Playstation 4 – Die erste Konsolenpremiere ohne Konsole

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Sony PS4 Presentation

Die nächste Generation an Konsolenhardware ist endlich eingeläutet. Sony präsentierte heute morgen ihre Vision, wie die Zukunft der Playstation-Marke aussehen soll. Der Witz bei der Sache: Sie zeigten einiges, nur keine Konsole. Richtig gelesen. In einer knapp zweistündigen Präsentation hat sich ein schlauer Kopf gedacht „Nee, die Konsole sparen wir uns für später!“.

Ich persönlich weiß noch immer nicht so recht, was ich mit dem Gebotenen anfangen soll. Doch fangen wir von vorne an!

PS4 – Playstation 4. Zumindest die Namensgebung der neuen Plattform ist dann doch konservativer und besser, als ich zuerst befürchtet hatte. Keine wirren Namenszusätze wie bei der „Wii U“, keine Experimente, kein „auf cool!“. In den nächsten Jahren werde ich mir also keinen abbrechen müssen um den Namen „Playstation 4“ in Texte zu tippen. PS4. Noch besser. Danke Sony!

Die Präsentation beginnt mit 10 Minuten Geschwafel über die Sony Marke, PS Vita (natürlich) und Co. – erst dann wird stolz der neue Dualshock 4 in die Luft gereckt, so wie beim König der Löwen. Die bereits in den letzten Tagen geleakten Fotos entsprechen also der Wahrheit.

Besserer Rumble-Effekt (im Gegensatz zum „Wir brauchen kein Rumble mehr!“-Desaster der PS3-Einführung), ein Touchpad auf der Oberfläche, eine kleine Light-Bar zum Identifizieren von verschiedenen Spielern und funktional ähnlich wie das Licht des PS-Move Controllers.

Dualshock 4 Dualshock 4_1

Dazu kommt ein „Share“-Button, um in Zukunft noch mehr Inhalte teilen zu können. Sony ist der Überzeugung dass man in einigen Jahren Videos und Streams seiner Spiele teilen wird – ähnlich wie dies heute mit Screenshots passiert. Ehrlich gesagt kenn ich das Phänomen nur von Steam – und dort wird’s in meinem Freundeskreis nicht besonders überschwänglich genutzt. Abwarten. Tee trinken.

Es folgt eine Grafikdemo der Unreal 4 Engine. In Echtzeit. So wie die gute, alte Dino-Demo für die erste PlayStation. Es folgt… noch eine Grafik-Demo. Diesmal die Havok-Engine mit zig Millionen bewegten Objekten. Toll Ted.

Endlich geht’s ans Eingemachte, das erste „richtige“ Spiel wird gezeigt. Knack vom Japan Studio. Sieht aus wie eine Mischung aus Katamari Damacy und Ratchet & Clank. Nett – aber bei weitem auch nicht mehr als nett. Ich vorraussage dem Titel keine große Fangemeinde – hoffentlich darf man mich in Zukunft korrigieren.

Interessant wird’s wieder bei den Eigenheiten der PlayStation 4, welche abseits vom Spiel so ziemlich alles für Euch von selbst erledigen soll. Downloads im Hintergrund, Spielen während der Download noch läuft und Instant-Booting der Konsole sind einige Schlagworte, die hängenbleiben.

Die Alarmglocken schrillen beim Punkt SOCIAL PLAY auf. Teilt Videos und Eure gesamte Spielerkarriere mit Freunden. Realen Freunden, wie Sony immer wieder betont. Da scheint jemand keine Lust mehr auf die Anonymität des Internets zu haben und versucht zwanghaft ECHTE Namen und ECHTE Daten zu propagieren. Das sowas funktionieren kann wage ich noch zu bezweifeln.

Zeitgleich darf man sich bereits jetzt etwas Paranoia gönnen: Die PlayStation 4 soll noch besser erkennen welche Spiele Ihr haben wollt… und welche nicht. Mir persönlich bleibt ja auf ewig der TV-Kauf eines Kollegen über Amazon in Erinnerung, der daraufhin immer wieder TV-Werbung und neue TV-Geräte vorgeschlagen bekommen hat. Klar. Ein Fernseher reicht heute einfach nicht mehr.

„Prediction“ nennt Sony das – ich setze eins drauf und mache es zu „Stalking“.

Beim Vorab-Download von Software (die man sich eventuellst vielleicht kaufen würde) hört meine gute Laune dann endgültig auf. „Zero Download Time!“ Spinnen die?

David Perry, alias Earthworm Jim betritt die Bühne. Mister Gaikai scheint noch immer ganz verzaubert davon zu sein, dass Sony seinen Laden aufgekauft hat. Wer nicht weiß, wovon ich rede: Gaikai ist ein gigantischer Streaming-Cloud-Service, der in Zukunft dafür sorgen soll dass Ihr sämtliche Playstation Titel auf der Hardware zocken könnt, auf der Ihr gerade lustig seid. Darunter fallen primär natürlich die PS4 und die PS Vita. In einem kurzen Test-Stream wird bereits Knack für die Vita gezeigt, angetrieben von der PS4.

Ziemlich guter Stoff zum Träumen: alle Playstation Titel der letzten 20 Jahre auf Knopfdruck für die PS Vita streamen? „Hell yeah!“, DAS wäre wirklich groß. Aber wie Perry selbst sagt ist der Service noch immer im Aufbau, die Investition von Sony eine Sache für die Zukunft. Keine Illusionen sollte man sich für die Titel machen, die bereits im heimischen Regal stehen und in die Cloud wollen: Es würde mich sehr wundern wenn ich mein Resident Evil (US-Version) von annodazumal nächstes Jahr auf meiner PS Vita zocken dürfte, ohne von Sony nochmal zur Kasse gebeten zu werden.

Perry geht nochmal auf das (Stalking) „Prediction“-Thema ein. „Buy only what you love“ – „Kauft nur was Euch lieb ist!“. Als hätte ich das nicht ohnehin schon getan. Achja – Facebook und ustream werden natürlich ebenfalls fest verankert im PSN, damit Sony euch immer im Auge behalten kann. Da kommen selbst die wilden Storys von Watch Dogs nicht mit.

Nach dem Auftritt von Perry wendet sich die Konferenz hin zum „Spectate“-Feature. Wie gesagt, über den „Share“ Button könnt Ihr selbst jederzeit Eure Spiele für Freunde streamen – zeitgleich können diese wiederum munter kommentieren und Euch nervige Nachrichten ins Bild schieben. Das Feature ist natürlich „ultimativ vernetzt“: PS3, PS4, PS Vita und selbst Tablets und Handys werden Eure Streams zeigen. Ich bin gespannt wie Sony das Datenvolumen handhaben will – immerhin stotterte selbst der Konferenz-Stream über Twitch oder Gametrailers.

Wenn ich mir dazu vorstelle, dass hochfrequentierte Videos auf Twitch ruckeln wie Sau, hört sich diese Vision tatsächlich noch wie Zukunftskram an. Unsere Leitung zu Hause kommt in Bestzeiten auf 1,3 MB/s – der Ausbau des Handy-Netzes via LTE und die Einführung von fixeren Download-Möglichkeiten für Heimleitungen befindet sich meines Wissens nach noch immer in den Kinderschuhen. Vielleicht mag man in Amerika da weiter sein. Meiner Meinung nach zuviel des Guten!

Hat noch jemand Lust auf Videospiele? Viele konnte man bislang nicht sehen, aber dann kommt doch endlich was.  Und mit „was“ meine ich Killzone Shadow Fall, der neue Ego-Shooter aus dem Hause Guerilla Games. Visuell haben die Jungs ihre Hausaufgaben gemacht – die gezeigte Demo macht Lust auf mehr und lässt die Kinnlade schonmal auf den Boden klappen. Ironischerweise beginnt das Teil natürlich mit einer Hubschrauber-Sequenz – ähnlich interaktiv wie das Mittagsmagazin auf ARD.

Da darf man sich durchaus auf die neue Grafik freuen – ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Denn spielerisch scheint sich absolut NIX zu ändern – der Touchscreen des neuen Dualshock scheint ähnlich sinnvoll genutzt zu werden, wie der Gyromotor des aktuellen Dualshock. Hauptsache der ganze nerdige Tech-Scheiß ist mit drin und der Controller darf aufgrund dessen über 50 Euro kosten. Nein, es gab natürlich keine Preisangaben. Aber seid sicher, dass Euch das Teil nicht billig ins Haus flattert. Argh!

Nach Ego-Shooter 10.012 betritt Evolution Studios die Bühne. Die Jungs arbeiten seit mehreren Jahren an Driveclub, einem Rennspiel. Sieht auf den ersten Blick wie die traurige Entschuldigung für ein nicht präsentes Gran Turismo 6 aus – immerhin dreht auch Driveclub visuell voll auf und entzückt mit liebevollen Details und prächtigen Texturen.

Von der Ausrichtung her dreht sich alles um „Teams“ und „Gilden“ – hier müsst Ihr nie alleine über die Straßen rollen. Challenges und Clubs treiben den aus der Need for Speed Serie bekannten Autolog also bis ins Extrem. Mal schauen.

Noch eine Überraschung: Suckerpunch arbeitet an infamous – Secound Son. Anstelle von Cole McGrath kommt diesmal sein bislang unbekannter Bruder zum Einsatz und darf anstelle von Blitzen mit Feuer um sich schmeißen.

Indie-Entwickler Jonathan Blow (Braid)betritt die Bühne und zeigt The Witness. Der Titel ist seit dreieinhalb Jahren in Entwicklung und sieht schon sehr fertig aus. Ein Open Word Knobelspiel. Oh ha! Erscheinen soll’s gleich zum Release der PS4, von Exklusivität war aber kein Wort zu vernehmen.

Die nächsten Titel basieren wieder auf Grafik-Demos – hier ist noch nichts weit genug fortgeschritten, um es in spielbarer Form zu zeigen. Quantic Dreams (Heavy Rain) zeigen eine nette Charakterstudie anhand eines ziemlich gruseligen Kopfes. Emotionen kommen gut rüber, kein Wunder bei zig Millionen Polygonen. Ob es so ein Model dann ins fertige Spiel schaffen kann steht auf einer anderen Karte. Mit dem Trailer von Beyond: Two Souls haben die Jungs ja schon letztes Jahr bewiesen, dass sie die Materie im Griff haben. Bin gespannt!

Media Molecule sind die Jungs hinter Little Big Planet und sie haben sich die letzten Jahre den Kopf darüber zerbrochen, wie man die Power der PS4 am besten kreativ nutzen kann. Mit einem äußerst wirren Ergebnis: Zusammen mit dem PS Move Controller basteln die Jungs eifrig an Polygon-Modellen. Der folgende Trailer ist zum Fremdschämen und Wegrennen. Warum tut Ihr mir das an?

Yoshinori Ono betritt gut gelaunt die Bühne. Ich muss immer grinsen wenn der Capcom Guru die Bühne betritt – diese Ausstrahlung! Wie ein Muppet auf Drogen! Anstelle gleich zum neuen Spiel zu kommen gibt’s erstmal einen Rückblick. Resident Evil. Onimusha. Monster Hunter. Jau, kenn ich. Hab ich schon gesehen. Danke für die Erinnerung.

Die neue Grafik-Engine von Capcom hört auf den Namen Panta Rhei und kommt gleich im neuen (Work in Progress) Titel Deep Down zum Einsatz. Grafisch sehr vielsprechend und auf den ersten Blick eine Mischung aus Dark Souls und Monster Hunter. Gefällt.

Square Enix zeigt nochmal eine erweiterte Grafik Demo der Luminous Engine und Shinji Hashimoto kündigt ein neues Final Fantasy an, welches im Laufe des Jahres vorgestellt werden soll. Das wäre dann Final Fantasy 15, wenn ich richtig mitgezählt habe und sich die Squares nicht plötzlich entscheiden Final Fantasy 13-4 daraus zu machen.

Ubisoft-Cheffe Yves betritt die Bühne und zeigt eine neue Demo zu Watch Dogs. Sieht noch immer prächtig aus und kommt auf den Wunschzettel.

OMG MEGATON! Chris Metzen betritt die Bühne. Was macht Blizzard hier? Metzen ist noch immer eine charmante Persönlichkeit und definitiv mein Mann des Abends. Er stellt sich mit den Worten vor, dass er die Sony Party crashen will und die strategische Partnerschaft mit Sony nichts anderes als sichere Weltherschaft bedeutet. Super. Er nennt seine alten Konsolentitel wie Lost Vikings, Blackthorne und Co. – schön ihn wieder an Bord zu haben. Aber was bringt Blizzard denn nun für PlayStation 4?

Diablo III

Die Antwort: Diablo 3! Schweigen im Publikum. Niemand klatscht. Ernüchterung? Klar, Diablo 3 ist ein gutes Spiel – aber es hat in den letzten Monaten VIEL Kritik einstecken müssen. Immerhin soll es tatsächlich sehr gut auf Konsole funktionieren und das Interface wurde natürlich vollkommen überarbeitet. Bilder gibt’s keine, kommen soll’s neben PS4 auch für PS3. Lahm? Lahm!

Einziger positive Aspekt der Diablo 3 Ankündigung: Eventuell kann man den Titel somit irgendwann mal auf PS Vita zocken. Ob’s 2014 noch eine Person interessieren wird steht jedoch auf einem anderen Blatt. Warum kein neues Lost Vikings? Schnüff!

Activision beschließt die Konferenz mit Destiny – diesmal sogar mit bewegten Bildern aus dem Spiel. Sieht doch sehr nach „WoW-Ego-Shooter-in-Space“ aus. Das Artdesign kann sich sehen lassen, spielerisch muss es jedoch etwas mehr tun als nur Baller-Quests abzuliefern. Entscheidend ist wohl erstmal dass Bungie (Halo) nun auch für Playstation 4 entwickelt.

Die PlayStation 4 wird nicht gezeigt, soll aber „Holiday 2013“ erscheinen. Rechnet also im November diesen Jahres mit der Konsole, die ihre optische Premiere wahrscheinlich auf der E3 feiern wird. Bis dahin bleibt ein Haufen Fragen übrig… und die bisherigen Antworten können nicht vollkommen überzeugen. Microsoft – Ihr seid dran!