Daniel daddelt Pokémon X & Y

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Ein Haufen neuer Pokémon für Freunde ausgiebiger Touren im hohen Gras, eine neue Grafik-Engine mit einem komplett neuen Grafik-Stil, neue Fertigkeiten und Charaktere, diverse Online-Features, kurz: Pokémon X & Y wirken auf den ersten Blick tatsächlich revolutionär, doch im Herzen der Spiele tickt noch immer die gute, alte Spielmechanik der Vorgänger. Reicht der Neuanstrich, um die Serie weiter ganz oben mitspielen zu lassen?

In der Welt der Videospiele werden Fortsetzungen und Ideenlosigkeit gerne abgestraft: Ob Call of Duty, Battlefield, Need for Speed oder FIFA, die ewig gleichen Fortsetzungen strapazieren nicht nur das dicke Fell der Zocker, sondern allen voran die Moral der Tester. Auf der anderen Seite gibt es halt genau DIE Spiele, welche immer wieder mit offenen Armen aufgenommen werden, egal wie wenig sich im Kern des Spielsystems getan haben mag. Beinahe sämtliche Mario-Titel fallen in diesen Bereich, ebenso wie Pokémon.

Tatsächlich ist die Serie ein so beliebtes und starkes Franchise, dass erst gar kein Druck zur Änderung aufkommen muss. Natürlich gibt es hier und da Anpassungen, Variationen, Erweiterungen… aber im Kern spurten die Spieler mit ihrem Poké-Trainer noch immer durch hohe Gräser, bekämpfen Pokémon und fangen die geschwächten Viecher mit ihren Pokébällen.

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Wer bereits einen der Vorgänger gespielt haben sollte, der kennt den Drill: Zu Beginn wählt man zwischen Junge oder Mädchen (inklusive einiger, rudimentärer Anpassungen) und startet daraufhin in nur wenigen Minuten seinen oder ihren Weg zum Pokémon Trainer.

Die nächste Wahl wartet in einem Straßencafé, wo neue Freunde darauf warten, dass sich der Held in Spe für eines von drei Pokémon entscheidet. Zur Wahl stehen die Mischung aus Maulwurf und Erdmännchen Igamaro (Pflanzen Pokémon), der feurige Fuchs Fynx (Feuer Pokémon) und der blaue Knuddelfrosch Froxy (Wasser Pokémon).

Mit einem dieser Pokémon und einem Haufen Pokébällen bereist der junge Trainer die dreidimensionale Welt von Kalos, deren Geographie und Kultur zahlreiche Ähnlichkeiten zu Frankreich aufweist. Kalos ist in drei größere Gebiete unterteilt, darunter die Küste, das Gebirge und die Landesmitte. Seinen Startpunkt findet das Abenteuer in der winzigen und liebevoll gestalteten Kleinstadt Escissia, im weiteren Verlauf besucht der Held weitere Städte, darunter auch die Hauptstadt Illumina City, die sich stilistisch an Paris orientiert.

Beim Kampfsystem bleibt (beinahe) alles beim Alten: Mit maximal vier Attacken greift jedes Pokémon seinen Kontrahenten an, verursacht diverse Statuseffekte wie „Schlaf“ oder „Gift“ und kassiert beim Gewinn Erfahrungspunkte, welche beim „Level up“ für die Verbesserung sämtlicher Attribute sorgen.

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Der Rest basiert auf dem guten, alten „Stein-Schere-Papier“ Prinzip: Feuer Pokémon eignen sich hervorragend im Kampf gegen Pflanzen Pokémon, während die neuen „Feen“ gewaltigen Schaden an Drachen Pokémon verursachen. In dieser Hinsicht ist und bleibt auch dieser Titel ein sehr simpel und einfach gehaltenes Rollenspiel, dessen Motivationsfaktor natürlich vor allem auf der schieren Menge an sammelbaren Pokémon, sowie dem Aufleveln der knuffigen Viecher aufbaut.

Wirklich „neu“ sind Luftkämpfe zwischen fliegenden Pokémon, sowie Massenkämpfe, in denen der Trainer gegen eine Horde von Pokémon antreten muss. Außerdem neu dabei ist die Mega Evolution, welche die Pokémon im Kampf zu noch größeren und stärkeren Variationen ihrer selbst verwandelt. Spielerisch bieten alle drei genannten Neuerungen jedoch keinen Mehrwert. Selbst bei der Mega Evolution sind abseits der visuellen Präsentation der Verwandlung und den anwachsenden Werten keine strategischen Gründe feststellbar, warum man eine mögliche Mega Evolution verneinen sollte.

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Wichtiger sind da schon die neuen Minispiele, welche die gesammelten Pokémon schneller mit dem Trainer vertraut machen und ebenfalls Werte steigern können: So werden die Viecher geknuddelt und liebkost, gefüttert und in speziellen Arenen auf die nächsten Kämpfe stilecht vorbereitet.

Während das Spielsystem also mehr von allem, aber nichts wirklich revolutionäres mit ins Abenteuer bringt, schafft der visuelle Anstrich von Pokémon X & Y durchaus einen, im Gegensatz zu den Vorgängern, besseren und ästhetisch angenehmeren Rahmen. Allen voran die dreidimensionalen Pokémon und die Kamerafahrten in den Kämpfen verleihen dem Spiel eine neue Dynamik.

Noch dynamischer wird es, wenn der Held plötzlich zu Rollerskates greift, um erheblich flotter durch die Städte und Landschaften zu rasen. Eine willkommene Abwechslung, welche die sonst längeren Wege in wenigen Sekunden verstreichen lässt. Zudem reitet der Trainer auf unterschiedlichen Pokémon durch die Landschaft, oder überwindet schwierige Hindernisse wie Flussläufe auf den Rücken der knuffigen Gesellen.

Der 3D-Faktor des Nintendo 3DS wird behutsam eingesetzt, einige Szenen kommen komplett ohne 3D aus. Den größten Effekt zieht die 3D-Darstellung aus den Kämpfen. Immer wieder überraschend ist die Länge des Spiels: Findige Pokémon-Sammler können getrost an der magischen 100 Stunde Marke knabbern, während den „modernen Trainer von heute“ im Schnelldurchlauf weit über 30 Stunden vor den Bildschirm fesseln.

Fazit: Selbst wer noch nie (oder gerade wer noch nie) mit Pokémon in Berührung gekommen ist, der sollte sich Pokémon X & Y definitiv näher anschauen. Abseits von dem noch immer prächtig funktionierenden und an vielen Stellen aufgewerteten Spielsystem, bietet der Titel schlicht und ergreifend genug Inhalt für mehrere Wochen feinster Pokémon-Unterhaltung. Und wer kann bei einem lächelnden Pikachu schon „Nein!“ sagen?

Pokémon X & Y sind für Nintendo 3DS erhältlich und kosten jeweils ca. 45 Euro. Meine persönliche Wertung: Vier von fünf Pikas und ein Chu!

„Ich will der Beste sein, so gut wie keiner war, ich fang sie alle ein, ich kenne die Gefahr! Komm schnapp sie dir, komm und schnapp sie dir!“