Hearthstone Beta – Erste Eindrücke

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hearthstone

Blizzard kann’s nicht sein lassen: Die Videospielprominenz aus Irvine (Kalifornien) scheint sich als großes Lebensmotto „Wir machen Spieler süchtig nach Videospielen“ ausgesucht zu haben. Und sie befolgen das Motto mit exaltierter Sturheit, präzise umgesetzt, massenhaft verkauft: Diablo 3 als süchtigmachende Item-Hatz, World of Warcraft als epische Lebensaufgabe für Hobby-Orks und passionierte Paladine, Starcraft 2 als endloser Eifer der Korrektur und Verbesserung der eigenen Fertigkeiten.

Und jetzt hätten wir da noch Hearthstone: Heroes of Warcraft, ein Online-Sammelkartenspiel. Der nächste Weg in die Spielesucht, audiovisuell extrem detailliert, mit viel Liebe zum Detail präsentiert und mit einer „Magic’schen“ Spielmechanik versehen. Meine erste Begegnung mit dem Sammelkarten-Kosmos des immens erfolgreichen Magic: The Gathering fand übrigens erst dieses Jahr statt, in dieser Hinsicht bin ich also tatsächlich ein blutiger Anfänger. Was den Einstieg in Hearthstone gleich noch viel interessanter gestaltete.

Also, in die Hände gespuckt und auf geht’s! Zum Glück hat Blizzard an Grünlinge wie mich gedacht. Das Spiel wird mit einem längeren Tutorial gestartet, in dem ich gegen bekannte Gestalten aus dem Warcraft-Universum antreten muss. Vom Großwildjäger Hemet Nesingwary bis hin zum Oberbösewicht Illidan Sturmgrimm motivieren mich meine Computer-gesteuerten Kontrahenten schon aufgrund meiner inneren Verbundenheit mit der Geschichte.

Das Spielfeld ist statisch geteilt in eine obere und untere Hälfte: im oberen Abschnitt teilt mein Gegner seine Karten aus, während ich die untere Spalte für mich beanspruchen darf. Zu Beginn wird festgelegt, welcher Held per Münzwurf startet, während der Kontrahent eine zusätzliche Karte aus seinem Deck zieht.

Für das Tutorial ist das Kartendeck vorgegeben, später kann der Spieler zwischen diversen Kartendecks in Form diverser Charakterklassen wählen. So schlüpft Ihr zum Beispiel in die Rolle des Hexenmeisters, Kriegers, Jägers, Druiden oder Schamanen, alle besetzt durch bekannte World of Warcraft Vorbilder wie Ork-Häuptling Thrall, dem Nachtelfen Malfurion oder Zauberkünstlerin Jaina Prachtmeer.

Hearthstone Game

Jeder Held kommt mit einer Spezialfertigkeit und einer gewissen Anzahl von Lebenspunkten ins Spiel – wer alle seine Lebenspunkte verloren hat, der zieht geschlagen vom Feld. Damit es nicht so weit kommt, beschwört Ihr per Karte diverse Diener auf das Spielfeld, oder nutzt verschiedene Zaubersprüche und Fertigkeiten.

Um eine Karte (oder Fertigkeit) überhaupt ausspielen zu können, bedarf es an Mana. Diese Ressource steht im Mittelpunkt der Spielmechanik und wächst mit jeder abgeschlossenen Runde an. Kurz: Nur wer seinen Mana-Haushalt in den Griff bekommt, hat eine Chance auf den Sieg.

So unterteilt sich die Spielphase in drei Einheiten:

  • 1.) Eine (oder mehrere) neue Karten ziehen,…
  • 2.) diese per Mana „beschwören“ (also nutzen)… und schließlich
  • 3.) Angriffe durchführen.

Jeder beschworene Diener (von blutrünstigen Raptoren, über Oger bis hin zu Sumpfkolossen) kommt mit seinen eigenen Werten für Lebenspunkte und Angriffspunkte ins Spiel.

Wenn Ihr zum Beispiel mit einer 1-3 Karte (1 Angriff / 3 Lebenspunkte) eine 1-1 Karte Eures Gegners attackiert, wird diese vom Spielfeld entfernt: Mit nur einem Angriffspunkt nehmt Ihr der Karte ihren einen Lebenspunkt, kassiert dafür aber selbst einen Treffer. Zum Abschluss des Kampfes liegt also eine 1-2 Karte (vorher 1-3) auf dem Spielfeld.

