Daniel daddelt NARUTO SHIPPUDEN: Ultimate Ninja STORM 3 Full Burst

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Es gibt so Titel, die man sich kaum merken kann, ohne bei Google vorbeizusurfen. NARUTO SHIPPUDEN: Ultimate Ninja STORM 3 Full Burst ist so ein Fall, bei dem mir als Germanisten graue Haare wachsen. Der Kosmos rund um den kleinen Ninja aus dem Dorf Konoha-Gakure ist schon komplex genug, um mich die nächsten Monate in Vollzeit zu beschäftigen, als dass es solcher Titel bedarf, um mich weiter zu verwirren.

Fangen wir langsam an, bei Naruto selbst. Wer die Reihe (so wie ich) noch NIE gelesen hat, dem steht einiges bevor. 1999 erschien der Manga von Masashi Kishimoto erstmals, seitdem spannt sich das Franchise über Anime-Serien, Plüschfiguren bis hin zu Videospielen. Im Kern geht es um den jungen Ninja Naruto Uzumaki (das „u“ von „Naruto“ wird übrigens still gesprochen, also nicht „Naruuuto“, sondern mehr „Nar-tuo“) und seinen Weg zum obersten Ninja (Hokage) seines Dorfes.

Der wesentliche Clou der Serie: In Naruto weilt versiegelt Kyūbi, der neunschwänzige Fuchs-Dämon. Naruto’s Vater versiegelte das gewaltige Vieh nach einem epischen Kampf im Körper seines Sohns, und verlor dabei sein Leben. Vielleicht auch ein Grund, warum die Bevölkerung des Dorfes den blonden Ninja im orangen Strampelanzug mit gebührendem Respekt behandelt.

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Der Manga umfasst mittlerweile über 66 Bände (deutsche Ausgabe), die TV-Serie kommt auf über 557 Episoden. Um den Durchblick durch diesen gigantischen Fundus an Hintergrundgeschichte, Charakteren und Kampftechniken zu wahren, muss man zwar kein Hokage sein, aber etwas Ausdauer mitbringen.

Kommen wir zum Spiel: NARUTO SHIPPUDEN: Ultimate Ninja STORM 3 Full Burst basiert auf der bereits erschienenen Konsolen-Version von Naruto Ultimate Ninja Storm 3, packt jedoch sämtliche DLCs und Extras (meist in Form von zusätzlichen Charakteren und Kostümen) oben drauf. Außerdem darf man in der Story-Erweiterung in die Haut von Sasuke Uchiha und Itachi Uchiha springen, um gegen Kabuto Yakushi anzutreten.

Hinter dem Titel steht mit CyberConnect2 übrigens das Studio, welches uns bereits das absolut ausgeflippte Klopp-Vergnügen Asura’s Wrath geliefert haben. Erhältlich ist der Titel für Xbox 360, PlayStation 3 und PC. Für diesen Test diente die PC-Version (Steam) als Muster.

Bereits zu Beginn begrüßt einen das Spiel mit dem aus der Anime-Serie bekannten Stil im Cel-Shading Format. Tatsächlich wirkt das Spiel beinahe zu jeder Zeit wie ein Anime zum selber zocken – viel mehr ist aus diesem Grafik-Modell kaum herauszubekommen. Erster Eindruck: Fantastisch!

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Um in das Spiel hineinzufinden, lag meine Priorität zuerst im Story-Modus, der mich gleich mit der epischen Welt von Naruto vertraut machen sollte: Als Vater von Naruto versuche ich das Dorf Konoha-Gakure vor dem gigantischen, neunschwänzigen Fuchsdämon Kyūbi zu beschützen. Der Auftakt ist dementsprechend episch präsentiert und wirft mich selbst als Neuling sofort in die spannende Geschichte hinein.

Nach dem Kampf führt mich ein Zeitsprung jedoch mehrere Jahre in die Zukunft in die Haut von Naruto. Plötzlich erscheinen ein Haufen neuer Charaktere auf der Bildfläche, finstere Verschwörungen laufen im Hintergrund. Bösewichte werden so präsentiert, als müsste ich sie bereits seit Jahren kennen. Kurz: Fragezeichen rotieren durch meinen Kopf, der tolle Anfang wird schnell zunichte gemacht. Da muss ich wohl doch die Mangas lesen, um der Geschichte folgen zu können. Naruto-Fans haben solche Probleme natürlich nicht.

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In Sachen Spielmechanik stellt sich schnell heraus: Die Kämpfe in abgesteckten, dreidimensionalen Arenen sind gewöhnungsbedürftig, klassisches Button-Mashing im Beat’em up Format führt zu wenig befriedigenden Ergebnissen. Noch schlimmer: das Spiel stellt Euch kaum Hilfen für das Kampfsystem zur Verfügung und scheint davon auszugehen, dass man bereits einen der Vorgänger gespielt hat. Das macht die Umgewöhnung nicht leichter und einen Besuch im unter „Free Play“ versteckten Trainingsmodus unumgänglich.

