Drachen-Debakel: Dragon Quest X Online verprellt Fans

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Groß angekündigte Pressekonferenzen werden natürlich von einem ebenso großen Publikum betrachtet und bewertet – eigentlich hätte irgendein cleverer CEO bei Square Enix also durchaus damit rechnen müssen, dass die Ankündigung von Dragon Quest X Online nicht ausschließlich für Lobeshymnen sorgen würde.

Speziell nicht in einer Zeit, in der japanische Entwickler auf dem Online-Markt lange nicht mehr soviel zu sagen haben, wie sie es sich wünschen würden: Final Fantasy XI hatte zwar durchaus Charme, kam im Westen jedoch nie über die „Hardcore“-Titulierung hinweg (was ich persönlich nichtmal als schlimm empfinde). Final Fantasy XIV hingegen darf gerne als kolossaler Flopp bezeichnet werden.

Dazu stammen eine Vielzahl japanischer MMORPGs ursprünglich aus Korea, einzig das auch hierzulande unter Japan-Fans beliebte Monster Hunter Franchise (Capcom) konnte sich in Japan nicht nur gut verkaufen, sondern gehört (zumindest für PSP und Wii) in die absolute Spitzenriege der „System Sellar“.

Doch fangen wir vorne an! Dragon Quest X Online: Rise of the Five Tribes soll zuerst für die Wii erscheinen und später eine grafisch aufpolierte Fassung für die Wii U erfahren – eine Vermarktungsweise, welche mir bereits beim Cross-Release von Zelda: Twilight Princess auf Gamecube, respektive Wii graue Haare hat wachsen lassen.

Egal, für welche Version man sich als Spieler entscheidet – im Hinterstübchen fühlt man sich immer benachteilitgt. Warum sollte ich zur grafisch unterelegenen Wii-Version greifen? Warum sollte ich (aller Voraussicht nach) über ein Jahr auf eine grafisch bessere Version warten, wenn die Zukunft des Spiels nicht gesichert ist?

Wohlgemerkt: Twilight Princess war ein Einzelspieler-Titel, der Zukunftssorgen allerhöchstens in Hinsicht auf die zukünftigen Konkurrenten teilte. Bei Dragon Quest X Online reden wir jedoch von einem MMORPG. Ein Genre, welches bereits im hier und jetzt stets mit einem Fuß auf der modrigen Totengruft herumscharrrt.

Und wir müssen uns langsam alle fragen: Wieviel freie Zeit kann ein normaler Mensch online verbringen? Zumindest für den Westen dürfte diese Frage in den nächsten Jahren wichtig für Marketing-Spezialisten, sowie Spieler werden: Zwischen Blizzard-Zeitfressern wie World of Warcraft, Starcraft 2 und Diablo 3, „normalen“ MMORPG-Vertretern wie Guild War 2, Star Wars – The Old Republic, Tera Online, Wildstar und neu heraufbeschworenen Online-Systemen wie Dota (League of Legends, Dota 2) bleibt schlicht kaum mehr Platz für weitere Titel.

Einige mögen jetzt laut schreien: „Aber es ist Dragon Qest! Es hat Slime!“ Und ja, Ihr habt Recht! Slime rockt und der grafische Stil der gezeigten Demo gefällt auf Anhieb – Vergleiche mit oben genannten Titeln verbieten sich aufgrund der unterschiedlichen Herkunft eigentlich und sind von meiner Seite aus alleine auf den Zeit-Faktor bezogen. Das große ABER: Die wenigsten Fans wollten diesen Schritt – selbst die Slime-Liebhaber, die Verfechter, die Liebhaber. Der größte Aufschrei war diesbezüglich also aus den zahlreichen Foren und Diskussionsplattformen zu vernehmen.

Da sind die am heutigen Tag gewonnenen, weiteren Erkenntnisse eigentlich nur zusätzliches Salz in die klaffende RPG’ler-Wunde: Dragon Quest X Online soll Geld kosten. Wie genau die Abo-Gebühr gestaltet wird, soll die Zukunft zeigen – alleine der Fakt DASS es eine monatliche Gebühr geben wird, dürfte für viele Spieler (mich inklusive) das K.O.-Kriterium bedeuten. Nimmt diese Zeilen jedoch mit Vorsicht: Die Kosten gelten bislang nur für Japan – wie eine Umsetzung für den Westen aussieht, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Übrigens reagierte sogar der japanische Nikkei auf die Ankündigung alles andere als positiv: Sonys Aktienkurs fiel den dritten Tag in Folge auf den niedrigsten Stand des Jahres (eine PS3-Version wurde scheinbar auch von den Anlegern sehnlichst herbeigewünscht), während der Aktienkurs von Square Enix um mehr als 10 Prozent sank.

Kommen wir schnell zu den restlichen Infos zum Spiel: Dragon Quest X Online soll 2012 in Japan erscheinen, einen West-Release sollte man besser nicht genauso schnell erwarten. Übrigens soll auch der 3DS Verwendung finden, damit Ihr Eure Helden wieder in (sicher) recht sinnbefreiten Street-Pass Minispielen durch die deutschen Einkaufsstraßen kutschieren dürft.

Inhaltlich wird es keine Unterschiede zwischen Wii U und Wii geben – außerdem werden USB-Tastaturen zur besseren Kommunikation untereinander unterstützt. Den deutschen Wii-Spieler mit einer USB-Tastatur soll man mir hingegen erstmal zeigen – hierzulande sehe ich da praktisch KEINE Chancen (außer die ganzen Wii Sports Bunnys mutieren in der nächsten Zeit zu fetten Nerds mit Hornbrille und Hardware-Fetisch).

In Sachen Kampfsystem dürft Ihr Euch auf serientypische, rundenbasierte Kämpfe gegen knuffige Critter, Slimes und Golems freuen. Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Dragon Quest X Online wird diesmal intern von Square-Enix entwickelt und trumpft sogar mit Nier-Produzent Yosuke Saito als Projektleiter auf – die Auslagerung an andere Entwickler (zuletzt Level 5) ist somit erstmal vorüber. Sehr schön!