Das Daddel-Wort (08.10.2013): Generationswechsel

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Mit nun 32 Jahren habe ich in den letzten Jahrzehnten viel im Videospiel-Sektor erleben dürfen. Der ewige Kampf zwischen Nintendo und Sega, der Siegeszug der PlayStation, zahlreiche Totgeburten wie das Panasonic 3DO, oder der Atari Jaguar, der Aufschwung von 3D-Spielen und deren stiller Verfalll, die westliche Adaption von Musikspielen dank Guitar Hero und Rock Band, Generation Ego-Shooter, die Rückkehr von „Retro“, das goldene Zeitalter von „Indie-Spielen“, der moderne Hass auf Publisher und positive Contra-Trends wie Kickstarter

Es ist viel passiert und es passiert noch immer viel. 2013 ist nicht nur das Jahr, in dem mit GTA V ein Spiel in nur drei Tagen eine Milliarde Dollar (!!!) Umsatz generieren konnte, sondern auch das Jahr in dem seit langer, langer Zeit mal wieder ein Generationswechsel ansteht. Inklusive „Sony vs Microsoft“ Fan-Kriegen, wilden Forenschlachten und erwachsenen Männern, die mit Hilfe des inneren Fanboy zurück zum Super Nintendo verfechtenden Kind mutieren. Von Xbox 360 auf Xbox ONE, von PlayStation 3 auf PlayStation 4: die Karten werden neu gemischt.

Wirkliche Sorgen muss man sich als Otto-Normal-Spieler jedoch keine Machen: der Wechsel zur nächsten Generation erfolgt aus Sicht neuer Software-Titel recht sanft, einige Hersteller werben aktuell sogar damit, dass man seine für PlayStation 3 und Xbox 360 gekauften Titel für nur 10 Euro auf die jeweilige Next Gen Version erweitern kann. So zum Beispiel bei Assassin’s Creed IV: Black Flag, Call of Duty: Ghosts oder Battlefield 4.

Die Vorbestellungen für die neuen Konsolen laufen aktuell zur Höchstform auf, dennoch frage ich mich ganz persönlich wofür ich mir wirklich eine Xbox ONE oder PlayStation 4 gleich zur Veröffentlichung Ende November ins Haus holen sollte. Schauen wir mal etwas genauer nach…

Xbox ONE: Das Kinect Problem

Die Geschichte der Xbox ONE ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Während der Auftritt auf der diesjährigen E3 2013 noch für zahlreiche Kritik gesorgt hat, ließ Microsoft viele der geplanten Features ändern, oder gar ganz streichen. Was dennoch bleibt ist Kinect: die Kamera, welche Eure Bewegungen scannt, Euer Gesicht an die NSA weiterleitet und dabei  (im Gegensatz zum Vorgänger) erheblich präziser funktionieren soll, liegt jedem Gerät bei, ob Ihr sie nun haben wollt, oder nicht.

Erst kürzlich erschien über Kotaku eine große Abrechnung mit der aktuellen Test-Version von Kinect, die eben doch nicht so gut funktionieren soll, wie Microsoft es uns gerne glauben macht. Den vollständigen Beitrag könnt Ihr hinter diesem Link nachlesen.

Klar, auch dieser Beitrag von Kotaku-Schreiberling Mark Serrels ist letztendlich nur subjektives Herumgemosere und basiert nicht auf einer finalen Verkaufsversion. Ob, und wie gut sich Titel wie Kinect Sports Rivals (welches übrigens nicht zum Start, sondern erst Anfang 2014 erscheinen soll) spielen lassen, muss die fertige Version zeigen.

Ich persönlich zweifle vielmehr die Grundkomponente hinter Kinect an, den menschlichen Körper als Eingabe-Gerät für Videospiele. Das „Ur“-Kinect erschien Ende 2010 mit einem Hauch von „Wow! Revolution!“ für Xbox 360 und hat seitdem vor allem eines deutlich gemacht: Nicht alle Spielkonzepte funktionieren mit Körperbewegungen. Präziser: nur eine Handvoll Spiele funktionieren überhaupt auf diese Weise!

