Daddeln im Dampf: Star Wars Pinball, Shadow Warrior und mehr

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Daddeln im Dampf

Es wird mal wieder Zeit für eine gepflegte Runde Steam-News! Heute schiebe ich eine ruhige Kugel im neuesten DLC zu Pinball FX2 namens Star Wars – Balance of the Force, schnetzel mich in Shadow Warrior durch fiese Yakuza-Gangster und Dämonen aus der Hölle, begleite eine Ziege durch Labyrinthe in Escape Goat und schieße mich durch fiese Pixel-Monstrositäten in Teleglitch: Die More Edition.

Meinen ersten Teil zu Daddeln im Dampf (Foul Play, Guacamelee und Rogue Legacy) findet Ihr hinter diesem Link.

Geht’s los? Los geht’s!

Pinball FX2: Star Wars – Balance of the Force

Mittlerweile gibt es so viele unterschiedliche Flipper-Tische für Pinball FX2, dass ich kaum noch nachkomme. Und dennoch wird bei jeder Neuveröffentlichung ein Schalter in meinem Gehirn umgelegt, der sämtliche Logik ausblendet und mich euphorisch „Kaufen! Kaufen! Kaufen!“ kreischen lässt.

So auch pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Star Wars DLC-Pakets Balance of the Force. Drei neue Tische für knapp 10 Euro. Hört sich erstmal viel an, aber wenn man die Tische betrachtet, dürften die Zen Studios nochmal eine ganze Schippe mehr dafür abrechnen. Doch anstelle jetzt noch weiter in den subjektiven Hype-Modus zu schalten, stelle ich die enthaltenen Flipper lieber kurz vor:

Darth Vader widmet sich dem düsteren Ich von Anakin Skywalker und zeigt den wohl bekanntesten Schurken der SciFi-Geschichte aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Gleich zu Beginn werdet Ihr damit beauftragt „Lord Vader“ wieder zusammenzusetzen – immerhin hat Anakin das letzte Bad in der heißen Lava des Planeten Mustafar nicht ganz so gut überstanden.

Was sofort auffällt: Pro getroffenem Greifarm verdient Ihr Euch gleich zu Beginn die ersten Millionen im Sekundentakt. Sehr gut: Darth Vader hat keine Angst vor hohen Punktzahlen und wirft die Nullen ohne Scham auf Euch. Und so klettert mein High-Score gleich nach der zweiten Runde auf über 60 Millionen. Herrlich.

Neben zahlreichen Nebenmissionen sind natürlich die Hauptmissionen das Sahnehäubchen eines jeden Tisches. Viele durfte ich noch nicht ausprobieren, aber die Suche nach Obi Wan an Bord des ersten Todessterns ist ebenso enthalten wie das Duell gegen Luke in der Wolkenstadt auf Bespin, oder das finale Treffen an Bord des zweiten Todessterns.

Schwarz und Rot dominieren den Flipper optisch, das Layout ist überraschend übersichtlich ausgefallen und sehr Einsteiger-freundlich gestaltet. Viele Rampen und vier Flipper führen zudem zu leicht ausführbaren Kombos, wie dem Schuss über den oberen, rechten Flipper über die Bahn links außen, hinauf über den linken, oberen Flipper zur Bahn rechts außen.

Mal davon abgesehen, dass der Tisch vor Details nur so wimmelt, sticht eine Sache deutlich hervor: der fantastische Soundtrack und die Sound-Effekte aus den Filmen. Die Zen Studios haben das Glück eng mit LucasArts zusammenzuarbeiten und auf die gesamte Bibliothek an Film-Sounds zurückgreifen zu dürfen. Als zu Beginn der klassische Stöhnen von Vader durch den Beginn des Imperial March abgelöst wurde, war es um mich geschehen. Sau gut!

Die anderen beiden Flipper sind nicht minder aufwändig gestaltet und vermitteln alle ihr ganz eigenes Feeling: Star Fighter Assault lässt Euch zwischen imperialer und Rebellen Flotte wählen, woraufhin Ihr mit Eurem Ball quer durch das Weltall düst, Ausweichmanöver fliegt und bekannte Weltraum-Szenen der Filme nachspielt.

Absolutes Highlight von Star Fighter Assault sind die eingestreuten Minispiele, welche die gewohnte Flipper-Umgebung verlassen: Weicht im Weltall anderen Jägern und Kometen aus, versucht Euch an einer Runde Pinball Galaga oder bietet Han Solo in seinem Millenium Falcon Geleitschutz. Hab ich erwähnt dass die Bumber aus Lasergeschützen bestehen? Herrlich!

Leider fällt das Tisch-Layout gegenüber den anderen beiden Flippern etwas ab, allen voran aufgrund des überfrachteten Hintergrund-Artworks. Motzen auf hohem Niveau, denn auch Star Fighter Assault ist ein Volltreffer!

Für den letzten Tisch im Bunde will ich gar nicht viel spoilern:  in Star Wars VI Return of the Jedi schließt Ihr Euch Luke, Han, Chewbacca und Prinzessin Leia im Kampf gegen die Sith an und absolviert zig weitere Missionen, welche sich an den Film anlehnen. Inklusive Jabba, Kopfgeldjägern… und Ewoks. Jede Menge Ewoks.

Ganz im Ernst: Wer auch nur entfernt etwas mit Flippern anfangen kann, kommt um dieses runde Bundle nicht herum. Soviel Liebe zum Detail findet Ihr nur selten verbunden mit Flippertischen. Und wer sich jetzt fragt, ob Flipper überhaupt etwas für ihn sind: die Download-Plattform Pinball FX2 könnt Ihr kostenlos herunterladen und bekommt einen Flipper gratis dazu. Perfekt zum Reinschnuppern!

Shadow Warrior

Ich muss ja zugeben, dass mich brutale Spiele auf einer tiefen, von mir wahrscheinlich bis heute unverstandenen Ebene extrem begeistern. Egal ob Mortal Kombat oder Left 4 Dead, egal ob Aliens oder Zombies, Hauptsache die rote Suppe fließt in Strömen.Verdammt, das ist so juvenil, dass es mir weh tut. Aber irgendeinen Tick hat jeder.

Kein Wunder dass mich das Remake von Shadow Warrior also schon überzeugt hatte, bevor ich überhaupt Hand anlegen durfte. 80er Jahre Mucke, Held im Anzug mit Sonnenbrille und Katana, schlechte Sprüche und Blut. Jede Menge Blut. Tja, so einfach kann man mich abholen.

Wirklich überraschend konnte mich Shadow Warrior dann aber auch in Sachen Spielmechanik für sich begeistern: Ja, die Gegner sind vor allem aufgrund ihrer immensen Anzahl gefährlich und gewinnen beim IQ-Test keinen Blumentopf, aber die Steuerung von Über-Asiate Wang sitzt einfach perfekt. Jeder Schuss hat ordentlich Wumms hinter sich.

Noch besser als Ballern ist jedoch Schnetzeln. In den bisherigen Spielstunden war das scharfe Gerät die Waffe erster Wahl im Kampf gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Dämonenhorden. Schlitzi Schlitzi, Arm ab, Bein ab, Torso durch, Gulaschkanone! Da bleibt kein Körperteil auf dem anderen und kein Auge trocken – so macht Geschnetzeltes Spaß!

Zum Glück müsst Ihr beim Kampf mit Katana und Co. nicht nur den Triggerfinger gedrückt halten: Ein echter Ninja benötigt Superkräfte! Und so pimpt Ihr Wang in gleich drei verschiedenen Talentbäumen zum Mega-Ninja auf, verbessert seine Werte, verleiht ihm besondere Fertigkeiten oder schaltet diverse Zaubersprüche frei. Bereits nach kurzer Zeit dreht Ihr Euch als Katana-Hubschrauber durch die Gegnermassen, fesselt Dämonen mit einer PSI-Blase in der Luft und spurtet wie ein Jaguar durch die Gegend.

Das alles greift so wunderbar ineinander, dass die Kämpfe in Shadow Warrior einfach nur ganz, ganz großes Kino sind. Es ist genau diese Art von Frischzellenkur, welche das Genre so dringend nötig hat, und welche schon Duke Nukem Forever gut zu Gesicht gestanden hätte.

Audiovisuell ist Shadow Warrior nicht überragend, aber dennoch hübsch anzuschauen: Kirschblütenbäume und asiatisches Feuerwerk verzücken, große Tempeleinlagen laden zum Erforschen ein. Apropos Erforschen: Jedes Level ist gespickt mit Geheimnissen und Easter Eggs! Zum Glück werdet Ihr nach Level-Abschluss durch eine Statistik darauf aufmerksam gemacht, wie viel guten Stoff Ihr links liegen gelassen habt. Da lohnt ein zweites Durchspielen gleich doppelt, denn die zahlreichen Easter Eggs können sich sehen lassen und begeistern mit Anspielungen auf Retro Games, TV- und Kino-Filme.

Kurz: Wer ein extrem schnelles und perfekt spielbares Shooter-Action-Inferno gewürzt mit viel Sarkasmus und Ironie, sowie einer gehörigen Portion Gore sucht, der kommt an Shadow Warrior einfach nicht vorbei. Vor allem da selbst die Spielzeit im Gegensatz zur aktuellen Shooter-Konkurrenz angenehm lang ausfällt und aufgrund der versteckten Geheimnisse sogar Wiederspielwert bietet. 

Escape Goat

Eine Ziege als Hauptcharakter in einem Videospiel… lasst mich überlegen. Mmmmh. Nein. Nö. Mir fällt tatsächlich KEIN Spiel ein, indem man eine Ziege spielt. Ein seltsames Novum, welches der Indie-Titel Escape Goat an dieser Stelle bietet.

Darüberhinaus ist „Ziege“ natürlich etwas weit gegriffen: 30 Pixel auf vier Beinen trifft es vielleicht besser. Tatsächlich ist Escape Goat visuell sehr minimalistisch gehalten und versprüht dennoch teils mehr Charme, als viele Vollpreis-Titel. Alleine wie die Ziege zusammengekauert an Abgründen steht… super!

Ja, Ihr seid in eine Ziege verwandelt worden und müsst Euch nun aus einem zig verschiedene Level umspannenden Labyrinth an Räumen zum Happy End knobeln. Dabei rettet Ihr Schafe, verschiebt Blöcke, löst Mechanismen aus und springt Euch um Kopf und Kragen. Es sind nicht die Elemente an sich (die gab’s schon tausendmal!), sondern vielmehr die Mischung und Aufbereitung dieser Elemente, welche das Spiel von den gefühlt 10.000 anderen Knobel-Spielen da draußen positiv abhebt.

Blöcke verschieben zum Beispiel ist sicher mit das Ödeste, was es in Knobelspielen zu tun gibt. Auf der verrückten Reise der Ziege jedoch sind die Block-Einlagen nicht nur perfekt gestreut, sondern meist auch intuitiv zu durchschauen. Neben Blöcken plagt Ihr Euch noch mit Feuerbällen, Schalterrätseln, rutschigen Böden und fiesen Gegnern herum – so wird aus der gemütlichen Rätselrunde schnell ein alptraumhafter Plattformer mit Super Meat Boy Anleihen.

Außerdem wäre da noch die Maus. Yup, richtig gelesen: Bei Eurem Ausbruch aus dem Labyrinth begleitet Euch eine kleine Pixelmaus, welche einmal losgelassen jedem Untergrund solange folgt, bis sie auf ein tödliches Hindernis stößt – dann kehrt Sie einfach zurück zu Euch. So aktiviert Ihr Schalter, die an scheinbar unerreichbaren Stellen liegen, oder Schalter, die ein Gegengewicht verlangen. In einigen Räumen greift Ihr zudem noch zum Zauberhut und wechselt auf Knopfdruck Euren Platz mit dem der Maus.

Im späteren Spielverlauf ist die fixe Kombinationsgabe aus allen bekannten Fertigkeiten gefragt: Feuerbällen ausweichen, Schalter aktivieren, Mäuschen losrennen lassen und schnell den Platz hin- und wieder zurück tauschen – da glühen die zerebralen Zellen.

Ganz ehrlich: Ich habe langsam die Fresse voll von Knobelspielen und der Markt wurde in den letzten Jahren mit dem Genre regelrecht überflutet. Und dennoch habe ich mir Escape Goat ohne mit der Wimper zu zucken gekauft, und bereue es bis heute nicht. Die Rätsel sind super, die Ziege hat Charme und genug Inhalt ist vorhanden – erst Recht weil die Steam Version auf den Grundstock an Räumen nochmal 50 zusätzliche, Steam-exklusive Level draufpackt.

Wer also schon immer mal eine Ziege spielen wollte, der macht mit dem Titel bei einem Preis von aktuell 5 Euro sicher nichts verkehrt. Bääähääää.

Teleglitch: Die More Edition

Die Welt ist mal wieder untergegangen, Apokalypse, tödliche Roboter, eine Militärbasis, Viren, Portale, eine die Raumzeit biegende Anomalie, yadda yadda, bla bla. Alles nur Hintergrundgedöns, welches zugegeben eine recht dichte Atmosphäre für ein Spiel generiert, welches mit der Mindestanzahl von Pixeln auf unterster Ebene auskommt.

So begleitet Ihr Euren namenlosen Helden zuerst einmal durch’s Tutorial und findet schnell heraus: Teleglitch ist ein Twinstick-Shooter aus der Vogelperspektive, welcher sich in Sachen Spielmechanik beinahe wie das „Ur“ Doom anfühlt und atmosphärisch eine Schippe Fallout drauflegt. So erforscht Ihr riesige Labyrinthe im Rogue-Stil (die Level werden immer wieder neu generiert), haltet Euch die zahlreichen Mutanten mit geballter Feuerkraft vom Leib und springt am Ende in den Teleporter zum nächsten Abschnitt.

„Rogue“ ist ein gutes Stichtwort zur Beschreibung der Spielmechanik: Gespeichert wird erst, wenn Ihr das fünfte Level erreicht habt… und auch danach dürft Ihr „nur“ in Level 3 wieder einsteigen. Weitere Rücksetzpunkte folgen in späteren Leveln… nicht dass ich es schonmal so weit geschafft hätte, denn Teleglitch ist bockschwer. Munition ist rar gesät, ebenso wie teure Medkits, oder Konservendosen, um Euren Hit-Point-Vorrat wieder auf Vordermann zu bringen.

So will tatsächlich jeder Schuss wohlüberlegt sein – immerhin bleibt noch immer das Messer als letzte Alternative der Selbstverteidigung. Leichter gesagt, als getan: Wenn Ihr mal wieder in einen größeren Abschnitt gelangt und plötzlich zig verschiedene Monster aus allen Himmelsrichtungen auf Euch zupreschen, wünscht Ihr Euch manchmal mehr als nur zwei oder drei Schüsse mit der Schrotflinte abgeben zu dürfen. Zum Glück wird das Level-Layout bei jedem Neustart neu zusammengewürfelt, inklusive der erhältlichen Waffen und der Gegner.

Neben der schlichten, aber doch extrem gut in den Kontext eingebundenen Grafik (das Interface zum Beispiel ist trotz – oder gerade wegen seiner Banalität einfach fantastisch!), möchte ich noch kurz auf das überragende Sound-Design im Industrial-Stil zu sprechen kommen, welches durchaus auch spielerische Vorteile schafft: So hört Ihr Mutanten und anderes Getier bereits anhand ihrer Geräuschkulisse auf Euch zukommen, während Ihr in leeren Räumen zum Beispiel das Rattern von Generatoren oder die Geräuschkulisse von dampfenden Rohren vernehmen dürft. Dies mögen nur Kleinigkeiten sein, im Spiel selbst aber generieren sie eine unglaublich dichte Atmosphäre – vor allem daran gemessen, mit wie wenig visuellen Reizen Teleglitch auskommt.

Die Die More Edition beinhaltet 5 neue Level, also „alternative“ Level welche Ihr am Ende jeden Levels per Teleporter wählen dürft. Außerdem mit dabei: Neue Waffen und neue Crafting-Rezepte, also schlicht mehr Content, den sicher auch Fans des älteren Originals zu schätzen wissen.

Mein Fazit: eine durchaus gelungene, teils schwer verdaubare und teils knüppelharte Alternative für alle Fans von Survival-Horror Spielen und Rogue-Titeln wie dem populären The Binding of Isaac. Aktuell kostet Teleglitch: Die More Edition knapp 13 Euro auf Steam, ich persönlich habe es im letzten Sale für gerade mal 5 Euro erstanden. Wartet also eventuell nochmal etwas ab, bis der nächste Ausverkauf bei Steam ansteht.

Zum Abschluss noch fix ein längeres „Angespielt“ von YouTube’ler Northernlion: