Daniel daddelt Evoland

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Evoland Titel

The Legend of Zelda. Final Fantasy VII. Dragon Quest VIII. Ni No Kuni. Die Geschichte der Action Adventures und (japanischen) Rollenspiele hat in den letzten 25 Jahren nicht nur visuelle Freudensprünge nach vorne getan. Auch die Form und die Art Geschichten zu erzählen hat sich grundlegend geändert – wo damals blaue Textboxen in steter Dauerpenetration der A, B oder X Taste weggedrückt wurden, überlagern sich heute diverse, synchronisierte Gespräche.

Evoland thematisiert eben diese Evolution der Abenteuer und Rollenspiele bis zum heutigen Tag… und lässt dabei keine Gelegenheit aus mit einem zwinkernden Auge bescheuerte Genre-Gebräuche zu zitieren und zu parodieren. Warum zum Beispiel in sovielen Rollenspielen ein Kind enthalten sein muss, welches sinnlos irgendwelchen Tieren in der Stadt hinterherjagd, wissen wohl nur die Entwickler – eben so eine Göre ist auch hier enthalten.

Doch fangen wir langsam an! In Schwarz-Weiß und grober Pixeloptik! Nur wenige Schritte weiter findet unser noch namenloser Held eine Schatztruhe… und in eben dieser stolze 256 Farben! Die Schatztruhen bleiben in den folgenden Stunden Euer steter Freund, wenn es um die Erweiterung der Spielwelt geht. Inventar? Check! HD-Texturen? Check!

Hier einige Screenshots meiner Reise durch einen dicken Batzen Videospielgeschichte:

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Am Anfang waren die Pixel… dann kamen die Farben.

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Jede neue Errungenschaft wird Euch in Achivement-Form stolz präsentiert – meist mit lustigen Untertiteln.

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Nachdem die ersten Gegner mit einfach Schwertstrichen niedergestreckt werden können, erweitert das ATB (Active Time Battle) Eure Optionen während eines Kampfes. Naja. Ok. Nicht wirklich. Streng genommen haut Ihr auch hier nur weiter auf den A/X-Knopf Eures Joypads und seht einem Schleim nach dem nächsten von Eurer Klinge tropfen.

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Der Mode 7 erlaubte es Hintergründe zu rotieren und zu skalieren – so kam’s zu ersten „Pseudo“-3D-Effekten. Richtig bekannt wurde die technische Spielerei durch den Super Nintendo Shooter Star Fox / Star Wing, das wohl bekannteste Rollenspiel mit diesem Effekt hörte auf den Namen Secret of Mana. Hier schossen Euch die Kanoni Brüder per Mode 7 über die Landkarte… später durftet Ihr mit „Lufti“ selbst eine Runde über die Kontinente wagen. Heutzutage ist Mode 7 häßlich wie die Nacht.

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In der ersten Stadt werden Waffenhändler und Items eingeführt… ebenso wie seltsame Lektüre. Wer war nochmal S. Miyamoto? Die Umgebungen sind ein Fest für Retro-Fans!

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Der Sprung in die 3D-Welt nimmt dem Titel einiges an Pixel-Charme, ist aber logisch in die Evolutionsprämisse eingebunden. Später dürft Ihr übrigens ziwschen der Bit-Welt und der 3D-Welt wechseln.

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Noch mehr Texturen! Auch die ATBs werden grafisch aufwändiger, spielerisch bleibt’s leider lange beim Dauer-Attackieren. Nervig: Eure Ausflüge über die Oberwelt werden im Sekundentakt von Monstern unterbrochen. Ganz wie damals halt. Urghs!

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Willkommen in der Ära der vorgerenderten Hintergründe! Final Fantasy VII ist hier wohl das eingängigste Beispiel. Auch bei Evoland sieht’s auch heute noch ansprechend aus.

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Wo wir gerade von Final Fantasy VII reden: kennt Ihr noch das berühmte Kartenspiel erinnern, welches in Final Fantasy VII integriert war? Triple Triad! Ich staunte nicht schlecht, dass praktisch dasselbe Spiel auch in Evoland integriert wurde – mit neuen Karten natürlich. Seltene und versteckte Karten erbeutet Ihr auf Euren Reisen durch Dungeons und Wälder.

Größter Minuspunkt und Grund für zahlreiche Forendiskussionen: Evoland dauert nur einen Bruchteil der Spielzeit eines „ausgewachsenen“ Rollenspiels.

Erwartet also kein episches Rollenspiel, welches Euch für mehrere Wochen unterhalten wird! Evoland ist vielmehr ein kleiner, aber äußerst detailliert und zu Teilen perfekt ausgetüftelter Kommentar auf weit über 20 Jahre Genre-Geschichte. Die Soundkulisse passt perfekt, die Evolution der Optik überrascht immer wieder… und selbst die Dungeons fordern Euch mit einigen kleinen, aber feinen Kopfnüssen.

Auf metacritic.com schneidet Evoland mit 61 Zählern übrigens ungewöhnlich schlecht ab – weiß der Geier, was die werten Kollegen aus dem Ausland gespielt haben. IGN Italy meint zum Beispiel: „Behind a bunch of jokes, there’s an old, ugly, clumsy role-playing game, unable to bring any justice to its source materials.“ Und eben da liegt meiner bescheidenen Meinung nach der Fehler vieler Kritiken: alte Rollenspiele und Action Adventures sind aus heutiger Sicht ALLE „ugly“ und „clumsy“ (häßlich und schwerfällig).

Wer genau dieses Spielgefühl in einem aktuellen Kommentar auf eben diese Evolution einzufangen weiß, hat als Kommentator auf die Entwicklung also schonmal alles richtig gemacht. Ihr seht, worauf ich hinauswill: wer das „Spiel als Spiel“ spielt wird an vielen Ecken und Enden anstoßen. Wer Evoland jedoch als Kommentar spielt, kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus… und erlebt im besten Fall, warum damals nicht immer „alles besser war“.

Für mich also ein klares „Daumen hoch!“ für Evoland! Gönnt Euch den Titel für die 10 Euro… oder behaltet es bis zum nächsten Steam-Sale auf Eurer Wunschliste. Tolles Teil!