Emperor_Cobra Northshire_Cleric

Komplizierter wird es, wenn die beschworenen Diener selbst mit Fertigkeiten ausgestattet sind: So erhaltet Ihr bei der Beschwörung einiger Diener eine zusätzliche Karte auf die Hand, oder dürft eine beliebige Karte „heilen“. Die wichtigste Fertigkeit ist der „Spott“ – hiermit kann der Gegner den eigenen Helden erst dann angreifen, wenn die „Spott“-Karte vorher aus dem Spiel ausgeschieden ist.

Genial: jede noch so kleine Aktion wird audiovisuell fantastisch in Szene gesetzt. Da prallen Karten aufeinander und zerbröseln aufwändig animiert, da zucken Lichtblitze über das Spielfeld und Feuerbälle explodieren mit tösender Geräuschkulisse. Es sind genau diese Kleinigkeiten, welche Hearthstone zu mehr machen, als „nur“ einem weiteren Kartenspiel.

Von den Artworks der Karten brauche ich gar nicht erst anzufangen: Wer die talentierten Künstler hinter Blizzard in den letzten Jahren kennengelernt hat, der weiß, was ihn erwartet. Tatsächlich gibt es im gesamten Fantasy-Genre kaum Künstler, die sich – nach meiner bescheidenen, und zutiefst subjektiven Meinung – mit den selbst als Sons of Storm titulierten Genies messen können.

Hearthstone 2

Nach Abschluss des Tutorials öffnet sich das Spiel weiter: Entweder Ihr tretet gleich gegen ähnlich veranlagte Online-Gegner an, oder Ihr versucht Euch im Übungsmodus weiter gegen Computer-gesteuerte Kontrahenten. Der Übungsmodus bietet sich deswegen an, weil Ihr nur hier weitere Charakterklassen freischalten könnt: Besiegt Ihr zum Beispiel den Ork-Häuptling Thrall im Gefecht, dürft Ihr ab sofort selbst in der Rolle des Schamanen spielen.

Jede Charakterklasse kann übrigens wie bei World of Warcraft bis zum Maximal-Level 60 „aufgelevelt“ werden. Jedes Gefecht treibt Euer Erfahrungspunkte-Konto voran, außerdem erhaltet Ihr bei verschiedenen Levelgrenzen neue Karten für Euer Deck.

Hearthstone wurde von vornherein als Free2Play-Titel konzipiert, die Monetarisierung erfolgt durch den Verkauf von Booster-Packs in verschiedenen Größen:

Die Preise der Packs in der aktuellen Beta:

  • 2 Packs – 2.69 Euro
  • 7 Packs – 8.99 Euro
  • 15 Packs – 17.99 Euro
  • 40 Packs – 44.99 Euro

Jedes Booster-Pack beinhaltet fünf Karten, von denen zumindest eine Karte besonders rar sein soll. Mit etwas Glück findet Ihr eine goldene, epische oder legendäre Karte im Paket.

hearthstone 3

Bislang plant Blizzard Hearthstone: Heroes of Warcraft noch 2013 zu veröffentlichen, zuerst für Microsoft Windows und Mac OS X, kurz darauf für das Apple iPad. Eine Android-Version ist übrigens noch immer nicht offiziell ausgeschlossen worden. In Sachen sprachlicher Vielfalt geht Blizzard in die Vollen: sowohl Deutsch, als auch Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Brasilianisch-Portugiesisch sollen mit an Bord kommen.

In der von mir gespielten, deutsch-sprachigen Beta fehlten nur noch wenige Übersetzungen. In Sachen Synchronisation (die Menge an gesprochenem Text ist erstaunlich!) machen die Jungs und Mädels einen hervorragenden Job. Viele der Sprecher dürften World of Warcraft Spielern ohnehin sofort bekannt vorkommen.

Mein Eindruck bis jetzt ist sehr gut, mit extrem viel Luft nach oben: durch zusätzliche Charakterklassen und Karten kann Blizzard das Spiel über die nächsten Monate und Jahre praktisch beliebig erweitern und den Rubel rollen lassen. Die Spielmechanik selbst brilliert durch das klassische Motto „einfach zu erlernen, schwierig zu meistern“. Ich kann die nächste Runde jedenfalls kaum erwarten!

Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein finales Erscheinungsdatum, welches mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen der Blizzcon  (8. und 9. November) bekanntgegeben wird. Um in die Beta zu kommen könnt Ihr Euch noch immer über die offizielle Seite anmelden – sehr groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Teilnahme bei den Unmengen an Anfragen aber leider nicht. Ich drücke die Daumen!