Daddeln im Dampf: Foul Play, Guacamelee und Rogue Legacy

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Daddeln im Dampf

„Tadah!“ sagte der Zauberer und holte ein totes Karnickel aus seinem Hut. Streng genommen liegt dieser Beitrag hier schon länger auf Wolke 7 herum und riecht etwas modrig, was wiederum perfekt zur dampfigen Umgebung passt. Mmmh, Dampf. Macht Euch also in Zukunft auf mehrere Teile „Daddeln im Dampf“ gefasst, immerhin verdrängt Steam mittlerweile – trotz GTA V – jegliche Form des konsoligen Zockens aus meinem Leben. Xbox 360, PlayStation 3 und alle so „Och nööööö!“.

Kurz und knackig will ich Euch hier die interessantesten Steam-Veröffentlichungen der letzten Zeit, einige Highlights in naher Zukunft und meine ganz persönlichen Lieblingsspiele vorstellen. Heho, let’s go!

Foul Play

Wer auf britische Gentleman, eine Prise Indiana Jones und Kombo-lastige Sidescroller steht, der ist bei Foul Play von Devolver Digital (Hotline Miami / Serious Sam / Shadow Warrior) gut aufgehoben: In der Rolle von Baron Dashforth kloppt Ihr Euch – alternativ mit Eurem Freund Scampwick (on- und offline) – von Kairo bis nach Atlantis quer über den Globus.

Stilistisch brilliert der Titel durch die fantastische Optik im Scherenschnitt. Jedes Abenteuer findet auf der Theaterbühne vor tosendem (oder Euch ausbuhenden) Publikum statt, Eure Gegner sind gut verkleidete Schauspieler, die nach ihrem Ableben auch gerne mal von der Bühne spazieren.

Das Theater-Setting dient über die gesamte Spielzeit als Spielwelt, Hintergründe wie Wüsten oder Städte werden stets vor Euren Augen aufgebaut – was durchaus auch mal schief gehen kann und für dicke Grinser im Gesicht sorgt.

Spielerisch tritt Foul Play in die Fußstapfen jedes beliebigen Sidescrollers, erinnert mich persönlich aber am meisten an den XBLA-Hit Castle Crashers. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Ihr nicht „sterben“ könnt – würde auf der virtuellen Bühne auch keinen Sinn machen. Anstelle dessen versucht Ihr stets Euer „Combo Meter“ zu füllen und dem Publikum das zu bieten, was es sehen will. In dieser Hinsicht ergänzt Foul Play das klassische Sidescroller-Prinzip also durch die Perfektion von Kombos und High-Scores.

Wer jetzt befürchtet, dass die Wegrationalisierung von Lebensbalken auf die Motivation schlägt, der könnte nicht falscher liegen: da die Kombos nicht immer einfach aufrecht zu erhalten sind, seid Ihr alleine damit genug beschäftigt um über fehlende Lebenspunkte hinwegzusehen.

Mein Fazit: Kaufen! Foul Play gibt’s aktuell für ca. 15 Euro auf Steam, das Zweierpaket kostet Euch ca. 23 Euro. Klick mich, ich bin ein Steam-Link!

Hier der Trailer und ein etwas längeres „WTF?“ vom zynischen Briten:

Guacamelee Gold Edition

Trotz exzellenter Wertungen steht Guacamelee leider noch immer viel zu sehr im Schatten der 2013 veröffentlichten Download-Titel. Woran es liegt? Weiß der Geier! Vielleicht an der erstmaligen Exklusiv-Veröffentlichung im PlayStation Network, welche damals schon wenig Aufmerksamkeit für sich verbuchen konnte? Oder es liegt daran, dass Gamer heutzutage nichts mit der Kombination aus Castlevania und mexikanischen Wrestlern anfangen können.

Soviel kann ich Euch zumindest verraten: Wer Guacamelee nicht gezockt hat, der hat definitiv etwas ganz großes verpasst! Der Titel mit der ungewöhnlichen Optik entpuppt sich bereits schnell als perfekt spielbares und im Laufe der Geschichte perfekt aufeinander abgestimmtes Metroidvania.

Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann: Ihr bereist die Welt, löst zahlreiche Aufgaben, besiegt (genial präsentierte) Bosse und findet dank zahlreicher neuer Fertigkeiten immer neue Zugänge zu bislang verschlossenen Teilen der Karte. All dies auf Wunsch übrigens auch im Zweispieler-Modus.

Besonders überrascht war ich vom tollen Humor hinter dem Spiel, den zahlreichen Anspielungen auf Spiele-Klassiker wie Zelda und Metroid, sowie das extrem gut funktionierende und immer weiter ausbaubare Kombo-System, mit dem Ihr Eure Gegner quer über den Bildschirm prügeln könnt. Ich finde tatsächlich keinen einzigen Minuspunkt, auf den ich jetzt spontan mit dem Finger zeigen könnte.

Lasst mich überlegen. Mmmh. Vielleicht… aber nur vielleicht ist das Spiel mit 7 bis 8 Stunden Spielzeit einigen Leuten da draußen etwas zu kurz geraten. Wer damit aber klar kommt, der sollte sich den Spaß für aktuell knapp 14 Euro nicht entgehen lassen. Ganz großes Kino!

Klick mich, ich bin ein Steam-Link!

Hier der Trailer, gefolgt von einem längeren „WTF?“ vom zynischen Briten.

Rogue Legacy

Mit dem Aufschwung der Indie-Spiel-Kultur kam noch etwas anderes wieder an die Öffentlichkeit, was lange als verschollen galt: Frust als Stilmittel. Ich kann nur schwer den Zeitpunkt benennen, seitdem es wieder „in“ ist Spiele zu designen, welche dem Spieler Emotionen wie Hass, Wut und Verzweiflung ins Gesicht schreiben. Eigentlich galt diese Zeit mit dem Abtreten der alten „Bit“-Konsolen als vorbei, Quick-Saves und Schlauchlevel stehen seitdem im Vordergrund.

Vielleicht waren es Demon’s Souls und der Nachfolger Dark Souls, welche schwierige Spiele wieder populär gemacht haben. Davon abgesehen: „Rogue“ heißt das Genre, welches heutzutage beinahe synonym mit schwierigen Spielen genannt wird.

Dabei basiert „Rogue“ zunächst einmal auf dem Klassiker mit gleichem Namen aus dem Jahre 1980: Mittelpunkt des Spielsystems ist die zufällige Generation von Inhalten für den Spieler, welche jedes Spiel zu einem neuen Erlebnis werden lassen. Der Schwierigkeitsgrad hat also zunächst einmal nichts mit dem Spielsystem zu tun, welches seinen Einzug in alle möglichen Genres, allen voran natürlich solchen Titeln wie Diablo oder Torchlight fand. Kurz: Spiele welche Euch mit zufällig generierten Inhalten bei der Stange halten.

Im Indie-Sektor sind „Rogue“-Titel besonders auf Steam beheimatet, während man auf Konsolen etwas genauer schauen muss. Rogue Legacy ist hierfür ein gutes Beispiel: Obwohl der Titel bereits einwandfrei mit einem Xbox 360 Pad spielbar ist (inklusive der Button-Integration im Interface), soll das Spiel erst im Laufe des kommenden Jahres für PlayStation 3, PlayStation 4 und PS Vita erscheinen. Ebenfalls geplant ist eine Version für Linux. Ironischer Weise außen vor bleiben Xbox 360 und Xbox ONE.

Auch Rogue Legacy bietet Euch mit jedem Ableben ein komplett neues Level-Layout, charmant präsentiert in Form eines riesigen Schlosses, inklusive angrenzendem Wald, einem düsteren Keller-Dungeon und dem knackschweren Dachgeschoss. Zu Beginn wählt Ihr aus drei Charakteren Euren Liebling aus… und seht diesen höchstwahrscheinlich bereits nach wenigen Minuten sterben.

„Sterben“ ist tatsächlich der stärkste Motor der Spielmechanik von Rogue Legacy: Nach jedem Tod könnt Ihr Euer eigenes Schloss mit dem gewonnenen Gold aufrüsten, um so neue Fertigkeiten freizuschalten. Nebenbei schaltet Ihr neue Spielfiguren vor dem Schloss frei: der Schmied fertigt Euch gegen Blaupausen und Bares neue Klamotten und Waffen, die Verzauberin sorgt für zusätzliche Boni und der Architekt lässt Euch genau in das Schloss zurückkehren, in dem Ihr zuletzt gekämpft hat.

Letzteres ist eine sehr interessante Erweiterung der Rogue-Spielmechanik: Anstelle Euch nochmal durch ein komplett zufälliges Schloss zu metzeln, könnt Ihr per Architekt in eine – im besten Fall – einfache Version des Schlosses zurückkehren, um beispielsweise schnell zu den vier fiesen Bossen zu gelangen. Der Architekt hat jedoch seinen Preis: stolze 60 Prozent Eures verdienten Goldes werden abgezogen! Wer also Geld sammeln will ist hier an der falschen Adresse!

Da Ihr nach jedem Tod eine von drei neuen Spielfiguren wählen könnt, ist tatsächlich kein Lauf wie der andere: Mal vergnügt Ihr Euch als wild fluchender Riese, mal als magiebegabter Zwerg in Retro-Optik, oder als Mana in Leben umwandelnder Lich im Schloss der tausend Gefahren. Zusätzliche Charakterklassen werden im Laufe des Spiels durch Gold freigeschaltet.

Mit knapp 20 Stunden Rogue Legacy kann ich guten Gewissens sagen, dass mich bislang kein „Rogue“ so sehr begeistern konnte, wie dieses hier. Jeder Tod hat seinen Sinn, mit jedem Lauf werdet Ihr besser… und knackt letztendlich sogar die knüppelharten Bosse ohne mit der Wimper zu zucken. Dank des fantastischen Soundtracks, der vielen Anspielungen auf Spiele-Legenden wie Castlevania und Co., sowie der süßen Retro-Optik kann ich Euch das Spiel also nur wärmstens ans Herz legen.

Rogue Legacy gibt’s für knapp 14 Euro auf Steam. Klick mich, ich bin ein Steam-Link.

Hier der Trailer, gefolgt von einem „WTF?“ vom zynischen Briten: