„LoL wat?“ – der League of Legends Ratgeber (1)

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League of Legends. Tja. Wo beginne ich am besten?

Vor nun fast zwei Jahren habe ich damit angefangen mich mit Drogensüchtigen, Psychopathen, Familienvätern, alleinerziehenden Müttern, schlechtgelaunten Bossen, noch schlechter gelaunten Teenagern, behaarten Trollen, Studenten mit chronischer Strategie-Flatulenz, Werwölfen im Tank-Top und einem der besten AD-Carrys diesseits des Omega Sternennebels auf einem recht statischen „5 gegen 5“ Kampffeld auf die Mütze zu geben. Mittlerweile habe ich über  700 gewonnene Spiele auf dem Tacho, während League of Legends scheinbar nebenbei zum erfolgreichsten PC-Spiel aller Zeiten mutiert ist.

Ich würde mich übrigens nie selbst als Profi-Spieler bezeichnen (Definition Profi: Perfektes Teamplay + Perfektes Selbstverständnis). WAS ich jedoch weiß und gut analysieren kann sind Verhaltensweisen. Da ich Germanistik und Philosophie studiert habe kann ich gut quatschen und Euch entsprechend professionell „eins an die Backe labern“, während meine Spiel-internen Fertigkeiten eher auf dem Level eines psychopathischen Lemmings in der Brunftsaison einzuordnen sind. Dennoch werdet Ihr nach dem Lesen dieses gigantischen Artikels vielleicht einiges mit auf’s virtuelle Schlachtfeld nehmen können, was die Sache angenehmer gestaltet.

Wer von Euch schonmal in Dota, League of Legends oder ähnliche Titel hineingeschaut hat wird nachvollziehen können, wie schwierig nicht nur der Umgang mit dem Spiel selbst fällt, sondern vor allem der Umgang mit den Mitspielern und nicht zuletzt der EIGENEN Unfähigkeit.

Wer noch immer nicht weiß, was League of Legends und „Mobas“ generell sind: Brot und Spiele für die Massen. Ähnlich dem altehrwürdigen Kolosseum in Rom pilgern mittlerweile täglich Millionen an Leuten in das virtuelle Stadium um selbst in die Arena zu treten, anstelle „nur“ vergammeltes Gemüse oder Steine von der Tribüne zu schmeißen. Die Abkürzung „Moba“ steht für Multiplayer Online Battle Arena.

Aktuelle Zahlen find ich gerade keine – aber wir bewegen uns an der Spitze der aktuellen PC-Charts, also weit ÜBER World of Warcraft, Dota 2, Starcraft, Football Manager  und Co. Vor kurzem gab es mehrere Beiträge darüber, dass League of Legends mittlerweile der meistgespielte PC-Titel weltweit ist.

Stützt man sich auf die etwas älteren Wiki-Zahlen, gab es Mitte 2012 stolze 32 Millionen registrierte Accounts und12 Millionen Spieler, welche sich täglich einloggen. Nach einem mehr als erfolgreichen 2012 und 2013 dürft Ihr auf diese Zahl noch eine gute Schippe drauflegen.

Mir persönlich reicht eigentlich ein Blick in meinen Freundeskreis: Beinahe jeder hat zumindest schon einmal von LoL gehört, viele zocken es … und viele wollen es irgendwie noch lernen.

Einen absolut sehenswerten Beitrag zum Thema hat Gametrailers.com veröffentlicht – folgt einfach diesem Link (auch für Profis und E-Sport Interessenten lohnenswert!). In gut 11 Minuten werfen die Jungs einen Blick auf das „Phänomen LoL“, inklusive einiger netter Anekdoten und Blicken hinter die E-Sport Kulissen.

Bevor ich mich noch weiter in Zahlen verliere: League of Legends ist einfach ’ne ganz dolle Nummer. Und dies hier wird mein Versuch eines Ratgebers, der hoffentlich sowohl Profis wie auch vor allem blutige Anfänger begeistern soll.

Die erste wichtige Botschaft gleich zu Beginn: Nicht alle Spieler da draußen sind chronische Arschlöcher! Habt Vertrauen in Euer Team und vor allem: Habt Vertrauen in Euch selbst, dann seid Ihr dem Gegner meist schon um eine entscheidene Einstellung voraus!

Fangen wir an? Los geht’s!

Der Noob – jeder fängt mal klein an!

Jup, Tatsache. Ihr werdet am Anfang öfters mal versagen. Ihr werdet Euren virtuellen Popo poliert bekommen, Ihr werdet zahlreiche Narben davon tragen, Ihr werdet von Euren Mitspielern gehasst und von Euren Gegnern gehänselt werden – manchmal sogar andersherum. „Jeder fängt mal klein an“ gilt als Motto, welches Euch von Level 1 bis zum Maximal-Level 30 begleiten sollte.

Einige Fakten vorab, für alle Neu-Anfänger:

1.) League of Legends ist kostenlos und jedes zum Spielen notwendige Feature kann über die Spiel-interne Währung (Einflusspunkte) gekauft werden. Einflusspunkte erhaltet Ihr für Euren ersten Sieg des Tages (+150 Punkte alle 22 Stunden), sowie natürlich für jeden weiteren Sieg und sogar für jeden Verlust – nur deutlich weniger. Logisch.

Die Kosten der Champions werden mit der Einführung jedes neuen Champions angepasst. Brandneue Champions kosten Euch aktuell 7800 EP, die 30 Champions davor 6300 EP, ältere Champions 4800 EP. Die „klassiche“ Heldengarde kostet Euch gar nur zwischen 450 bis zu 3150 EP.

Theoretisch müsst Ihr also NIE Geld für League of Legends ausgeben. Aber wie jeder weiß: Theory is a bitch! Womit wir gleich zu den Riot Points kommen..

2.) Riot-Points (RP) erhaltet Ihr gegen bare Münze – mittlerweile steht Euch hierfür auch fast jede Bezahlmethode offen (Überweisung / Paypal / Kreditkarte). Riot-Points werden allen voran zum Kaufen von Skins genutzt – optischen Aufwertungen Eurer liebsten Helden. So wird aus dem Yeti Nunu in Handumdrehen ein großer Roboter oder Werwolf Warwick setzt sich selbst in Brand.

Die Cremé de la Cremé des Shops findet sich in sogenannten „Legendary Skins“, welche Euch für stolze 1820 RP grafisch vollkommen überarbeitete Helden inklusive neuer Animationen bieten.

Tipp: Wenn Ihr tatsächlich richtiges Geld ins Spiel stecken wollt, lasst Euch nicht lumpen! Für 20 Euro bekommt Ihr beispielsweise bereits 420 BONUS Riot-Points, was in vielen Fällen einen Extra-Skin für Euren Lieblingshelden ausmacht. Insgesamt gibt’s folgende Staffelung:

2,50 Euro:  400 RP
5 Euro: 840 RP
10 Euro: 1780 RP
20 Euro: 3620 RP
35 Euro: 6450 RP
50 Euro: 9300 RP

Champions kosten Euch übrigens meist 975 RP, außer sie sind im Angebot (487 RP). Zum Start jedes neuen Champions gibt’s zusätzliche „Champion + Skin“ Angebote. Neue Champions wandern zwei Wochen nach Veröffentlichung automatisch in das „eine Woche free 2 play“ Roster.

3.) Mit über 110 Champions hat League of Legends mittlerweile den passenden Helden für wirklich JEDEN Geschmack im Angebot. Fischmänner, Kartenspieler, Werwölfe, verrückte Wissenschaftler, homo-erotische Ritter, Dämonen, Monster, Roboter und zahlreiche Anspielungen an Pop-Kultur und Videospiel-Legenden.

Für Anfänger ist dieser gigantische Heldenpool auch gleich das erste, große Hindernis:

Wer kann was?
Wer ist für mich persönlich geeignet?
Wer kontert wen? (nützlicher Link zur Übersicht!)
Was muss mein Held kaufen / ausrüsten?
Mathematik für Fortgeschrittene!

Tipp: Nehmt Euch einen Helden, der Euch erstmal persönlich zusagt. Lasst Euch nicht reinlabern („DER IST KACKE!!!“) – ob von Kollegen oder Team-Mitgliedern. Wie auch in Online-Rollenspielen bringt es Euch nichts wenn Ihr Euch einer Rolle fügen müsst, auf die Ihr eigentlich keine Lust habt. Da Ihr mit Level 1 eh noch keine Bäume ausreißen werdet gilt der eigentliche Grundsatz des Spiels: Versucht Spaß zu haben, während Ihr die Mechaniken des Spiels lernt. Und macht Euch (wie gesagt!) schonmal darauf gefasst den Arsch versohlt zu bekommen.

Jede Woche veröffentlicht Riot ein Roster von 10 kostenlosen Helden, aus denen Ihr frei wählen dürft. Wer tatsächlich gleich am Anfang gegen Bares durchstarten will, der sollte einen Blick auf die angebotenen Bundles werfen:

Digital Collector’s Pack: 3900 RP hören sich nach einer Menge Geld an – doch der Schein trügt! Immerhin erhaltet Ihr beim Kauf des Digital Collector’s Pack auch gleich 1380 RP zurückerstattet, was den Preis streng genommen auf 2520 RP senkt. Somit ist das Paket mit 20 Helden, einem Skin (Gothic-Annie) und 4 Runen definitiv DAS Schnäppchen unter den angebotenen Bundles.

Enthalten sind der steinharte Brocken Malphite, die kleine Yordle mit der großen Kanone Tristana, der traurige Amumu, Bulle Alistair, die fiese Morgana, Zauberer Veigar, Knuddel-Yordle und Pilz-Fan Teemo, der Dämon Cho’gath, Vogelscheuche Fiddlesticks, Ritterin mit Flügeln Kayle, Barbarenkönig Tryndamere, die windige Zauberin Janna, Jägernin Sivir, die unsichtbare Evelynn, ägyptischer Gott Nasus, die kleine Annie mit ihrem großen Bären, Werwolf Warwick, Gürteltier Rammus, Blitzschleuder Ryze und Zeit-Verzerrer Zilean.

Champions-Bundle: 20 Helden zum lumpigen Preis von 3410 RP (knapp 20 Euro) – da greift man doch gerne zu! Definitiv mein Tipp für alle, die sich ernsthafter mit dem Spiel befassen wollen. Wer noch RP vom Digital Collector’s Pack übrig hat der stockt seinen Heldenfundus auf 40 Champions auf.

Enthalten sind Eisvogel Anivia, Eispfeil-Bogen-Tussi Ashe, Roboter Blitzcrank, Yordle im Flugzeug Corki, Psycho-Hulk Dr. Mundo, Pirat Gangplank, Tüftler Heimerdinger, „Der Mann mit dem Schläger“ Jax, der „Tod von oben“ alias Karthus, Magier-Jäger Kassadin, Dolch-Schleuder Katarina, Speed-Machine Master Yi, Yeti Nunu, Harlekin Shaco, verrückter Wissenschaftler Singed, grüner Hulk Sion, Heilerin Soraka, der hübsche Taric, Kartenmeister Twisted Fate und Kanalratte Twitch.

Eure dritte Möglichkeit zum Aufstocken des Helden-Fundus ist das Gamer’s Choice Pack. Vorsicht! Enthalten sind dieselben Helden wie im Digital Collector’s Pack, der Unterschied liegt in einem exklusiven Skin für Sivir – häßlich wie die Nacht und nicht wirklich das Geld wert.

Außerdem dabei: Ein XP-Boost für 10 Siege.  Mit 3900 RP ist das Gamer’s Choice Paket die teuerste Sammlung an Champions und in dieser Form nicht wirklich zu empfehlen – außer Ihr wollt unbedingt den Erfahrungsbonus für 10 Siege mitnehmen. Diesen bekommt man aber auch separat im Shop für 350 RP.

4.) Insgesamt gibt es 4 wesentliche Spielmodi in League of Legends, von denen nur EINER ernsthaft im E-Sport Sektor beheimatet ist. Dies ist das klassische 5 gegen 5 Feld mit drei Bahnen (Lanes), auch unter dem Namen „Felder der Ehre“ oder Summoner’s Rift bekannt.

Für schmalere Gruppen ist der 3 gegen 3 Modus auf einer kleineren Karte mit zwei Bahnen namens Twisted Treeline gedacht. Diese wurde erst kürzlich komplett überarbeitet und bringt ebenfalls eine dicke Packung Spaß für kollegiale Spiele mit sich.

Spielmodus Numero 3 hört auf den Namen Dominion und setzt (Überraschung!) auf das Domination-Prinzip: Haltet inmitten der Kristallnarbe bis zu fünf verschiedene, in einem Kreis angeordnete Punkte und zieht dem gegnerischen Team somit Punkte ab. Wer zuerst bei Null landet hat verloren, gekämpft wird auch hier 5 gegen 5. Dominion gilt als schnelle, action-orientierte Variante im Gegensatz zu den meist erheblich längeren Kämpfen auf der klassischen Summoner’s Rift Karte.

Letzter Modus im Bunde und ebenfalls noch recht neu: ARAM (All Random All Mid). Hier wird Euch zu Beginn ein zufälliger Held zugewiesen, dann geht’s ab in die Heuldende Schlucht (alias Howling Abyss), wo sich 5 gegen 5 Champions auf einer einzigen Lane begegnen. Wer mit dem zugewiesenen Helden nicht zufrieden ist, der darf nochmal „würfeln“ – zusätzliche Würfelversuche erspielt Ihr Euch mit der Zeit.

Auch im ARAM erwarten Euch Türme und kleine Heilungspakete, im großen Aufeinandertreffen trainiert Ihr die Übersicht über anstrengende Gruppenkämpfe. Perfekt für den schnellen Spaß mit Kollegen, aber auch zum Austesten von verrückten Item-Versuchen.

Tipp: Sowohl der klassische Modus, als auch Dominion lassen sich gegen (einigermaßen) clever agierende Bots spielen. Perfekt zum Üben! ABER: Macht nicht den Fehler und spielt NUR Bot-Spiele! Hier könnt Ihr zwar eifrig Eure Fertigkeiten üben, an die reale Spielumgebung kommt das Bot-Spiel jedoch nicht heran. Traut Euch und kämpft auch gegen richtige Gegner!

Kapitel 2: Was’n da los?

Im klassischen Spielmodus kämpfen fünf Spieler gegen fünf Spieler auf drei sogenannten „Lanes“. Das „Laning“ ist die erste große Kunst, welche es bei League of Legends zu perfektionieren gilt. Eure grundsätzlichen Aufgaben bestehen im eifrigen Töten von Vasallen um an Geld zu kommen, im Töten oder Verjagen von gegnerischen Champions und dem Abriss der gegnerischen Türme. Jede Lane bietet insgesamt drei Türme, welche Euch automatisch angreifen und fiesen Schaden verursachen, solltet Ihr Euch zu nahe an den Turm wagen.

Die Antwort für dieses Problem (schließlich wollt Ihr den Turm einreißen!) lautet: Vasallen! Die tapferen NPC-Kollegen erscheinen in regelmäßigen Wellen und treten ihren steten Lemming-Walk bis hin zur gegnerischen Basis an. Wenn die Vasallen einen Turm erreichen, fokussiert der Turm die Vasallen – dies ist dann Eure Chance auf den Turm einzukloppen.

Problem Numero 2: Die gegnerischen Spieler werden alles tun um ihren Turm zu schützen! Sobald Ihr einen gegnerischen Helden unter seinem Turm angreift, fokussiert der Turm automatisch Euch – egal ob Vasallen vorhanden sind, oder nicht. Wichtig: Steht der gegnerische Spieler leicht außerhalb des Turmradius verursachen die Attacken die Ihr gegen ihn führt selbst UNTER dem Turm zu keinem Turmbeschuss.

Allgemein sollte jedoch erstmal gelten: Versucht besser nicht unter dem gegnerischen Turm zu kämpfen. Ich habe bereits zu viele Champions auf diese Weise sterben sehen 😉

Dies ist die wesentliche Spielmechanik hinter League of Legends: Zerstört die Türme und ebnet so den Weg zur gegnerischen Basis. Dort warten zudem 3 sogenannte Inhibitoren auf Euch – macht Ihr einen platt erscheint ein Super-Vasalle auf der jeweiligen Lane und vereinfacht das „Pushen“ in die gegnerische Basis zusätzlich.

Am Ziel stehen nochmal zwei Türme – sind diese eingerissen dürft Ihr das Herz der gegnerischen Basis angreifen, den Nexus. Fällt dieser ist das Spiel gewonnen, bzw. verloren.

Tipp: Konzentriert Euch zu Beginn Eurer Spielkarriere vor allem darauf, die Vasallen zu kontrollieren. Mit jedem letzten Schlag auf einen Vasallen verdient Ihr Geld – wer zu viel Schaden austeilt, der „drückt“ die Welle näher zum gegnerischen Turm und begibt sich so in Gefahr. Vasallenkontrolle sollte Euer ERSTES und WICHTIGSTES Ziel im Verständnis der Spielmechanik werden – noch weit vor Skillshots und Champion-spezifischen Guides.

Weiter geht’s im zweiten Teil mit den Grundlagen von League of Legends und einem Blick auf die Beschwörerzauber!

Heimerdinger