Blizzcon 2013: Heroes of the Storm, Warlords of Draenor und mehr

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Heroes of the Storm

Alle Jahre wieder finden sich im lauschigen Anaheim Convention Center in Kalifornien als Orks und Untote verkleidete Fans ein, um einem der wohl größten und beliebtesten Spieleherstellern der letzten Jahre ihre Aufwartung zu machen. Trotz stetig sinkender Zahlen von World of Warcraft, braucht Blizzard noch lange nicht verzweifeln, denn mit Diablo 3 und Starcraft 2 sind sie noch immer gut ausgelastet. Brandneu vorgestellt wurde zudem mit Heroes of the Storm eine direkte Antwort auf den aktuellen Boom von Moba-Spielen wie League of Legends und Dota 2.

Dass sich Blizzard nur schwer in die Karten schauen lässt, konnten die tüchtigen Entwickler aus Irvine auch dieses Jahr wieder auf ihrer hauseigenen Messe, der Blizzcon 2013, beweisen. Am Freitag und am Samstag stellten sie gleich mehrere neue Inhalte vor, die man in dieser Form sicher nicht erwartet hätte. Ein Novum: über die letzten Jahre sickerten erste Infos stets vor der Blizzcon ins Internet, doch diesmal hielten die Schotten dicht.

Umso überraschender waren erste Einblicke in das nächste Add-on zu World of Warcraft, Heroes of the Storm, dem Diablo 3 Add-on Reaper of Souls, sowie neuen Infos zur anstehenden World of Warcraft Verfilmung. Doch fangen wir vorne an:

Orks unter sich

Warlords of Draenor lautet der Titel des nächsten Add-ons zu World of Warcraft, der Nachfolger zum aktuellen Mists of Pandaria. Zusammen mit The Burning Crusade, Wrath of the Lich King und Cataclysm also die fünfte Fortsetzung des noch immer immens populären MMORPGs.

Erst kürzlich ließ Blizzard neue Spielerzahlen bekanntgeben, die von einem neuen Minus in der Anzahl aktiver User ausgehen. So pendeln die Zahlen bei 7.6 Millionen aktiven Abonnenten, zu seinen Bestzeiten (Oktober 2010) erreichte World of Warcraft über 12 Millionen Spieler. Dennoch reichen selbst die aktuellen Abonnenten für die Krone des aktuell meist gespielten MMORPGs.

Ob Blizzard die verlorenen Spieler mit Warlords of Draenor wieder für das Spiel begeistern können wird, muss sich noch zeigen. Die Geschichte schließt jedenfalls nahtlos an den Vorgänger an, überrascht aber mit einer unerwarteten Reise durch die Zeit: Oberfiesling Garrosh flüchtet durch ein Zeitportal zurück zu einem Moment, in dem die Orks noch auf dem Planeten Draenor hausten. Dort will er verhindern, dass die Orks das Dämonenblut trinken und somit zu der Horde werden, welche später in Azeroth für Krieg und Verwüstung sorgen würde.

Draenor ist natürlich kein Unbekannter für Spieler: Die Scherbenwelt aus dem ersten Add-on The Burning Crusade zeigte das zerstörte Draenor, viele Jahre später. Doch keine Angst, Blizzard wird die alten Gebiete nicht einfach recyclen, anstelle dessen wird Draenor von Grund auf neu entwickelt. Dennoch finden sich auch in den neuen Gebieten viele alte Bekannte wie Nagrand, das Schattenmondtal und Shattrath wieder.

Insgesamt warten sieben große Landschaften auf die Spieler, welche Garrosh durch das Portal folgen wollen: Frostfire Ridge (von Schnee bedeckte Ebenen und hohe Vulkane), Shadowmoon Valley (inklusive dem heiligen Tempel von Karabor, der später zum Schwarzen Tempel wird), Gorgrond (staubige Canyons), Talador (mit der zukünftigen Hauptstadt Shattrath), Spires of Arak (hier leben die Vogel-artigen Arrakoa), Nagrand (saftig grüne Wiesen und Hügel) und Tanaan Jungle (die spätere Höllenfeuerhalbinseln als üppiger Dschungel und kaum wiederzuerkennen).

