Das Daddel-Wort zum Sonntag (21.08.2011): Gamescom Fazit

Flattr this!

Puuh! Was für eine Woche! Seit Mittwoch lief die Gamescom in Köln und fand vor wenigen Stunden ihr Ende – allen voran die letzten drei Tage war das Gelände stellenweise arg überfüllt. Gestern nachmittag mussten die Tageskassen aufgrund des Ansturms und zum Wohle der Sicherheit schließen.

Ein paar krasse Beispiele gefällig? Schaut mal hier rein (Quelle: deejaydizze):

Karten hingegen wurden munter weiter verkauft – wer sich im Internet nicht über den aktuellen Zustand vor Ort informierte, prallte verwundert auf die größte Anstellschlange der Welt. Chaos in den Zügen, Chaos auf den Straßen… letzte Hochrechnungen sprechen von insgesamt 275.000 Besuchern, darunter 21.400 Fachbesucher aus mehr als 70 Ländern. Wow. Beeindruckend. Und ziemlich fies, wenn man vor Ort mehrere Stunden auf ein kurzes Demo-Video seines Lieblingsspiels warten muss.

Aber anstelle hier wieder rumzumeckern ob der kruden Stände (fünf Meter hohe Wände, endlose Anstellschlangen, gelangweiltes und verpeiltes Personal), will ich ENDLCIH mal sagen, was mir persönlich auf der Gamescom am meisten Spaß bereitet hat. Wohlgemerkt am Pressetag, an dem von dem Tohuwabou noch nichts zu sehen war. Et voilá, here we go!

Ridge Racer Unbound hat sich in den neuesten Videos nicht nur als krude Mischung aus Ridge Racer und Flatout präsentiert, es spielt sich tatsächlich so. Während meiner Demo-Runde fiel vor allem das grandiose Anzeigen-System auf, welches ich in dieser Form noch in keinem Rennspiel ausgemacht habe. Bestzeiten, High-Scores, verbleibende Runden… alle wichtigen Infos werden in großen, weißen Anzeigen auf die Strecke oder die Umgebung projeziert. Gefällt!

Das Spiel selbst lebt von seiner Umgebungszerstörung – nur Schade, dass es hier noch arg zu Mißverständnissen kommen kann. Wo darf ich jetzt reinfahren… und wo nicht? Brückenpfeiler zum Beispiel zerbröseln einfach vor Eurer Motorhaube, während andere Streckenelemente keinen Millimeter weichen. Das Drift-System wirkt noch sehr unfertig und sollte in dieser Form besser nichts ins fertige Spiel kommen.

Street Fighter X Tekken: Bereits die ersten Videos zu dem Titel hatten mich überzeugt – immerhin bin ich absoluter Fan des grandiosen Stils, der auch schon die letzten Street Fighter Teile für mich zum Pflichtprogramm gemacht hat. Jetzt lautet die wichtigste Frage: Was taugt es spielerisch?

Trotz Partnerwechsels erwartet Euch kein Special-Effect Gewitter wie in Marvel vs Capcom 3 – einzig die ellenlangen Jungle-Combos könnten bei Anfängern oder Kritikern des Systems für Ärger sorgen. Sonst spielt es sich erstaunlich flüssig und macht jede Menge Spaß – vor allem natürlich dank der grandiosen Kämpfer-Riege. Da kann ich über das von mir eigentlich wenig geliebte Tag-Team-Feature auch mal hinwegsehen.

Rayman Origins: Zusammen mit Nina im Zweispieler-Koop gezockt. Ich kann nur soviel sagen: eines der größten Messe-Highlights der Gamescom und höchstwahrscheinlich das beste Jump’n’run 2011 – da kommt selbst Mario in seiner etwas angestaubt wirkenden 3DS-Verwurstung Super Mario 3D Land nicht mehr mit.

Die Grafik ist schlicht phänomenal gut, die Spielbarkeit fantastisch, die Animationen, die Musik, die Effekte, die Charaktere… ein Spiel zum Verlieben!

Trials Evolution: Meine größte Messe-Überraschung – schließlich hat man schon länger nichts von dem Titel gehört. Das Spiel dann plötzlich in spielbarer Form mit beinahe mehr als 10 Demo-Strecken vor sich stehen zu haben… unbeschreiblich. Spielt sich sehr ähnlich zum grandiosen Vorgänger (keine Not DAS zu verbessern), dafür gibt’s endlich schicke Außenlevel mit Wäldern, Flüssen, einer Holzfabrik und angenehm variantenreichen Hintergründen.

Ersteindruck: Superb. Der 3D-Effekt beim „Kurven Fahren“ fällt während des Zockens kaum auf (die Strecken sind jetzt „kurvig“) und bietet wenig spielerischen Mehrwert. Dafür ist es eine nette, optische Illusion. Äußerst gespannt bin ich noch auf den Koop-Modus mit zwei bis vier Spielern simultan. Für mich persönlich bereits jetzt ein Blindkauf. Her damit!

Iron Brigade hatte ich schon in einem eigenen Blogbeitrag gewürdigt. Das Spiel hieß ursprünglich Trenched, konnte wegen Copyright-Problemen aber nicht in Europa veröffentlicht werden. Auch hier nochmal: Fans von Tower Defense, Mech-Spielen und Double Fine greifen blind zu, wenn der Titel in den nächsten Monaten endlich auf XBLA und im PSN erscheint.

Burnout Crash wurde auf dem Microsoft-Stand gezeigt… und sieht tatsächlich so beschissen aus, wie die ersten Trailer vermuten ließen. Noch schlimmer: Es macht keinen Spaß. Absolut NULL. Selbst wenn man die „Burnout“-Marke subtrahiert, die grandiose Grafik der Serie dementsprechend außen vor lässt, das Spiel einfach als simplen Indie-Titel bewerten würde… selbst dann. Hier gibt’s keinen Spaß. Nada. Überhaupt nicht.

Ist mir ein Rätsel, wie die Leute von EA den Mist haben absegnen können. Und ich STEHE eigentlich auf dieses simple Crash-Genre. Deswegen (und weil es sich höchstwahrscheinlich kaum mehr verbessern wir): Finger weg!

Mario Kart 7. Nach sovielen Jahren langweilt mich die Serie etwas. Ja, die Strecken sind fantastisch designed und bieten meiner bescheidenen Meinung nach bereits jetzt zwei der besten Strecken seit langer, langer Zeit. Die neuen Spielelemente wie der Unterwasser-Antrieb oder der Flugdrachen gliedern sich so perfekt ins Spielgeschehen ein, dass man glauben könnte sie wären schon seit Ewigkeiten mit dabei.

Kurz: Ein totsicherer Hit, der mich trotz der Neuerung dennoch langweilt… Mario-Überdruss sei Dank. Dasselbe Phänomen trat übrigens bei Super Mario 3D Land auf, welches objektiv gesehen ebenfalls fantastisch ist, mich aber stilistisch zu sehr an die noch immer nicht durchgespielten Wii-Galaxy-Vertreter erinnert.

Nina schwört derweil auf Capcom’s neue Japan-Prügelorgie Asura’s Wrath – ich war mehr als überrascht, dass ihr dieser wenig charmant inszenierte Klopper so gut gefiel 🙂 Asura’s Wrath ist also offiziell unser beider Geheimtipp der Gamescom 2011 😉 Und wer noch gar nichts von dem Titel gehört hat, der schaut einfach mal in folgenden Trailer rein!

Wo wir gerade von Überraschungen sprechen: Joe Danger: The Movie war genau so eine! Der Vorgänger gehört zu den wenigen PS3-Titeln, welche mein Herz auf den ersten Blick erobern konnten – da kommt Teil 2 natürlich zur richtigen Zeit. Diesmal seid Ihr in diversen Film-Set unterwegs, ob auf einer Lorenfahrt oder mit Skiern unter den Comic-Latschen. Sieht nach einer dicken Packung Spaß in Reinform aus.

Soviel also zu den Titeln, welche mir am meisten in Erinnerung geblieben sind. Dazu kam ein mittlerweile zur Gewohnheit gewordener Besuch vom Return-Stand mitsamt der kultigen Retro-Konsolen-Ausstellung von René Meyer, der mir netterweise meine erste Berührung mit Videospielen in Form des Mario’s Cement Factory Tabletops in die Hände drückte. Danke René!

Die meiste Zeit verbrachten wir jedoch gebannt vor dem League of Legends Stand, auf dem den ganzen Tag über der neue Spielmodus „Dominion“ gezeigt wurde. Nina ist heiß, ich fiebere mit… die Veröffentlichung von Dominion ist für September – Oktober geplant.

Gamescom Fazit

Ich glaube, ich werde langsam zu alt für den Scheiß. Nein, im Ernst: Volle Hallen, lange Märsche, angestrenge Bemühungen mal einen Platz zum Anspielen zu ergattern – alles andere, als einladende Aussichten. Dazu kommt, dass die Hersteller scheinbar selbst keine Lust mehr haben, ihre Spiel zu präsentieren. Während ich Geheimhaltung im Internet noch nachvollziehen kann, verwirren mich meterhohe Wände, verschlossene Türen und Stand-Security der Marke „Was hassu g’sagt?“.

Kurz: Wollt Ihr überhaupt, dass wir Eure Spiele spielen und darüber berichten? Oder geht heutzutage alles nur noch über Hintertürchen, spezielle PR-Kontakte und Rumgetrickse? Entwickelt sich da eine Art High-Society-Gaming?

Ich weiß es nicht… ich weiß nur, dass es selbst am Pressetag nicht einfach war, an einige Spiele heranzukommen, während bei anderen der gesunde Menschenverstand schon dazu riet: „Nein, tu das nicht. Battlefield 3 ist keine 4 Stunden Schlangestehen wert. Wirklich nicht.“

Bleibt festzuhalten: Publisher sollten offener werden und die Karten für das Gelände endlich limitiert – denn in dieser Form haben nur die wenigsten etwas von einer Spielemesse, auf der kaum gespielt werden kann.