Ursprünglich wurden Spiele bei ihrer Entwicklung nicht primär auf den Controller fokussiert. Bei Kinect geht man jedoch den anderen Weg und baut das Spiel um den „Controller“ herum, was präzise Eingaben von vornherein unmöglich macht. Selbst eine Handbewegung ist eben nicht so schnell ausgeführt, wie ein Knopfdruck – was die „Bewegung“ im virtuellen Raum zum Problem werden lässt.

Und so sind viele der bislang erhältlichen Spiele nicht mehr als virtuelle Geisterbahnfahrten mit eingestreuten Reaktionstests, zum Beispiel in Fable: The Journey, Child of Eden oder den spielerischen Vollkatastrophen Kinect Star Wars und Steel Battalion: Heavy Armor. Brrr, da gruselt es mich alleine bei der Nennung der Namen.

Nur in den seltensten Fällen habt Ihr wirklich direkte Kontrolle über Eure Spielfigur, vielmehr seid Ihr damit beschäftigt durch Winken und wilde Handverrenkungen diverse Aktionen auf dem Bildschirm auszulösen. Wenn’s mal nicht klappt, wird wieder gewunken. Und wieder. Und wieder.

Es ist tatsächlich ein äußerst bescheidenes Fazit, welches nach drei Jahren Kinect am Markt zu treffen ist: einzig eingeschworene und durch den „Wii-Zappel-Hype“ gestärkte Marken wie Just Dance, die Microsoft eigene Dance Central Franchise, oder ganz allgemein Fitness-Spiele (wie Your Shape, Zumba Fitness) zehren noch vom Verkaufserfolg. Denkt Euch das „noch“ rot unterstrichen, denn die Frage lautet tatsächlich: wie lange werden „Casual“ Zocker für Fitness-Spiele Geld auf den Tresen legen, wenn daheim bereits zig Vertreter im heimischen Regal vergammeln.

Xbox One Kinect

Im Angesicht des Kinect-Zwangs beim Neukauf einer Xbox ONE verwundert schon die Aufzählung der Starttitel: Von den 23 Titeln sind einzig das neue Ubisoft Prügel-Sport-Spiel Fighter Within, das Tanzspiel Just Dance 2014 und Zumba Fitness: World Party auf das teure Accessoire ausgerichtet. Ok, gut, bei Powerstar Golf bin ich mir gerade nicht sicher. Aufgrund akuten Desinteresses bin ich nichtmal bereit über Google danach zu suchen.

Selbst das ursprünglich für Kinect angekündigte Crimson Dragon – für klassische Zocker wie mich einer der wenigen guten Gründe zum Kauf der Xbox ONE – ist mittlerweile „zurück“ auf die klassische Joypad-Steuerung portiert worden. Spätestens bei solchen Fällen sollte man hellhörig werden: Ein Spiel wird so abgeändert, dass es nicht mehr auf dem zuerst geplanten Controller läuft. Oha!

Laut den Entwicklern ist noch immer etwas Kinect-Funktionalität mit drin: Wie diese aussehen soll, wurde aber bis zum heutigen Tag nicht preisgegeben. Vielleicht auch besser so.

Was bleibt sind zahlreiche Features, welche Euch Kinect als Fernsteuerung Eures Fernsehers und des Xbox ONE Interface schmackhaft machen wollen. Selbst von diesen Features sind die interessantesten jedoch nicht Gesten-,sondern Sprach-gesteuert. Ganz ehrlich: den heimischen Skype-Video-Call mit Freunden, die eigentlich nur Call of Duty zocken wollen, sehe ich einfach noch nicht vor mir.

Kurz: Es ist nicht nur eine persönliche Antipathie, welche ich noch immer gegenüber Kinect – und jeder anderen Form von „Fuchtel“-Steuerung – hege. Der Mangel an funktionierenden Spielkonzepten und – noch wichtiger – der Mangel an Kinect Software zum Start der Xbox ONE machen die Kamera tatsächlich für viele Spieler zum No Go, wenn der Preis der Konsole somit um stolze 100 Euro höher ausfällt als bei der Sony Konkurrenz.

Richtig gelesen: die Xbox ONE kostet Euch zum Start am 22. November 499 Euro. Wer 29 Euro obendrauf legt bekommt die wenig schlanke Konsole zusammen mit Call of Duty: Ghosts. Der Titel ist irreführend: anstelle Geistern begleiten Euch im neuesten Frag-Fest Hunde. Die gab’s zwar schon damals, aber das interessant heute ja keine Sau mehr.

Exklusiv-Titel: PlayStation 4 versus Xbox ONE

Womit wir zum eigentlichen Entscheidungsfaktor kommen sollten, den Spielen. Eine neue Generation von Konsolen sollte immer mit starken Spielen glänzen, die alles bisher gesehene wegblasen und den heimischen Daddler mit einem verliebten Grinsen im Gesicht vor dem Fernseher abtauchen lassen. Call of Duty: Ghosts fällt in dieser Hinsicht schonmal aus meinem persönlichen Raster heraus.

Hier der fixe Vergleich zwischen den Starttiteln der Xbox ONE und PlayStation 4:

Xbox ONE:

  • Assassin’s Creed IV: Black Flag
  • Battlefield 4
  • Call of Duty: Ghosts
  • Crimson Dragon
  • Dead Rising 3
  • FIFA 14
  • Fighter Within
  • Forza Motorsport 5
  • Just Dance 2014
  • Killer Instinct
  • Lego Marvel Super Heroes
  • Lococycle
  • Madden NFL 25
  • NBA 2K14
  • NBA Live 14
  • Need for Speed: Rivals
  • Peggle 2
  • Powerstar Golf
  • Ryse: Son of Rome
  • Skylanders: SWAP Force
  • Watch_Dogs
  • Zoo Tycoon
  • Zumba Fitness: World Party

PlayStation 4:

  • Assassin’s Creed IV: Black Flag
  • Battlefield 4
  • Blacklight: Retribution (Free2Play)
  • Call of Duty: Ghosts
  • DC Universe Online (Free2Play)
  • DriveClub
  • FIFA 14
  • Just Dance 2014
  • Killzone: Shadow Fall
  • Knack
  • Lego Marvel Super Heroes
  • Madden NFL 25
  • Minecraft
  • NBA 2K14
  • NBA Live 14
  • Need for Speed: Rivals
  • Resogun
  • Skylanders: SWAP Force
  • Warframe (Free2Play)
  • War Thunder (Free2Play)
  • Watch_Dogs

Was sofort auffällt: die größten Dritthersteller-Titel erscheinen auf beiden Konsolen, diesbezüglich müsst Ihr also keine Angst haben. Einzig Exklusiv-Deals bezüglich etwaiger DLCs (Call of Duty DLCs auf Xbox ONE zum Beispiel) solltet Ihr als Die Hard Serien-Fan eventuell noch auf dem Schirm haben.

In Sachen „richtiger“ Exklusiv-Titel für Zocker kommen folgende Titel auf den Zettel: Dead Rising 3, Crimson Dragon, Peggle 2, Killer Instinct, Forza Motorsport 5 und Ryse: Son of Rome für Xbox ONE, sowie Drive Club, Killzone: Shadow Fall, Knack und das grell bunte Arcade-Geballer Resogun für PlayStation 4. In Sachen Quantität also ein Punkt für die Xbox ONE.

Kleine, persönliche Beurteilung der Exklusiv-Titel: Während ich genug von Zombie-Spielen habe und Dead Rising 3 deswegen links liegen lassen würde, punktet das – auch preislich sehr fair gestaltete – Dreiergespann aus Peggle 2, Killer Instinct und Crimson Dragon sehr positiv bei mir. Zumindest Peggle 2 wird nur zeitlich exklusiv für die Xbox ONE erscheinen, zumindest würde es mich stark wundern wenn PopCap den Titel später nicht auch für PC und PlayStation 4 bringen würde.

Von Ryse: Son of Rome halte ich (noch!) gar nichts, zu öde und langweilig erscheinen mit Charakter- und Spieldesign. Nach meiner Liebe zu Forza Horizon und dem Auslassen von Forza 4, wäre Forza 5 ein weiterer Pflichtkandidat. Ob ich dafür, zusammen mit den drei genannten „Arcade“ Titeln jedoch 500 Euro locker machen muss, steht auf einem anderen Blatt.

