Suppe rechts. Letztere darf gerne laut geschlürft werden (ebenso wie jede andere Suppe). Die Reste schaufelt Ihr mit den Stäbchen heraus. Japaner sind was Essen angeht übrigens sehr penibel und möchten nur „reines“ Essen in den Mund stecken. Daher sind Einweg-Stäbchen auch so beliebt.

Nach dem Essen verzichtet Ihr in Japan auf ein Trinkgeld – hier ist der Service ÜBERALL inklusive und ein Trinkgeld wird meist gar nicht erst verstanden. Kleiner Tipp noch: Beobachtet einfach mal einige Schlippsträger im Restaurant Eurer Wahl. So lernt Ihr die Sitten schneller, als Euch jeder Ratgeber zu erklären vermag.

Irasshaimase! Herzlich willkommen!

Wer in Japan ein Restaurant betritt (oder im übrigen beinahe alle anderen Lokalitäten), der wird von den Angestellten mit einem herzhaften Irasshaimase begrüßt – übersetzt einfach „Herzlich Willkommen!“. Daraufhin fragt Euch das Personal: Nan-mei-sama desu ka? Oder auf deutsch: Wieviele Personen?

Ihr könntet jetzt auf Japanisch antworten – achtet dabei auf die japanischen Zählwörter für Menschen. Eine Person: hitori, zwei Personen:  futari, drei Personen: san-nin, vier Personen: yonin, fünf Personen: go-nin… und so weiter. Vor allem lasst Ihr bei der Antwort das „sama“ weg.

Einfacher geht es mit den Fingern: Wer Inglourious Basterds gesehen hat, der weiß, dass nur wir Deutschen mit dem Daumen anfangen zu zählen – so ist der ausgestrecke Zeigefinger auch in Japan das Zeichen für eine „Eins“, gefolt vom „Victory“-Zeichen als „Zwei“.

Weiterhin wählt Ihr zwischen Raucher– (kitsu-en-seki) und Nichtrauchertisch (kin-en-seki). In überfüllten Restaurants nehmt Ihr erstmal auf Wartebänken Platz (bei der Menge an Menschen keine Seltenheit!). Selbst das Eintragen in Wartelisten ist normal – hierbei hilft Euch die Bedienung. Je nach Restaurant-Typ könntet Ihr gefragt werden, wo genau Ihr sitzen wollt. Entweder am Tresen (Caunta, manch einer errät den englischen Ursprung), an einem normalen Tisch (teburu), oder an einem japanischen Tisch (zashiki).

In zahlreichen, klassischen Restaurants werdet Ihr die Möglichkeit bekommen vom Boden aus zu essen – ganz im japanischen Stil. Die Tische sind meist nur wenige Zentimeter hoch und die richtige Sitzposition ist für Anfänger gar nicht so einfach – mir sind jedenfalls gleich mehrfach die Beine eingeschlafen. Grundsätzlich gilt: Männer überkreuzen ihre Beine und bevorzugen den Schneidersitz, Frauen strecken ihre Beine auf eine Seite. Alternativ hockt man sich einfach auf seine Knie – was auf längere Zeit unglaublich schmerzhaft sein kann.

„Ober! Ich hätte gerne die Rinderroulade mit Kartoffeln und Krautsalat!

Nachdem man sich gesetzt hat bekommt man die Speisekarte und normalerweise Wasser oder grünen Tee und ein kleines Handtuch gereicht. Jetzt kommt es zum schwierigen Teil: Aussuchen und Bestellen.

Schaut Euch die Karte an: Wenn Ihr Glück habt gibt es in dieser viele, bunte Bilder… oder sogar eine englische Karte! Wartet auf den Kellner oder betätigt die (nicht immer) vorhandene Klingel. Verständigt Euch mit Hand und Fuß oder geht zur Not mit dem Kellner vor die Tür und zeigt auf die (hoffentlich vorhandenen) Plastik-Nachbildungen. Irgendwie werdet Ihr an Euer Essen kommen, dafür werden die japanischen Angestellten schon sorgen! Viele Kellner neigen dazu die gesamte Bestellung zu wiederholen, wenn Ihr Glück habt sogar auf Englisch!

Vollgefressen? Satt? Dann geht’s weiter mit der Rechnung! Entweder liegt diese bereits am Tisch, oder Ihr bezahlt einfach beim Rausgehen an der vorderen Kasse. Wenn Ihr mal nach der Rechnung fragen müsst: O Kaikei o negai shimasu (shimass).

Wenn Ihr getrennt zahlen wollt sagt einfach Betsu-Betsu und denkt daran kein Trinkgeld zu geben! Beim Herausgehen könnt Ihr Euch noch mit einem Gochisousama-Deshita verabschieden!

Es leuchtet in allen Farben! Was zum Geier liegt da im Getränke-Automaten?

Verglichen mit Europa sind Getränke jeglicher Form in Japan durchweg günstiger. Zu Mahlzeiten wird kostenlos Wasser oder heißer Tee gereicht. Unterwegs trefft Ihr alle fünf Meter auf einen (oder mehrere) Getränke-Automaten, welche Euch mit diversen Softdrinks, Kaffee-Mixturen, Tee… und einigen wirklich widerlichen Eigenkreationen überraschen können („Mmmh,… schmeckt wie Seife! Lecker!“).

Dies bezieht sich sowohl auf Städte, als auch Wanderwege, Tempelanlagen… es gibt kaum einen Ort, wo KEINE Getränke-Automaten stehen.

Selbst in den Außenbezirken vieler Städte seid Ihr nicht sicher vor Getränkeautomaten.

Selbst in den Außenbezirken vieler Städte seid Ihr nicht sicher vor Getränkeautomaten.

Zuviel Auswahl!

Zuviel Auswahl!

Süße Getränke sind dabei eher selten – für Aspartam verwöhnte Europäer anfangs eine Umstellung. Auch Kohlensäure ist wenig zu finden – stille Wasser und Tee-Getränke dominieren den Markt. Hier kurz eine Übersicht über die wohl wichtigsten Softdrinks, welche Ihr Euch an Getränke-Automaten ziehen könnt:

1.) Grün: Neben abgelaufenen Fruchtsaftgetränken und frisch aus dem Labor entlassenen Waldmeister-Getränken, steht die Farbe Grün in der japanischen Getränke-Hierarchie ganz weit oben für grünen Tee in diversen Geschmacksvariationen. Teilweise ist dieser sogar verbreiteter als Wasser – gewöhnt Euch besser früh an den Geschmack im kalten und warmen Zustand. Es ist beinahe unmöglich in Japan keinen grünen Tee zu trinken.

Ein weiteres „Grün“ findet sich in diversen „Melon-Soda“ Getränken – teilweise sogar als Fanta Marke oder zusammen mit Vanille-Eis. Schmeckt lecker und erfrischend… obwohl es grün ist.

2.) Rot, Orange, Gelb: C.C.Lemon als saurer Vitamin C Schock. Ansonten Fanta und diverse Limonaden. Gerne auch in exquisiten Geschmacksrichtungen in den nachfolgenden Farben.

3.) Lila, Grell Rosa, Hell Rosa: Ihr habt Lust auf Experimente? Dann versucht Euch doch mal an Trauben-Fanta. Oder einem Pflaumen-Slushi.

Dosenpfand gibt es in Japan noch nicht. Dafür werden Dosen und Plastikflaschen vom restlichen Müll getrennt.

Dosenpfand gibt es in Japan noch nicht. Dafür werden Dosen und Plastikflaschen vom restlichen Müll getrennt.

4.) Klar und milchig weiß: Entweder Wasser oder Zitronenlimonade. Übrigens ist es immer wieder spannend zu verfolgen, wie sich die Werbe-Slogans der Firmen von denen hierzulande unterscheiden. Sprite zum Beispiel machte bei unserem Besuch Werbung mit „Sexier than water“.

Wer das nicht so sieht, der greift zu einer gigantischen Auswahl an stillen Wassern. Wie bereits erwähnt: Kohlensäure ist in Japan eher spärlich vorhanden. Vorsicht bei milchig-weißen Getränken: Hierbei handelt es sich um Calpis– und Dakara Getränken. Diese schmecken ein wenig nach Yoghurt und basieren im wesentlichen auf Wasser und Milchsäure. Definitiv nicht mein Geschmack.

5.) Schwarz: Bei schwarzen Getränken an erster Stelle: Kaffee. Die Dosen werden meist heiß aus dem Automaten entnommen, geben einem verwöhnten Kaffee-Kenner aber nur einen wässrigen Bruchteil dessen, was dieser sich gewünscht hätte. Cafés im europäischen Stil sind für Kaffee-Trinker daher das Nonplus-Ultra.

Wer japanischen grünen Tee ausprobieren möchte sollte mit einer milden Variante beginnen und zu der hellgrünen Flasche ganz oben links greifen. Weitere Tipps: Das günstige Wasser oben neben Vittel, oder der warme Kakao (mittlere Reihe, zweiter von rechts).

Wer japanischen grünen Tee ausprobieren möchte sollte mit einer milden Variante beginnen und zu der hellgrünen Flasche ganz oben links greifen. Weitere Tipps: Das günstige Wasser oben neben Vittel, oder der warme Kakao (mittlere Reihe, zweiter von rechts).

Noch eine grundsätzliche Info: Die Farbe „Blau“ im Beschreibungsschild steht für kalte Getränke, „Rot“ für warme Getränke. Die größte Auswahl an Getränken findet Ihr im Conbini Eurer Wahl.

Was ist eigentlich „Typisch Japanisch“?

Kleine Auflistung ohne Garantie auf Vollständigkeit:

Sushi,
Tofu
, bzw. Soyabohnen (in allen erdenklichen Variationen)
Soba
Nudeln (gebraten als Yaki-Soba, oder in Nudelsuppen),
Udon (dicke Teignudeln, sehr lecker!),
Ramen (diverse Nudelsuppen),
Gyoza (Teigtaschen mit Füllung, gebraten, gibt es in Ramen-Restaurants),
die bereits angesprochene Miso Suppe,
Takoyaki
(Teigkugeln mit glubschigem Tentakel-Inhalt, werden meist an Straßenständen verkauft und sind sehr beliebt)
Tonkatsu
(frittiertes Fleisch),
Curry-Reis
(japanische Variante, nicht so scharf wie andere asiatische Currys, Zutaten sind Rindfleisch, Möhren und Kartoffeln),
Tempura
(frittiertes Gemüse, frittierte Shrimps… eigentlich ALLES in frittierter Form)
Omu-Reis (Reis in einem Omelett mit lecker-schmecker Soße) und Okonomiyaki (japanischer Teigfladen mit diversen Inhalten, ähnlich Pizza).

Ein eigenes Thema sind japanische Donburi Gerichte (丼 wird übersetzt mit Schüssel, bzw. „Bowl“). Reis ist auch bei diesen Gerichten die Basis, dieser wird mit Gemüse oder Fleisch bedeckt und in einer Schüssel serviert. Leckere Donburi Varianten sind:

Gyudon (Reis mit viel saftigem Rindfleisch – auch als Beef Bowl bekannt),
Katsudon (frittiertes Fleisch mit Ei und Zwiebeln über Reis),
Oyakodon (wörtlich und ziemlich fies übersetzt: „Eltern und Kind“, Hühner-Fleisch mit einem Ei oben drauf)

Udon Nudeln saugen sich gerne mit der Suppe voll - lecker!

Udon Nudeln saugen sich gerne mit der Suppe voll - lecker!

Ein Ramen in Fukuoka - angeblich eine der besten Nudelsuppen in ganz Japan.

Ichiran-Ramen in Fukuoka - angeblich eine der besten Nudelsuppen in ganz Japan.

Wenn es etwas teurer werden darf, greift Ihr am besten zum berühtem Kobe Beef (mit Bier massierte Rinder können nicht irren!), Sukiyaki oder Shabu-Shabu (hauchdünne Fleischscheiben in kochend heißem Wasser „schubbeln“). Letztere werden eher in Gemeinschaft gegessen (bzw. zelebriert), ganz ähnlich dem hierzulande bekannten Fondue.

Sushi! Sushi! Sushi!

Sushi gibt es in allen Formen und Farben, für Einsteiger am besten geeignet sind Sushi-Rollen mit Gurke, oder alternativ mit Lachs oder Thunfisch. Mein persönlicher Favorit: Sushi mit Schinken und Majo oben drauf – da kommt sogar europäisches Flair auf. Currywurst-Pommes-Sushi habe ich leider keines gefunden.

Grundsätzlich unterschieden wird zwischen Maki und Nigiri Sushi. Ersteres sind die bekannten Sushi-Rollen (außen mit grünem Seetang), letztere präsentieren sich als  kleiner Block Reis mit Fisch oben drauf. Wer keine Lust auf diverse Fisch-Sorten hat, der greift zu schmackhaften Tamago Nigiri (gesüßtes Omelett), oder Inari Sushi (süße und frittierte Tofu-Taschen, mit Reis gefüllt).

Nina VS Fisch

Nina VS Fisch

Die besten Sushi-Restaurants findet Ihr gleich am Tokyoter Fischmarkt Tsukiji. Ganz im japanischen Stil gehalten sind auch die „Kaiten-Sushi“ Restaurants. Sushi am Fließband ist eine geniale Erfindung der Japaner, die es mittlerweile zu weltweitem Ruhm gebracht hat. Hier probiert Ihr selbst ohne Japanisch-Kenntnisse Sushi nach Geschmack und angetrunkenem Mut aus – angelt Euch einfach den gewünschten Teller vom Fließband.

Die Teller werden daraufhin gesammelt und nach ihrer Färbung bezahlt. Grünen Tee, ordentlich Wasabi, Soya-Sauce und frischen Ingwer gibt es gratis obendrauf.

Wie wir alle wissen schlachten Japaner Wale nicht nur für wissenschaftliche Zwecke, sondern nutzen das Fleisch auch zum Verzehr. Wenn Ihr dies nicht unterstützen wollt, solltet Ihr Restaurants mit Wal-Sushi meiden. Kujira ( くじら oder als Kanji ) wird oft schon außerhalb dieser Restaurants angepriesen.

Ok, ich habe probiert. Ich mag kein Sushi!

Wer anstelle von Fisch und Reis lieber etwas herzhaftes schnabulieren will, der sucht die nächstbeste Yakiniku-Grillstube auf. Hier grillt Ihr feine Streifen Fleisch über dem Tischgrill. Denkt unbedingt daran, dass Ihr Eure Klamotten danach wechseln solltet – die riechen bis zur nächsten Wäsche nach Grillfest.

Grillfest und Fleisch-Schmaus: Yakiniku rockt!

Grillfest und Fleisch-Schmaus: Yakiniku rockt!

Abseits der japanischen Küche gibt es Alternativen en masse: Chinesische Restaurants bieten Euch viele gedämpfte Gerichte und es schmeckt einfach eine ganze Spur anders als in denselben Etablissements hierzulande. Wirklich „exotischer“ kommen Euch dann schon Döner-Läden in Mitten von Tokyo  vor – aber auch indische Restaurants, sowie deutsche, italienische und französische Küche sind vertreten.

Pizza in Japan? Schmeckt meist eher unangenehm, hier haben wir mal einen guten Vertreter auf Odaiba gefunden.

Pizza in Japan? Schmeckt meist eher unangenehm, hier haben wir mal einen guten Vertreter auf Odaiba gefunden.

Welche asiatischen Fastfood-Alternativen gibt es?

Wer gerne schnell und typisch japanisch futtern will, der kommt um zwei große Ketten nicht herum: Matsuya und Yoshinoya sind das japanische Pendant zu McDonalds und Burger King. Bei Matsuya sucht Ihr Euch Euer Essen am Automaten aus, bezahlt und erhaltet dafür einen kleinen Zettel – diesen einfach an der Theke abgeben, Platz nehmen und in nur wenigen Minuten bedient werden.

Seltener Anblick: Ein vollkommen leeres Matsuya.

Seltener Anblick: Ein vollkommen leeres Matsuya.

"Insert Coin" - Sucht Euch die Gerichte auf einer Karte heraus oder probiert einfach auf gut Glück.

"Insert Coin" - Sucht Euch die Gerichte auf einer Karte heraus oder probiert einfach auf gut Glück.

Auch hier gilt: Grüner Tee, oder Wasser gibt es gratis dazu. Im Menü gibt es meist eine Miso Suppe, Reis und einen kleinen Salat. Eingelegten Ingwer, oder ein rohes Ei sind weitere „Boni“, welche wohl nur ich nicht zu schätzen weiß. Daumen hoch für Touristen: die meisten Gerichte stehen auch auf Englisch auf den Tasten der Automaten. 

Yoshinoya: Setzt Euch direkt an die Theke und bestellt per Karte (meistens zweisprachig, zur Not einfach draufzeigen). Die Kette ist bekannt für Ihre Gyudon (Fleischtöpfe) und dabei sehr schnell und sehr günstig. Von mir alle Daumen nach oben!

Weiter Alternativen: Sukiya bietet neben Gyudon noch Donburi und Curry an. Außerdem gibt es hier mehr Sitzplätze. Kouraku Ramen serviert Euch einfache Nudelsuppen und Gyoza, punktet mit langen Öffnungszeiten und angenehmen Preisen. Rakeru schließlich hat sich auf Omu-Reis spezialisiert.

Was sind eigentlich Family Restaurants?

Wenn Ihr in Japan unterwegs seid, werdet Ihr früher oder später auf Euer erstes Family Restaurant treffen – es ist schwierig die Mischung aus Ami-Diner, deutscher Wurstbar und japanischer Höflichkeit zu beschreiben. Jedenfalls findet Ihr in Family Restaurants stets eine (beinahe zu) große Auswahl an diversen Gerichten (Pizza, Nudeln, Salate, Frikadellen, italienisches Brot, Tonkatsu, leckere Desserts). Wenn Ihr Euch mal wieder nicht auf ein Essen einigen könnt, sind Family Restaurants jedenfalls GENAU das RICHITGE für Euch.

Bestellt wird per Klingel an Tisch, Lunch Menüs sind sehr günstig, dazu kommt der Begriff Nomihodai (Drinkbar): Trinkt soviel und was Ihr wollt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Saizeriya, Denny’s, Jonathan’s und Shakeys Pizza.

Tabehodai steht für „All you can eat“ und wird manchmal auch charmant als Viking Dinner bezeichnet. „Hodais“ sind meist zeitgebunden – aber das kennt man ja auch hierzulande.

Vitamine! Ich brauche Vitamine!

Obst in Japan ist vor allem eines: tierisch lecker! Die diversen Früchte sind saftig, süß… und meist eine ganze Spur größer, als hierzulande. An dieser Stelle ein kleines Einmaleins für Leute, die etwas Japanisch lernen wollen: Äpfel heißen drüben Ringo und sind absolute Geschmacksbomben – am populärsten sind die großen, roten Fuji-Äpfel. Nashi offenbart sich als seltsame Mischung aus Birne und Apfel – die Schale ist etwas härter, der Geschmack unaufdringlich, aber erfrischend.

Mandarinen hören auf den Namen Mikan und kommen ursprünglich aus China – heutzutage gehört Japan zu den größten Produzenten der auch als Mandarin Orange bekannten Früchte.  Yuzu und Sudachi stehen an der Stelle von Zitronen und Limonen – beide mit eigenwilligem Japan-Geschmack. Erdbeeren hören auf den Namen Ichigo, Pfirsiche auf Momo – beides übrigens auch beliebte Namen in zahlreichen Mangas und Animes.

Besonders im Sommer genial: Honig- und Wassermelonen (Suika), Ananas (Pineapple), sowie Kiwi als kleiner Vitamincocktail. Ebenfalls absolut wichtig für die japanische Futter-Industrie: Ume! Meist als „Pflaume“ übersetzt, ähnelt das Zeug aus der Sicht eines Botanikers eher einer Aprikose – geschmacklich irgendwo zwischen saurer Sardelle und Marmelade.

Was ist dieses grüne Blubberzeug?

Wer Lust auf eine Begegnung mit einem tödlichen Fisch hat, der greift zu Fugu – dem berühmten Kugelfisch. Natürlich ist dieses Essen im wesentlichen nur Show (der Fisch darf nur von bestimmten Köchen zubereitet werden), aber für ca. 90 Euro darf man nachher zumindest behaupten einmal etwas „fast tödliches“ gegessen zu haben. Schlechte Todesschauspiele vor Freunden und Gästen können lustig sein… oder aber die anwesenden Kellner erzürnen. Noch einen Schritt weiter geht übrigens ein Getränk mit Namen Hirezake – heißer Sake mit Fugu-Schwanz. Kampai!

Wem das zuviel des Guten ist, der hat dennoch eine breite Auswahl an WTF?-Gerichten: Japaner stehen auf Tentakel, Glubschi und Konsistenzen, an welche wir selbst in unseren kühnsten Träumen nicht denken würden.

Seltsame Gerichte in japanischen Kneipen: Hier Tentakel Glubschies mit Wasabi Sauce

Seltsame Gerichte in japanischen Kneipen: Hier Tentakel Glubschi mit Wasabi Sauce

Die Schärfe von Wasabi lässt Euch die Nase flattern. Auf Sushi ist eine Prise Wasabi ein Muss!

Algen sind ein wichtiger Bestandteil der japanischen Küche und eigentlich überall enthalten. Für Maki Sushi und Onigiris werden Nori benutzt, in Miso Suppe gehört Wakame, in anderen Suppengerichten wird das Schlabberzeug Konbu genannt.

Matcha ist grünes Teepulver, welches für Teezermonien benutzt wird. Japaner lieben den bitter-süßen Geschmack (kann etwas grün schmecken?) – etwa in Form von Matcha Kuchen, Matcha Shake oder Matcha Eis. Touristen müssen sich erst dran gewöhnen – Suchterscheinungen sind aber durchaus zu beobachten.

Das süße Bohnenmus Anko findet Ihr in allen möglichen Süßigkeiten, oder als Füllung von Teigtaschen – es schmeckt wie süße, geriebene Erde („nomnomnom“). An manchen Straßenständen gibt es kleine Gebäckstücke namens Taiyaki, die wie Fische aussehen. Diese sind ebenfalls mit Anko gefüllt.

Katsuobushi sind getrocknete und geräucherte Bonito-Flocken, also geraspelter Fisch. Hört sich erstmal nicht ganz so „mjam“ an, einige Gerichte werden damit aber typischerweise gewürzt und erhalten erst so ihren einzigartigen Geschmack. Okonomiyaki ohne tanzende Katsuobushi Flocken ist einfach undenkbar!

Es ist drei Uhr morgens und ich hab Hunger! Ab zum Conbini!

Kein Problem in Japan, immerhin gibt es an jeder Ecke Conbinis! Diese kleinen Shops gibt es in tausend Varianten, ganz nach dem amerikanischen Prinzip der Convenience Stores. Hier hören sie auf die Namen Lawsons, 7Eleven, Family Mart, oder Daily Yamazaki.

Japanische Conbinis haben für jeden Notfall eine Lösung parat: Windeln, Stecker, Zeitschriften, Atemschutzmasken, Süßigkeiten oder auch andere Snacks gibt es in Hülle und Fülle. Darüberhinaus gibt es in gut ausgestatteten Varianten Geldautomaten, Briefmarken, Kopiergeräte und Tickets für diverse Events (etwa das Ghibli Museum in Mitaka). Die kleinen Läden stecken voller Überraschungen, manche Japaner zahlen dort ihre Miete oder Stromrechnung.

Wenn Euch der Hunger in einen Conbini verschlägt habt Ihr eine hervorragende Auswahl an Cup Noodles und Mikrowellengerichte, die Ihr Euch direkt vor Ort zubereiten könnt. Onigiris (Reistaschen mit Algen umwickelt) gibt es in verschiedenen Sorten in der Kühltheke.

Meine Frau und ich sind große Fans von Nikuman (sehen aus wie Germknödel, sind aber mit deftigem Fleisch gefüllt), Pizzaman (dasselbe nur mit Pizza), oder Curryman (japanischer Curryknödel). Perfekt für den kurzen Hunger zwischendurch gibt es die Knödel gleich an der Kasse in einem Schaukasten.

Wer etwas Ur-japanisches ausprobieren möchte wagt sich an Oden Gerichte. Diese werden in Dashi-Brühe zubereitet, sehen eher aufgebläht als appetitlich aus und stehen ebenfalls an der Kasse bereit zum Mitnehmen.

ICH WILL SÜßIGKEITEN! SOFORT! Sonst hol ich meine verdammte Mami!

Erstmal zur Beruhigung: Ja, es gibt Süßkram. Nun zur schlechten Nachricht: Beinahe jede Süßigkeit schmeckt grundverschieden zu den hierzulande bekannten. Zumindest für mich als Schoko-Junkie war die Umstellung gewaltig. Klassische Schoko-Riegel wie Snickers findet Ihr meist nur in den Conbinis – und auch dort sicher nicht zum Vorteilspack, sondern (meist) nur einzeln. Kitkat ist noch am weitesten verbreitet und kommt in extravaganten Variationen daher: Weiße Schokolade und Erdbeerfüllung? Her damit!


Eine Unmenge an japanischem Süßkram erwartet Euch: Milky Bonbons,  japanische Reissnacks (Sembei), alle Pocky Varianten und Matcha Bonbons sind nur die Spitze des Eisbergs! Testet es aus!

Japaner haben nicht nur den Eiffelturm aus Frankreich geklaut: Auch Crêpes erfreuen sich in Nippon größter Beliebtheit – nur werden sie dort kalt verzehrt. Zum Beispiel in Mitten des Jugendviertels Harajuku in Tokyo – hier werden sie mit Eiskugeln und Obst verziert und gerollt. Macht Euch auf eine Geschmacksexplosion und „some sweet lovin'“ gefasst.

Das Einzige, was Ihr wirklich nach mehreren Wochen vermissen werdet ist vernünftige Schokolade – selbst weltweite Schoki-Produkte wie Snickers oder Kitkat schmecken in Japan dezent fad und versprühen so gar kein Schoko-Feeling. Schoko-Junkies lecken verzweifelt die Schokolade von den knorrigen Pocky-Sticks… oder wenden sich einem ganz anderen Süßigkeiten-Gebiet zu: Kuchen! Oder wie Japaner sagen würden: Kääääjkiiiiii!

Denn: The Cake is not a lie! Zumindest nicht in Japan. Kuchen schmeckt dort klasse, ist jedoch winzig portioniert. Schlaue Schlemmermäuler greifen zu leckeren Dessert-Sets mit Getränk und einer Kugel Eis dabei. Schokokuchen gibt es ab und an auch in Kaiten-Sushi Restaurants – richtet Euch auf eine saftige, vollmundigen Schoko-Erfahrung ein.

Verdammt, das ist ein verdammt guter Burger! Verdammt!

Wem der ganze Japan-Kram nach einiger Zeit auf den Magen schlägt, der kann auch dort zu typisch amerikanischen Fast-Food Ketten eilen und sich den Wunsch-Burger zwischen die Kiemen klemmen. Überraschung: Besonders McDonalds sticht in Sachen Qualität und Geschmack die Filialen hierzulande aus. Man kann fast sagen: Die Burger sehen tatsächlich so aus, wie es auf den Photoshop-Werbeflächen verbreitet wird.

Oder um es mit meinen Worten zu sagen: Willkommen im Burger Wonderland!

Bei Ur-Japanischen Burgerbuden sind die Portionen relativ klein. Die Läden haben ihre Größen auf das Essverhalten von Japanern abgestimmt und bieten lieber kleinere Portionen an, als dass jeder Japaner Essen liegen lässt. Mos Burger präsentiert sich unter dem Motto „fresh & natural“ – daher gehen sie auch nicht in den Preiskrieg mit McDonalds. Die Burger dort sind relativ klein, dafür aber sehr frisch zubereitet. Eine gute Alternative!

Lotteria serviert Euch sehr kleine Portionen und ist eher nicht zu empfehlen. Burger King ist noch am expandieren, daher weniger präsent als McDonalds Filialen. Beliebter ist da schon KFC, welche sich im Vergleich mi Deutschland ebenfalls sehr positiv hervortun.

Kneipen – gibt es sowas überhaupt in Japan?

In Sachen Alkohol greifen Japaner gerne zu XXS-Varianten – stämmigen, deutschen Biertrinkern huscht schnell ein Grinsen über das Gesicht, wenn Mini-Bierflaschen und winzige Gläser serviert werden. Beliebt sind diverse Biersorten (Kirin, Asahi, Yebisu, Sapporo) und auch Whiskey (uisuki), während sich jüngere Japaner gerne mit Sake und Shochu (Getreideschnaps) abfüllen.

Japanisches Bier ist grandios süffig – die hohe Kunst des Bierbrauens haben die Japaner während der Meiji Zeit zum Glück von den Deutschen abgekupfert. Abraten kann man daher nur von Happōshu: Das ist ein modernes Bierimitat, um die japanische Alkoholsteuer zu umgehen. Pfui!

Chuhai gibt es meist in Dosen – das japanische Pendant zu Alkopops sozusagen. Es gibt mannigfaltige Geschmacksvariationen gepaart mit Alkohol, Zuckerschock inklusive.

Schwierig für Touristen ist die Suche nach einer entsprechenden Izakaya („Kneipe“). Oft befinden sich diese im Keller, oder in den höhren Stöcken von Gebäuden, daher lohnt sich (wie immer in Japan!) der Blick nach oben! Ein gemeinsames Kneipengelage beginnt man übrigens mit erhobenen Gläsern und einem „Kampai!“.

In Izakayas gibt es diverse Alkoholika, manchmal auch Cocktails und vor allem jede Menge Snacks zu günstigen Preisen. Kleine Portionen Ramen, Sushi, Pizza und eingelegte Beilagen gehören zu jedem Kneipenbesuch, ebenso wie Edamame – Soya (mal wieder)! Edamame sind noch nicht ganz gereifte Soyabohnen, die Ihr Euch als Snack aus der Hülse drückt. Als Kult gelten mittlerweile die Werbespots mit Mameshiba, einer Bohne, die wie ein Hund aussieht und immer seltsame Fakten ausplaudert.

In Japan schenkt man sich übrigens nicht selber nach – man wartet, bis einer der anderen Gäste das Glas wieder auffüllt. Wer keinen Durst mehr hat lässt das volle Glas einfach stehen.

Ok, jetzt weiß ich Bescheid. Aber WO diniere ich wie ein König?

Eine Auflistung von diversen Restaurants macht an dieser Stelle keinen Sinn – und selbst das Suchen nach Top-Adressen im Internet kann sich im realen Tokyo als schwierig erweisen (siehe Adressen-Wirrwarr im letzten Beitrag). Deswegen: Probiert einfach aus – Auswahl gibt es sicher genug! Wer doch einen guten Ratgeber sucht: Kauft Euch den Lonely Planet (gibt sogar eine Ausgabe extra für Tokyo) oder surft mal auf www.japan-guide.com vorbei.

Ich bin Vegetarier / Veganer: Was sind meine Alternativen?

Schwieriger wird der Nippon-Ausflug für Vegetarier und Veganer, welche keinen Fisch essen. In vielen Gerichten ist Dashi (Fischfond) enthalten – auch wenn man deutlich sagt, dass man Vegetarier oder Veganer ist und kein Fleisch und keinen Fisch essen möchte, bekommt man trotzdem Spezialitäten wie Katsuobushi (geraspelte Fischflocken) serviert. Als wir das Personal einmal darauf angesprochen haben, wurde vehement betont Katsuobushi wäre doch kein Fisch,… es wäre eben Katsuobushi. Keine Chance zur Diskussion!

Selbst große Ketten wie Yoshinoya und Matsuya bieten außer kleinen Salaten nichts Fleisch- bzw. Fischloses an. Abhilfe schaffen kalte Buchweizen-Nudeln (Udon) mit Soja-Sosse. In Sushi-Läden schlägt man sich mit Inari (süße fritierte Tofutaschen mit Reis) oder Gurken– und Avokadomaki durch. Ebenfalls immer wieder gut für zwischendurch sind vegetarische Snacks in Bäckereien – für Veganer ist dies keine Alternative, da japanische Bäcker alle Leckereien mit Eigelb aufpeppeln, damit es schön glänzt.

An der Kappabashidori gibt es Zubehör für Restaurants. Hier bekommt man auch die beliebten Plastik-Speisen als Souvenir für daheim.

An der Kappabashidori gibt es Zubehör für Restaurants. Hier bekommt man auch die beliebten Plastik-Speisen als Souvenir für daheim.

Zuckersüße Tipps für Diabetiker

Da mein Xbox Live Nickname Insulino nicht nur aus Jux und Dollerei gewählt ist, hier ein paar kleine Tipps für den erfolgreichen Japan-Schlemmer-Urlaub trotz Diabetes:

1.) Auf dem Hinflug und Rückflug lasst Ihr das Langzeitinsulin weg und fangt hohe Werte einfach mit zusätzlichem Normal-Insulin ab. Messt ruhig etwas öfters Euren Zucker – auf dem Flug ist es eh stinkend langweilig, da kann man auch mal seinen Accu-Check (oder sonstige Geräte) zur „Beschäftigung“ herauskramen.

2.) Das erste Langzeitinsulin spritzt Ihr am besten erst, wenn Ihr bereits die erste Nacht in Tokyo verbracht habt – so hatte der Körper genug Zeit sich zu „akklimatisieren“ und Euch droht keine Unterzuckerung während der ersten Nacht (lieber ein wenig zu hoch, als zu tief!).

3.) Vorsichtig spritzen und viel messen – dies gilt sowohl für den Flug, als auch die ersten zwei Tage in Japan. Akzeptiert auch mal einen Zucker von 200 aufwärts – besser zu hoch, als unterzuckert durch die grellen Hochhausschluchten von Tokyo zu flanieren.

4.) Falls Ihr es noch nicht könnt: Lernt Reis in BE (bzw. KE) umzuwandeln, bzw. Reis richtig einzuschätzen. Das macht die Berechnung eines japanischen Essens erheblich einfacher.

5.) Cola– und Pepsi Light sind in Automaten und sogar Restaurants nur spärlich vertreten, grüner Tee ist eine Alternative. Ebenso sollte man sich als Diabetiker auf viel stilles Wasser gefasst machen. Cola-Junkies wie ich decken sich im Supermarkt mit Light-Getränken ein.

So, das war es erstmal wieder – ist dann doch mehr geworden, als ursprünglich geplant 🙂 Wer den ersten Teil verpasst hat, der kann sich hinter diesem Link noch einmal in Sachen Reise- und Gepäckplanung schlau machen. Alle Infos zur Fortbewegung in Japan gibt es im zweiten Teil.

Im vierten Teil versuchen wir Euch Japanisch beizubringen und zeigen Euch endlich, wo es das grandiose Nerd-Zeug in Akihabara und anderen Orten zu kaufen gibt!

Übrigens: Wer sich mal hierzulande selbst an Sushi versuchen will, der sollte mal einen Blick in unseren (bereits älteren) „Wie mache ich Sushi„-Beitrag werfen.