Reise nach Japan – Teil 4: Von Shinjuku bis nach Mejiro

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Endlich ist es geschafft. Nach längerer Pause kann ich Euch zusammen mit Nina an dieser Stelle den vierten Teil meines Japan-Reiseratgebers präsentieren. Vierter Teil? Japan-Ratgeber? Gut, zugegeben: Wir haben eine längere Pause eingelegt, Studium und weiteren Turbulenzen sei Dank. Jaja, ok. Es ist tatsächlich mehr als ein Jahr her, seit Teil 3 erschienen ist. Hier nochmal fix die Links zum ersten Teil „Der große Ratgeber“ (Reiseplanung), zum zweiten Teil „Fortbewegung im Land der Massen“ (Unterwegs mit Bahn und Bus) und zum dritten Teil „Suche nach Sushi“ (Essen in Japan).

Das größte Problem: Nina und meine Wenigkeit waren jetzt länger nicht mehr vor Ort, zuletzt auf Hochzeitsreise im Dezember 2008. Da ist es schwierig wirklich aktuelle Sachen in den Ratgeber einbinden zu können. Natürlich haben wir uns trotzdem bemüht: Dieses mal fangen wir endlich mit unserer Tokyo-Besichtigung an! Also, zurücklehnen, etwas grünen Tee schlürfen und entspannen: Es geht los!

Willkommen in Tokyo!

Die Frage ist nicht, wie man die Zeit in Tokyo am besten verbringt, sondern wie man seine (meist knapp bemessene) Zeit am besten nutzen kann! Power-Touristen können am Tag vielleicht zwei oder drei Stadtteile zusammen abhaken – wer sich Zeit lässt kommt aber auf jeden Fall entspannter herum und kann ein besseres Auge auf die vielen kleinen Details und Eigenheiten werfen, welche das Leben in Tokyo so angenehm anders erscheinen lassen. Apropos Stadtteile: Schminkt Euch das Verständnis von Tokyo als einer großen, zusammenhängenden Stadt am besten gleich mal ab – praktisch jeder Bezirk hat sein eigenes Zentrum (meist der Bahnhof), seine eigene Atmosphäre und seine eigenen Highlights zu bieten.

Pflichtprogramm sind natürlich die großen Viertel, welche bequem per Ringbahn (Yamanote Line) erreichbar sind. Shinjuku bietet gleich zwei unterschiedliche Viertel zum Schwadronieren an, außerdem gibt’s hier die beeindruckensten Hochhausschluchten und natürlich das gigantische Rathaus, von dessen kostenloser Aussichtsplattform man einen grandiosen Ausblick auf die Stadt hat. Da im Rathaus auch das Touristen-Informationszentrum untergebracht ist, drängt sich Shinjuku als erste Anlaufstelle für Reisende regelrecht auf.

Wir beginnen unsere epische Runde also in Shinjuku und bewegen uns fortan im Uhrzeigersinn von Station zu Station der Yamanote-Bahn – der grünen Ringlinie, welche in Tokyo praktisch im Minutentakt fährt und für Touristen DAS Fortbewegungsmittel erster Wahl ist. Heute fahren wir über Shin-Okubo und Takadanobaba bis nach Mejiro. Eigentlich sollte Ikebukuro auch noch mit rein… aber nach der Länge des Beitrags mussten wir kürzen (dafür gibt’s den nächsten Teil garantiert schneller!).

Also nochmal schnell zusammengefasst: Heute von Shinjuku nach Mejiro, nächstes Mal von Ikebukuro bis nach Ueno. „Hajimasho! Los geht’s! Let’s rock!“

Shinjuku – Hochhausschluchten und Neonrausch

In den Hochhausschluchten von Shinjuku bekommt man als Kleinstädtler schonmal eine Gänsehaut. Das Gefühl vor einem Wolkenkratzer zu stehen kann man nur schlecht beschreiben und noch schlechter fotografieren (Weitwinkel FTW!).

Ganz plötzlich wird einem im besonderen Maße klar, dass man nicht der einzige Mensch auf der Welt ist: Pro Quadratkilometer kommen um die 17.000 Menschen unter, den Bahnhof von Shinjuku passieren täglich rund drei Millionen Menschen. Das ist die Menschenmenge vom Berliner Olympiastadion – wohlgemerkt in 40facher, voller Belegung. Stellt Euch diese Menschenmenge mal im Berliner Nahverkehr vor, zum Beispiel bei Großveranstaltungen – schon habt Ihr eine kleine Vorstellung dessen, was Euch vor Ort erwartet.

Kein Wunder, dass Shinjuku nicht nur uns „Otto-Normal-Bürger“ aus den Latschen haut – der Stadtteil gilt bis heute als eine der wichtigsten Inspirationsquellen für zahlreiche Sci-Fi Streifen und Anime. Prominentestes Beispiel ist sicher Ridley Scotts Blade Runner per Designer-Legende Syd Mead. Links findet Ihr eine Shinjuku-Rathaus-Aufnahme von mir, rechts ein Bild aus Blade Runner:

Abseits der Sci-Fi Geschichten möchte ich Euch noch zwei andere Filme ans Herz legen, welche sich speziell mit Shinjuku befassen: Lost in Translation sollte ja mittlerweile jedem Japan-Fan ein Begriff sein. Wenn nicht: Unbedingt nachholen! Das Meisterwerk von Sofia Coppola begeistert nicht nur mit einem grandiosen Bill Murray und einer äußerst charmanten Scarlett Johansson, sondern erklärt beinahe ganz nebenbei wie das so läuft… in Tokyo, bei den Japanern.

Eher unbekannt, aber nicht minder grandios: Shinjuku Incident, auf deutsch auch bekannt unter dem Titel Stadt der Gewalt. In dem teils recht brutalen, zweistündigen Yakuza-Streifen spielt niemand geringeres als Jackie Chan die Hauptrolle – jedoch ohne seine gewohnten Blödeleien.

Und wo wir gerade eh bei Filmen sind, hier noch ein etwas allgemeinerer Tipps aus meiner Filmkiste daheim: Kirschblüten – Hanami kommt aus deutschen Landen und wurde von Dorris Dörrie verfilmt, die selbst großer Japan-Fan ist (Erleuchtung Garantiert und Der Fischer und seine Frau sind weitere Titel von ihr). In kaum einem anderen Film trifft das deutsche Wesen (Rudi und Trudi) besser auf die japanische Kultur, als in diesem. Hervorragend!

Aber ich schweife schon wieder ab. Nach zahlreichen Reisestrapazen seid Ihr endlich am Ziel Eurer Träume angekommen. Fangen wir an!

Shinjuku Station – Die Japaner haben tief gegraben!

Bahnhöfe in Japan hatten wir ja bereits in unserem zweiten Teil des Japan Ratgebers beschrieben, Shinjuku ist in dieser Hinsicht aber noch einmal eine extra Erwähnung wert. Im Gegensatz zu deutschen Hauptbahnhöfen verläuft in Japan ein Großteil der Stationen durch den Untergrund – nicht auf einer Ebene, sondern auf mehreren! Um es auf Tolkien’isch auszudrücken: Die Japaner haben tief gegraben! Glaubt mir: Die Minen von Moria sind Kinderquatsch mit Legolas, wenn Ihr Euch einmal durch dieses Labyrinth gekämpft habt.

Ebenfalls loslösen solltet Ihr Euch von der „Oh mein Gott, ich komme zu spät!“ Philosophie – speziell in Tokyo fahren die Bahnen im Minutentakt. Kaum ist die eine Yamanote-Bahn mit gefühlten 20 Wagons abgefahren, kommt auch schon die nächste daher – die Hektik überlasst Ihr in Eurem Urlaub also am besten den Japanern, die trotz des Deluxe-Service nicht davon ablassen wollen.

In Sachen Beschilderung und Hinweisen solltet Ihr Euch selbst als Japanisch-Unkundige bestens zurechtfinden – das Problem ist eher, dass ZUVIEL ausgeschildert ist, als zuwenig. Ruhe bewahren, durchatmen, einfach einmal stehen bleiben und die Lage checken: Lasst Euch nicht von den rasanten Massen mitreißen, sondern schaut genau in welche Richtung Ihr wollt. Glaubt mir: Die Laufwege speziell in Shinjuku sind so gewaltig, dass Ihr bei Fehlern gerne mal mehrere Stunden sinnlos verplempert.

Insgesamt wartet Shinjuku Station mit stolzen 7 (!!!) Hauptausgängen auf, an denen Ihr Euch orientieren solltet. Um es noch etwas mehr zu vereinfachen: Alle Ausgänge liegen entweder auf der westlichen Seite (Richtung Wolkenkratzer-Viertel und Rathaus), auf der östlichen Seite des Bahnhofs (Kabukicho, Shinjuku Shopping Meile) oder der südlichen Seite des Bahnhofs (Takashimaya Times Square, Nationalgarten, Bücherparadies Kinokuniya).

Im Westen hätten wir den West Entrance, der für unseren geplanten Ausflug zum Rathaus am besten geeignet ist. Einmal angekommen erkennt Ihr den Ausgang am riesigen Bus-Depot, dem Bahnhof der Odakyu-Linie und einer erhöhten Fußgänger-Trasse, auf welcher auch diese Bilder hier entstanden sind:

Im Süden finden sich die recht nahe beieinander liegenden South Entrance und South Terrace Entrance (Ausgang gegenüber der Hauptstraße, Richtung Takashimaya Times Square). Beide Ausgänge führen Euch in Richtung Shinjuku Süd.

Im Osten hätten wir den East Entrance und nur wenige Meter südlich den Central East Entrance – von hier kommt Ihr ins Vergnügungsviertel Kabukicho oder könnt stundenlang in den kleinen Gassen shoppen und „snackieren“.

Der South East Entrance und der nebenan liegende New South Entrance am südöstlichsten Zipfel des gigantischen Geländes komplettieren das unterirdische Labyrinth und entlassen Euch ans Tageslicht. Um Euch nochmal eine etwas plastischere Übersicht zu geben habe ich zu meinen Anfänger-Photoshop Kenntnissen gegriffen und diese Karte hier gezaubert:

Jetzt kommt der Clou: Seid Ihr einmal auf einer Seite heraus (West oder Ost) ist es für Neulinge eine Mordsaufgabe auf die andere Seite des Bahnhofs zu gelangen, ohne wieder Zeche zahlen zu müssen, oder stundelang im unterirdischen Labyrinth verloren zu gehen. Entscheidet Euch also vorher gut, wo’s lang gehen soll – Spontanität wird in Shinjuku zumindest für Uneingeweihte mit bösen Zeitstrafen geahndet. Schon mehrfach erwähnt, aber gerade in Shinjuku extrem wichtig: Steigt aus Eurem Zug aus, atmet einmal tief durch, orientiert Euch und folgt den gelben Hinweisschildern über Euren Köpfen: alle genannten Ausgänge sind bereits auf dem Bahngleis ausgeschildert!

Warp Zone: Der Tunnel

Er ist lang und häßlich wie die Nacht, wird aber täglich von zigtausend Menschen passiert: Wer am schnellsten von West nach Ost Shinjuku wechseln will, sollte sich schnell nach dem etwas versteckt gelegenen Tunnel zwischen dem West Entrance und dem East Entrance umschauen. Zumindest in der Nähe des East Entrance ist es gar nicht so schwer – orientiert Euch einfach an den links von Euch liegenden Gleisen, bis Ihr den Tunnel erreicht (Fußweg höchstens 5 bis 10 Minuten vom East Entrance aus). Alternativ nutzt Ihr den langen Weg über die südliche Hauptstraße, welche über die Bahnstrecken hinweg führt.

Dieses Video hier fasst das „How to do Shinjuku Station“ ziemlich gut – wenn auch mit harschen Worten – zusammen. Hier werden noch zwei weitere Möglichkeiten genannt den Bahnhof schnell von West nach Ost durchqueren zu können. Ungeduldige Naturen skippen den Vorspann und fangen bei 00:30 an:

Erster Anlauf für Neulinge: Rathaus und Touri-Zentrum!

Am Bahnhof lautet Euer erstes Ziel: Findet den Ausgang namens Shinjuku West! Schaut am besten gleich auf dem Bahngleis nach diesem Ausgang und folgt den Schildern Richtung Tokyo Metropolitan Government Building. Die schnellere Fuß-Route führt Euch übrigens über lange, ebenerdige Rollbänder durch den Untergrund – fast wie am Flughafen und perfekt für faule Nerds. Wer über Tage unterwegs ist sollte mit einem kleinen Marsch von ca. 20 bis 40 Minuten rechnen – je nach Ausdauer und Orientierungssinn.

Auf diesem Weg findet Ihr das Touristen-Informationszentrum im gigantischen Rathaus-Tower am einfachsten und könnt Euch entsprechend mit allen notwendigen Karten und Ratgebern (auch auf Deutsch!) eindecken. Wichtig: Im Gegensatz zu den Aussichtsplattformen hat das Informationszentrum nur bis 18:30 Uhr geöffnet. Zur Website geht es hier lang!

Mit seinen beiden gewaltigen Türmen ist das Rathaus (auch Tokyo City Hall, oder Tokyo Metropolitan Government Building) zumindest aus der Nähe unverwechselbar. Beide Türme haben im 45. Stock Aussichtsplattformen, die bis weit in die Nacht (23 Uhr!) geöffnet und darüber hinaus sogar KOSTENLOS sind – ein erhebliches Plus im direkten Vergleich mit anderen Ausblicksplattformen wie dem Tokyo Tower (im Stadtteil Roppongi) oder dem brandneuen Tokyo Skytree (in der Nähe von Asakusa). Übrigens scheint es Jahreszeitenabhängig, welcher der beiden Türme für Touristen geöffnet hat – Infos diesbezüglich gibt’s gleich am Eingang. Für Wolkenkratzer-Neulinge ist bereits die Fahrt im Aufzug ein Erlebnis – Ohrenschlackern und potentielles Nasenbluten inklusive 😉

Einmal oben angekommen erspäht Ihr bei guten Wetterverhältnissen eventuell sogar den Fuji in der Ferne – aber selbst wenn nicht: der Ausblick ist einfach überragend. Da verweilt man gerne mit staunenden Blicken und einer gewissen Gänsehaut vor den Fenstern. Um’s kurz zu machen: Die perfekte Ego-Therapie, eingerahmt von entspannter Klaviermusik.

Noch ein kleiner Tipp: Wenn die Zeit und Lust reicht, versucht den Turm zu unterschiedlichen Tageszeiten aufzusuchen! Die perfekte Zeit ist natürlich zum Sonnenuntergang – obwohl dies sicher auch wieder Geschmackssache ist (genauso wie der Hello Kitty Touristen Shop im obersten Stockwerk – brrrrrr!).

Nachdem Ihr von Eurem Höhentrip wieder heruntergekommen seid, ist es Zeit für das Touristeninformationszentrum im Erdgeschoss: Hier sahnt Ihr kostenloses Kartenmaterial, Coupons und sonstige Ratgeber ab und bekommt eventuell noch die eine, oder andere Idee, was man sonst noch aktuell in Tokyo unternehmen kann (besondere Stadtfeste oder Konzerte lassen sich meist nur schwer im Vornherein ausmachen). Habt auch keine Angst mal mit den Leuten dort zu sprechen – die Chance, dass diese zumindest Englisch verstehen ist ungleich höher, als anderswo.

Anschließend steht Euch Shinjuku endlich zur freien Erkundung offen – seid nur vorsichtig im westlichen Wolkenkratzer-Viertel, hier verliert man dank der gigantischen Ausmaße der Gebäude und wenig freier Sicht zum Himmel schnell die Übersicht.

Übrigens: Praktisch genau gegenüber vom Rathaus liegt in südlicher-westlicher Richtung der Shinjuku Park Tower, welcher das fabulöse Park Hyatt Hotel für Euch bereit hält,… inklusive der Bar, in welcher viele Szenen aus Lost in Translation gedreht wurden.Verfehlen könnt Ihr das Gebäude kaum – die drei Treppenförmigen Türme sind recht einfach auszumachen.

Wer sich in selbiger Bar niederlassen will, sollte jedoch ein etwas besser gepolstertes Portemonnaie zur Hand haben, als unserer einer: Das Park Hyatt gehört zu den teuersten Adressen in ganz Tokyo. Aber keine Angst: Ein Aufenthalt in der Bar wird zwar sicher nicht billig, ist aber weit von den Zimmerpreisen entfernt und somit durchaus auch für Normalsterbliche im Bereich des Möglichen.Tipp: Besucht anstelle des New York Grills im 52. Stockwerk einfach „nur“ die Peak Lounge im 41. Stock. Dort muss man für einen Kaffee oder eine Cola nicht unbedingt seine Seele verkaufen.

Wer selbst einmal einen Blick darauf werfen will, über diesen Link kommt Ihr auf die englischsprachige Homepage des Hotels, inklusive einiger Bilder zu den extravaganten Zimmern. Das hauseigene Schwimmbad ist übrigens auch nett 😉

Rund um Shinjuku Station: Shopping!

Grell leuchten am Bahnhof die Neon Reklamen, während die Menschenmassen über unzählige Etagen und Fußpassagen florieren. Hier findet Ihr auch gleich zwei riesengroße Filialen der Elektronikmärkte Bic Camera und Yodobashi Camera – unverzichtbar für Videospieler und Elektronik-Fans. Zumindest eine gute Alternative für alle, die keinen Bock haben durch ganz Tokyo Richtung Akihabara zu tingeln. Für mich persönlich gehören Besuche von Bic Camera und Yodobashi sowieso zu jedem Stadtteil dazu: Ganze Stockwerke gefüllt mit Videospielen, Konsolen, Blu-rays und DVDs, schräger Japan-Elektronik… und natürlich genial für jeden erschöpften Touristen: Massage-Sitze inklusive großer Ausstellungsfläche. Da testet man sich gerne mal durch, wenn man den ganzen Tag auf den Beinen stand 😉

Den Yodobashi Camera Head Store findet Ihr ganz in der Nähe vom West Entrance, die bessere Adresse ist aber der East, bzw. Central East Entrance: Folgt der großen Straße von den Gleisen weg Richtung Osten. Hier findet Ihr gleich zwei Bic Camera Stores UND einen Yodobashi Camera. Im selben Umfeld liegt auch der große Buchladen Kinokuniya mit einer „enormonomatischen“ internationalen Bücherabteilung. Dort findet Ihr Reiseführer, tonnenweise Mangas (übrigens auch in verschiedenen Sprachen), Romane und (speziell für Japanisch-Studenten) alles um die japanische Sprache auf den letzten Drücker zu lernen.

Weiter die Straße runter findet sich darüberhinaus das Isetan – eines der beliebtesten Kaufhäuser in Tokyo, inklusive einer hervorragenden Lebensmittelabteilung im Untergeschoss. Arme Studenten und Touristen, welche eher auf’s Geld achten sollten jedoch weiterhin „normale“ Supermärkte bevorzugen 😉

Eingerahmt wird der Bahnhof von den großen Kaufhäusern MYLORD, LUMINE 2 und der Flags Shopping Mall im Süden, dem Kaio und Odakyu Department Stores im Westen und My City im Osten. Ich persönlich würde Euch nicht dazu raten diesen Läden einen Besuch abzustatten – meist werdet Ihr einfach nur mit mehreren Stockwerken vollgepackt mit hübschen Bratpfannen, noch hübscheren Schaufensterpuppen und noch viel, viel hübscheren japanischen Frauen auf 3 Meter hohen Stöckelschuhen (und mit häßlichen Zähnen!) konfrontiert, während Euch aggrochemische Gerüche die Nasenschleimhäute verätzen. Kurz: Karstadt-Tourismus im gigantischen Ausmaß, wenn man so will.

Am Südausgang des Bahnhofs findet Ihr den Takashimaya Times Square: eine riesige Shopping Meile mit dazu passendem IMAX Kino. Erkennen tut Ihr das Gebäude recht fix: Es ist ein gigantischer, gläserner Schuhkarton gleich neben dem großen Turm mit der Uhr. Nicht gut genug? Dann schaut halt hier vorbei. Oder besucht gleich die offizielle Homepage mit der Angabe aller Shops (auf englisch). Wie immer gilt auch hier: Die obersten Stockwerke sind vollgepackt mit Restaurants, alleine 8 (!!!) Stockwerke widmen sich Klamotten und im Untergeschoss gibt’s Lebensmittel.

Wie auch schon in den bereits genannten, zillionen Departement-Stores um den Bahnhof solltet Ihr Euch jedoch nicht allzu viel erwarten. Wirklich praktisch sind nur ein weiterer Kinokuniya Buchladen und der Allzweckladen Tokyu Hands, welche über Brücken mit dem Hauptgebäude verbunden sind. Tokyo Hands bietet Euch für das verrückte Japan-Survival alles was Ihr braucht: Werkzeuge, Bastelmaterial, Schreibutensilien, Küchenkrams, Gartenzeug. Besonders Mädels können auch hier mehrere Tage verbringen, ohne mit der Wimper zu zucken. Erwartet nur keine Discounter-Preise.

Kabukicho: Love Hotels und Yakuza

Oh, yeah! Kabuki! Komische Männer mit Masken machen komische Sachen mit Händen und Füßen und summen dabei komisches Zeug. Gott sei Dank braucht Ihr Euch hier vor dem für Außenstehende arg befremdlichen, japanischen Ausdrucks-Theater nicht zu fürchten – der Stadtteil trägt seinen Namen aufgrund einer Kabuki-Stätte, welche nie fertiggestellt wurde. Sega Fans kennen den Stadtteil übrigens indirekt aus der Yakuza-Reihe – hier wurde der Name einfach in Kamurocho umgedichtet.

Anstelle Kabuki bietet Euch Kabukicho zahllose grell beleuchtete und chaotische Gassen: ein Fest für Schlemmermäuler, kleine Pseudo-Yakuza-Banden und Anhänger japanischer Alkoholika. Trinkt Euch in den zahlreichen Bars und Nachtclubs um den Verstand oder versucht Euch mit Eurem Partner (bzw. Eurer Partnerin) am Abenteuer „Love Hotel“ – von diesen eigenartigen Etablissements finden sich am Rande des Stadtteils eine ganze Menge.

Love Hotels sind dabei eine Stilblüte, welche sicher auch aufgrund der Größe japanischer Wohnungen entstanden ist: Wenn die Tochter oder der Sohnemann mal wieder Besuch bekommen ist gemeinsames Rumfummeln und wildes Bett-Geschaukel in Wohnungen in der Größe einer europäischen Badewanne keine einfache Sache – erst Recht nicht, wenn die werten Eltern gleich eine Papiertrennwand nebenan im Bettchen liegen und sich ebenso verzweifelt denken: „Peitschenhiebe und wilde Fesselspielchen sind heut‘ nicht!“

Eben hier springen Love Hotels in die große Bresche von verzweifelt Liebenden: Meist werden die Zimmer nur für ein paar Stunden (oder auch mal eine Nacht) gebucht. Während dieser Zeit bieten sie Euch neben Massen an Kondomen und Kosmetiktüchern auch Entertainment-Möglichkeiten wie Karaoke-Maschine und Spiel-Konsole (meist billige Nintendo 64, oder Playstation 1 Kopien). Extravagante Love Hotels bieten „Themen-Räume“ wie das Prinzessinnen-Zimmer, den Hello-Kitty Raum oder fiese Dungeons für die etwas härtere Gangart.

Allgemein gilt Kabukicho als größtes Rotlicht-Viertel Tokyos – wer den Namen vor japanischen Freunden äußert erntet schnell erstaunte und ängstliche Blicke. Lasst Euch aber nicht zu sehr einschüchtern: Verglichen mit der Reeperbahn oder ähnlichen Sauf- und Freudenvierteln in Deutschland ist in Japan selbst ein Rotlichtviertel kaum furchterregender als eine Folge „Unsere kleine Farm“. Ein wenig Vorsicht ist natürlich nie verkehrt – aber lasst Euch nicht kirre machen: Selbst japanische Kriminelle sind meist netter und charmanter, als die vergleichbare Berufsgruppe hierzulande.

Kabukicho bietet schlicht zuviel, um es links liegen zu lassen: In den Arcades fühlt Ihr Euch wie im grellen Videospiel-Kirmes-Paradies und in den Gassen gibt es soviel zu Essen, dass die Auswahl nicht besonders leicht fällt: Von Kaiten-Sushi Bars (die mit den Drehbändern!) über französische Crepes bis hin zu Nudelsuppen aller Art – hier dampfen Euch die Sabber-Steroide aus allen Ecken entgegen.

Um in das Viertel zu gelangen nutzt am besten den East Entrance und schlagt Euch weiter in Richtung Norden durch. Je weiter Ihr in das Viertel vordringt, desto schmutziger wird’s – zumindest als Frau sollte man in den Randgebieten nicht mehr unbedingt alleine unterwegs sein. Wie gesagt: Macht Euch nicht zuviele Sorgen. Nina fand die riesengroße Ansammlung an Kinos, Restaurants, Spielhöllen und anrüchigen Clubs (wer den Film Hanami gesehen hat erinnert sich vielleicht an die Soapland Szene…) durchaus amüsant und sehenswert.

Hanami im Nationalgarten

Vom Rotlichtviertel in den Park: Der Shinjuku Gyoen Nationalgarten liegt weit im Süden von Shinjuku und grenzt praktisch schon an Shibuya an. Gerade zur Kirschblütenzeit fühlt Ihr Euch dort wie Amaterasu auf Pinseltour: die perfekte Adresse zum Betrachten extravaganter Menschenmassen unter Kirschblütenbäumen, zum Entspannen und Relaxen. Der Park ist zwar nicht kostenlos betretbar, für knappe 200 Yen kommt Ihr jedoch in den Genuss eines ursprünglichen Kaisergartens.

Gerade zum Hanami ist der Park wunderschön und nicht ganz so von Touristen überfallen – Eintrittspreisen sei Dank! Hier der Link zur offiziellen Homepage des Parks und einige Fotos… aus der weit entfernten Vergangenheit, als ich noch schlank… und rothaarig war 🙂

Alternativ zum Nationalgarten gibt es im westlichen Wolkenkratzerviertel noch den erheblich kleineren Shinjuku Central Park, über den ich Euch leider nicht viel erzählen kann. Selbst der dort liegende Kumano Schrein ist nicht so wichtig, dass man als Kultur-Tourist unbedingt vorbeischauen müsste. Kurz: Spart Euch den Central Park und setzt lieber den Nationalgarten auf Eure To-Do-Liste.

T-Virus im Glas: Die Capcom Bar

Viele heiße Tipps kann ich Euch leider kaum geben: Shinjuku musste bei uns immer hinten an stehen, wenn es um nerdigen Zockerkram ging – diesbezüglich ist Akihabara die Top-Adresse. Und dennoch gibt es neben den normalen „Lass nochmal nach neuen Videospielen gucken!“ Ausflügen zu Big Camera und Yodabashi Camera zumindest noch einen heißen Tipp für Videospieler: Die Capcom Bar!

Nutzt einfach den East Entrance am Bahnhof und lauft Richtung Nord-Osten (Kabukicho)… oder noch besser: Fragt nach dem Shinjuku Ward Office, denn neben dem gigantischen Gebäude liegt die Capcom Bar. Hier ein Link zu Googlemaps.

Einmal angekommen könnt Ihr Euch Gerichte mit kultigen Capcom-Themen wie Biohazard, Street Fighter oder Monster Hunter (und wie sie nicht alle heißen) bestellen und lecker drauflos schmausen – übrigens auch recht preisgünstig! Wer also schon immer mal Lust auf Resident Evil Gehirne, T-Virus im Glas oder Monster Hunter Mini Fleischkeulen hatte, der ist hier definitiv richtig 😉

Reikochan hat einen ausführlicheren (englischen) Blogbeitrag über die Capcom Bar geschrieben, folgt einfach diesem Link hier. Ebenfalls von ihm stammt dieses Video:

Achja, noch mehr Infos findet Ihr auf der offiziellen Homepage.

Shin-Okubo – Tour de Kimchi

Es wird Zeit „Chö mit Ö!“ zu Shinjuku zu sagen und sich wieder in die Yamanote-Linie zu setzen… wenn Ihr denn das richtige Gleis am Bahnhof findet 😉 Kleiner Tipp: Plattform 14 oder 15 sind eine gute Wahl… oder folgt einfach der grünen Ausschilderung!

Zwischen Shinjuku und dem nächsten „großen“ Halt Ikebukuro liegen einige Stadtteile, die eher weniger bekannt sind. Dennoch gibt’s ein paar nette Geschichten zu erzählen: Der nächste Halt zum Beispiel hört auf den Namen Shin-Okubo – den kleinen Stadtteil erreicht Ihr alternativ auch von Shinjuku aus bequem zu Fuß, indem Ihr Euch durch Kabukicho weiter nach Norden durchschlagt.

