Guild Wars 2 im Daddel-Labor: Dicke Dolyaks!

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Tja, wo fängt man bei einem MMORPG-Test am besten an? Einige Verrückte da draußen würden jetzt eventuell sogar damit beginnen Euch erstmal zu erklären was ein MMORPG überhaupt ist. Ohne Flax, ich habe solche Reviews lesen dürfen. Ich persönlich gehe einfach mal davon aus, dass Ihr nicht doof seid und entweder wisst, was ein MMORPG ist, oder wenigstens wisst, wie man Google nutzt. Dabei kann ich Euch sogar helfen: Hier klicken!

Der Kern der Sache ist also nicht, was Guild Wars 2 ist, sondern was es anders macht. Die Konkurrenz ist immerhin groß und allen voran World of Warcraft lugt schon wieder mit den Mists of Pandaria um die Ecke, während Konkurrenten wie Star Wars: The Old Republic, RiftThe Secret World und TERA zähneknirschend auf den hinteren Plätzen hocken.

In allen bisher erschienen MMORPGs gibt es mehrere Teile des Spielsystems, welche immer auf den gleichen Nenner zu bringen sind: Quests werden per NPC – meist in Form eines Ausrufezeichens über deren Köppen – aktiviert. Quests bestehen meist aus „Sammle Bla!“, „Töte Blub!“ oder „Begleite Blob!“. Dungeons für Gruppen sind nach Leveln aufgeteilt – je höher der Level, desto mehr Instanzen werden verfügbar. Aufgesammelte Schwerter und Rüstungen skalieren immer weiter nach oben – je weiter Ihr im Level vorschreitet, desto besser wird die Ausrüstung.

Ich könnte ewig so weitermachen. Die grundlegenden Regeln von MMORPGs sind dermaßen weit gefächert, dass man sich zunächst kaum ein Bild davon macht. Und eben hier springt Guild Wars 2 in die Bresche und schreit: „Ich mache alles anders!“

Soviel schonmal im Voraus: Guild Wars 2 macht vieles anders – aber längst nicht alles. Hier handelt es sich mehr um einen starken Schnitt in der Betrachtung des Genres ansich, einen gewaltigen Aufschrei zur zwingend nötigen Genre-Evolution, nicht Revolution. Nach 150 Stunden Spielzeit kann ich bereits jetzt sagen: Wer Guild Wars 2 für längere Zeit gespielt hat, wird sich nur noch schwierig in die antiquierten Systeme hinter World of Warcraft und Co. einfinden können.

Tank adé – Ausweichen „darf“ jetzt jeder

Beispiele gefällig? Schminkt Euch zuerst das althergebrachte „Tank-Heiler-Schadensausteiler“-Triumvirat ab. Jede Klasse muss hier für Ihr eigenes Überleben sorgen, denn so etwas wie „Aggro“ gibt es nicht. Einzig beim Wiederbeleben gefallener Kollegen ist es mir bislang aufgefallen, dass Feinde nicht sonderlich erpicht darauf sind den umgeworfenen Helden bald wieder unter den Lebenden zu wissen. Das gesamte Spiel-System – ob PVE, Dungeon oder PVP ist eher darauf ausgelegt Schaden gezielt und punktgenau zu vermeiden, als immer höher steigenden Schadenszahlen dabei zuzuschauen, wie sie den eigenen Charakter an die Spitze einer spieltechnisch absolut bedeutungslosen Schadenstabelle portieren.

Ausgewichen werden kann in mehrfacher, aktiver Ausführung: Mit einem Sprung zur Seite, nach vor oder nach hinten rollt Ihr Euch aus dem Gefahrenbereich und weicht in dieser kurzen Zeit auch allen Schlägen automatisch aus. Leider kostet dieser Ausweichschritt Ausdauer – mehr als zweimal in kurzer Abfolge auszuweichen ist nicht möglich. Hinzukommen sogenannte „Konter“ – bestimmte Waffen- oder Klassenfertigkeiten, die Euch komplett vom Schaden abschirmen (Schilde), oder den einen Zauberspruch oder die eine Attacke auffangen, zurückwerfen oder mit einem neuen Effekt entsprechend beantworten. Hier ist jedoch ein aufmerksames Auge und schnelle Reflexe gefragt – lediglich diverse Schilde verzeihen Euch gröbere Fehler.

Die bloße Sicht auf den Gegner ist schließlich die letzte Möglichkeit speziell Fernkampf-Schaden zu umgehen – stellt Euch einfach hinter Mauern und Bäume und blockiert so die Sichtlinie. Während man in einigen anderen MMORPGs munter mit Feuerbällen durch Wände ballert, ist dies hier nicht – oder nur in seltenen Fällen möglich.

