Das Daddel-Wort zum Mittwoch (03.10.2012): Erwachsen

Flattr this!

 

Mmmmh, erwachsen… alte Säcke mit Meinungen und Überzeugungen, die so starr sind wie der Blick einer 90 Jahre alten Wahrsagerin aus Rumänien im Vollrausch. Was mich immer wieder daran erinnert, dass ich mittlerweile wohl selbst in diesen erlauchten Club gehöre. Pfff. Erwachsen am Arsch.

Wie ich drauf komme? Ach, das Internet halt. Ich gehe mal grob davon aus, dass 90 Prozent der Internet-Nutzerschaft aus dummen Hornochsen, selbstverliebten Web-Schwadroneuren, proletenhaften Vollpfosten und aufmerksamkeitsgeilen Klick-Wixxern bestehen, wobei ich mich persönlich übrigens in die selbstverliebte Schwadroneur Ecke packen würde. Das größte Problem, dass ich mit dem ganzen Gesocks habe: „Erwachsen“ wirkt hier niemand, dennoch wird die Überlegenheit in Sachen gefeierter Geburtstage und somit weggesoffener Gehirnzellen gerne als Aufhänger für weit fortgeschrittenen Verstand und – damit einhergehend zum Blog-Thema passend – weit besserer und gehobener Auseinandersetzung mit Videospielen verstanden.

Sicher ist hier und da auch mal ein jugendlich-aduleszierendes Exemplar der Marke „Altha foll fett“ oder „ich hau dich Krankenhaus!“ dabei, aber der Großteil der angesprochenen Moralvollpfosten… äh Moral-A-posteln hat seine Kindheit nunmal genauso lange hinter sich, wie ZZ Top pflegeleichte Gesichter ohne Bärte. Kurz: Zocker werden immer älter, die Umgangsformen dagegen wachsen nicht wirklich mit.

Letzte Woche gab’s auf maniac.de einen kleinen Eklat: Aufreizende Tittenbilder und perverse Posen der Damenwelt aus dem Busen’n’up Dead or Alive 5 sorgten für einen viel kritisierten Artikel, ähnlich subtil vermarktet wie die Ansicht eines brennenden Affen im Netto-Markt und im Nullkommanix auf der Abschussliste von Gutmenschen und „Noch-viel-besser-als-nur-gut-“ Menschen. Wenn der weibliche Busen tatsächlich so ein gesellschaftliches No Go wären, warum kleben wir dann nicht einfach irgendwelche häßlichen Sticker mit Brustkrebs-Opfern drauf und verkaufen das Zeug für 5 Euro?

Kurz: den lieben Kollegen wurde die Facebook-Seite eingerannt, Kommentare wie „Rettet Eure Kinder!“, „Ich kündige diese Facebook-Seite, Ihr Schweine!“ und Co. waren nur die süße Zipfelspitze vom Zuckerhut. Jetzt lautet die Frage natürlich: Welche Seite ist moralisch mehr integer? Die Tittenklicker-Kollegen von maniac.de oder die aufgebrachten Gut-Menschen mit Stock im Arsch und Kind im Anschlag?

Worauf ich erstmal keine Antwort geben kann… und möchte. Sich bei Grabenkämpfen für eine Seite zu entscheiden endet nur in einer durchlöcherten Weste – da robbe ich lieber durch den Schlamm, das Blut und den Dreck in der Mitte. Dafür nochmal die Rückkehr hin zum eigentlichen Thema: Erwachsene. Tja, was denkt man sich nicht alles dabei. Kluge Entscheidungen, geballte Vernunft, Verläßlichkeit, Respekt vor der Umwelt und anderen Leuten. In Wahrheit der gleiche Killepitsch wie damals, nur weit schlimmer weil nicht so offensichtlich.

Und um den Bogen zu Videospielen zu schlagen: Wir befinden uns immer mehr auf der „anderen Seite“, der nicht mehr ganz so jugendlich-naiven Seite, dem großen Schattenreich der grauen Männer. Anstelle jedes Videospiel mit der Neugierde und Freude eines Kindes zu spielen, haben wir Mario totgedaddelt und kotzen uns über die „Mutlosigkeit“ und die „technischen Unzugänglichkeiten“ von neuen Spielen aus. Anstelle „Voll geil!“ darf ich heute solche Sachen wie „Grafisch nicht auf der Höhe der Zeit“ oder „die Framerate / das Art-Design / das Tearing / die Sound-Abmischung / die Synchronsprecher sind nicht wirklich professionell umgesetzt“ lesen.

Ein paradoxes Verhältnis in den virtuellen Zwischenräumen des Internet: Auf der Seite der Nutzer wird gemotzt und gemeckert als gäbe es kein Morgen. Auf Seiten der Tester werden noch immer Grafik-Wertungen in Prozentzahlen ausgedrückt – wohlgemerkt in stilistisch-neo-revolutionären Zeiten von Videospielen Super Meat Boy oder Max Payne 3 oder Jet Set Radio HD.

