Daniel daddelt „The Wolf Among Us“

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The Wolf among us 3

Am Wochenende hatte ich genug Zeit um mir das neue Grafik-Adventure von Telltale Games (The Walking Dead) vorzuknöpfen: The Wolf Among Us versetzt Euch in die Rolle von Sheriff Bigby Wolf, alias „der große böse Wolf“ und lässt Euch durch eine „etwas andere“ Version von New York City streifen.

Die Prämisse der bekannten und viel gelobten Comic-Serie Fables von Bill Willingham, der auch schon für X Men Unlimited und Batman geschrieben hat, geht davon aus, dass sich alle bekannten (und weniger bekannten) Geschöpfe aus dem Reich der Märchen in New York City wiederfinden und dort ein meist erbärmliches Leben zwischen der Gosse und der High Society leben müssen.

Stilistisch mutet das Abenteuer als eine gelungene Mischung zwischen Sin City und der TV-Serie Once upon a time an. Die Detektivgeschichte startet grandios mit einer fiesen Prügelei und webt daraufhin ein dichtes Geflecht aus verschiedenen Charakteren, mehreren Leichen und der schwierigen Suche nach dem Täter.

Um ihre menschliche Gestalt zu wahren, greifen die Märchenfiguren auf den „Glimmer“ zurück, einen Zauberspruch der die menschliche Illusion bewahrt. Leider können sich nicht alle Kreaturen den teuren „Glimmer“ leisten, die fiesesten und größten Viecher müssen auf der „Farm“ außerhalb von New York ein noch schlimmeres Leben führen.

In Sachen Spielmechanik hat Telltale Games die bekannte Grafik-Adventure Formel aus The Walking Dead aufgegriffen und weiter verfeinert: Ich hatte an vielen Stellen das Gefühl tatsächlich schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, die mir daraufhin auch entsprechende Ergebnisse bescherten. So wählt man nicht nur zwischen verschiedenen Dialog-Optionen – von denen das Schweigen übrigens stets die vierte Option ist – sondern müsst in diversen Kampfszenen auch schnell den richtigen Knopf erwischen.

The Wolf among us 5

Während diese Quick Time Events spielerisch meist einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, könnte der Eindruck bei The Wolf Among Us nicht besser sein: Jeder Knopfdruck birgt dank der visuellen Umsetzung eine extreme Stärke in sich, jeder Schlag der daneben geht, lässt Euch dank der brutalen Folgen unbewusst zusammenzucken.

Was mich von der Spielmechanik gleich zur audiovisuellen Präsentation des Spiels führt: Es ist einfach ganz großes Kino, was Telltale Games hier aus dem Hut zaubert.

Es sind keine Kaninchen, sondern düstere Straßenzüge und deprimierend agierende Märchenbewohner, welche dem Wolf unter uns seinen ganz eigenen Stil aufdrücken, der – soweit kann man durchaus gehen – absolut einzigartig in der Welt der Videospiele ist. Zumindest kann ich mich an kein Videospiel mit einem Zigaretten-rauchenden Schwein erinnern, welches mich mit jedem Satz daran erinnert, was für ein Arsch ich doch sein kann.

The Wolf among us 4

Apropos „Arsch“: Für Kinder sind diese Märchen tatsächlich nicht geeignet, es geht vielmehr um menschliche Abgründe, Drogen und Gewalt. Von letzterer bekommt Ihr während der knapp dreistündigen, ersten Episode viel zu sehen: Blut fließt in Strömen, abgetrennte Gliedmaßen und brutale Prügeleien begleiten Bigby in vielen Szenen. Die gezeigte Gewalt wird jedoch nie zum Blender, sondern zu jeder Zeit stilistisch passend eingesetzt, ganz im Sinne von Vorbildern wie Sin City.

Auch die Sprecher der Figuren sind eine Klasse für sich. Allen voran die extrem düstere Stimme von Bigby Wolf, aber auch die Nebendarsteller wie der „Woodsman“ oder „Snow“ lassen Euch schnell vergessen, dass Ihr hier „nur“ Comicfiguren vor Euch habt. Einziger Kritikpunkt: eine deutsche Tonspur fehlt leider.

Alles in allem ist The Wolf Among Us dank seiner extrem spannenden und gut umgesetzten Geschichte ein wirklicher Pflichtkauf für alle Genre-Freunde. Was noch überraschender ist: trotz der mangelnden, großen „The Walking Dead“ Lizenz ist der Titel in vielen Bereichen tatsächlich besser, als der viel gelobte Vorgänger.

Gebt dem Wolf eine Chance! Alle Klauen hoch!

The Wolf Among Us ist als Download erhältlich für PC und Xbox 360, eine Version für PlayStation 3 ist geplant. Der Titel wird in Episoden veröffentlicht, was bei einer Spielzeit von 2 bis 3 Stunden pro Episode in einer Gesamtdauer von knapp 15 bis 16 Stunden münden sollte. Vom Einzelkauf ist abzuraten, besser man „gönnt“ sich gleich das gesamte Abo für den Preis von ca. 23 Euro (Steam).