Kurz: Kämpfe leben nicht nur vom Schadensausteilen, sondern vor allem vom „Schaden vermeiden“. Heilung bringt übrigens jede Klasse selbst mit – der sechste Skill ist IMMER eine Heilfähigkeit, kann aber situationsabhängig auch noch ausgetauscht werden (kleine Gruppenregeneration, dicke Selbstheilung, kleine Selbstheilung und Schild, etc…).

„Ich nehme 10 Kraft, 5 Präzision, 10 Zähigkeit, 15 Vitalität… nein, mach 20!“

Das Eigenschafts-System (Traits) in Guild Wars 2 übernimmt den üblichen Talentbaum-Job – allerdings mit soviel Variationsmöglichkeiten, dass selbst Zahlen-Freunde und Komplettlösungs-Schreiber ausflippen. Nein, schwierig ist es zunächst nicht… allen voran aber vermeidet diese überwältigende (und stets anpassbare) Auswahl an Möglichkeiten zur Charakteranpassung gezielt die zuletzt aus WoW oder auch League of Legends bekannten „Nur so und nicht anders!“ Varianten.

Kurz: Ein „schlechtes“ Punkteverteilen in dem Sinne gibt es nicht. Jede Klasse hat dieselben 5 Linien mit maximal 30 von 70 Punkten zur Auswahl. Diese hören meist auf andere Namen, aber die Grundattribute bleiben immer dieselben: Numero 1 erhöht die Kraft des Helden (Schaden), Numero 2 die Präzision (Crit-Chance und Crit-Schaden), Numero 3  erhöht die Zähigkeit, 4 die Vitalität (Lebenspunkte) und Numero 5 schließlich den Zustandsschaden. Zustände sind hier gleichzusetzen mit Debuffs, herabtickende Schadenskonditionen, welche dem Gegner durch Blutungen, Vergiftungen etc. über Zeit Schaden zufügen und dementsprechend vor allem im Kampf gegen dickere Bosse hervorragend funktionieren.  Segen (oder in der englsichen Fassung „Boons“) sind das Gegenstück, also kurzzeitige Verbesserungen für Euren Helden oder alle umstehenden Kampf-Kollegen.

Auch hier muss man als alter „WoW’ler“ umdenken: Beide Zustandsformen ticken erheblich kürzer, allen voran die Segen laufen meist schneller aus, als man gucken kann. Buffs die eine halbe Stunde oder mehr ticken gibt es hier einzig in Form von speziellen Gegenständen (allen voran natürlich Kirschtorten, Schoko-Bananen und leckeren Nudelgerichten).

Beim Verteilen der Eigenschaftspunkten schaltet man nach 5, 15 und 25 Punkten diverse Passiv-Boni frei, während man die Plätze 10, 20 und 30 sogar selbst mit aus 12 möglichen Boni bestücken kann – diese Plätze sind übrigens danach nicht festgesetzt, sondern lassen sich zu jeder Situation anders verteilen (beispielsweise bei einem Bosskampf, oder im PVP). So wechselt Ihr bequem von Eigenheilung zu Gruppenheilung, macht Eure Zustände stärker oder schützt Eure Freunde durch diverse Schilde.

Wer seine kompletten Punkte zurücksetzen will, der muss jedoch zurück zum Trainer pilgern und einige Silber (später sogar Goldstücke) berappen. Apropos Trainer: Die Jungs sucht Ihr tatsächlich nur dafür auf, um Eure Punkte weiter ausgeben zu können – im Zweifelsfall also nur dreimal im gesamten Spielverlauf von Level 1 bis Level 80. Mit Level 11 aktiviert Ihr so Eure Eigenschafts-Linien, mit Level 40 dürft Ihr endlich über 10 Punkte in eine Reihe packen und mit Level 60 werden Euch die kompletten Reihen bis 30 verfügbar. Aber uffgepasst: Billig sind die nötigen Bücher nicht, das Buch zum Großmeister kostet Euch stolze 2 Gold – aktuell noch viel Geld in der Welt von Guild Wars 2.

Bronze, Silber, Gold… oder doch lieber Diamanten?