Neben Draenor als neuem Spielplatz sind sieben neue Dungeons, zwei neue Raids und eine große, freie PVP-Zone angekündigt. Lange überfällig und endlich auf der Liste stehen zudem die grafischen Überarbeitungen älterer Rassen: Sowohl Orks, als auch Gnome und Zwerge bekommen endlich neue Grafikmodelle verpasst, um mit dem visuellen Wandel der Zeit gehen zu können.

Blizzard Allstars mit neuem Namen

Inwieweit sich Blizzard mit Heroes of the Storm noch ein Stück vom großen Moba-Kuchen abschneiden könnte, war die wohl spannendste Frage der letzten Wochen. Jetzt wurde der Titel mit einem aufwändigen Render-Trailer erstmals vorgestellt, und mit Hilfe erster anspielbarer Charaktere und Karten dem gespannten Publikum gezeigt. Was zuerst auffällt: Visuell ist Heroes of the Storm unglaublich detailliert und setzt sich grafisch – selbst in dieser frühen Version – gleich an die Spitze des Genres.

In Sachen Spielmechanik setzt Blizzard auf schnelle, gut zwanzig Minuten dauernde Kämpfe, die von einer Allstar-Auswahl aller bekannter Blizzard Helden bestritten werden. So schlüpft der Spieler in die Rollen von Diablo, Kerrigan, Arthas, Nova, Uther, Malfurion, Illidan, Tyrael und vielen weiteren, bekannten Gesichtern. Die beste Nachricht: auch ältere Blizzard-Titel wie Rock’n’Roll Racing und The Lost Vikings (Super Nintendo) sollen in Zukunft für die Charakterauswahl herhalten.

Die aus League of Legends und Dota 2 bekannte Veränderung der Helden durch käufliche Skins ist ebenfalls enthalten, in einem Beispiel wird aus Diablo ein diabolischer Murloc, oder Paladin Uther tauscht seine Rüstung gegen die schweren Geschütze eines Space Marines aus Starcraft.

Im Gegensatz zur klassischen „Türme vernichten“ Mechanik der Konkurrenz, setzt Heroes of the Storm auf stark fokussierte Aufgaben, Ziele und Quests. Die gezeigten Karten – im World of Warcraft Stil „Battlegrounds“ genannt – warten mit einer Fülle verschiedenster Mechaniken und Ziele auf, welche das recht statische Dota-Prinzip aufbrechen sollen. So betreten die Helden in den „Haunting Mines“ einen seperaten Mini-Dungeon unterhalb der Oberfläche, bekämpfen Skelette und versuchen einen fiesen Golem für’s eigene Team zu gewinnen. Auf einer anderen Karte hingegen versucht man Goldschätze in seinen Besitz zu bekommen.

Der erste Eindruck von Heroes of the Storm ist – natürlich auch aufgrund der zahlreichen, enthaltenen Blizzard Helden – fantastisch. Das Spielsystem ist sehr schnell und eine ganze Spur „verrückter“ als bei der direkten Konkurrenz. Ob der Titel mit dem Verlassen des bekannten Kartenlayouts auch noch eSport-tauglich bleibt, steht hingegen auf einem anderen Blatt. Immerhin basiert das Spiel im wesentlichen auf der Starcraft 2 Engine, welche einen Beobachter-Modus und die wesentlichen Tools für die Community gleich mitbringt.

Ass im Ärmel

Hearthstone entwickelt sich immer weiter zum neuen Gelddruck-Esel für Blizzard: das free2play Online-Sammelkartenspiel trumpft ebenfalls mit einer gehörigen Portion Blizzard-Charme auf und lässt den Spieler in den aus World of Warcraft bekannten Klassenrollen (Krieger, Hexenmeister, Priester, Magier und Co.) im „einer gegen einen“ Modus wunderbar inszenierte und gestaltete Karten gegeneinander spielen.

Erstmals auf der Blizzcon angekündigt wurde auch eine Umsetzung von Hearthstone für iOS und Android, welche im Laufe des nächsten Jahres aufschlagen soll. Monetarisiert wird das Spiel mit der steten Möglichkeit neue Karten hinzuzukaufen. Wer abwarten kann, der erspielt sich die Kartendecks einfach mit der Spiel-internen Gold-Währung, welche durch zahlreiche Quests freigeschaltet wird.

Die Open Beta zu Hearthstone soll noch Ende diesen Jahres für alle PC-Spieler zur Verfügung stehen.

Fahr doch mal zur Hölle!

Die letzte Neuigkeit im Spielelager von Blizzard ist diabolischer Natur: Das Diablo 3 Add-on Reaper of Souls erscheint für PC und inklusive der Vollversion von Diablo 3 für PlayStation 4 Anfang nächsten Jahres. In der Erweiterung enthalten ist der Kreuzritter als neuer Charakter, der fünfte Story-Akt, die Level-Erweiterung von 60 auf 70, ein neuer Artisane (Mystic), unzählig viele neue Waffen, Rüstungen, Skills und Runen (auch für alte Klassen), neue Monster und ein neuer Edelstein-Typus.

Mit dem Start von Reaper of Souls soll übrigens auch endlich das leidige Auktionshaus eingestampft werden. Was auf Konsole schon für viel Wohlwollen sorgte, soll dann auch in der PC-Welt für viel positive Resonanz sorgen.

eSport-Meisterschaften und World of Warcraft Kinofilm

Neben dem großen Spiele-Portfolio gab es auf der Blizzcon 2013 natürlich noch andere Highlights zu bestaunen: das große eSport-Finale zu Starcraft 2 zum Beispiel, welches der Süd-Koreaner Kim „sOs“ Yoo Jin mit einem 4:1 gegen den Publikumsliebling Lee „Jaedong“ Jae Dong für sich behaupten konnte.

Nicht minder interessant: das erste, große Finale von Hearthstone zwischen Kripparrian und Artosis, welches vom YouTube-Kommentator John Bain (alias Cynical Brit) perfekt vertont wurde. Es ist kaum zu glauben, aber Hearthstone entfacht tatsächlich extrem spannende Kartenspiele, welche sich auch live sehr angenehm betrachten lassen. Als Hearthstone-Sieger ging schließlich Artosis nach einem 3:2 von der Bühne.

Cineasten dagegen dürfen sich auf die nächste Blizzcon freuen, dann soll es den ersten Trailer zum World of Warcraft Film geben, der zur Zeit unter der Leitung von Regisseur Duncan Jones entsteht. Als Hauptprotagonisten stehen bereits Anduin Lothar und Durotan (Ork-Papa von Thrall) fest – die Geschichte wird also weit vor den Ereignissen von World of Warcraft spielen. In einem Interview gab Jones bekannt, dass die Herr der Ringe Filme seiner Meinung nach einen Standard für Fantasy-Filme gesetzt haben, und dass er sich an eben diesem Maßstab orientieren will. Die Dreharbeiten zum Film beginnen 2014, ein Kino-Start Ende 2015 wird aktuell angepeilt.

Ein großer Cosplay-Wettbewerb mit bunten (und schrägen!) Kostümen in Hülle und Fülle brachte die Blizzcon am Samstag Abend zum krönenden Abschluss. Die 1000 Dollar für den ersten Preis sicherte sich ein ganz besonderes Barbaren-Kostüm (Diablo 3), dicht gefolgt vom Tuskar-Ganzkörperkostüm (World of Warcaft) und Caldeum Noble Yzan aus Diablo 3.