Tatsächlich folgt NARUTO SHIPPUDEN einem gänzlich anderen, im Vergleich zu „normalen“ Prüglern frischeren Ansatz: Die Kamera präsentiert das Geschehen von einer Sicht über der Schulter Eures Charakters, schwenkt aber auch gerne mal weit hinaus, oder vollführt verrückte Schwenks in Mitten der Action. Spielerisch erinnern die Kämpfe mehr an ein Super Smash Bros., als ein Tekken oder Street Fighter: So muss mehr auf Energiereserven und Energiehaushalt geachtet werden, als auf komplizierte Special Move Kombinationen.

Jeder der freispielbaren 80 Kämpfer kommt mit den gleichen, grundlegenden Fertigkeiten daher: Sprung, Projektivwurf, Nahkampf, Chakren, der Möglichkeit per Knopfdruck hinter, oder vor dem Gegner zu erscheinen, sowie der Möglichkeit gegnerische Attacken zu blocken. Der Unterschied liegt nur in dem Timing dieser Fertigkeiten.

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Die einfachste Komboform für jeden Charakter basiert auf einer simplen Dreifach-Kombo, Special Moves werden zusammen mit einer beliebigen Stickrichtung in Kombination mit einem Druck auf den Angriffs-Button ausgelöst. Wer den Gegner in seinen Kombos stören will, der greift zu Wurfsternen und Co., per Chakra lädt man Energie auf, um mächtige Ninja Attacken (Jutsu) über den Bildschirm zu schicken. Gewöhnungsbedürftig: Wunden aus dem Kampf können mit diversen Leckereien versorgt werden, zusätzlich spendieren Nudelsuppen und japanische Leckereien wertvolle Buffs.

Da das Kampfsystem so verschieden von anderen ist, sollte man gleich zu Beginn einige Runden im Übungsmodus (Hauptmenü!) einplanen. Innerhalb der Story gibt es leider keinerlei Tutorial.

Noch eine Besonderheit: zu Beginn vieler Kämpfe darf ein Pfad gewählt werden. Diese sogenannten „ultimativen Entscheidungen“ regeln nicht nur den Schwierigkeitsgrad der anstehenden Begegnung (Held oder Legende), sondern verändern auch die Handlung, das Kampfgeschehen selbst und das Inventar des Spielers. In letzterem bunkert die bunte Riege an Charakteren diverse Hilfsmittel wie Regenerationstränke, Wurfmesser und Spezialwaffen, welche sich auch käuflich im Dorf erwerben lassen.

Visuell läuft der Titel – wie bereits erwähnt – zur Höchstform auf und bietet fantastische Anime-Optik, tolle Animationen und ein Effektgewitter innerhalb der Kämpfe. Luxus gibt’s auch in Sachen Sounduntermalung: Die Wahl zwischen japanischer und englischer Sprachausgabe ist ein dickes Plus. Nur deutsche Fans schauen in die Röhre, denn übersetzt wurde der Titel leider nicht. Immerhin sind Untertitel auf Englisch mit an Bord.

Weniger gut: Die englische Sprachfassung ist teils absolut asynchron zu den gezeigten Videos, einige Charaktere bewegen ihre Lippen noch für Sekunden, nachdem der Ton unterbrochen wurde. Die japanische Sprachfassung (mit englischen Untertiteln) ist also in jedem Fall vorzuziehen.

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Mit einer Spielzeit von rund 14 Stunden (erheblich mehr, wenn man sich um alle Nebenaufgaben kümmern will) liefert die Einzelspieler-Kampagne definitiv schon genug Inhalt, um den Vollpreis des Titels (aktuell knapp 40 Euro) zu rechtfertigen. Aber es gibt ja noch den Mehrspielermodus, der mir dank meiner eher bescheidenen Fertigkeiten noch ein großes Rätsel ist. Praktisch im Sekundentakt werde ich von meinen Gegnern auf die Bretter geschickt und sehe kein Land. Wenn ich überhaupt mal auf einen Gegner treffe, denn viele Spieler lassen sich online aktuell leider nicht finden – hier fehlen noch Tests über längere Zeit.

Fazit

NARUTO SHIPPUDEN: Ultimate Ninja STORM 3 Full Burst ist Fanservice pur. Von der unglaublich großen Charakterriege, über die spannend inszenierte Geschichte, bis hin zu den erfrischend neuen Kampfmechaniken, hier passt einfach fast alles. Alle Daumen hoch, 8 von 10 Wurfsternen und eine leer geschlürfte Nudelsuppe obendrauf!