Die PlayStation 4 schneidet da schon besser ab, obwohl auch hier die Kreativität fehlt: mit Drive Club und Killzone: Shadow Fall gibt’s Autorennen und Sci-Fi-Geballer im zigsten Aufguss, immerhin tatsächlich so gut präsentiert, dass ich durchaus interessiert bin. Knack gewinnt meinen persönlichen Gurken-Award für die Next-Gen: nicht weil es spielerisch uninteressant wäre, sondern weil das Art- und Charakterdesign so absolut gar nicht meins sind. Knackenhäßlich halt.

Bleibt nur noch Resogun, über das ich noch nicht mehr weiß, außer dass es in buten Farben leuchtet.

Ebenfalls sehr interessant ist das große Line-up an Free2Play- und Indie-Titeln auf der PlayStation 4. Spiele wie Blacklight: Retribution, Warframe oder War Thunder feiern hier ihre Konsolen-Premiere, können aber ebenso gut bereits jetzt auf PC gezockt werden. Ja, genau: Jetzt! In diesem Augenblick. Schaut mal rein!

Das Hinzufügen von Minecraft zu den Starttiteln ist mehr ein Statement von Sony, als die Sorge um weiteren Content: Ja, Sony steht auf Indie und bringt Euch Indie! Aus einem aktuellen Interview der M!Games (Ausgabe 241 / Oktober 2013) mit Sony Worldwide Studios Präsident Shuhei Yoshida:

„Wir glauben an die Indie-Bewegung, sie ist sehr wichtig für die gesamte Industrie. Diese Entwickler haben tolle Ideen und der Trend wird sich verstärken. Fast jede Woche wird ein neues Projekt angekündigt und gezeigt. Wir sind große Fans der Indie-Szene und wir werden sie weiterhin unterstützen.“

Ausgerechnet der ehemalige Xbox Live Arcade Meister Microsoft schwächelt in dieser Hinsicht zum Start der Xbox ONE erheblich, füllt mit Titeln wie Crimson Dragon und Peggle 2 die Liste aber immerhin ein wenig auf.

Für die Indie-Zukunft setzt Microsoft auf das ID@Xbox-Programm, über welches sich interessierte Entwickler an Microsoft wenden können. Die Spiele müssen zwar noch immer von Microsoft freigegeben werden, dafür fallen immerhin keine Kosten mehr für Updates an. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung!

Des Kaisers neue Controller

Der Farbvorteil geht an zünftige Playstation 4 Zocker, hier dürft Ihr Euch gleich zu Beginn zwischen blauen, roten und schwarzen Dual Shock 4 Pads entscheiden.

Der Dual Shock 4 ist mit 10 Gramm nur unwesentlich schwerer als der Vorgänger – den ich ohnehin als zu „leicht“ empfand – und kommt mit einem klickbaren Touchpad über den Analogsticks daher. Letztere sind übrigens (endlich!) etwas strammer und sorgen dank Daumenmulde für präzisere Kontrolle. Der eingebaute Mono-Lautsprecher und die abgerundeten L2/R2-Tasten runden die wesentlichen Neuerungen ab.

Mit 59 Euro kommt der Controller mittlerweile an die Kosten eines AAA-Titels heran, was vor allem Mehrspieler-Freunde tieftraurig in die Geldbörse blicken lässt.

PlayStation 4 Controller

Der Xbox ONE Controller kommt erstmal nur im schlichten Schwarz daher und wirkt auf den ersten Blick wie eine 1-zu-1 Kopie des Vorgängers. Wirklich neu sind tatsächlich nur die sogenannten „Impuls-Trigger„, welche neben dem integrierten Rumble-Motor für weitere Abstufungen in der Weitergabe von „Empfindungen“ ermöglichen.

Am besten könnt Ihr Euch die Impuls-Trigger wohl in Verbindung mit Rennspielen oder Ego-Shootern vorstellen, in denen Ihr das Feedback auch über den linken und rechten Trigger fühlen könnt.

Xbox ONE Controller

PlayStation 4 und Xbox ONE: Ein Blick in die Zukunft

Wer bei den Starttiteln der Next Gen Konsolen kein Spiel für sich ausmachen kann, der sollte einen Blick in die Zukunft wagen. Spätestens Anfang bis Mitte 2014 kommen dann nämlich die ersten, „richtigen“ Next Gen Titel, welche sich bereits jetzt um einiges interessanter präsentieren, als das recht einfallslose Spiele-Menü zum Beginn der neuen Generation.

So dürfen sich vor allem Freunde von Call of Duty und Mechs auf Respawns Titanfall freuen, welches bereits auf der Gamescom 2013 für viele offene Münder gesorgt hat. Streng genommen findet Ihr auch hier nur einen „weiteren“ Ego-Shooter mit Mech-Bonus, aber die Präsentation der Action ist tatsächlich absolute Referenz und versprüht eine Menge Next-Gen Charme.

Noch weiter in der Zukunft liegt Fable Legends, welches Euch in die Haut des „Bösen“ steckt, oder mit vier Helden gegen die Armeen des „Bösen“ kämpfen lässt. Fable Legends ist somit keine klassische Fortsetzung, sondern ein Online-Ableger der Elemente aus Dungeon Defenders und den PC Indies The Mighty Quest for Epic Loot und Dungeonland aufgreift.

Für die PlayStation 3 steht in Zukunft vor allem der zweite Teil der Infamous-Reihe in den Startlöchern: In inFamous: Second Son schlüpft Ihr in die Rolle von Delsin Rowe (ein Name, den man sich wohl kaum merken wird) und bedient Euch diverser Superkräfte, die Ihr diesmal auch von anderen Charakteren „abzapfen“ könnt. Neu im Spielsystem verankert ist der Touchscreens des neuen Dual Shock Controllers: So werden unter anderem Fingerabdruck-Scanner oder andere Spielelemente mit einem Fingerwisch aktiviert. Brave New World!

Die Veröffentlichung von inFamous: Second Son ist für Februar 2014 geplant.

Die Indie-Versprechungen von Sony fallen bei zahlreichen Titeln auf fruchtbaren Boden: Die Entwickler The Chinese Room (Dear Esther) werkeln zur Zeit am Weltuntergangs-Szenario Everybodys’s gone to Rapture. Das stilistisch an Wind Waker, Journey und Ico erinnernde Rime wurde bereits mit zahlreichen Vorschusslorbeeren versehen, die Wiedergeburt von Shadow of the Beast orientiert sich hoffentlich nicht am uralten Vorgänger, und mit Hotline Miami 2: Wrong Number steht ein Indie-Titel für Gewalt-Fetischisten kurz vor seinem PS4-Auftritt.

Abgesehen von den Indie-Spielen, die von sich aus immer ein Garant für Kreativität und mutiges Design sind, riecht die Zukunft der neuen Konsolen nach Fortsetzungs-Massenware. Neue Konzepte sind noch immer in der Minderheit, gewöhnen müssen wir uns an Titel wie Final Fantasy 15, Gran Turisomo 7, FIFA 15 und Need for Speed: Not so Wanted 4.2.

Ich bin gespannt was uns die neue Generation abseits dieser Nachfolger bescheren wird.

Wii U: Mister Chilly-Willy, alias „der sanfte Riese“

„Hoecker, Sie sind raus!“ So, oder so ähnlich, dürfte sich aktuell Nintendo im Reigen zwischen Microsoft und Sony fühlen. Die Verkaufszahlen der Wii U sind eine mittelschwere Katastrophe, der Software-Nachschub noch immer ein Trauerspiel, der Support der Dritthersteller praktisch nicht mehr vorhanden.

Yoshi StandingImmerhin geht es Nintendo finanziell noch immer prima, der Konzern schafft es mit dem über die letzten Jahren erwirtschafteten Geld und dem bis heute andauernden Erfolg seiner Handheld-Sparte über Wasser zu bleiben. Dennoch ist es kein Geheimnis mehr, dass Nintendo seine Fehler mit der Wii U selbst einsieht. Fehlende oder falsche Konzepte, ein bis heute unverstandener Controller-Hybride aus Bewegungsfuchtelei, Tablet-Fuchtelei, Multimedia-Wundertüte und Partyspiel, sowie eine mangelhaft umgesetzte Vision von „Online“ sind nur einige von vielen Sargnägeln der Konsole.

Letztendlich ist die Situation aber kein Unbekannter im Nintendo-Land: Bereits der Nintendo 64 und der Game Cube hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und sind dennoch vielen Spielern positiv in Erinnerung geblieben.

