Daniel daddelt Need for Speed: Rivals

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Need for Speed Rivals 8

Die Need for Speed Serie von EA kämpft um ihre Identität. Viele Köche verderben den Brei, und bei Need for Speed standen schon viele Vollgas’tronomen vor dem virtuellen Hochgeschwindigkeits-Kochtopf. Wie schlägt sich das neue Entwicklerstudio Ghost Games mit Need for Speed: Rivals, der ersten Inkarnation für die neue Konsolengeneration?

Für lange Zeit versuchte sich Need for Speed an der möglichst realistischen Darstellung von pompösen Automobilen, später ging es sehr erfolgreich in den Underground. Auch die Verbindung von „Gangster vs Polizei“ war bereits öfters Thema in der langen Seriengeschichte. Doch die ursprüngliche DNA von Need for Speed ging über die letzten Jahre immer weiter verloren, Need for Speed: Shift führte zurück auf realistischere Pfade, Need for Speed: World streute MMO-Aspekte mit in die Mixtur, Need for Speed: The Run versuchte sich am Erzählen einer Geschichte… und krachte mit Vollgas in die Seitenbande.

So kommt es nicht von ungefähr, dass man die Serie heutzutage eher skeptisch betrachtet, zumal der schwedische Entwickler Ghost Games mit seiner Gründung im Jahre 2011 noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Tatsächlich stehen hinter Ghost Games aber stolze 80 Prozent der ehemaligen Belegschaft von Criterion Games (Burnout), unter der Leitung des ehemaligen, führenden DICE Produzenten Marcus Nilsson (Battlefield 2: Modern Combat, Shift 2: Unleashed). Burnout-Papa Alex Ward ist ebenfalls mit an Bord von Ghost Games.

Need for Speed Rivals 5

Mit der Veröffentlichung von Need for Speed: Rivals für Xbox One, PlayStation 4, Xbox 360, PlayStation 3 und PC hatten die tüchtigen Programmier-Köche aus Schweden nicht nur ein ausladendes Menü vor sich, sie mussten auch dafür sorgen, dass es auf alle Teller passt.

Im Test der unterschiedlichen Versionen wird schnell klar, dass Need for Speed: Rivals für PC (über EA’s Origin Client) nicht nur kalt ist, sondern auch ungewürzt daherkommt: Unverständlicherweise ist die PC-Version tatsächlich auf 30 Frames festgelegt, das Grafik-Menü führt nur marginale Optionen auf und die Lenkung abseits eines Gamepads sollte man als alter PC-Zocker besser gleich vergessen. Zumindest für die 30 Frames Problematik gibt es erste Abhilfe: Wer bei Origin -GameTime.MaxSimFps 60 -GameTime.ForceSimRate 60 in die Befehlszeile eingibt, darf den Titel fortan – entsprechende Hardware vorausgesetzt – mit 60 Frames pro Sekunde genießen.

Von solchen Hindernissen braucht man sich auf Konsole nicht zu fürchten: Besonders auf Xbox One und PlayStation 4 entpuppt sich Need for Speed: Rivals als durchaus hübsch anzuschauendes Rennspiel mit großer und frei befahrbarer Oberwelt. Doch fangen wir vorne an!

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Zu Beginn des Spiels entscheidet man sich zwischen (illegalem) Rennfahrer und Cop, danach folgt die lästige Tutorial-Kür. Natürlich lässt sich das Tutorial nicht überspringen, immerhin werden mir in einer guten halben Stunde die wichtigsten Infos zum Spiel näher gebracht. Eine wirkliche „Geschichte“ gibt es diesmal nicht, dennoch lassen es sich Ghost Games nicht nehmen hin und wieder semi-coole Einspieler mit sinnlosen Sprüchen und zweifelhafter Philosophie abzuspulen. Diese lassen sich ebenfalls nicht abbrechen. Ich habe es versucht. Verzweifelt versucht.

Willkommen in Redview County!

Danach geht es endlich los ins virtuelle Redview County, inklusive 160 Kilometer ausladenden Streckennetzes. Von Schotterpisten über breite Autobahnen, von dichten 180 Grad Kurven die Küste hinab, bis hinauf in die verschneiten Berglandschaften bietet Euch das Spiel nicht nur eine Menge Pisten, sondern auch überraschend viele Abkürzungen durch große Garagen, quer durch das Wohnzimmer einer Villa bis hin zu gewagten Sprüngen von Brücken hinab. Da vollführt das Raserherz einen Luftsprung nach dem nächsten.

Nicht minder beeindruckend ist die Ausleuchtung der Szenerie und die verschiedenen Wetterverhältnisse, welche selbst bereits befahrene Streckenabschnitte visuell so stark verändern, dass man sie kaum wiedererkennt. Peitschender Regen, Schneegestöber, Stürme und Donner verändern das Spiel dabei nicht nur optisch, sondern krachen mir auch durch die Kopfhörer durch die Ohrgänge. Das alles sorgt für eine ungemein dichte Atmosphäre.

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In Sachen Spielmechanik ist die Kampagne zweigeteilt in Aufgaben für Cops und Rennfahrer. Auf beiden Seiten kann man schon früh auf diverse Goodies zurückgreifen, die eine Prise James Bond aufkommen lassen: Per EMP, Schockwelle oder Nagel-Barriere werden die Rivalen zielsicher ausgeschaltet. Freigeschaltet werden sowohl Waffen, als auch neue Fahrzeuge durch das Erledigen von in drei Kategorien aufgeteilter Aufgaben. Meist gilt es mehrere Raser zu schnappen, das EMP viermal einzusetzen, diverse Bestzeiten zu fahren, Rennen zu gewinnen oder vor der Polizei zu fliehen.

Während der Fahrten immer mit dabei sind übrigens auch durchaus „reale“ Online-Gegner. „Offline“ lässt sich Need for Speed: Rivals nicht spielen. So lassen sich die Kontrahenten auf offener Straße zu einem Rennen herausfordern, oder man schlüpft in die Rolle der Polizei und macht offen Jagd auf die Raser. Leider verteilen sich die Spieler auf der großflächigen Karte meist so, dass es schon mal längern dauern kann, bis man tatsächlich auf einen „richtigen“ Gegner trifft. Dann macht die wilde Hatz jedoch umso mehr Spaß. Dickes Minus: Insgesamt können nur 6 Spieler gleichzeitig in der Welt unterwegs sein – deutlich zu wenig!

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Wieder mit dabei ist Autolog, Criterion’s ursprünglich für Need for Speed: Hot Pursuit entworfenes Online System zum schnellen Vergleich, wer die besten Zeiten gefahren hat. Die „Speed Wall“ gibt schnelle Auskunft über Bestzeiten, sowohl in lokalen, als auch globalen Leaderboards. Ebenfalls eine Rückkehr feiert Ferrari, die seit 2002 keinen Auftritt mehr in einem Need for Speed gehabt haben. Rennsport-Fans freuen sich umso mehr über den F12berlinetta, den 458 Spider, den 458 Italia, den FF, Enzo und den 599 GTO.

Fazit

Zum Beginn des Tests und des extrem nervigen Tutorials (die Hersteller scheinen mittlerweile davon auszugehen, dass alle Spieler extrem dumm sein müssen), hätte ich mir mein Fazit ehrlich gesagt noch anders ausgemalt. Nach zahlreichen Stunden auf der Straße, muss ich meine negative Meinung aber deutlich revidieren: Need for Speed: Rivals ist tatsächlich ein richtig gutes Rennspiel geworden, welches aufgrund der abwechslungsreichen und ausladenden Kulissen in Redview County ein Lächeln und ein Staunen nach dem nächsten in mein Gesicht zaubert.

Grafisch müssen durchaus auch Abstriche gemacht werden: Die PC-Version ist aktuell (dank 30 Frames und mangelnden Optionen) noch immer eine Katastrophe, die Versionen für Xbox One und PlayStation 4 präsentieren sich deutlich besser. Der Online-Part ist nett, dank der Limitierung auf 6 Spieler aber irgendwie weder Fisch noch Fleisch.

Die Grundkomponenten stimmen und lassen den Spieler für lange Zeit in der Welt versinken. Need for Speed: Rivals ist trotz seiner Mäkel ein durchaus empfehlenswertes Rennspiel und gerade zur Veröffentlichung der neuen Konsolengeneration streng genommen auch die einzige Alternative, um mal so richtig schön das Nitro aus dem Auspuff zu jagen. Der Xbox One Konkurrent Forza 5 kommt in dieser Hinsicht wesentlich gediegener und zahmer daher, bietet auf der anderen Seite aber auch ein vollkommen anderes Spiel-Erlebnis.

Meine Wertung: 8 von 10 Auspüffen, 4 von 5 schlechten Gangster-Sprüchen und 85 Prozent Super Benzin. Daumen hoch!