Vor Ort werden vor allem die Träume von Kimchi-Verehrern erfüllt: In Korea Town gibt’s soviel von dem scharf eingelegten Kohl, dass Ihr Euch die nächsten Tage sehr an den angenehmen Nutzen von japanischen BD-Toiletten gewöhnen werdet. Außerdem findet Ihr hier alles rund um K-Pop, sowie Gewürze und Waren aus anderen asiatischen Ländern in den zahlreichen Korea-Shops.

Takadanobaba – Astro Boy und Studenten

Der Name des nächsten Bahn-Stopps schreit regelrecht: „Rap mich mit Beat Box!“ Willkommen in „Baba“, allen voran einer Umsteigestation für Pendler und wohnliches Studentenviertel. Auch Ihr habt hier die Chance von der Yamanote in die Shinjuku Line, die Tozai Line und die Tokyo Metro Fukutoshin Line umzusteigen.

Viel zu bieten hat Euch „Baba“ leider nicht, dafür geht es hier vergleichbar entspannt zu: Der kleine Toyama Park beherbergt den Hakone „Berg“ – die höchste Erhebung Tokyos innerhalb des großen Yamanote Kreises. Das Studentenviertel rund um die Gakushuin– und die sehr gefragte WasedaUniversität sind auch der Grund, warum nach Feierabend soviele junge Leute in die Bars und Izakayas strömen – eine nette und vor allem preiswerte Alternative zu den Preisen in Shinjuku und Shibuya.

Gleich am Bahnhof findet Ihr übrigens das riesige (und häßliche) „Big Box“ Gebäude, indem u.a. ein 100 Yen Shop, eine Bowling Bahn, Billiard, eine Golf-Schule, eine Taito Arcade-Station und ein Fitness-Center untergebracht sind.

Für Anime und Manga-Fans hat „Baba“ noch eine ganz spezielle Attraktion zu bieten: Astro Boy wurde hier „geboren“ (laut Manga am 7. April 2003)! Überall im Viertel gibt’s Anspielungen auf den kleinen Superstar von Osamu Tezuka – gleich am Bahnhof hört Ihr zum Beispiel die Titelmelodie der Anime-Serie.

Und – wer die Titelmelodie nicht im Ohr haben sollte – hier das Original:

Mejiro – Alte Süßigkeiten

Es geht weiter nach Mejiro! Eigentlich der perfekte Treffpunkt für Bekannte oder Freunde in Tokyo – immerhin hat der Mejiro Bahnhof nur einen einzigen Ausgang. Und sowas ist echt rar in der pulsierenden Millionenstadt. Sonst werdet Ihr hier jedoch nicht viel finden, außer einer ruhigen und entspannten Oase abseits vom nahegelegenen Ikebukuro. Vielleicht auch der Grund für die eher teuren Appartements und einige äußerst schnieke Architektur-Versuche.

Etwas abseits von Mejiro, in der Nähe des Metro-Bahnhofs Zoshigaya findet Ihr noch den Zoshigaya Kishimojin Tempel (Link zu Googlemaps). Im Buddhismus gilt Kishimojin als eine ehemalige Dämonin, die durch Buddha erleuchtet wurde und nun als Glücksbringer für Kindersegen und Fruchtbarkeit gilt. Der Tempel wurde während der Edo Zeit errichtet und bietet Euch eine kleine Verschnaufspause von der Großstadthektik.

Ein weiteres Kulturgut befindet sich direkt in der Nähe des Tempels: Der Süßwaren Laden Kamikawaguchi-ya wurde 1781 eröffnet und hat (wohl durch den Segen Koshimojins) das große Kanto Erdbeben und den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Dort finden Schleckermäuler traditionelle japanische Süßigkeiten, Reiskräcker und ein paar Spielzeuge.

Mit einer Träne im Auge trennen wir uns vom Süßwaren Laden und dem ruhigen Mejiro… und pilgern dem pulsierenden Ikebukuro entgegen, unserem liebsten Bezirk in Japan. Aber erst im nächsten Teil!

Bis dahin, alles Gute und’n Gruß,
Danyo und Nina