Xbox One: Von Hunden. Und Rocket Science. Und Motzkultur.

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Xbox One

Eigentlich wollte ich ja gestern schon meine Meinung zur neuen Xbox One kundtun, habe mich nach der Pressekonferenz aber dann doch dagegen entschlossen. Frische Eindrücke sind immer schlecht um eine wirklich objektive Bewertung des Gesehenen bieten zu können… und der typische Internet-Shitstorm nach der Konferenz hat auch nicht wirklich dazu beigetragen vernünftig über die neue Microsoft-Konsole nachdenken zu können.

Menschen maulen nunmal gerne herum, das ist sowas wie ein Hobby unserer Gesellschaft und lenkt immer wieder gerne von den eigenen Problemen oder gar der eigenen Unfähigkeit ab. Überall, querbeet durch’s Internet lassen sich Meinungen wie „Microsoft sucks!“, „I hate Xbox One!“ oder „Now i’m going to buy a PS4! Thx Microsoft! NOT!“ lesen. Das gleiche Bild wie nach der PS4-Präsentation. Von der Wii U brauchen wir gar nicht erst anfangen.

Ja, es ist schon ein wenig paradox: Wir Gamer ertrinken in haufenweiser cooler Software, kommen kaum noch dazu ein Spiel bis zum Ende durchzuspielen… und verteufeln die Hersteller und Publisher, wo wir nur können. Das Internet machte es leicht laut in die Welt zu kreischen „DAS / IHR / DU – ist / seid / bist SCHEIßE!!!“ ohne für die Meinung als „reale“ Person einstehen zu müssen. Heute haben wir den Salat. Es ist „in“ alles scheiße zu finden ohne vorher daran gerochen zu haben.

Ist das hier also „Scheiße“?

Xbox One

Ganz im Gegenteil: mein erster Eindruck war „Wow! Schick!“. Womit wir auch schon beim Kern der Sache wären: das Aussehen einer Konsole ist nicht nur subjektiv, sondern – aufgepasst! – so ziemlich das Letzte worauf ich beim Kauf achten würde. Dementsprechend bin ich echt überrascht, was das reine Aussehen der Xbox One bereits für Wellen verursacht.

Nochmal zum Mitschreiben: Wir reden hier über einen Gegenstand, der in 90 Prozent aller Fälle wohl in einer TV-Konsole vollstauben wird, der irgendwann so vollgestaubt sein wird, dass wir uns kaum mehr trauen den Stecker zu ziehen ohne danach die Hände zu waschen. Bestenfalls sehen wir also höchstens die Front des Gerätes.

In meinem langen Leben als Videospieler habe ich schon viele Geräte gesehen, die tatsächlich und objektiv SCHEIßE ausgesehen haben. Der Virtual Boy zum Beispiel. Oder der Atari Lynx. Aber aus dem Aussehen der Konsole Microsoft gleich wieder einen Strick drehen zu wollen zeugt dann doch von der Qualität der Diskussionen.

Dabei kann man Microsoft ganz andere Stricke drehen, die auch noch objektiv bewertbar sind: die unglaubliche Ausrichtung der gesamten Pressekonferenz auf die amerikanische Käuferschicht zum Beispiel. Tatsächlich wurde beinahe der Hälfte der Zeit ununterbrochen über amerikanische Fernsehsender,die große Partnerschaft mit der nordamerikanischen Football Liga (NFL) und (natürlich!) Fantasy Football geredet. Für Sport- und TV-interessierte Amerikaner sicher spannend – nur der Rest der Welt muss draußen bleiben.

Bei mir persönlich ist vor allem der Satz „You and your TV will have a relationship!“ aus einem der PR-Trailer hängengeblieben. Will ich wirklich eine Beziehung mit meinem Fernseher eingehen? Für die schmutzigen Sachen benutze ich eigentlich nur meinen PC-Monitor. Mmmh.

Ich will nicht weiter um den heißen Brei herumreden – die angesprochenen Punkte zeigen schon, wie sehr die Nachwehen der PK gerade durch’s Internet beben Kommen wir also erstmal zu den Fakten:

Die Xbox One soll noch Ende diesen Jahres erscheinen. Einen konkreten Termin gibt’s noch nicht, eventueller Stoff für die E3 also.

Die Xbox One hat 8 GB RAM, ein Blu-ray Laufwerk und eine 500 GB Festplatte.

Kinect ist grundlegender Bestandteil der gesamten Microsoft-Strategie und kommt demnach im Bundle mit jeder Xbox One.

Wenn’s nach Microsoft geht wird die Xbox One zur ultimativen Entertainment-Vernetzung: Spiele. TV. Blu-ray. Downloads. Internet-Browser.

Video-Telefonie über Skype und der brandneuen 1080p Kamera von Kinect. Diese erkennt Euch auch im ausgeschalteten Zustand. Paranoia incoming!

Das grundlegende Design des Controllers bleibt bestehen, Verbesserungen liegen im Detail: der mittlere Teil der Oberfläche ist größer, die Analogsticks ein wenig kleiner, dafür mit texturierten Seiten. Die Fläche der Schulterbuttons und Analogtrigger wurde verkleinert – ich hoffe dass sich der Unterschied nicht so anfühlt wie die Evolution vom PS2-Pad zum PS3-Pad.

Größte Neuerung bezüglich der Analogtrigger sind wohl die neuen „Rumble“-Motoren, welche Euch jetzt noch mehr Force-Feedback geben. Besondere Einsatzmöglichkeiten sind natürlich für Rennspiele und Ego-Shooter geplant.

Das neue Digitalkreuz scheint auch endlich eine vernünftige Ablöse für das alte „Ruderteil“ zu sein: Anstelle auf das runde Kreis-Design zu setzen, gibt’s diesmal vier klassisch voneinander getrennte Richtungsbuttons. Kurz: der Controller gefällt!

Xbox One Controller Xbox One Controller (2)

 

Der Xbox Live Gamertag inklusive der Achievements werden übertragen und fortgeführt.

Noch ist keine Sprache von neuen Abo-Modellen. Alle Gold-Abonennten „dürfen“ Ihr Abo auf Xbox One fortsetzen.

Bestes Beispiel für unausgereifte Ideen: Smartglass. Auf der einen Seite will Microft jegliche Fernbedienung aus dem Wohnzimmer verbannen und Euch und Eure Stimme zum Herren des Entertainments machen. Auf der anderen Seite muss wieder so ein Idiot auf der Couch rumhocken und gleichzeitig mit dem Handy oder dem Tablet rumdödeln. Kennt Ihr das, wenn ein Freund beim Zocken neben Euch sitzt und nur auf sein doofes Smartphone starrt? Willkommen in der Welt von Smartglass! Ich kann eigentlich nur inständig hoffen, dass dieser Quatsch schnell den Bach runtergeht.

Beeindruckender ist da schon das Instant Switching – per Sprachbefehl wechselt Ihr in nur einer Sekunde von Spiel  zu Fernsehkanal ins Internet und zurück ins Spiel. Perfekt für fiese Familienangehörige und Freunde, die Euch kurz vorm Endboss bei Dark Souls 3 mit einem gegröhlten „Xbox! 3Sat!“ ins Spiel pfuschen.

Noch einen Schritt weiter geht der Snap-Mode: Lasst Euch einfach Internet-Seiten während des Spielens anzeigen, oder überwacht kurz Eure letzten Ebay-Gebote, während Ihr eine Blu-ray schaut.

Yup, das war es dann auch schon. Microsoft’s großer Plan lautet eigentlich nur „nutzt für alle Eure Freizeitaktivitäten UNSERE Konsole!“. Gar nicht mal so unclever, aber dementsprechend auch viel zu leicht zu durchschauen… und am Ende der Fahnenstange in vielerlei Hinsicht schlicht unausgegoren.

Mmmmh.

Etwas habe ich vergessen…

Da war doch was…

Achja!

DIE SPIELE!

Es ist unglaublich, wie schnell selbst die treuesten Zocker vergessen, worum es bei diesem ganzen Mediengebrabbel und dem ewig wiederhallenden Hass-Echo aus den Tiefen des Internets eigentlich gehen sollte. Das neue Kinect mag Eure Herzrate lesen können, die neue Xbox One mag tatsächlich auf „Rocket Science“ (Originalzitat!) basieren… doch am Ende zählt nur eines: die Spiele.

Diese Spiele werden in spätestens einem Jahr der Grund sein, warum wir uns dann „doch noch“ für eine Xbox One entschieden haben, selbst „obwohl sie so scheiße aussieht“. Nachdem bereits über die gesamte PK ein Superlativ nach dem nächsten bemüht wurde (revolutionary!), wurden an der Spielefront eher kleine Brötchen gebacken: 15 Exklusivtitel, davon 8 komplett neue Franchises (Flop-Garantie mit inbegriffen) sind für das erste Jahr der Xbox One angekündigt.

Tatsächlich auf der PK gezeigt wurden erste Szenen aus FIFA, NFL, NBA Live und UFC:

Außerdem gab’s die Weltpremiere von Call of Duty: Ghosts, inklusive dem bereits als Internet-Meme der Woche bekannten CoD-Hund und Schreiberling Stephen Gaghan (Traffic, Syriana) als treibender Kraft hinter der „unglaublich emotionalen“ Geschichte. Ramtamtamtamtam. Boooom! Ramtamtamtam! Wuuush! Aaaaargh!

Optisch kommt das neue Call of Duty übrigens nicht ganz an das bereits gezeigte Battlefield 4 heran – was auf der anderen Seite natürlich nicht bedeuten soll, dass es schlecht aussieht.

Making-of mit Hund:

Habe ich erwähnt, dass der DLC weiterhin zuerst exklusiv für Xbox One verfügbar sein wird? Nein? Dann druff geschissen. Wer sich davon angesprochen fühlt soll sich per Kommentar melden. Würd mich echt mal interessieren ob man Leute mit sowas für eine Konsole begeistern kann.

Größte Überraschung der PK: Forza 5 wurde mit einem ersten Video gezeigt. Mittlerweile fällt es selbst Profis schwer zu sagen, ob Szenen aus dem Spiel oder ein Rendertrailer gezeigt werden. Schöne neue Welt. Forza 5 soll übrigens einer der Starttitel der Xbox One sein. Nett!

Remedy sind die Jungs hinter Alam Wake und Max Payne 3. Ihr neuestes Baby hört auf den Namen Quantum Break. Außer PR-Geschwafel gab’s praktisch NULL Infos zu dem Spiel… und der erste Trailer ist ähnlich kryptisch abstoßend wie das Gebrabbel von dem Typen, der es vorgestellt hat.

Michael Pachter hatte im Voraus der PK darauf gehofft auch endlich mal Damen auf der Bühne begrüßen zu dürfen. TV-Dame Nancy Tellem tritt dabei männlicher auf, als alle PR-Moppels vor ihr und kündigt zusammen mit 343 Games Darling Bonnie Ross eine TV-Serie zu Halo an. In Zusammenarbeit mit Steven Spielberg und hoffentlich erfolgreicher als Vollflop Terra Nova. Brrr.

Soviel also zur Xbox One, weiter geht’s mit hoffentlich präziseren Neuigkeiten zu Spielen auf der E3 Anfang Juni. Bis dahin haben wir immerhin einen trauen CoD-Hund und erste Eindrücke zur Hardware bekommen. Und das ist wirklich mehr, als ich mir vorher erhofft habe.