Auf Seiten der Entwickler hingegen regiert noch immer der HYPE, die ewige Werbelüge, von „100 Prozent Uncut“ bis zu „100 Prozent bestimmt ganz ok und eventuellst sogar gut“, angeführt durch die große Hype-Blubberblase der gesamten Branche – ein Bläschen, dass niemand wahr haben will und über das noch weniger Leute reden. Aber wer wagt schon auszusprechen, dass ein Mensch im Jahr nichtmal Zeit für vier bis fünf – geschweige denn zehn bis zwanzig grandiose Videospiele mit dem Produktionswert einer Kleinstadt haben – Kaufkraft am Arsch.

Zusammengerührt jedenfalls eine höchst befremdliche Mischung aus hohen Erwartungen und enttäuschten Hoffnungen mit Wertungsstempeln der Nichtigkeit versehen. Resident Evil 6 setzt diesem Phänomen aktuell die Krone auf, die Wertungen schwanken von 30 bis 90 Prozent, auf Metacritic ergibt das Gemisch eine fiese 67. Wohlgemerkt rede ich hier nicht von „irgendwelchen“ Wertungen – beinahe jede große Seite scheint einen anderen Standpunkt zu vertreten. Hier ein kleiner Überblick:

Game Informer – 88
M!Games (Print) – 88
Worth Playing – 80
IGN – 79
GamesRadar – 70
Eurogamer – 60
4players.de – 55 (Xbox 360) / 59 (PS3)
Game Spot – 45
Destructoid – 30

Geschmäcker mögen verschieden sein – aber die objektive Bewertung eines Spiels ist nach solchen Wertungspegeln einfach nur noch obsolet und für’n mutierten Zombie-Hintern. Jetzt würde ich eigentlich sagen: Zockt die Demo an und bildet Euch selbst eine Meinung. Aber da haben auch schon wieder einige was gegen und poltern „Die repräsentiert das Spiel nicht richtig!“ – kurz: Die Entscheidung ob das Spiel gut oder schlecht ist kann scheinbar nicht getroffen werden.

Videospiele werden zwar noch immer gerne gezockt, aber vielmehr werden sie analysiert, kritisiert und moralisch auseinandergenommen. Da gesellen sich plötzlich Feminismus-Debatten in die Diskussion rund um Dead or Alive 5, da werden Ideologien der Spieler in den Vordergrund gezerrt, Serien wie Resident Evil oder Mass Effect am Internet-Pranger aufgehangen und Firmen wie EA, Bioware, Activision, Nintendo und Co. zu Tode kritisiert… ein Strudel der Regenbogen-Philosophie ergießt sich über beinahe jeden Titel.

Ich frage mich ja, ob das schon immer so war… oder ob ich das dank des immer größeren Internet-Echos nur verstärkter wahrnehme? Ich meine… politische Diskussionen über Gewalt in Videospielen gab’s bereits zum blutigen Pixelbrei in Mortal Kombat Numero Uno. Aber Themen wie „Homosexuelle Videospieler“ oder „Emanzipation in Videospielen“ erscheinen mir dann doch etwas neuzeitlicher – wenn auch die Gewalt-Debatte allen voran in Deutschland für den allen voran empirisch-pädagogisch geprägten Ansatz gesorgt hat.

Doch ich verliere schon wieder den Faden. Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass ich meiner werten Mutter kürzlich New Super Mario Bros. 2 für den 3DS in die Hand gedrückt habe und dabei einsehen musste, dass mein aktuelles Verständnis von Videospiel ebenfalls älter geworden ist, als meine Mutter je sein wird. Während ich mich über mehrere Teile vom Hosenbodenstampfer über den Dreifach-Spruch bis hin zum Waschbärenkostüm gekämpft habe und den Stoff so lange perfektionieren konnte, darf Mama heute gleich ins kalte Wasser springen.

Zu sagen das neue Mario „sei viel zu einfach“ und „langweilig“ geworden erfolgt stets aus eben dieser Perspektive: Jahre… nein…. JAHRZEHNTE langer Mario-Konsum. Diese Erkenntnis kann man beliebig auf andere Spiele anwenden: World of Warcraft. Final Fantasy XIII. Resident Evil 6. Klar, es ist keine GROßE Erkenntnis. Jeder Mensch sollte eigentlich nachvollziehen können, dass man nach 10 Jahren intensivem Schach-Spielen eventuell mal Lust auf eine Runde Bridge bekommen sollte.

Mit Videospielen ist es nicht viel anders: World of Warcraft wird nach 5 Jahren nicht plötzlich schlechter – es wird bekannter, gewohnter… und im letzten, finalen Schritt einfach langweiliger. Könnte man noch argumentieren dass „Schach“ nie alt wird, so ist dies 1.) eine recht subjektive Aussage und 2.) alleine bezogen auf das Spielprinzip, welches in Videospielen eben um so viel weitere Phänomene erweitert wird, dass eine Aufzählung an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Denkt einfach an die grafische Entwicklung der letzten Jahre, das Indie-Phänomen, epische Soundtracks VS Bitpop… schon habt Ihr zumindest eine kleine Idee, was ich hier für einen gigantischen Kuchen anschneide.

Für Mama war New Super Mario Bros. 2 jedenfalls eine neue Erfahrung – und eine unglaublich schwierige dazu. Wer von den trainierten Zockern denkt, dass die Bosse zu einfach seien, der denkt eben nicht an die Level VOR den Bossen. Oder an Zeiten, in denen noch jeder Sprung nach vorne etwas besonderes war.

Dieses „nochmal Kindsein“ ist in der Nerd-Generation 30+ natürlich naiver und romantischer Hokuspokus – aber bei einigen wenigen Spielen fühle ich persönlich selbst heute noch diese Magie der ersten Begegnung. Lasst Euch diesen kleinen Zauber nicht von den „erwachsenen“ Trollen da draußen stehlen. Ich ende diesen kleinen Diskurs mal mit einem Zitat von Erich Kästner:

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

Nach all dem Rumgebrabbel kommen wir endlich (!) zu den…

Neuigkeiten der letzten Tage

Der 3DS XL erhält in Japan zwei schicke Special Editions im Bundle mit New Super Mario Bros 2 und Animal Crossing. Vor allem letztere sieht extrem schick aus und ist sicher ein schönes Stück für Sammler.

Und wo wir gerade bei netten Hardware-Variationen sind: Auch die neue PS3-Slim kommt im Yakuza 5 und Fist of the North Star 2 Design daher. Würde mich jedoch sehr wundern, wenn es diese edlen Teile mit dem Top Loader Blu-ray Schub nach Deutschland schaffen würden.

Dead or Alive 5 ist noch nicht lange draußen, da gibt’s bereits den ersten DLC in Form von einigen neuen Kostümen. Würde ich eigentlich kaum erwähnen, aber da das Zeug kostenlos ist, sollte eigentlich jeder Mal im XBLA-Store und im PSN vorbeisurfen. Apropos PSN: Die Kostüme sind im deutschen Store aufgrund der Altersfreigabe des Spiels (ab 16!) nicht erhältlich. Download-Willige surfen einfach im UK-Store vorbei. Hier eine kleine Bilder-Auswahl:

Zum Xbox 360 exklusiven Rennspiel-Vergnügen Forza Horizon rollt am 9. Oktober eine Demo in Eure Download-Garage. Am 23. Oktober geht’s dann richtig los – ich persönlich bin heiß drauf und staune mit jedem neuen Video über die fantastische Umsetzung des virtuellen Colorado. Hier der Launch-Trailer:

Am 28. März nächsten Jahres erscheint das Wii-Juwel Oboro Muramasa für Playstation Vita – das grafisch fantastische 2D-Gemetzel sollte auf der Vita nochmal eine (HD)-Schippe drauflegen und dank Touch-Spielereien noch mehr brillieren. Von diesem Stoff könnte Sonys „Kleine“ gerne noch mehr vertragen.

Oddworld: Abe’s Oddysee New N‘ Tasty heißt das neueste Lebenszeichen von meinem Lieblings-Alien Abe. Die epische Saga von Lorne Lanninng hat es zwar nie zum großen Durchbruch gebracht und fand mit Stranger’s Wrath auf Xbox ihr frühzeitiges Ende, befindet sich aber aktuell beim englischen Studio Just Add Water in der HD-Restauration. Mal schauen ob der erste Teil auch heute noch so begeistern kann wie damals – vor 2013 wird’s übrigens nichts mehr mit der Wiederveröffentlichung.

Bewegte Bilder gibt’s von IGN:

Doktor Baldi. Ich sollte seinen Namen nennen, was hiermit getan ist. Betrachtet diese News ruhig als nichtig. Insider, und so.

Metal Gear Rising: Revengeance kommt mit einem lustigen Extra in der Collector’s Edition: eine Plasma Lampe rund um das blitz-scharfe Schwert von Raiden. Definitiv mal eine nette Abwechslung zur hohen Bubblehead-Produktion der letzten Zeit.

Dicke Schlappe für EA? NBA Live 13 wurde gecancelt, scheinbar aufgrund einiger Entwicklerwechsel, wahrscheinlicher aufgrund des großen 2K-Konkurrenten NBA 2K13. Die genauen Hintergründe bin ich gerade zu faul zu googeln, aber ’ne interessante Neuigkeit ist es dennoch.

Brothers – A Tale of Two Sons ist ein neues Download-Spiel von den Starbreeze Studios (Syndicate, Chronicles of Riddick) und 505 Games (ArmA), welches nächstes Jahr im PSN und auf XBLA erscheinen soll. Hier der Trailer:

Connor, der neue Held aus Assassin’s Creed 3 feiert die Boston Tea Party ein wenig anders, als gedacht. Ende Oktober geht’s los. Trailer ab!

So, ich geh jetzt weiter Borderlands 2 zocken. Euch allen noch zwei schöne Arbeits… hoffentlich Ferientage und ein schönes Wochenende!

Schlagwörter: