
Nachdem ich mich in meinem letzten Blog-Beitrag über zu hohe Spielepreise ausgelassen habe, wird es diesmal Zeit einem nicht minder schmerzhaften Kollegen auf den Zahn zu fühlen: dem Spiele-Fachverkäufer!
Sie treten heutzutage in diversen Formen und Monturen auf: Rotes Hemd, schwarze Hose. Blaues Hemd, schwarze Hose. Alternative Frisur, Dreitagebart und Stonewashed Jeans. Beinahe allen gemein ist der mittlerweile kaum mehr vorhandene Spaß am Job: Egal ob miese Bezahlung, jahrelanger Stresstest durch dämliche Kunden (“Kann ich dieses DS-Spiel auch auf meiner Playstation 3 spielen?”) oder persönliche Gründe – der gewöhnliche Spiele-Verkäufer von heute hat für den unbedarften Kunden einen ähnlichen Mehrwert, wie eine auf hylianisch verfasste Bedienungsanleitung.
Erst vor kurzem wieder ein nettes, persönliches Beispiel aus meinem Alltag: Madame Hecht kauft sich einen Nintendo DSi XL … und wie Frauen nunmal so sind, braucht das gute Stück natürlich eine entsprechende Trage-Vorrichtung, oder in nerdiger Frauensprache gesprochen: “Eine Schicki-Micki-Tasche zum Transportieren eines kaum mehr transportablen Gerätes”.
Gesagt, versucht und aufgegeben: Der abendliche Ausflug in eine der modernen “Mäccas für Videospieler”-Filialen (alias Gamestop) verkommt zum deprimierenden Treffen zwischen Verkäufer und Kunde.
Zwei Taschen sind vorrätig, aber keine Verpackung verrät nähere Details zum Inhalt. Also kurz nachgehakt: “Passt da außer dem DSi XL noch mehr rein? Kann ich mir die mal unverpackt anschauen? Habt Ihr eventuell noch eine auf Lager?” Aus Käufersicht also übersetzt: “Ich interessiere mich tierische für diese Tasche. Ich will Geld ausgeben. Ich würde sogar zwei kaufen.” Die Antwort in der harten Realität: “Nein.”
Da ist man erstmal baff. Keine Erläuterungen. Wirklich keine Infos. Außer einem knappen “Nein.”. So verkauft man heutzutage Waren.
Ich versuche mir das Ganze dann immer virtuell vorzuspielen. Stellt Euch Link vor, der auf der Suche nach einer dringend benötigten Kerze den Shop seines Vertrauens aufsucht, um dann von einem alten Mann mit Bart gesagt zu bekommen:
“Nee, sorry Link, Kerzen haben wir gerade nicht vorrätig. Ich könnte aber welche vorbestellen.”
Oder: “Sorry Link, ich bin zu alt für diesen Scheiß und zu faul ins Lager zu gehen um dir deine verdammte Kerze zu besorgen.”
Stellt Euch Mario im Pilzshop vor!
“He du kleiner, freundlich grinsender Pilzkopf, ich bräuchte dringend ein neues Pinguinkostüm! Beim letzten Dress ist die Naht an meinem dicken Po geplatzt! Hast du was passendes auf Lager?”
“Sorry Mario, Pinguinkostüme sind bereits alle an meine gelben und blauen Brüder gegangen, die feiern damit heute abend ‘ne fette Party!”
Ich bin mir sicher, selbst die Nintendo Heroen würden auf Dauer im Internet bestellen – hier bekommt man was man will, wann man es will.
Ebenfalls ein aktueller Liebling von mir (woran nicht zuletzt auch die Publisher Schuld sind):
“Ich hätte gerne Blood Thirst.”
“Sind Sie schon 18?” (erste Bevormundung – verdammt, ich bin 28!)
“Ja, bin ich. Hier mein Perso, mein Führerschein, mein StudiVZ-Ticket und meine verdammte Geburtsurkunde!”
“Das Spiel dürfen wir noch nicht verkaufen. Erst ab übermorgen!”
“Aber es liegt doch hinter Ihnen aus?”
Den Rest des Dialoges werden viele Spieler schon hinter sich gebracht haben. Kontakte sind hier das A und O – wer den Verkäufer kennt, erhält das Spiel, alle anderen könnten theoretisch böse Testkäufer sein und den Laden danach vor Gericht zerren. Nochmal kurz gefasst: Ich gehe vielleicht ein bis zweimal im Monat (!!!) in einen Videospielladen, bin tierisch heiß auf ein Spiel welches dort ausliegt… und DARF es dann nicht kaufen?
Natürlich soll das jetzt nicht heißen, dass es keine vernünftigen Leute da draußen geben würde, die wirklich Ahnung von Ihrem Job haben! Das Paradoxon dabei: Die Leute, DIE Ahnung haben verkleiden sich meist als nerdige Freaks mit Dreitagebart, haben finstere Ringe um die Augen (vom letzten 24-Stunden Zock-Marathon) und hausen in kleinen, düsteren Kaschemmen jenseits jeglicher Zivilisation in düsteren Gassen, oder weit abseits von zentralen Einkaufsstraßen. Als Vollblut-Gamer kennt man diese Läden natürlich – und liebt sie für ihre Nerdigkeit!
Aber was ist mit Mutti Ottona-Normala, welche ihren Kindern Jeremy-Pascal, Loredana und Sarah-Jane ein wirklich cooles Spiel für die Wii kaufen will? Was ist mit Mister “Dragonkiller68″, der gerade seine erste Konsole in den Händen hält und für ein gutes Rollenspiel sein letztes Plastik-Schwert geben würde? Wenn der simple Kauf einer DSi-Tasche für einen Verkäufer (wie oben genannten) schon zuviel ist – wie offenbart sich dann die Beratung zu solchen Schwergewichten wie Dragon Age: Origins oder Final Fantasy 13?
Das größte Problem meiner Meinung nach: Wenn ich durch Saturn, MediaMarkt, ProMarkt (und wie sie nicht alle heißen) streife, dabei einem Verkaufsgespräch lausche und mir denke “Falsch! Falsch! Falsch! Eventuell richtig – besser mal googeln!” – läuft dann nicht derbe was verkehrt? Oder ist man als “Nerd” einfach nur arrogant und hängt sich aufgrund seines hart erworbenen Wissens gerne mal aus dem Fenster?
Trauriges, persönliches Fazit: Wenn man diesen Beitrag mit meinem letzten Blog über zu hohe Spielepreise koppelt, erhält man ein Einkaufs-Korsett des Grauens. Bevormundung von Kunden, Unwissen von “Fach”personal, sowie durch fiese Arbeitsfristen, dämliche Kunden und laue Löhne malträtierte Verkaufs-Motivation geben ein aktuelles Einkaufsbild ab, welches nicht gerade einladend ist.
Im Internet sind es meistens nur wenige Klicks zum gewünschten Produkt, sowie (meist!) nur ein bis zwei Tage Lieferzeit. Eine klare Entscheidung? Wie seht Ihr das? Was waren Eure schlimmsten, lustigsten und beschämendsten Gespräche mit Videospiel-Personal?