Symphonic Odysseys – A Tribute to Nobuo Uematsu

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Um Nobuo Uematsu führt musikalisch aktuell kaum ein Weg vorbei – eigentlich Schade, denn dank der immer schneller voranschreitenden Mutation zum Superstar klingt mein persönliches Interesse an seiner Musik kontinuierlich ab. Ein Phänomen, welches dem Wort „Superstar“ und mehreren Jahren Dieter Bohlen geschuldet sind.

Nicht dass man Bohlen und Uematsu in einen Korb werfen könnte – da liegen dann zum Glück noch immer (virtuelle) Welten dazwischen. Aber wenn ich mir die Anzahl der Fans anschaue – allen voran die epische Schlange an Autogrammjägern, welche gestern die Kölner Philharmonie belagerte…. dann vergeht mir persönlich ein wenig die Lust auf den ins Licht der Welt gezerrten und verspielten Musik-Zirkus. Dabei glänzen die Stücke von Uematsu für mich persönlich eigentlich erst im Stillen, im persönlichen Umfeld.

Ihr seht schon: Ich war nicht ganz zufrieden mit den Symphonic Odysseys. Einem immerhin knapp zweieinhalb stündigen Konzert des WDR Rundfunkorchesters und des WDR Chors (48 Sängerinnen und Sänger), stilecht im Takt gewedelt von Arnold „Arnie“ Roth (dem wohl bekanntesten Dirigenten für Videospielmusik weltweit). Ebenfalls mit dabei war Benyamin Nuss, der mit seinen 23 Jährchen das Piano beherrscht wie… nun ja, zumindest wie kaum ein Mensch in dem Alter, den ICH persönlich kennen würde.

Vor kurzem war Benyamin noch auf eigener „Benyamin Nuss plays Uematsu“ Tour, jetzt durfte sich der aufstrebende Klimperstar (den Uematsu persönlich mittlerweile ins Herz geschlossen hat) zusammen mit dem gigantischen Orchester und dem Chor in Mitten der Kölner Philharmonie beweisen.

Der Ablauf des Konzertes war gegliedert in mehrere Ausflüge in bekannte Uematsu Versoftungen, hier nochmal der genaue Fahrplan:

Final Fantasy
I. Grave – Allegro
II. Adagio cantabile
III. Allegro molto

King’s Knight
A Pretty Day Out

Chrono Trigger
Silent Light

The Final Fantasy Legend
The Final Fantasy Legend II

Final Fantasy X
A Fleeting Dream

KURZE PAUSE

The Last Story
Spreading Your Wings

Final Fantasy XIV
On Windy Meadows

Blue Dragon
Waterside

Lost Odyssey
I. Prologue (Main Theme)
II. A Formidable Enemy Appears!
III. A Sad Tolten
IV. Dark Saint
V. Light of Blessing – A Letter
VI. Epilogue (Main Theme Reprise)

Zugabe
I. Final Fantasy X Ending Theme
II. Final Fantasy VII (Mischmasch aus Those who fight / FF VII Battle theme, J-E-N-O-V-A, One-winged angel, Birth of god,…. Fehler vorbehalten ^^)

Bevor ich jetzt mit dem Kritikhammer aushole, möchte ich an dieser Stelle dennoch sagen, dass wirklich JEDER Fan von Spielemusik einmal auf so ein Konzert gehen sollte. Für mich persönlich war es bereits der vierte „Live“-Ausflug in virtuelle Musikwelten – vor mehreren Jahren durfte ich in Leipzig das famose Video Games Live Konzert erleben, danach folgte das bereits angesprochene Benyamin Nuss plays Uematsu in der Tonhalle Düsseldorf (wohlgemerkt nicht in der Tonhalle selbst, sondern einem eher lausigen Hinterzimmer), sowie erst kürzlich in Leverkusen auf dem Computerspiel-Sounds live in Concert (hier nochmal der LINK ZU MEINEM BLOG-BEITRAG).

Mein größtes Problem mit den Symphonic Odysseys war, dass nur ein kleiner Hauch der Lieder mein persönliches Zockerherz anrühren konnte – und DAS muss man bei so einem professionellen Aufgebot an Musikern erstmal hinbekommen!

Fangen wir in der ersten Hälfte an: Die Final Fantasy Einleitung war nett, wenn auch nicht weltbewegend. Wie auch mein selbstgedrehtes Video – deswegen werde ich alle weiteren Videos lieber direkt von YouTube nehmen 😉

Das darauf folgende King’s Knight kennt hierzulande keine Sau, entwickelte sich aber schnell zu einem meiner persönlichen Highlights des Abends. Das Spiel selbst ist wohl eine der sehr wenigen Mischungen aus Vertikal-Shmup UND Fantasy-Setting aus diesen frühen Tagen der Videospiele, erschien jedoch nie in Europa. Neugierige surfen mal auf Wiki vorbei oder schauen sich den folgenden Clip zum Spiel an:

Mit Orchester und Chor im Hintergrund hörte sich das Ganze dann so an:

Weiter ging es mit Chrono Trigger und Silent Light. Während bei Chrono Trigger meine Augen aufleuchteten, verschlossen sich meine Ohren nach längerer Zeit gelangweilt vor der traurig-depressiven Interpretation durch den WDR Chor – wohlgemerkt NUR dem Chor, denn das Orchester wurde zum Schweigen verurteilt. Hätte man lieber Benyamin Nuss auf dem Piano durch die Corridors of Time gehetzt – aber da bin ich mir nicht sicher, ob diese auch von Uematsu selbst komponiert wurden.

Geschmäcker mögen verschieden, aber selbst Final Fantasy Legend 1 und 2, sowie A Fleeting Dream aus Final Fantasy X konnten mich vor der Pause nicht mehr wirklich aus der Langeweile reißen – meine Frau behauptet sogar kurz eingenickt zu sein. Dafür durfte sie mit unserem 3DS ihre Sammlung an Puzzleteilen und Bekanntschaften ERHEBLICH aufstocken 😉

Das größte Problem des (gesamten) Konzertes: Die Song-Auswahl wurde scheinbar eher von Musikern, als von Gamern getroffen. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich bei Indiana Jones oder Star Wars anstelle der Titelmelodie andere Teile des Soundtracks aufgetischt bekomme (die zwar ohne Frage sicher gut sind… aber eben vollkommen unbekannt), festigt sich wenig überraschend ein dickes Fragezeichen auf meiner Stirn.

Dies soll jetzt bloß nicht als Aufruf zu mehr bekannten Melodien verstanden werden (ein paradoxer Gedanke, hatte ich mich doch erst eben noch über „Superstars“ beschwert). Aber ein paar bekannte Melodien oder „heitere“ Arrangements hätten den Odyssen sicher besser zu Gesicht gestanden.

Immerhin konnte die zweite Hälfte des Abends trotz seltsamer Moderation einigermaßen versöhnlich stimmen. Das Stück Spreading Your Wings aus The Last Story war fantastisch, der Auftritt von Final Fantasy XIV eher schlechte Werbung für das Spiel, Waterside aus Blue Dragon läuft angeblich auf Dauerschleife im Badezimmer von Uematsu selbst und die gut 20minütige Lost Odyssey Suite setzte einen extrem starken Schlusspunkt. Der Soundtrack von Lost Odyssey ist für mich persönlich auch eine Spur zu düster und depressiv – aber das kann man dem Spiel bei DER Hintergrundgeschichte ja schlecht vorwerfen 😉

Das schwülstige Ending Theme von Final Fantasy X hätte man als Zugabe auch gut sein lassen dürfen. Die zweite Zugabe kam in Form eines wilden Arrangements diverser Final Fantasy VII Songs – da hätte man sich meiner Meinung nach lieber auf One Winged Angel konzentrieren sollen, welches dank des extrem starken Chors Potential nach weit, weit oben gehabt hätte. Schade!

Fazit: Ein schöner Abend, an dem mir einige Melodien von Uematsu einfach fehlten… und die weniger bekannten Lieder nicht ganz so mitreißen konnten, wie gehofft. Kudos jedoch für die tolle Lichtshow und die „Mütze“ von Uematsu – so cool kommt einfach kein anderer Komponist daher 😉

Zum Glück haben wir es nach dem Konzert noch aus der Stadt geschafft – immerhin waren für später am Abend die Kölner Lichter angekündigt. Ein Feuerwerk welches ganz Köln auf den Kopf stellt. Zum Glück hatten wir die frühere Veranstaltung erwischt, welche trotz der „Ausverkauft!“-Ankündigung noch einige freie Plätze geboten hat.

Der WDR hat das Konzert übrigens im Livestream übertragen, viele aktuelle Videos zum Event findet Ihr auch bei YouTube. Ich persönlich war mal so frei zwei eigene Videos hier einzubetten – das komplette Programm findet Ihr hinter diesem Link auf YouTube und hier auf WDR.de. Übrigens sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die passende CD zum Event erscheint – trotz einiger Kritik dennoch eine klare Kaufempfehlung 😉

Link zur offiziellen Symphonic Odysseys Seite
Link zur Spendenaktion des Roten Kreuz (Japan-Hilfe)
Link zum offiziellen Twitter