Immerhin stärkt Nintendo das Vertrauen der Spieler mit regelmäßigen Web-Auftritten im Nintendo Direct. Und die Anzahl an Spielen wächst tatsächlich, wenn auch sehr, sehr langsam. Neben den älteren Start-Titeln New Super Mario Bros. U, ZombiU, Monster Hunter 3 Ultimate und Lego City Undercover, kamen in den letzten Monaten mit Pikmin 3, The Wonderful 101, The Legend  of Zelda: Wind Waker HD und Rayman Legends gleich vier weitere Pflichtkäufe für Wii U Zocker hinzu.

Wobei man Wind Waker HD ob seines fiesen Preismodells durchaus kritisieren darf – immerhin bezahlt Ihr für ein HD-Update den Vollpreis von 59 Euro. Dass der Titel tatsächlich noch immer jeden Cent wert ist, brauche ich dagegen wohl keinem hier zu erzählen.

Rayman Legends ist der einzige genannte Titel, den es auch für den Rest der Spiele-Welt zu kaufen gibt – dennoch rate ich zur Wii U Version, nicht zuletzt dank der fantastischen Umsetzung für das GamePad.

The Wonderful 101 habe ich die letzten Tage ausgiebig angezockt und möchte an dieser Stelle wirklich JEDEM Wii U Zocker dazu raten, zumindest die Demo auszuprobieren. Der Titel ist ein wahres Feuerwerk an kreativen Einfällen, birgt ein durchdachtes Spielsystem und ist extrem knackig. Letzteres ist kein Witz: Ihr benötigt einiges an Sitzfleisch um Euch ins Spielsystem einzufinden, werdet dafür aber mit einer epischen Super Helden Geschichte und einem extravaganten Boss-Fight nach dem nächsten verwöhnt.

In dieser Hinsicht erinnert The Wonderful 101 trotz des krassen Art-Design-Bruchs durchaus an Bayonetta, welches aus dem selben Entwicklerhaus stammt: Platinum Games! Alle Daumen hoch!

Für die kommenden Monate stehen Super Mario 3D World, Wii Party U und Sonic Lost World an, 2014 runden Super Smash Bros., Bayonetta 2, Donkey Kong Country: Tropical Freeze und Mario Kart 8 den dann durchaus sehenswerten Reigen an Exklusiv-Titeln ab.

Hier könnt Ihr Euch die letzte Folge Nintendo Direct anschauen:

Hartes Fazit für Nintendo-Fans: Zu mehr als einer Zweitkonsole reicht es bei der Wii U nicht mehr. Allen voran die vielen, gestrichenen Spiele der Dritthersteller treffen „Nintendo only“ Zocker hart und machen ein Ausweichen auf PC, oder die Konkurrenzkonsolen unumgänglich.

Auf der anderen Seite steht eigentlich auch nichts GEGEN die Anschaffung der Konsole, solange man die Wii U zu einem Schnäppchenpreis oder im Bundle mit einem der vielen Exklusivtiteln erwerben kann. Meiner einer bereut den Kauf der schnuckeligen Konsole trotz ihrer aberwitzig vielen Fehler bis heute nicht. Wer kann schon bös‘ auf Mario sein?

Die Steam Box: Es dampft bei Valve!

Der große Unbekannte im Konsolensektor hat erst kürzlich seine Pläne für 2014 konkretisiert: die Steam Box soll zum fehlenden Bindeglied zwischen Schreibtisch-PC-Zock und gemütlichem Sofa-Zock werden. Mit dem bereits veröffentlichten Steam Big Picture Service können PC-Spieler schon heute über eine „konsolige“ Oberfläche und per Joypad nicht nur auf ihre gesamte Steam Bibliothek zurückgreifen, sondern auch bequem vom Sofa aus surfen.

Nächstes Jahr soll dann die noch immer recht ominöse Steam Box folgen, erste Prototypen werden bereits an Beta-Tester verschickt. In Sachen verbauter Hardware lassen diese Prototypen die Muskeln spielen: ausgerüstet mit Nvidia Titan Grafikkarten (die aktuell beste Grafikkarte von Nvidia), alternativ versehen mit einer GTX 780, GTX 760 oder GTX 660 und einem Intel i3, i5-4770 oder i7-4770 Prozessor unter der Haube bieten die Steam-Maschinen alles für den versierten Grafik-Fetischisten von morgen.

