Ja, ich gebe es zu: Ich spiele Farmville! Facebook-User wissen sofort, was ich meine: Es handelt sich um das Spiel, welches die komplette Seite mit Meldungen wie “Karl hat eine einsame Kuh gefunden! Hilf Ihr!” oder “Laura hat ein rotes Bändchen für Baumkuscheln bekommen” zuspamt. Meine Meinung: Farmville rockt und bietet kreativen Sims-Fans eine großartige Spielwiese für langwierige Bürostunden.
Worum geht’s? Als Bauer kümmert man sich um seine Kühe, Schafe und Hühner, während Felder mit Korn, Tomaten und Rüben bestellt werden wollen. Was sich ziemlich spießig anhört, erweist sich schnell als Suchtspiel: Mittlerweile ist die Farmville-Community auf beinahe 65 Millionen aktive Mitglieder weltweit gewachsen und macht mit dieser Zahl sogar bekannte Netzwerke wie Twitter neidisch.
Farmville ist eine sogenannte Facebook-Application: Wer sich bei Facebook kostenlos anmeldet, erhält Zugriff auf jede Menge Spiele, Quizze und weitere, meist vollkommen sinnlose Community-Gadgets. Mit der gigantischen Anzahl aktiver Nutzer gehört Farmville zu den meistgespielten Online-Games bei Facebook – mittlerweile ist die Marke so erfolgreich, dass Hersteller Zynga das Spiel auch eigenständig im Internet zur Verfügung stellt. Zum Vergleich: Das erfolgreichste Online-Rollenspiel der Welt – World of Warcraft – umfasst “nur” 11 Millionen Nutzer.
Anfang Juni 2009 wurde Farmville veröffentlicht und war schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine Kopie. Thematisch ähnliche Spiele gab es schon vorher zuhauf: Farm Town von Slashkey zum Beispiel, oder die Harvest Moon Serie, deren erster Teil 1995 in Japan für das Super Nintendo erschien und deren zahlreiche Nachfolger heute auf Wii und Nintendo DS für fürsorgliche Bauernliebe sorgen. Selbst die Macher von Sim City (oder heutzutage: Die Sims) ließen sich 1993 zu einem Farmbesuch auf MS-Dos und Windows hinreißen: Sim Farm hieß der Titel, welcher jedoch in der Öffentlichkeit nur wenig Aufmerksamkeit erregen konnte.
Der Schlüssel zum überschwenglichen Erfolg von Farmville liegt vor allem in der Vernetzung mit Facebook: Egal ob auf der Arbeit, im Urlaub, oder im heimischen Wohnzimmer: Die persönliche Farm ist überall erreichbar. Dazu kommt der Community-Gedanke: Auch Freunde sind mit ihrer eigenen Farm vertreten, welche besucht und ebenfalls gepflegt werden kann.
Dabei fängt alles ganz klein an: Nachdem man sich seinen eigenen Farmer aus einer recht beschränkten Anzahl von Frisuren, Augen und Nasen zusammengebastelt hat, wird man auf ein kleines, rechteckiges Stück Land losgelassen: Zuerst ist die Auswahl an pflanzbaren Samen stark begrenzt, doch mit der Zeit schaltet man neben Erdbeeren, Auberginen und Weizen noch viele weitere frei.
Mit jedem bestellten Feld verdient der strebsame Bauer Erfahrungspunkte; nach einer bestimmten Zeit (bei Erdbeeren sind es vier Stunden) darf geerntet werden, die gewonnenen Goldmünzen wandern auf das virtuelle Konto. Wer zulange wartet (bei Erdbeeren über acht Stunden), der lässt die Früchte verdorren und erhält kein Geld. Natürlich muss man während dieser Zeit nicht vor dem PC hocken – wer spät abens Tomaten pflanzt, kann diese nach acht Stunden beruhigt am nächsten Vormittag ernten.
Eine weitere Möglichkeit an Geld zu kommen sind Bäume und Tiere – einmal auf der Farm verteilt, bringen diese im Tagesrythmus einen kleinen Bonus. Der Vorteil: Weder Bäume noch Tiere können “schlecht” werden – sie begleiten den Farmer also sein ganzes Leben lang (was auf einigen Farmen für äußerst dicht gedrängte Massentierhaltung sorgt).
Neben Geld spielt auch der Erfahrungsbalken eine große Rolle: Mit jedem gekauften Gegenstand und geernteten Feld levelt der Farmer weiter auf. Je weiter man levelt, desto mehr Optionen zur Farmgestaltung gibt es: Von der obligatorischen Farmvergrößerung, über neue Bäume und Gegenstände – hieraus erzielt Farmville seinen wesentlichen Reiz. Zusätzliche Anreize bietet das durchdachte Community-System: Desto mehr Nachbarn neben der heimischen Farm siedeln, desto größer kann man expandieren. Dazu kommt, dass man die Farmen der Nachbarn besuchen kann und sich gegenseitig Geschenke schicken kann.
Zuletzt versüßt Zynga seinen Nutzern die Farmville-Zeit durch Jahreszeit-spezifische Gegenstände: Passend zu Weihnachten werden Rentiere verteilt, ein Weihnachtsbaum gepflanzt und Weihnachtssterne angebaut. Einige Farmer verdienen ihren virtuellen Ruhm mittlerweile mit wahren Kunstwerken: Per Stapeltechnik werden 3D-Objekte vorgetäuscht, per farbiger Heuballen Pixelnachbauten von Super Mario, Pac Man und Co. auf den Farmboden gezeichnet.
Farmville richtet sich an Nutzer jeden Alters und sorgt für mehrere, unterhaltsame Stunden vor dem PC. Vor allem Fans von Aufbauspielen fühlen sich gleich heimisch: Die Optik ist niedlich verspielt, die Kontrollen simpel und übersichtlich, der optionale Sound entspannend.
Negative Kritik aus den Medien gibt es derweil für die optionale Geldausgabe: Wer spezielle Objekte kaufen will, kann auch ganz reales Geld dafür ausgeben. Darüberhinaus gibt es die Option diverse Abos und Newslettern für virtuelles Farmgeld einzutauschen – wer sich auf so etwas einlässt, sollte sich über versteckte Kosten und Abzocke nicht wundern.
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