Womit wir gleich zu einem extrem wichtigen Thema kommen: Moneten! Money! Geld! Guild Wars 2 kostet Euch aktuell ca. 55 Euro und verlangt darauf im Gegensatz zum Großteil der Konkurrenz KEINE monatlichen Gebühren. Dieses Modell hat bereits beim Vorgänger funktioniert… und der war seiner Zeit in dieser Hinsicht weit voraus. Für ein MMORPG dieser Qualität ist es jedoch heutzutage ein absolutes Zugeständnis an die Spieler… und hoffentlich der Weg, den auch andere Firmen in Zukunft beschreiten werden.

Jetzt werden einige daherkommen und denken: „Keine monatlichen Gebühren? Dann darf ich im Spiel für Mounts und mehr Taschenplatz also ordentlich Euros latzen?“ …worauf ich zum Glück Entwarnung geben kann (mal davon abgesehen gibt’s in ganz Tyria keine Mounts).

Ja, es gibt die sogenannte Black Lion Company – der Schnittpunkt für sämtliche Geld-Angelegenheiten und nebenbei auch zentrale Anlaufstelle als überall aufrufbares Auktionshaus.Hier könnt Ihr nicht nur für die Spielwährung (Bronze, Silber, Gold) einkaufen, sondern könnt tatsächlich gegen RICHTIGES Geld (also Eure hart verdienten Euros) Diamanten kaufen. Für Diamanten bekommt Ihr dann Schlüssel zu besonderen Black Lion Truhen, schicken Sonnenbrillen und seltsamen Wollmützen – nichts davon ist jedoch spielbedeutend.

Ein unglaublich wichtiger Punkt, den ich gerne wiederhole: Diamanten sind lediglich für Gegenstände von Nöten, die Euren Charakter optisch anpassen – Eingriffe in das Spielsystem durch stärkere Waffen oder dickere Rüstungen gibt es nicht. Hinzu kommt, dass Ihr Eure durch’s Zocken verdiente Spielwährung selbst in Diamanten umtauschen könnt – 2 bis 3 Gold sind zwar am Anfang eine dicke Summe, aber einmal verdient könnt Ihr auch so Eure Taschenplätze erweitern, Euer Bankfach vergrößern… oder gar einen neuen Charakterslot hinzukaufen (ursprünglich erlaubt Euch Guild Wars 2 die Erstellung von 5 Charakteren).

ArenaNet bestätigte kürzlich übrigens noch einmal, dass in Zukunft weitere kostenlose Inhalte folgen sollen – niemand muss sich also vor einer langen Content-Pause bis zum nächsten kostenpflichtigen Add-on fürchten.

Waffen? Mehr Waffen!

Nachdem ich schon etwas über die Klassenfertigkeiten und das Eigenschaftssystem gequatscht habe, sind die ersten 5 Skills jedes Charakters doch das eigentliche Zentrum des Spielsystems. Jeder Waffe im Spiel sind  unterschiedliche Fertigkeiten zugeordnet, die sich dann zusätzlich noch von Klasse zu Klasse unterscheiden. Eine Axt in der rechten Pranke Eures Charr-Kriegers hat somit vollkommen andere Fertigkeiten, als zum Beispiel ein Einhandschwert… und nochmal vollkommen andere Fertigkeiten in der kleinen Hand eines Asura-Nekromanten.

Dennoch lassen sich allgemeine Aussagen treffen: Eine Zweihandwaffe belegt immer alle 5 Fertigkeitstasten, während eine Einhandwaffe in der Haupthand 3 und in der Nebenhand 2 Plätze ausfüllt. Ab Level 8 könnt Ihr übrigens bequem zwischen zwei Waffensets hin und herwechseln – auch während des laufenden Kampfes. So haut Ihr beispielsweise zuerst alle Fertigkeiten Eures großen Zweihandstabes heraus und nutzt die „Cooldown“-Zeit (die Zeit, in der sich die Fertigkeiten wieder aufladen) um zum nächsten Waffenset zu wechseln.

Das sich durch diese Auswahl ein wahrer Haufen an taktischen Finessen ergeben, versteht sich von selbst. Dass diese im Spiel… und allen voran in den Dungeons…. bitter nötig gebraucht werden, eine ganz andere. Auch hier schreit Guild Wars 2 laut und brachial: „Beherrsche deinen Charakter und kenne jede einzelne Fertigkeit!“

Von vierohrigen Katzen, langohrigen Gremlins und kurzohrigen Riesen

Achja, die liebe Rassenwahl. Auch in Guild Wars 2 kommt man nicht um die obligatorische Wahl einer Charakter-Rasse umher. Mit dieser Wahl bestimmt Ihr neben Eurem Startgebiet übrigens auch erheblich den Verlauf der persönlichen Geschichte… aber dazu gleich mehr. Hier erstmal ein fixer Überblick:

Charr – vierohrige Katzen welche sich auch gerne mal auf allen Vieren fortbewegen. In Sachen Story erwartet Euch viel Militär-Drill und eine Prise „Warhammer 40.000“. Das Startgebiet liegt zwischen finsteren Ruinen, nebligen Tälern und rot-braunen Herbstwäldern.

Asura – die kleinen Viecher mit den langen Ohren erinnern ein wenig an Gremlins. In Sachen Story gibt’s jede Menge verrückte Erfindungen und politische Brandherde innerhalb der eigenartigen Gesellschaft von Rata Sum. Das Startgebiet selbst ist eine wunderbare Mischung aus großen Techno-Pyramiden im Maya-Stil, Dschungel-Atmosphäre und einer Prise Stargate.

Sylvari – die Baumknuddler, die ausnahmweise mal nicht in tuntiger Elfenform, sondern in noch tuntigerer Pflanzenform daherkommen. Speziell bei den Damen gibt’s einige sehr schrille Frisuren aus Blättern und Ästen zu bestaunen. Wer dagegen schon immer mal einen Pilz-Samurai zocken wollte, der findet hier auch seine Gelegenheit (Zweihänder nicht vergessen!). In Sachen Story geht’s um den „Traum“ und den „Alptraum“. Das Startgebiet selbst ist Natur pur und dank schriller Farben und heftiger Bloom-Effekte wie ein virtueller Drogenrausch.

Norn – die harten Jungs aus dem Norden baden gerne zwischen Kirschblüten in heißen Quellen, oder geben sich in düsteren Kneipen auf die Moppe. Dabei sind die Jungs echte Naturliebhaber – ihre Religion basiert auf Tiergöttern wie Wolf, Bär, Schneeleopard oder Rabe. In Sachen Story geht’s unter anderem um eine durchzechte Nacht mit unangenehmen Folgen… und der Verteidigung der Götter von den sogenannten Söhnen von Svanir. Das Startgebiet selbst besteht aus jeder Menge gigantischer Berge, schneebedeckten Tälern, eisigen Seen und frostigen Höhlen.

Menschen – der Standard in jedem Online-Rollenspiel. Auch hier geht’s viel um Politik und Intrigen. Das Startgebiet punktet immerhin mit der wohl prächtigsten Hauptstadt in ganz Tyria, saftigen Wiesen und einem gigantischen Staudamm. Beim bisherigen Anspielen hat mir die persönliche Menschen-Story übrigens sehr gut gefallen – sollte man selbst dann mal antesten, wenn man keine Lust auf schnöde Humanen hat.

Zeit für Geschichten

Die persönliche Geschichte Eures Charakters ist sowas wie der Motor hinter Eurem langen Aufstieg von Level 1 bis Level 80. Übrigens sind die Levelsprünge beinahe immer gleichbleibend lang, die sogenannte „Exp. Kurve“ entwickelt sich linear und nicht ansteigend.

Bei der Charakterentwicklung füllt Ihr eine Art Fragebogen aus, welcher direkten Einfluss auf Eure erlebte Geschichte nimmt. „Geschichte“ bedeutet hier übrigens nicht das einfache Austauschen von einigen Dialog-Fetzen, nein, Ihr erlebt tatsächlich vollkommen unterschiedliche Abenteuer. Wenn man herunterrechnet gibt es so für jede Rasse MINDESTENS drei vollkommen verschiedene Wege – der Wiederspielwert ist somit sehr hoch.

Diese verschiedenen „Wege“ laufen jedoch an einem Punkt (den ich nicht spoilern will) zusammen – ab hier warten jedoch neue Auswahlmöglichkeiten. Kurz: Die Geschichte hinter Guild Wars 2 ist nicht nur erstaunlich gut, sondern bei jedem Neudurchlauf tatsächlich anders. Dynamische Events vervollständigen dieses Bild einer virtuellen Welt, welche ständig in Bewegung ist – auch story-technisch. Dazu gleich noch etwas mehr.

Grafik und Sound – ein Meisterwerk?

„Wenn ich durch Tyria renne bin ich glücklich.“ Solche Sätze gehen mir seit meinem Start ins neue MMO-Vergnügen kaum mehr aus dem Kopf. Diese Welt wurde geschaffen, um betrachtet zu werden! Jeder Wald, jeder Fluss, jeder See wartet mit einzigartigen Pixelkonstellationen auf, wahrhaft überwältigend ist jedoch das stete und fantastisch umgesetzte Gefühl von „Weite“ und „Größe“: Grüne Wiesen verlieren sich in die Unendlichkeit, Berge und Klippen ragen bis weit in den Himmel hinauf, Burgen und Ruinen prangern am Horizont, Windmühlen drehen sich beständig im Sonnenuntergang.

Womit wir gleich zu einem weiteren, grafischen Element kommen: Animationen. Diese Kleinigkeiten lassen die episch gestaltete Welt zum Leben erwecken. Kleiner Tipp: Bleibt einmal kurz in einer hohen Wiese stehen, betrachtet die Grashalme, wie sie sich im Wind und unter den Bewegungen von Rehen hin und her wiegen. Verdammt, erst beim Stillstand fällt einem wirklich auf WIEVIEL Liebe tatsächlich in dieser Welt steckt: Schmetterlinge flattern vorbei, Blütensamen fliegen durch die Luft, jeder NPC und jedes dumme Wald- und Wiesenvieh bewegt sich und führt sein eigenes Leben – ein 1000fache Steigerung zum eher statischen Leben in Star Wars: The Old Republic.

Doch die Animationen gehen natürlich noch weiter… und finden ihre Vollendung im eigenen Charakter. Egal ob Asura, Charr oder dicker Norn… geschmeidige Bewegungen und geniale Tänze sind nur die Spitze des Eisberges und spiegeln eine Qualität wieder, welche ich persönlich bislang im MMO-Sektor nicht kannte.

Dieses lustige Kamera-Spielchen hier findet sich im zweiten Dungeon – die schwebenden Felsen im Hintergrund vereinen sich zu einem Gesicht, wenn man richtig hinschaut.

Bilder sagen mehr als 1000 Worte, hier einige gesammelte Eindrücke von meinen bisherigen Reisen:

Wo wir gerade Unterwasser unterwegs sind: Ein großer Teil des Spiels findet tatsächlich im kühlen Nass statt und bombardiert Euch mit vollkommen unterschiedlichen Eindrücken. Versunkene Ruinen, Geisterschiffe und fiese Zombie-Haie machen Euch hier das Leben schwer.

Ihr seht schon: Tyria bietet eigentlich für jeden Geschmack etwas. Dichte Dschungel? Check! Küsten und Sümpfe? Check! Epische Bergpanoramen? Check! Lava? Check! Einziger Wehmutstropfen: Die Wüste (Crystal Desert) scheint erst später in den bunten Lokalitäten-Topf geworfen zu werden.

Abseits von der Grafik im Spiel, umgarnt Euch Guild Wars 2 übrigens noch mit seiner ganz besonderen Art-Direction, welche Euch unter anderem in den Ladebildschirmen begegnet. Für mich gehört jedes einzelne dieser Bilder gerahmt und in der Wohnung aufgehangen – absolut fantastisch!

Zum epischen Soundtrack von Altmeister Jeremy Soule hatte ich ja bereits einiges geschrieben (Link), deswegen an dieser Stelle nur kurz: Einige der Melodien in Guild Wars 2 bewegen sich auf durchaus auf dem Niveau von… ach, wat weiß ich. Bevor ich jetzt was Schlaues google, einfach nur soviel: Bravissimo Jeremy! Hier fix zwei kleine Hörproben:

Neben dem Soundtrack sind die Eindrücke der Synchronsprecher übrigens gemischt – die deutsche Version ist leider nicht wirklich gut, während die englischen Synchronsprecher eigentlich einen sehr guten Job verrichten… wenn es nicht immer wieder kleine, negative Ausnahmen gäbe (wie die Vogelmenschen).

Dickes Plus und bislang MMO-Novum: Ihr könnt im laufenden Spiel zwischen Deutsch und Englisch umschalten und zwar sogar zwischen englischen / deutschen Sprechern und englischer / deutscher Schrift. Kleiner Tipp: Haltet im Spiel einmal die rechte STRG-Taste gedrückt – schon sind alle Texte auf englisch oder deutsch. Ideal zum Vergleich zwischen Kollegen, die in einer anderen Sprache zocken.

Viel zu tun: Tyrias Herzen warten!

Achja, liebes Leveln. Wer stundenlang in Azeroth Monster gezählt hat oder sich durch Sammelquests geplagt hat, findet in Tyria endlich eine Abwechslung vom gewohnten „Grinding“. Grundsätzlich sind die Aufgaben natürlich ähnlich zu denen der großen Vorgänger… aber auch hier beweist ArenaNet viel Kreativität und Mut zum Ausprobieren, teilweise übrigens auch mit nicht ganz so prallen Ergebnissen.

Kommen wir fix zur „Herzchen-Mechanik“: Anstelle irgendwelche NPCs mit Ausrufezeichen anzuquatschen und Euch den obligatorischen „Töte X mal Y“ Aufträge ins Questbuch zu kritzeln, gibt es in Guild Wars 2 schlicht keine Aufgabenlisten mehr. Anstelle dessen gibt es in einigen Gebieten sogenannte „Herzen“ auf der Karte, welche Euch schlicht freistellen, wie Ihr das besagte Herz für Euch gewinnt. Zum Beispiel experimentiert Ihr mit seltsamen Apparaturen umher, löst Rätsel, verkleidet Euch als Schwein oder Kultisten-Anhänger, nutzt Belagerungswaffen, spielt eine Runde Golem-Schach… oder tötet und sammelt fleißig die wohl bekannten Xse und Ypsilone.

Jedes Herz bietet Euch mindestens zwei, meistens jedoch eher fünf bis sechs Aufgaben, die Ihr frei wählen dürft. Hinzukommen dynamische Events, welche Euch zum Beispiel dazu auffordern einem NPC zu folgen, diesen zu beschützen und am Ende gegen einen ganz besonders mächtigen Gegner ins Feld zu ziehen. Oder Ihr verteidigt eine Stadt vor einem feindlichen Angriff – scheitert Ihr, müsst Ihr die Stadt im nächsten Event wieder versuchen einzunehmen.

Bei dynamischen Events wird Eure Leistung am Ende übrigens anhand einer Bronze-, Silber- oder Gold-Medallie bewertet – je nachdem wieviel Ihr zum Sieg beigetragen habt.

Vista-Fiesta: Auf den Pfaden von Super Mario und Meat Boy

Die Welt von Tyria zu entdecken ist in Guild Wars 2 mehr als bloße Neugier – jedes entdeckte Gebiet belohnt Euch mit Erfahrungspunkten, jede neue Wegmarke mit einer weiteren Möglichkeit schnell von A nach B zu reisen. Mounts gibt es in Guild Wars 2 nicht – per Wegmarken-System reist Ihr recht fix über den gesamten Kontinent. Hinzukommen Portale, welche Euch von Hauptstadt zu Hauptstadt befördern.

Den Zenit in Sachen Entdeckung bringen Vistas und sogenannte Jump’n’run Rätsel (auch Puzzle genannt): Vistas werden als rote Dreiecke auf der Karte angezeigt und werden zur Vervollständigung eines Gebietes zwingend benötigt. Meist erklimmt Ihr einfach Berge oder Gebäude und klickt auf die in der Luft schwebende Karte, um danach in einer kurzen Kamera-Sequenz die Gegend gezeigt zu bekommen. Andere Vistas sind erheblich schwieriger erreichbar – meist müsst Ihr Euch durch verschachteltes Gelände kämpfen und schwierige Sprung-Einlagen meistern, um überhaupt zum Aussichtspunkt zu gelangen.

Noch weiter gehen die Jump’n’run Rätsel, an deren Ende Ihr meist eine Truhe findet und ein Achievement abstauben könnt – hier heißt es jedoch eher: „Der Weg ist das Ziel!“ Wer zwischen Feuerfallen und düsteren Räumen die richtige Sprung-Route findet, ist meist automatisch so stolz auf sich, dass die Belohnung am Ende kaum wichtig ist.

„Gerechtes“ PVP? Von Balance-Akten über kleine Brücken

Guild Wars 2 ist in seinem Herzen noch immer auf PVP ausgerichtet – auch wenn die PVE-Inhalte mittlerweile so prächtig poliert wurden, dass man kaum mehr an PVP denken mag. Anhänger des Kampfes zwischen mehreren Spielern finden hier jedoch ihr wahres Zuhause… und ein Balancing, dass seinesgleichen sucht. Kein Wunder: Im PVP sind alle Spieler erstmal gleichwertig. Betretet Ihr den PVP-Hub werdet Ihr automatisch auf Level 80 angehoben – außerdem erhaltet Ihr Zugang zu allen Fertigkeiten, könnt sämtliche Eigenschaftspunkte verteilen und Euch mit den Waffen Eurer Wahl eindecken – kostenlos.