Steam Box

Hinzu kommen 3GB DDR5 RAM und eine 1TB / 8 GB SSHD Hybrid Festplatte, angetrieben wird der dampfende Hokus Pokus von einem 450W 80 Plus Gold Netzteil.

Obwohl es noch keine Bilder zur Steam Box selbst gibt, sollen die Abmessungen laut ersten Angaben rund 12 mal 12,4 mal 2,9 Zoll sein.

Da muss man als Hardware-Kenner erstmal schlucken. Die Frage drängt sich auf: „Was soll der Spaß kosten?“ Valve gibt sich in dieser Hinsicht noch sehr optimistisch und verweist gerne auf die Modifizierungsmöglichkeiten, welche den Nutzer selbst über das Innenleben „ihrer“ Steambox entscheiden lassen. Zum Start soll es also nicht nur preislich verschiedene Modelle geben, Ihr dürft auch jederzeit selbst ins Innenleben der „Konsole“ eingreifen. Abgesehen von der Indie-Konsole Ouya ein absolutes Novum für Couch Daddler.

„Touchy Touchy“ Touchpads: der Steam Controller

Den wirklichen Zauber bringt Euch aber nicht die Steam Box, sondern das dafür angekündigte Joypad, der Steam Controller. Dieser sieht auf den ersten Blick erstmal gewöhnungsbedürftig aus und ähnelt mit etwas Vorstellungskraft Darth Vader. Dafür punktet er mit zahlreichen, äußerst durchdacht wirkenden Komponenten: Anstelle von Analagsticks sind zwei runde Touchpads verbaut, welche sich beide beliebig belegen lassen, und darüberhinaus klickbar sind.

Somit könnt Ihr die zur Norm gewordene Belegung mit vier Knöpfen auf der rechten Seite des Pads (Viereck, Dreieck, Kreis und X, bzw. A, B, X und Y) auch hier simulieren. Natürlich geht in dieser Hinsicht noch viel mehr: Linkshänder wechseln einfach die Belegung von Seite zu Seite, Strategie-Spieler wandeln die Touchpads zum Maus-Ersatz um.

SteamController

Richtig interessant wird es bei der Haptik der Touchpads: Laut Valve „fühlt“ Ihr jederzeit ein Feedback über die Touchpads, so dass Ihr Euch tatsächlich wähnt etwas in den Händen zu halten, was nicht nur „flach“ ist. Eine der größten Kritiken an Touchpads im Vergleich zu Analogsticks ist genau dies: das mangelnde, körperlich wahrnehmbare Feedback. Ersten Tests zufolge soll diese Wiedergabe von Oberflächen, Kräften und Vibrationen bereits im frühen Stadium hervorragend funktionieren.

Valve hat sich zum Ziel gesetzt einen Controller für alle Formen des Spiels zu schaffen, ob Ego-Shooter, Strategiespiel, ob Beat’em up oder ein präzises Jump’n’run wie etwa Super Meat Boy, der Steam Controller soll für jeden Zweck geeignet sein. Noch traue ich dem Braten nicht wirklich, aber das ehrbare Ziel wirklich JEDES Spiel mit nur einem Controller zocken zu dürfen… sowas benötigt dicke Eier. Und die hat Valve.

Steam Controller Portal 2

Hinzu kommt ein – ähnlich dem Dual Shock 4 – berührungssensitiver und hochauflösender Bildschirm in der oberen Mitte des Controllers. Auch hier lassen sich zahlreiche weitere Aktionen einfügen, um einen reibungslosen Spielfluss in Knopf-intensiven PC-Spielen zu garantieren. Nebenbei könnte hier auch ein Inventar für Eure Spielfigur, eine Karte oder andere Formen eines visuellen Interface integriert werden.

Genau wie die Steam Box soll auch der Controller von der Community erweitert und modifiziert werden. Mehr Infos zum Steam Controller findet Ihr auf der offiziellen Steam Seite.

Ob sich Valve in Zukunft mit PlayStation 4 und Xbox ONE wird messen können? Zumindest kann Valve das interessanteste Steuerungskonzept der letzten Jahre vorweisen. Doch es gibt noch einen weiteren, großen Unbekannten:

Oculus Rift: Revolution der visuellen Wiedergabe?

Während Kontroll-Konzepte für Videospiele vom Pad über den Fuchtelcontroller, Kinect, bis hin zu Maus und Keyboard einen Versuch nach dem nächsten unternommen haben, um dem Spieler neue Möglichkeiten zur Interaktion zu bieten, tritt die optische Wiedergabe des Mediums seit langer, langer Zeit auf der Stelle. Selbst der einstige Boom von 3D-Fernsehern und 3D-Spielen hat erheblich abgenommen.

Die Virtual Reality Brille Oculus Rift bringt in dieser Hinsicht wieder Leben in die Bude: mit 2,4 Millionen US-Dollar wurde das ehrgeizige Projekt dank der Kickstarter-Plattform ins Leben gerufen und ist seitdem ein großes Thema auf diversen Seiten und Blogs. Das Entwickler-Kit ist bereits veröffentlicht und kann über die offizielle Seite bestellt werden. Neue Bestellungen sollen im Laufe vom November verschickt werden.

Wer das Glück hatte bereits selbst einmal in die Welt von Oculus Rift abzutauchen, der ist meist hemmungslos begeistert von der neuen Sichtweise. Das Bild wird über zwei Monitore auf Eure Augen transportiert, einzig die Auflösung ist in der Entwicklerversion noch auf 1280×800 Pixel begrenzt. In den meisten gezeigten Demos zeigt sich die niedrige Auflösung durch deutlich sichtbare Pixel, außerdem kommt es zu einem Gitter-Effekt.

Für die Verkaufsversion 2014 ist eine Full HD Auflösung von 1920×1080 geplant. Doch egal wie hoch aufgelöst die Inhalte daherkommen, mit einem Sichtfeld von 110 Grad seid Ihr tatsächlich mitten drin im Geschehen, klassische Bildschirmränder gibt es keine.

Das 3-Achsen-Gyrometer und Beschleunigungssensoren verfolgen dabei jede Kopfbewegung, so dass Ihr Euch in den dreidimensionalen Welten umschauen könnt. Doch nicht nur 3D-Spiele profitieren von dem großen Sichtfeld: Auch Filme und Retro-Spiele haben per Oculus Rift Wiedergabe ihren ganz eigenen Charme.

Einen offiziellen Erscheinungstermin für die Virtual Reality Brille gibt es noch nicht, dennoch ist das Oculus Rift sicher eine der interessantesten Erweiterungen für unsere geliebten Spiele-Welten im kommenden Jahr.

Was bleibt: zu viele Geräte, zu wenig Zeit

PlayStation 4, Xbox ONE, Steam Box, Oculus Rift: der Generationswechsel steht nicht nur in Sachen Hardware bevor, sondern erfordert auch ein Umdenken, wie und womit wir in Zukunft Videospiele erleben wollen. Nebenbei muss niemand befürchten, dass das „klassische Joypad Gaming“ so schnell aussterben wird, immerhin finden selbst die „Oldies“ Xbox 360 und PlayStation 3 zum Ende diesen Jahres, bis weit hinein ins nächste Jahr noch genügend Unterstützung seitens der Hersteller.

Wenn man dann noch den Handy- und Tablet-Markt, den immer weiter expandierenden Markt für Free2Play- und Browser-Spiele, sowie die gigantische Indie-Community auf PC hinzunimmt, stellt sich eigentlich nicht die Frage, was und wo wir in Zukunft zocken werden, sondern wie viel Zeit wir überhaupt noch für Spiele bereitstellen können.

Für mich persönlich steht erstmal die aktuell extrem günstige PS Vita auf dem Wunschzettel: Dank PS Plus mit kostenlosen Spielen versehen und auch zukünftig für die Anschaffung einer PlayStation 4 gerüstet, freue ich mich mal wieder etwas bei Sony unterwegs sein zu dürfen.

Die Xbox ONE kommt mir dank Kinect-Zwang erstmal nicht ins Haus, die Steam Box werde ich gespannt weiterverfolgen und Oculus Rift mag zwar tatsächlich „revolutionär“ sein, mutiert praktisch angewandt auf Spiele dann aber doch wieder „nur“ zu einer weiteren High-Tech-Spielerei. Hier müssen vor allem die unterstützten Spiele zeigen, welche spielerischen (!) Mehrwert Oculus Rift wirklich bietet… und welche Spiele eventuell exklusiv für die Brille entwickelt werden.