Kurz: Das Grundgerüst mit dem jeder Charakter in den Kampf zieht ist GLEICHWERTIG. Hier geht es also nur darum die Fertigkeiten Eures Charakters richtig einschätzen und nutzen zu können – nicht um die Werte Eurer Ausrüstung. Dementsprechend ist die Verbesserung Eurer Ausrüstung auch nicht abzielend auf die Werte, sondern auf das Aussehen – erfolgreiche PVP’ler rennen in epischen Rüstungen herum, welche jedoch dieselben Werte wie die eines blutigen Anfängers haben. Dasselbe System betrifft übrigens das PVE-Endgame.

In Sachen Auswahl gibt es zunächst die Schlachtfelder auf denen 8 gegen 8 Spieler im Dominationsprinzip gegeneinander antreten. Leider ist es hier nicht möglich als Gruppe beizutreten – dies würde den Ausgang verfälschen, wenn eine 5er Gruppe dabei wäre und sonst nur zufällige Spieler. Wer mit einer Party in die Schlachtfelder ziehen will, der meldet sich zum Turnier an – hier kämpfen acht 5er-Teams in drei Runden gegeneinander, während der Schwierigkeitsgrad natürlich um einiges höher ist – eingespielten Teams sei Dank.

Hier findet sich auch ein weiterer Kritikpunkt: Wer „nur“ zu zweit oder zu dritt unterwegs ist, dem bleibt nur die umständliche Anmeldung über den Game-Browser – gekreuzte Finger und viel Hoffen darauf, dass man dann doch zusammen in eine Instanz geworfen wird. Hier sollte noch etwas nachgebessert werden, denn zwischen Alleingang und 5-Mann-Party stehen halt noch einige andere Optionen, die nicht wirklich befriedigt werden.

Die wahre Größe im Guild Wars 2 PVP ist jedoch eh das World VS World VS World – drei Server kämpfen hier um die Vorherrschaft um Burgen und Stützpunkte, epische Massenschlachten inklusive. Leider fehlt mir persönlich hier das Wissen, um Euch genaue Details dazu verraten zu können, aber eines fällt schon zu Beginn auf: Ohne eine gute Absprache zwischen mehreren Spieler-Gruppen läuft hier gar nichts! Dennoch ein Modus, der sicher alleingestellt für mehrere Monate unterhalten kann.

Unterwegs in den Dungeons

Zugegeben, viel gesehen von den Dungeons habe ich noch nicht. Mit Level 30 „dürft“ Ihr den ersten Dungeon betreten, bis Level 80 folgen noch einige weitere. Mit maximal 5 Leuten stellt Ihr Euch fiesen Fallen und noch fieseren Gegnern. Was zuerst auffällt: Der Schwierigkeitsgrad ist teils pervers hoch, die Lernkurve alles andere als steil. Wer jedoch dran bleibt, feiert nach vielen Toden Erfolge welche Tränen in die Augen treiben. Nach dem Abschluss des 60er Dungeons waren einige unserer Team-Mitglieder (inklusive mir selbst) kurz vor dem Kollaps.

Die erste Regel lautet auch hier: Jeder achtet auf sich selbst. Schadensausteiler die bequem „hinten“ stehen und draufhalten sind ebenso Vergangenheit wie Krieger, die am Gegner kleben dürfen. Ausweichen ist elementar und überlebenswichtig, jeder falsche Schritt kann schnell der letzte sein.

Unterteilt sind die Dungeons übrigens in den sogenannten Story-Modus und den Explorer-Modus: Im ersteren lernt Ihr das jeweilige Gemäuer kennen, letzterer bringt Euch den Dungeon dann nochmal in drei wählbaren Variationen (mit neuen Bossen!) näher. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Story-Modus eher einfach ist, während der Explorer-Modus selbst für 80er Helden ein hartes Stück Arbeit bedeutet.

Apropos 80er Helden: das Ihr mit Level 30 in den ersten Dungeon „dürft“ bedeutet nicht, dass Ihr auch schon in den ersten Dungeon stiefeln SOLLTET. Da Ihr im Level sowieso zurückgestuft werdet (also von Level 80 hinab auf Level 30), können einige Eigenschaftspunkte mehr oder weniger manchmal den schmalen Unterschied zwischen „Tod“ und „Leben“ bedeuten.

Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass eigentlich jede Instanz auch ins Endgame von Guild Wars 2 gehört… oder anders ausgedrückt: Das gesamte Spiel ist zugleich Level-Phase, als auch Endgame-Content. Schwierig zu verdauen… doch wer genau darüber nachdenkt, erkennt schnell WIE WICHTIG und BESONDERS diese neue Sichtweise auf ein MMORPG ist. WoW’ler stellen sich einfach vor, dass die Höhlen der Wehklagen auch mit Level 85 noch eine ECHTE Herausforderung wären… ebenso wie alle anderen Low-Level Inhalte. Level-Skalierung sei Dank.

Auf Messers Schneide – „Darf’s etwas schwieriger sein?“

Ich persönlich bin froh, dass Guild Wars 2 in den Dungeons einen pervers hohen Schwierigkeitsgrad aufweist – dem müssen aber sicher nicht alle Spieler zustimmen. In den Foren mehren sich auch bereits die Stimmen, dass zum Beispiel die persönlichen Story-Quests zu schwierig ausfallen. Kleiner Tipp: Auch Story-Quests kann (und sollte!) man mit mehreren Spielern meistern.

Dennoch kann man getrost davon ausgehen, dass ArenaNet einige Teile des Spiels im Laufe der Zeit anpassen wird – das „Balancing“ ist halt schon gut, aber noch lange nicht perfekt (zum Beispiel wenn Boss X den eigenen Charakter wieder mit nur einem Schlag aus den Schuhen haut).

Wer es bequem haben will, der kommt übrigens auch ohne Dungeons bis Level 80 – Karma-Gegenstände von Herzchen-NPCs, Berufe und hergestellte Items sind der Beute aus Dungeons ebenbürtig. Ich kann dennoch nicht oft genug betonen wie schön es ist mal wieder vor einer RICHTIGEN Herausforderung zu stehen. Ob kniffliges Jump’n’run Puzzle oder epischer Bosskampf in den Dungeons – die Bewältigung dieser Hürden schüttet mehr Adrenalin aus, als in vielen vergleichbaren Spielen.

Was sagt die Presse?

Bislang ist mir kein negatives Review untergekommen, hier mal fix eine kleine Wertungsübersicht und vier ausgesuchte Test-Videos. Metacritic steht übrigens aktuell bei 91 Zählern, wohlweißlich bei insgesamt 41 Reviews. Ganz groß! PC Gamer und Ten Ton Hammer vergeben auf ihren Seiten 94 Prozent, Game Star einigt sich auf 91 Prozent, Eurogamer, IGN, gametrailers und 4players.de auf 90…

Man kann getrost sagen, dass es wohl selten so viel Begeisterung um ein MMORPG gegeben hat – vor allem kurz nach den eigentlich von Bugs und Abstürzen geplagten Startstunden.

Fangen wir erstmal mit Angry Joe an 😉

Und jetzt die üblichen Verdächtigen, hier IGN (englisch):

Game Star (deutsch):

…und schließlich GameSpot (englisch):

 

Meine Meinung bislang (alias Fazit):

Guild Wars 2 ist für sich genommen ein fantastisches Spiel, im Vergleich mit anderen MMO’s jedoch ist es die dringed notwendige Hinwendung zu einer neuen Stufe des Genres, einer aktiveren und herausfordernderen Spielart. Klar, es gibt noch einige Kinderkrankheiten – aber für den Start eines Spiels dieser Größenordnung halten sich diese doch arg in Grenzen.

Ja, das „Endgame“ mag einige Spieler enttäuschen – bis diese herausfinden, dass eigentlich die gesamte Spielumgebung von Level 1 bis Level 80 als „Endgame“ konzipiert wurde und das „Endgame“ somit zu einer überflüssigen Floskel verkommen lässt.

Ja, das PVP-Interface und die Möglichkeiten für zwei oder drei Spieler abseits von festen Gruppen sind noch etwas mau. Ja, die epischen World vs  World vs World Schlachten laggen gerne mal und die Warteschlangen sind manchmal seeehr lang. Aber keine Kritik greift am Kern des Ganzen – alles sind Optionen, Verbesserungen und Optimierungen, die durchaus machbar sein sollten.

Alles in Allem bleibt bislang für mich nur ein Fazit: Selbst wenn Ihr das Spiel nach einem Monat intensiven Zockens wieder ins Regal stellen solltet – die in Tyria verbrachte Zeit wird Euch für ewig im Gedächnis bleiben. Der Start war hervorragend, jetzt gilt es noch einige Kinderkrankheiten auszumerzen und neuen Content nachzuliefern – keine Schwierigkeit, wenn man nach der Größe der Karte und den bislang noch nicht genutzten Gebieten geht.

Also kurz und knapp: Das beste MMORPG seit langer, langer Zeit und in jeder Zeile Code ein wunderbares Abenteuer. Für 50 Euro ohne monatliche Grundgebühren. Was gibt’s da noch zum Nachdenken? Richtig! Kaufen!